Locorotondo

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Locorotondo
Kein Wappen vorhanden.
Locorotondo (Italien)
Locorotondo
Staat: Italien
Region: Apulien
Provinz: Bari (BA)
Koordinaten: 40° 45′ N, 17° 19′ O40.7517.316666666667410Koordinaten: 40° 45′ 0″ N, 17° 19′ 0″ O
Höhe: 410 m s.l.m.
Fläche: 47 km²
Einwohner: 14.258 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 303 Einw./km²
Postleitzahl: 70010
Vorwahl: 080
ISTAT-Nummer: 072025
Volksbezeichnung: Locorotondesi
Schutzpatron: San Giorgio
Website: Locorotondo

Locorotondo ist eine italienische Gemeinde mit 14.258 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) in der Provinz Bari, Region Apulien.

Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt auf einem Hügel in einer Höhe von 410 Metern; das Gemeindegebiet, das sich auch in die Ebene des Valle d'Itria erstreckt, verfügt über eine Fläche von 47 km². Wörtlich übersetzt bedeutet der Name "runder Ort", was an der noch heute praktisch kreisrunden Altstadt, von der aus man einen weiten Blick über das Valle d'Itria hat, zu sehen ist. Zu Locorotondo gehören die Ortsteile San Marco Trito und Tagora.

Die Nachbargemeinden sind Alberobello, Cisternino (BR), Fasano (BR) und Martina Franca (TA). Die Altstädte von Cisternino und Martina Franca liegen ebenfalls auf Hügeln, die sich - gut erkennbar von Locorotondos Stadtpark (Villa Comunale) - deutlich über ihre Umgebung erheben.

Geschichte[Bearbeiten]

Lokalhistorikern zufolge könnte Locorotondo eine antike griechische Kolonie gewesen sein: Schiffbrüchige Lokrer, Flüchtlinge des Troianischen Krieges, hätten eine Stadt Locros-Tonos gegründet. Möglicherweise gehe der Ortsname aber auch auf Locruese, eine von dem mythischen Periandro Locrese gegründete Siedlung, zurück. 1840 entdeckte Grabfunde (Fragmente von Keramiken, Gebrauchsgegenständen und Münzen) zeugen tatsächlich von einer auf das 3. bis 7. vorchristliche Jahrhundert zurückgehende Bevölkerung; Ausgrabungen von 1989 lassen sogar auf noch ältere Siedlungskerne (9. bis 7, vorchristliches Jahrhundert) schließen.

Urkundlich erwähnt werden Locorotondo und seine Kirche San Giorgio erst 1195 zur Zeit der Staufer; die Kirche gehörte bis 1385 zum Benediktinerkloster Santo Stefano zu Monopoli. Nach diversen Kompetenzstreitigkeiten war Locorotondo im 14. und 15. Jahrhundert Lehen der Orsini und unter der Krone Aragon Lehen verschiedener neapolitanischer Adelsfamilien, unter denen die Loffredo besonderen Einfluss gewannen. Die Stadtbefestigung, von der nur noch die Porta Napoli erhalten ist, entstand im 16. Jahrhundert.

In dieser Zeit wuchs die Bevölkerung erheblich und erhielt Locorotondo eine eigene Stadtverwaltung. Neue Kirchenbauten entstanden (San Rocco, Madonna della Catena), die bereits vorhandenen (San Giorgio, Madonna della Greca) wurden umgebaut und erweitert. 1645 mussten die Borrassa das Lehen an die Caracciolo von Martina Franca abtreten, die es bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts hielten.

1799 kam es zu ersten Unruhen im Geiste des Risorgimento. Seit 1861, als das Königreich beider Sizilien endete, gehört Martina Franca zum Nationalstaat Italien.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gasse in der Altstadt und Campanile

Die Altstadt von Locorotondo wird durch enge Gassen mit weißen Kalkstein-Giebelhäusern geprägt; ihre extrem schrägen Dächer (cummerse) mit gemauerten Schornsteinen und aschgrauen Ziegeln bilden ein besonderes Ensemble, das die Aufmerksamkeit der überregionalen Touristenorganisation "I borghi più belli d'Italia" (= schönste Dörfer Italiens) erregt hat.

