Lockende Versuchung

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Filmdaten
Deutscher Titel Lockende Versuchung
Originaltitel Friendly Persuasion
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1956
Länge 137 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie William Wyler
Drehbuch Jessamyn West
Michael Wilson
Produktion Harry F. Hogan
Walter Mirisch
Robert Wyler
William Wyler
Musik Dimitri Tiomkin
Kamera Ellsworth Fredricks
Schnitt Robert Belcher
Edward A. Biery
Robert Swink
Besetzung

Lockende Versuchung ist ein US-amerikanisches Filmdrama von Regisseur William Wyler aus dem Jahre 1956 mit Gary Cooper in der Hauptrolle.

Handlung[Bearbeiten]

Die Quäkerfamilie Birdwell (in der deutschen Synchronfassung Blumer) in Indiana versucht sich 1862 während des Bürgerkrieges ihre pazifistischen Grundsätze zu bewahren.

Bereits der Alltag führt regelmäßig zu einem Dilemma praktischer Art. Die Gans Samantha attackiert den Quäkerjungen Little Jess (in der deutschen Synchronfassung Daniel), der sich wehrt, indem er ihr einen Eimer Wasser über das Federkleid kippt, und sich sogar zu der Drohung versteigt, sie umzubringen. Seine Mutter, Eliza Birdwell, Vorsteherin einer Quäkergemeinde, erinnert ihn an den Grundsatz der Gewaltlosigkeit. Eliza missfällt, dass Jess, ihr Mann, mit seinem methodistischen Freund Sam Jordan Kutschrennen auf dem Weg zum Bethaus veranstaltet und seinem Pferd eine zusätzliche Anstrengung abverlangt, die es freiwillig nicht auf sich genommen hätte. Gewaltlosigkeit gilt auch Tieren gegenüber, soweit die Grundbedürfnisse des Menschen es zulassen.

Der Quäkerjüngling Caleb Cope glaubt, sich einen Kampf wenigstens im Spiel erlauben zu dürfen. Er wirft auf dem Jahrmarkt seinen Gegner zu Boden. Als der Unterlegene vortäuscht, Schmerzen zu leiden, verzichtet Caleb auf den Sieg und zieht sich den Ärger derjenigen zu, die auf ihn gewettet haben. Sie schlagen ihn, wissend, dass ein Quäker nicht zurückschlagen darf. Jess Birdwell findet eine pragmatische Lösung: Er umklammert den Angreifer und steckt ihn zur Abkühlung, so als wäre es eine Wohltat, kopfüber in ein Wasserfass. Auch Eliza, die Gemeindevorsteherin, scheitert an ihren Grundsätzen: Ein konföderierter Soldat, Angehöriger einer Kavalleriestreife, die tief im Unionsgebiet operiert, will die Gans Samantha fangen. Da greift die fromme Quäkerin zu einem Besen und traktiert den Kavalleristen so lange, bis er im Tausch gegen andere Lebensmittel auf Samantha verzichtet. Der Südstaatler lässt sich durch die harmlose Attacke überreden. Er reagiert wie ein Gentleman, fast wie ein Quäker. Eliza hingegen leidet unter ihrer Sünde wider die Gewaltlosigkeit. Ihr Mann soll nichts davon erfahren, aber Jess kommt durch die Indiskretion seines Jüngsten dahinter und amüsiert sich.

Jess will sein auf dem Jahrmarkt erworbenes Harmonium behalten. Seine Frau verbietet es ihm als Vorsteherin der Gemeinde, weil Musik ein weltlicher Genuss sei, dem sich ein Quäker nicht hingeben darf. Er setzt sich über ihre Bedenken hinweg. Eliza versucht es mit psychischem Druck: Sie zieht aus dem ehelichen Schlafzimmer in den Stall. Da handelt das Ehepaar einen Kompromiss aus. Das Harmonium bleibt, aber nur auf dem Speicher, und gespielt wird höchstens werktags.

