Lockheed F-117

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Lockheed Martin F-117 Nighthawk
Frontansicht einer F-117 „Nighthawk“
Frontansicht einer F-117 „Nighthawk“
Typ: Tarnkappenflugzeug
Entwurfsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Lockheed Corporation
Erstflug: 18. Juni 1981
Indienststellung: Oktober 1983
Produktionszeit: 1982–1990
Stückzahl: 64

Die F-117A Nighthawk ist ein zweistrahliges, einsitziges Flugzeug, das von Lockheed in den 1970er-Jahren für die US Air Force entwickelt und bis 1990 mit geringfügigen Modifikationen gefertigt wurde. Es handelt sich um das weltweit erste Kampfflugzeug, das erfolgreich Tarnkappentechnik zur Vermeidung von detektierbaren Abwärme- und Radarrückstrahlungen benutzte.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Entwicklung des Stealth-Flugzeuges begann Anfang der 1970er-Jahre in der Lockheed Advanced Development Projects Unit (besser bekannt als Lockheed Skunk Works). Der erste Prototyp - noch unter dem Demonstrator-Programm Lockheed Have Blue (HB1001) - hob am 1. Dezember 1977 zu seinem Jungfernflug ab. Nach dem Absturz am 4. Mai 1978 übernahm der zweite Prototyp seine Aufgabe. Der Erstflug des rund 50 Prozent größeren Serienflugzeuges fand dann am 18. Juni 1981 unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt.[1]

Im April 1976 wurde der Vertrag zum Bau von zwei Demonstratoren („Have Blue“) an Lockheed vergeben. Die erste F-117A wurde am 23. August 1982 ausgeliefert, die letzte im Sommer 1990. 1978 fiel die Entscheidung, die F-117 zu kaufen, als ein entsprechender Vertrag mit den Skunk Works in Burbank zustande kam. Der Erstflug fand bereits 31 Monate später, am 18. Juni 1981 durch den Piloten Hal Farley von der Tonopah Test Range in Nevada statt. Die Existenz der Maschine wurde vom US-Verteidigungsministerium erst am 10. November 1988 bestätigt. Die bis heute einzige F-117-Einheit der Air Force, die 4450th Tactical Group (inzwischen 49th Fighter Wing, Holloman Air Force Base, New Mexico), war ab Oktober 1983 einsatzbereit. Die bemerkenswert schnelle Fertigstellung der ersten Serienflugzeuge innerhalb von nur fünf Jahren ist vor allem dem Aeronautical Systems Center der Air Force auf der Wright-Patterson Air Force Base in Ohio zu verdanken, die dies durch ein optimiertes Testprogramm und die gute Zusammenarbeit mit dem Hersteller ermöglichte.

Der erste Einsatz einer F-117A erfolgte am 19./20. Dezember 1989, als sechs Maschinen von Tonopah aus zum Bombenabwurf über Panama (Operation Just Cause) aufbrachen.[2] Am 17. Januar 1991 eröffneten F-117A mit Angriffen auf Bagdad die Operation Desert Storm gegen den Irak. Im Dritten Golfkrieg wurden dabei 40 F-117A eingesetzt und flogen 1270 Kampfeinsätze. Am 20. März 2003 leiteten sie die Operation Iraqi Freedom ein.[3]

1998 betrugen die Stückkosten für eine F-117 nach Angaben der USAF rund 80 Millionen US-Dollar.

Ende Oktober 2006 bestätigte die US-Luftwaffe, dass die F-117A innerhalb der nächsten Jahre außer Dienst gestellt und durch die F-22 Raptor ersetzt werden soll.[4] Zum 31. Dezember 2006 legte die USAF die ersten zehn Nighthawks still und deaktivierte die 7th Fighter Squadron.[5] Am 12. März 2007 wurden die ersten sechs Maschinen zur Einlagerung zur Tonopah Test Range geflogen.[6] Einen Tag vor der offiziellen Außerdienststellung fanden die letzten F-117-Flüge am 21. April 2008 statt.[7] Von der Holloman AFB aus starteten die letzten F-117 in Richtung Tonopah Test Range in Nevada.[8] Die ersten beiden F-22 kamen am 2. Juni 2008 in Holloman AFB an.[9]

Flugvorführung Lockheed F-117

Tarnkappen-Eigenschaften[Bearbeiten]

F-117 am Boden
Auf diesem Bild ist die Facettierung der F-117 gut zu erkennen

Die Tarnkappen-Eigenschaften der F-117 beruhen auf ihrer besonderen Form mit aus ebenen Flächen zusammengesetztem Flugwerk und auf einer speziellen Beschichtung der Außenhaut. Diese besteht unter anderem aus elektrisch leitenden Kunststoff-Dipolen, abgestimmt auf die zu absorbierende Frequenz. Rund 80–90 Prozent der auftreffenden Radarstrahlung werden im Idealfall absorbiert. Auch die Cockpitverglasung enthält Dipolelemente, während die Lufteinläufe für die Triebwerke durch Gitter mit entsprechenden Eigenschaften abgedeckt sind.

