Lock-in-Effekt (Wirtschaft)
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(zeige alle), freigegeben am 13. Mai 2008.
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In den Wirtschaftswissenschaften werden als Lock-in-Effekt (von to lock in: einschließen, einsperren) Kosten bezeichnet, die eine Änderung der aktuellen Situation unwirtschaftlich machen. Problematisch werden Lock-in-Effekte, wenn sie zu verlustbehaftetem Verhalten zwingen, um noch größere Verluste abzuwenden.
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[Bearbeiten] Lock-in-Effekte für Unternehmen
Unternehmen versuchen Kunden durch Lock-in-Effekte an sich zu binden und selbst mögliche Lock-in-Effekte zu vermeiden. Im Falle versunkener Kosten oder langfristiger Abnahmeverträge für bestimmte Rohstoffe halten Unternehmen beispielsweise an der Produktion eines Gutes fest, obwohl sie insgesamt Verluste machen.
Lock-in-Effekte treten auch im Arbeitsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern auf, sofern mindestens ein Vertragspartner ex ante Kosten aufbringen musste, um den anderen Vertragspartner an sich zu binden (z. B. Kosten für das Erlernen betriebsspezifischer Fertigkeiten oder Einstellungs- und Screeningkosten).
[Bearbeiten] Lock-in-Effekte für Verbraucher
Verbraucher werden durch finanzielle Investitionen in bestimmte Technologien (PC vs. Macintosh) oder durch zeitliche Investitionen (Versicherungsmakler, der persönliche Situation durch langjährige Zusammenarbeit kennt) an einen Anbieter oder an eine Anbietergruppe gebunden. Dies bewirkt eine oft als Vendor Lock-in bezeichnete Herstellerabhängigkeit.
[Bearbeiten] Konsequenzen
Die Extrakosten für die Verbraucher bewirken eine Situation, die den Verkäufer bevorzugt. Dies kann bis zum Monopol führen, wo es für ein bestimmtes Produkt einen einzigen Anbieter gibt, meistens aber eher zu einem Quasi-Monopol, wo ein einziger Anbieter den Markt beherrscht.
[Bearbeiten] Künstliches Lock-in
Die Anbieter können einen künstlichen Lock-in-Effekt auch dort bewirken, wo normalerweise keiner existiert, indem sie Bonus- oder Loyalitäts-Punkte verschenken. Beispiele sind Rabattmarken, Bonus-Meilen für häufiges Fliegen, bestimmte Kreditkarten- und Telefonie-Angebote, die alle nur bei der ursprünglichen Firma verwendet werden können und beim Wechsel zu Konkurrenten Verluste verursachen.
[Bearbeiten] Beispiele von Lock-in
[Bearbeiten] Kameras
Die Kamera-Industrie bietet ein gutes Beispiel für Lock-in. Bei vielen Kameras können die Objektive ausgewechselt werden. Die Objektive sind ein wichtiger Zusatz zur Kamera und kosten oft mehr als das Kameragehäuse selbst. Seit mindestens den 1930er Jahren haben die Hersteller die Befestigungs-Systeme der Wechsel-Objektive patentiert. Dies stellte sicher, dass der Kamerahersteller während der Dauer des Patents ein Monopol auf Objektivverkäufe hatte. Zusätzlich haben auswechselbare Objektive seit 1989 häufig Elektronik eingebaut. Die Hersteller bemühen sich um Lock-in auch außerhalb des Patents, indem sie notwendige Informationen nicht freigeben und Konkurrenten entweder dafür Lizenzgebühren entrichten oder die Informationen selber herausfinden müssen. Dasselbe wird mit anderen Kamera-Zubehörteilen getan, so dass ein Wechsel der Marke häufig eine komplizierte und kostspielige Angelegenheit ist.
[Bearbeiten] Computer
Vendor Lock-in ist bei den Computer- und Elektronikindustrien ausgeprägt. In der Computerindustrie wird sowohl bei Hardware als auch Software versucht, die Interoperabilität auf allen Stufen zu behindern: bei den Betriebssystemen, Anwendungsprogrammen und Dateiformaten. Bei Betriebssystemen und Mikroprozessoren gibt es jeweils einen deutlich dominanten Hersteller. Die Behinderung ist selten absolut, sondern gerade so hoch, dass der Kunde einen Vorteil hat, wenn er die Produktpalette des Anbieters bevorzugt. Dies führt häufig zu Monopolen und Antitrust-Prozessen.
[Bearbeiten] Landwirtschaft
Komplett-Pakete für den landwirtschaftlichen Ackerbau mit aufeinander abgestimmten und voneinander abhängigen transgenetisch modifizierten und somit patentierbaren[1] Pflanzen, Schädlingsbekämpfungsmitteln, Unkrautvertilgern und Düngemitteln binden Landwirte an Hersteller agrarischer Vorprodukte. Mit der Terminator-Technologie (eine genetische Technologie zur Anwendungsbeschränkung) wird versucht, Bauern die Möglichkeit zur Produktion eigenen Saatgutes zu nehmen.
[Bearbeiten] Krankenkassen
Krankenversicherungen versuchen, einen Teil der für den versicherten angesparten Rücklagen für sich zu behalten, wenn er zu einer anderen Versicherung wechseln will. Es wird versucht, die Kosten des Versicherungsnehmers bei einem Wechsel der Versicherung für ihn prohibitiv hoch werden zu lassen. Der Wettbewerb der Versicherungen kann sich damit auf junge Menschen konzentrieren.
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Patentinformationen, GENRES Informationssystem der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