Die Bürgerwehr Indianas stellt sich dem konföderierten Kommandounternehmen entgegen. Joshua, der Älteste der Birdwell-Söhne, hat sich ihr angeschlossen, um sein Elternhaus vor Brandschatzung zu bewahren. Eliza und Jess lassen ihren Sohn schweren Herzen ziehen. Am Ufer des Flusses Muscatatuck in der Nähe der Birdwells entwickelt sich ein Gefecht.[1] Joshua sieht den Feind, der in den Fluss reitet, nur über den Gewehrlauf. Er schießt und tötet ihn – das Ende der ´freundlichen Überredung´ und der Beginn der ´lockenden Versuchung´, auf Gewalt mit Gewalt zu antworten. Als Joshuas Pferd reiterlos auf den Hof zurückkehrt, sucht Jess auf dem Schlachtfeld nach seinem Sohn. Er findet ihn verletzt, aber lebend. Unter den Gefallenen ist jedoch Sam Jordan. Jess, mit einem Gewehr bewaffnet, trifft auf einen wehrlosen Südstaatler. Er verschont ihn.[2]

Kritiken[Bearbeiten]

„Die sorgsame Ausstattung dieses Films, das geschickt aufgelockerte Drehbuch und nicht zuletzt die Leistung der Darsteller haben diesem Film internationale Auszeichnungen verschafft und lassen ihn nachdrücklich zum Besuch empfehlen.“

Evangelische Filmgilde[3]

„Der preisgekrönte und gut besetzte Film entzieht sich einer Stellungnahme und weicht in Unverbindlichkeiten aus. In manchen Szenen atmosphärisch sehr dicht und psychologisch genau, aber formal insgesamt eher enttäuschend. Trotz seiner Mängel als besinnliche Unterhaltung reizvoll, die trotz aller Dramatik auch Charme aufweist.“

Lexikon des internationalen Films[4]

„Dem gleich mehrfach mit einem Oscar gekrönte Regisseur William Wyler, der bereits in der Stummfilm-Ära aktiv war, inszenierte hier mit hochkarätiger Besetzung ein beeindruckendes Zeitbild, das gehobene und atmosphärisch dichte Unterhaltung fernab des Western-Genres bietet, auch wenn ab und zu geritten und geschossen wird.“

Prisma Online[5]

Hintergrund[Bearbeiten]

Das Drehbuch von Michael Wilson basierte auf dem Roman The Friendly Persuasion[6] von Jessamyn West.

Für Regisseur William Wyler war es der erste Farbfilm und nach Mein Mann, der Cowboy und Der Westerner die dritte und letzte Zusammenarbeit mit Hauptdarsteller Gary Cooper.

Die Allied Artists Pictures übernahm den Vertrieb in den USA. Die Metro-Goldwyn-Mayer brachte den Film 1957 in die bundesdeutschen Lichtspielhäuser. In dieser bis heute gebräuchlichen Synchronfassung bekam Gary Cooper die Stimme von Ernst Wilhelm Borchert.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die einzige militärische Aktion der Konföderierten nördlich des Ohios unter John Hunt Morgan fand im Juli 1863 statt
  2. Ein Quäker, der den Film hier kritisiert, schreibt dazu: „... the young man (der Südstaatler) IS UNARMED and the QUAKER HAS THE GUN ... there have been many examples in which an [sic] person NOT religiously devoted to pacifism has refused to shoot his enemy“
  3. Bewertung vom September 1957 (PDF; 35 kB)
  4. Lockende Versuchung im Lexikon des Internationalen Films
  5. Lockende Versuchung auf prisma.de
  6. Die wortwörtliche Übersetzung lautet: Freundliche Überredung, was auch (nach The Advanced Learner´s Dictionary of Current English) als religiöser Glaube (religious belief) oder als Glaubensgemeinschaft (any group or sect holding a particular belief) verstanden werden kann und damit Religiöse Gesellschaft der Freunde, also Quäker bedeuten würde. Der deutsche Buchtitel heißt: Locke sie wie eine Taube (Brunnen-Verlag Gießen)