Die Form ist so gewählt, dass bei normaler Fluglage am ganzen Flugzeug keine Flächenanordnung existiert, die Radarstrahlen direkt oder indirekt zum Empfänger reflektiert.

Unvermeidbar rückstrahlende Bauelemente sind einziehbar oder verdeckt angebracht. Die beiden Waffenschächte werden, wie die Fahrwerksbuchten, lediglich bei Bedarf geöffnet, die Kanten der Cockpitverglasung, Ruderflächen, Betankungseinrichtung und Sensorik sind entsprechend den oben genannten Prinzipien gestaltet.

Alle Methoden zusammengenommen vermindern effektiv den Radarquerschnitt, die Rückstrahlfläche und -intensität des Flugzeugs. Es gibt jedoch Radaranordnungen, die diese Methode unwirksam werden lassen. Bei modernen Tarnkappenflugzeugen wie der Northrop B-2 wird die facettierte Form nicht mehr verwendet, was unter anderem aerodynamische Vorteile bringt. Ein Grund, Facetten in der Flugzeugform zu benutzen, war es, die Konstruktion so weit zu vereinfachen, dass die damals verfügbaren Supercomputer zur Berechnung ihres Radarechos in der Lage waren.

Die Beplankung der Außenhaut wird in Handarbeit gefertigt und beschichtet. Dies bedeutet auch, dass kein Flugzeug dem anderen gleicht, sie unterscheiden sich teilweise um mehrere Zentimeter in den Abmessungen. Ein defektes Beplankungselement kann daher in der Regel nicht einfach ersetzt werden, da man kaum ein passendes Teil im Lager finden wird. Es muss stattdessen vermessen und vom Hersteller nach diesen Maßen als Einzelstück gefertigt werden. Dies wird als einer der größten Nachteile der F-117 angesehen.

Das F-117A-Programm hat nachgewiesen, dass es möglich ist, ein verlässliches und – die Außenhaut ausgenommen – wartungsfreundliches Tarnkappenflugzeug zu entwickeln und zu bauen. Die Wartungsstatistiken entsprechen in etwa denen anderer taktischer Kampfflugzeuge ähnlicher Komplexität. Das ursprünglich geplante Kampfwertsteigerungsprogramm, wobei die unterschiedlichen Flugzeuge dann auch einander angeglichen werden sollten, wurde nicht weiterverfolgt.

Triebwerk und Avionik[Bearbeiten]

Risszeichnung Lockheed F-117

Der Antrieb besteht aus zwei General Electric F404 Turbofan-Triebwerken, die baugleich mit denen der F/A-18 Hornet sind, allerdings nicht mit einem Nachbrenner ausgestattet sind. Die Flugkontrollsysteme in Fly-by-Wire-Technik sind vierfach redundant ausgelegt und mit künstlicher Stabilität ausgerüstet.

Durch die Möglichkeit zur Luftbetankung kann die F-117 weltweit eingesetzt werden; die Reichweite wird nur durch die Leistungsfähigkeit des Piloten beschränkt.

Weitere Ausrüstung:

Bewaffnung[Bearbeiten]

Die F-117 besitzt zwei Bombenschächte. Darüber hinaus ist die F-117 mit einem passiven Infrarot-Such-und-Zielsystem, genannt FLIR und DLIR, für Forward- bzw. Downward-Looking-Infra-Red ausgerüstet. Mit diesem ist die F-117 in der Lage, ein Ziel punktgenau zu treffen.