Zugang zur Altstadt erfolgt durch die Porta Napoli; über dem Torbogen sind spätmittelalterliche Reliefs mit verschiedenen ornamentalen Dekoren und Tieren angebracht.

Kirchen[Bearbeiten]

  • Die 1520 erstmals erwähnte Basilika Madonna della Greca am nördlichen Altstadtrand, deren romanisch-gotische Formen indes eine deutlich frühere Entstehung dokumentieren, birgt einige beachtliche Renaissance-Kunstschätze, beispielsweise ein Polyptichon Madonna delle Rose mit den Heiligen Lucia, Petrus, Paulus und Donatus, ein Relief des Heiligen Georg mit dem Drachen (datiert 1559) sowie einer knienden Statue unklarer Identität (Kreuzritter, Stifter oder lokaler Adliger).
  • Die Hauptkirche San Giorgio Martire ist ein neoklassizistischer Bau des 19. Jahrhunderts, der ältere Vorläufer ersetzt.

Profanbauten[Bearbeiten]

  • Der ehemalige Palazzo Comunale (heute städtische Bibliothek) aus dem 18. Jahrhundert ersetzt einen nicht erhaltenen Vorgänger; der Uhrturm stammt von 1819. Um 1870 wurde der Bau stark verändert.
  • Der Palazzo Morelli ist der einzige Adelspalast Locorotondos, der seine barocke Gestaltung des frühen 18. Jahrhunderts unverändert bewahrt hat. Stilistisch ist er verwandt mit der eleganten Formensprache der Gebäude in Martina Franca (Portal mit Familienwappen und Groteskenfiguren, große Rechteckfenster mit gesprengten Giebeln, kleinen Balkonen und schmiedeeisernen Gittern), was sich dadurch erklärt, dass den in Martina Franca ansässigen Caracciolo in dieser Zeit auch Locorotondo zu Lehen gehörte.

Weinbaugebiet Locorotondo[Bearbeiten]

Das Weinbaugebiet Locorotondo umfasst die namensgebende Gemeinde Locorotondo in der Provinz Bari, sowie die Gemeinde Cisternino und Teile der Gemeinde Fasano, beide in der Provinz Brindisi. Das Gebiet liegt an der Zona dei Trulli. Mit Trulli werden runde Steinhäuser bezeichnet.

Locorotondo verfügt seit dem 10. Juni 1969 über den Status einer Denominazione di origine controllata (kurz DOC). Der strohgelb bis grünliche Wein mit einem feinen Bouquet zählt zu den besten Apuliens. Er wird aus der autochthonen Rebsorte Verdeca (50–65 %), sowie Bianco d'Alessano (35–50 %) gekeltert. Als Nebensorten dürfen Bombino Bianco, Fiano und Malvasia Bianca Lunga (hier auch Malvasia Toscana genannt) (zusammen bis maximal 5 %) verwendet werden. Er wird auch als Spumante produziert. Der Wein hat einen Mindestalkoholgehalt von 11 % und ist dem benachbarten DOC Martina Franca sehr ähnlich.

Etwa 2120 Winzer bearbeiten die 1638 Hektar zugelassenen Reblandes. Der gekelterte Wein reift rund sechs Monate beim Winzer und sollte jung getrunken werden.

  • Farbe: weißgrünlich, leuchtend
  • Duft: sehr fein und delikat
  • Alkoholgehalt: 11–12 %
  • Gesamtsäure: 4,5–6,5 Promille
  • Trinktemperatur: 8–10 °C

Produktionsmenge[Bearbeiten]

Locorotondo wird in den Provinzen Bari und Brindisi hergestellt:

  • Bari (1990/91) 12012 Hektoliter
  • Bari (1991/92) 16498 Hektoliter
  • Bari (1992/93) 24454 Hektoliter
  • Bari (1993/94) 15874 Hektoliter
  • Bari (1994/95) 12486 Hektoliter
  • Bari (1995/96) 10398 Hektoliter
  • Brindisi (1990/91) 10105 Hektoliter
  • Brindisi (1991/92) 9768 Hektoliter
  • Brindisi (1992/93) 19231 Hektoliter
  • Brindisi (1993/94) 9933 Hektoliter
  • Brindisi (1994/95) 8141 Hektoliter
  • Brindisi (1995/96) 9320 Hektoliter
  • Brindisi (1996/97) 7083 Hektoliter

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Locorotondo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.