Lodovico Dolce

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A phoenix sits in a nest of flames atop a globe bearing the initials I.G.F., bordered on three sides by the Latin motto, "De la mia morte eterna vita i vivo."
Signet des Druckers Gabriele Giolito de' Ferrari, für den Lodovico Dolce 36 Jahre lang tätig war.

Lodovico Dolce (* 1508 in Venedig; † 1568 ebd.) war ein italienischer Humanist, Dichter, Schriftsteller, Übersetzer und Kunsttheoretiker.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Der aus einem Nebenzweig einer renommierten venezianischen Familie stammende Dolce erhielt, nachdem er früh zum Waisen geworden war, durch die Unterstützung der reichen Familien Loredan und Cornaro eine Ausbildung in Venedig und Padua. Durch die auf diese Weise erlangte umfassende Bildung und insbesondere aufgrund seiner Sprachkenntnisse und -kompetenz war er anschließend bis zu seinem Tod für die venezianische Druckeroffizin des Gabriele Giolito de’ Ferrari tätig. Seine Aufgaben dort waren vielfältig und heterogen: Dolce betreute Editionen, übersetzte – häufig zum ersten Mal überhaupt – antike Klassiker in die italienische Volkssprache und publizierte eigene Schriften. Er ist damit zu den sogenannten italienischen Polyhistorii zu zählen. Besondere Bekanntheit besitzt er heute als Verfasser des 1557 bei Giolito erschienenen Dialogo della pittura intitolato l'Aretino, einem der wichtigsten Kunsttraktate des Cinquecentos. Darüber hinaus ist er durch verschiedene Schriften stark an der Entwicklung und Verbreitung der Imprese und des Emblems beteiligt.

Nach einer neueren Schätzung verantwortete Dolce in seiner Zeit bei Giolito mindestens 96 eigene Werke, 202 Ausgaben fremder Autoren und 54 Übersetzungen.[1] Unter den von ihm herausgegebenen modernen Autoren finden sich Figuren wie Dante Alighieri, Francesco Petrarca, Giovanni Boccaccio, Mario Equicola, Baldassare Castiglione, Pietro Bembo, Ludovico Ariost oder Bernardo Tasso. Unter den von Dolce übersetzten antiken Schriftstellern wären beispielsweise Homer, Aristoteles, Euripides, Catull, Cicero, Horaz, Ovid, Juvenal, Seneca und Vergil zu nennen. Nach seinem Tod 1568 wurde Lodovico Dolce in der venezianischen Kirche San Luca Evangelista begraben, sein Grab ist heute jedoch nicht mehr auffindbar.

Moderne Ausgaben (in Auswahl)[Bearbeiten]

  • Lodovico Dolce, Dialogo del modo di accrescere e conservar la memoria, hg. von Andrea Torre, Pisa, Scuola Normale Superiore, 2001
  • Lodovico Dolce, I quattro libri delle Osservationi, hg. von Paola Guidotti, Pescara, Libreria dell'Università Editrice, 2004
  • Lodovico Dolce, Terzetti per le «Sorti». Poesia oracolare nell'officina di Francesco Marcolini, hg. von Paolo Procaccioli, Treviso, Fondazione Benetton Studi Ricerche-Viella, 2006
  • Lodovico Dolce, Tieste, hg. von Stefano Giazzon, Turin, RES Editrice, 2010 (ISBN 978-88-85323-58-2)

Literatur[Bearbeiten]

  • Claudia Di Filippo Bareggi, Il mestiere di scrivere: Lavoro intellettuale e mercato librario a Venezia nel Cinquecento, Rom, Bulzoni, 1988
  • G. Romei, «DOLCE, Lodovico». In: Dizionario Biografico degli Italiani, Bd. 40, Rom, Istituto della Enciclopedia Italiana, 1991
  • Mark W. Roskill, Dolce's Aretino and Venetian art theory of the Cinquecento, University of Toronto Press, Toronto 2000
  • Anne Neuschäfer, Lodovico Dolce als dramatischer Autor im Venedig des 16. Jahrhunderts, Frankfurt am Main, Klostermann, 2004 (ISBN 978-3-465-03036-2)
  • Gudrun Rhein, Der Dialog über die Malerei. Lodovico Dolces Traktat und die Kunsttheorie des 16. Jahrhunderts. Mit einer kommentierten Neuübersetzung, Köln, Weimar u. Wien, Böhlau Verlag, 2008 (ISBN 978-3-412-20138-8)

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Di Filippo Bareggi 1988, S. 58.

Weblinks[Bearbeiten]