Die F-117 kann einen Großteil der derzeit in den Vereinigten Staaten produzierten lasergelenkten Bomben (Laser Guided Bombs, LGBs) einsetzen und ist mit fortschrittlichen Navigations- und Angriffssystemen ausgestattet, die in eine Avionik-Ausrüstung auf dem derzeitigen Stand der Technik integriert sind, die die Missionseffektivität steigert und den Piloten entlastet. Für Missionen, die in gut verteidigte Zielgebiete führen, wurde ein automatisiertes Missionsplanungssystem entwickelt, um die Fähigkeiten der F-117 voll ausnutzen zu können. Dazu gehört ein auf GPS-Daten basierendes Terrain-Folgesystem für längeren Tiefflugeinsatz mit integrierter automatischer Echtzeit-Fluglagesteuerung, die selbsttätig die programmierten Ziele anzufliegen in der Lage ist, wobei Täuschungs- und Ablenkungsmanöver aufschaltbar sind.

Waffenzuladung von ca. 2000 kg in den zwei internen Waffenschächten.
Gelenkte Bomben
Ungelenkte Bomben
  • 2 × B61 (taktische 340-kt-Nuklear-Freifallbombe)

Abstürze[Bearbeiten]

  • Der erste Absturz ereignete sich am 20. April 1982, als bei der Inbetriebnahme des Fluglagereglers ein Fehler unterlief. Die Signale der Gier- und Nickgeschwindigkeitsaufnehmer wurden vertauscht. Mit der Aktivierung des Systems unmittelbar nach dem Abheben und der damit steigenden Nickrate wurde ein Gierimpuls aktiviert. Das Flugzeug wurde damit unkontrollierbar, geriet in Rückenlage und stürzte unmittelbar danach ab. Der Pilot Robert Riedenauer wurde schwer verletzt und musste seine Pilotenlaufbahn aufgeben. Dieser Absturz ist in die Geschichte der schwerwiegenden Programmierfehler im Software Engineering eingegangen. (Flugzeug-Nummer 80-0785)
  • Am 11. Juli 1986 flog eine Maschine während eines Übungsfluges bei Bakersfield (Kalifornien) direkt in einen Berg. Der Pilot kam dabei ums Leben. Offiziell wurden keine Gründe für den Absturz genannt. Sowohl ein Versagen der Terrainverfolgung oder des Autopiloten, als auch eine Desorientierung des Piloten könnten die Ursache gewesen sein. (Flugzeug-Nummer 80-0792)
  • Ein Pilotenfehler war die Ursache für den Absturz am 14. Oktober 1987 in der Nähe von Tonopah. (Flugzeug-Nummer 80-0815)
  • Am 14. August 1992 stürzte eine Maschine bei La Luz ab. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten. Grund war die fehlerhafte Montage einer Rohrleitung am Triebwerk. (Flugzeug-Nummer 80-0801)
  • Am 10. Mai 1995 stürzte eine Maschine in der Nähe von Zuni während eines Übungsfluges ab, bei dem die Ausnutzung der Stealth-Eigenschaften und der Terrainverfolgung geübt werden sollten. Der Pilot wurde getötet. (Flugzeug-Nummer 80-0822)
  • Am 14. September 1997 brach bei einer Flugvorführung in der Nähe von Baltimore eine Tragfläche einer F-117 ab. Der Pilot konnte sich retten. Trotz schwerer Feuer an der Absturzstelle gab es keine ernsthaft Verletzten. Grund war das Fehlen von vier Befestigungsbolzen nach inkorrekt durchgeführten Wartungen, was zum Flattern der Tragfläche und deren Bruch führte. (Flugzeug-Nummer 80-0793)

Da mit den Maschinen häufig während der Nacht geflogen wird und eine Desorientierung zum direkten Absturz führen kann, wurden die Maschinen mit einer Schaltung ausgerüstet, die einen Flug direkt in den Boden verhindern soll.

Verluste bei Kampfhandlungen[Bearbeiten]

Teile der abgeschossenen F-117

Mindestens eine F-117 ging im Kampf verloren. Während der NATO-Luftangriffe auf Ziele in Jugoslawien gelang es dem 3. Bataillon der serbischen Raketen-Brigade 250, ausgerüstet mit einem P-18-Radar[10] und SA-3-Goa-Raketenstationen, am 27. März 1999 die F-117A mit der Kennung 82-0806 abzuschießen. Der Pilot konnte sich mit dem Fallschirm retten.[11][12][13][14]

Die Serben machten die Wrackteile später russischen Ingenieuren zur Untersuchung zugänglich.[15] Teile des Luftfahrzeugs befinden sich heute im Luftfahrtmuseum am Flughafen Belgrad.

Eine weitere Maschine wurde während der NATO-Luftangriffe so stark beschädigt, dass sie außer Dienst gestellt werden musste.

Technische Daten[Bearbeiten]

Bezeichnung Kenndaten
Typ Tarnkappenbomber
Länge 20,08 m
Spannweite 13,20 m
Höhe 3,78 m
Tragfläche 105,9 m²
Leergewicht 13.381 kg
Maximales Startgewicht 23.814 kg
Treibstoffkapazität 10.644 l (8.546 kg)
Höchstgeschwindigkeit 1.040 km/h
Dienstgipfelhöhe 15.560 m
Einsatzradius 1.112 km
Überführungsreichweite 2110 km
Triebwerke 2 × Mantelstromtriebwerke General Electric F404-F1D2
Schubkraft 2 × 48,06 kN
Versionen
  • 2 Have Blue-Prototypen
  • 5 YF-117-Vorserienmaschinen
  • 59 F-117A-Serienmaschinen
Kosten je Einheit: 122 Mio. US-Dollar

Bezeichnung und Spitzname[Bearbeiten]

Der offizielle Name der Lockheed F-117 ist laut dem Department of Defence (DoD) Night Hawk[16], wobei Nighthawk selbst offiziell ebenso geläufig ist.

Die Maschine wurde von manchen Testpiloten „Wobblin’ Goblin“ (Flattergeist)[17] genannt, speziell wegen ihrer unruhigen Flugeigenschaften beim Langsamflug und bei der Luftbetankung. Dieser Spitzname stammt aber noch aus der Have Blue-Zeit, als die Maschine Stabilisierungsprobleme hatte und später Softwareprobleme bei der Stabilisierung von frühen F-117-Maschinen auftraten. Die Bezeichnung „Cockroach“ (Kakerlake) ist ebenfalls geläufig, jedoch wurde diese Bezeichnung von Programminsidern nie genutzt, sondern stammt vielmehr von Außenstehenden, nachdem das Flugzeug „öffentlich“ wurde.[17]

Der erste interne Name war allerdings „Scorpion“, der auf einen verirrten Skorpion zurückging, der sich in einem Hangar der Testbasis fand.[17]

Während der Operation Desert Storm bekamen sie auch den Spitznamen „Shaba“, dem arabischen Wort für Geist.[17][18]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lockheed F-117 Nighthawk – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tarnkappen im Ruhestand. In: Fliegerrevue, Nr. 5/2008, S. 22–23.
  2. Nick Veronico, Jim Dunn: 21st Century U.S. Air Power. Zenith Imprint, 2004, ISBN 978-0-7603-2014-3, S. 32–35, hier S. 34 (englisch; online).
  3. Nr.1 fliegt nicht mehr. USAF mustert F-117A aus. In: Flug Revue, Juli 2008, S. 6–12.
  4. Matthew Bates: F-117: A long, storied history that is about to end. Air Force Print News, 28. Oktober 2006
  5. Laura London: Holloman replacing F-117 with F-22. Alamogordo Daily News, 2. Januar 2007.
  6. Terri Barriere: F-117A retirement bittersweet occasion. 49th Fighter Wing Public Affairs office, 12. März 2007.
  7. Peter Pae: Stealth fighters fly off the radar. In: Los Angeles Times, 23. April 2008, abgerufen am 6. Juni 2013 (englisch).
  8. Air Force Times: Nighthawk makes its final flight, 21. April 2008 (engl.)
  9. The Raptors have arrived @ Holloman. f-22raptor.com, 3. Juni 2008, abgerufen am 4. April 2013.
  10. http://www.airspacemag.com/military-aviation/unconventional-weapon-23371597/?page=5
  11. U.S. plane shot down, pilot rescued. CNN, 27. März 1999
  12. Stealth Nighthawk downed in Yugoslavia. CNN, 28. März 1999
  13. NATO stealth missions continue after crash. CNN, 28. März 1999
  14.  Torte mit Schleudersitz. In: Der Spiegel. Nr. 33, 2007 (13. August 2007, online).
  15. Russia Offers India $8 Billion Weapons Deal
  16. DOD 4120.15-L: Model Designation of Military Aerospace Vehicles, S. 18, United States Department of Defense, 12. Mai 2004, abgerufen am 3. September 2014
  17. a b c d F-117A: Frequently Asked Questions. f-117a.com, 1. April 2002, abgerufen am 3. September 2014 (englisch).
  18. Gulf War 20th: Emerging from the Shadows, DefenseMediaNetwork, 21. Januar 2011, abgerufen am 3. September 2014