Lohr am Main

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Lohr a. Main
Lohr am Main
Deutschlandkarte, Position der Stadt Lohr a. Main hervorgehoben
49.9930555555569.5758333333333161Koordinaten: 50° 0′ N, 9° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Main-Spessart
Höhe: 161 m ü. NHN
Fläche: 90,44 km²
Einwohner: 15.012 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 166 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97816
Vorwahlen: 09352, 09355, 09359
Kfz-Kennzeichen: MSP
Gemeindeschlüssel: 09 6 77 155
Stadtgliederung: 10 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Schlossplatz 3
97816 Lohr a. Main
Webpräsenz: www.lohr.de
Bürgermeister: Mario Paul
Lage der Stadt Lohr a. Main im Landkreis Main-Spessart
Hessen Baden-Württemberg Würzburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Miltenberg Landkreis Bad Kissingen Landkreis Kitzingen Landkreis Würzburg Forst Lohrerstraße Rechtenbach Esselbach Ruppertshüttener Forst Ruppertshüttener Forst Partensteiner Forst Partensteiner Forst Langenprozeltener Forst Herrnwald Haurain Hafenlohr Fürstlich Löwensteinscher Park Frammersbacher Forst Frammersbacher Forst Frammersbacher Forst Forst Aura Forst Aura Gemeindefreies Gebiet Burgjoß Gemeindefreies Gebiet Burgjoß Schollbrunn Bischbrunn Thüngen Partenstein Mittelsinn Hasloch Neuhütten (Unterfranken) Rechtenbach Rechtenbach Hafenlohr Hafenlohr Lohr am Main Lohr am Main Zellingen Wiesthal Urspringen Rothenfels Roden (Unterfranken) Rieneck Retzstadt Obersinn Obersinn Obersinn Neustadt am Main Neuendorf (Unterfranken) Marktheidenfeld Triefenstein Kreuzwertheim Karsbach Karlstadt Karbach (Unterfranken) Himmelstadt Gräfendorf Gössenheim Gemünden am Main Frammersbach Frammersbach Fellen Eußenheim Erlenbach bei Marktheidenfeld Birkenfeld (Unterfranken) Aura im Sinngrund Aura im Sinngrund Arnstein (Unterfranken) Burgsinn Steinfeld (Unterfranken) Landkreis SchweinfurtKarte
Über dieses Bild
Die Stadtpfarrkirche St. Michael
Stadtkern mit St. Michael

Lohr am Main (amtlich: Lohr a.Main) ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart. Sie liegt am Main im Spessart etwa auf halber Strecke zwischen Würzburg und Aschaffenburg in Unterfranken. Lohr ist Mittelzentrum und Sitz, aber nicht Mitglied, der Verwaltungsgemeinschaft Lohr am Main.

Geographie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Lohr liegt am Ostabhang des Spessarts an einer Flussbiegung des Mains, der hier nach Süden schwenkt. Damit beginnt das Mainviereck (Südteil des Spessarts). In Lohr münden die Lohr und der Rechtenbach in den Main.

Geologie[Bearbeiten]

Der Untergrund besteht im Wesentlichen aus Sedimentgesteinen. Im Spessart findet sich viel Buntsandstein, im Osten schließt sich die fränkische Platte an, die überwiegend aus Muschelkalk besteht.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Lohr a.Main hat 10 Stadtteile:[2]

Es gibt folgende Gemarkungen:

Gemarkung Einwohner Fläche
ha
Einw./km² Eingemeindung
Halsbach 336 698 48,1 1972
Lohr am Main 6.313 3.900 161,9 -
Pflochsbach 442 193 229,0 1978
Rodenbach 771 979 78,8 1972
Ruppertshütten (Exklave im Norden) 780 429 181,8 1972
Sackenbach 1.101 815 135,1 1972
Sendelbach (mit Mariabuchen) 2.808 575 488,3 1939
Steinbach (mit Buchenmühle) 836 851 98,2 1972
Wombach 1.892 583 324,5 1972

Stand: 1. Januar 2012

Außerdem besitzt die Stadt Lohr am Main in den Gemarkungen anderer Gemeinden Flächen, nämlich in den Gemarkungen Partenstein, Gemünden und Rechtenbach.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

An Lohr grenzen folgende Gemeinden (im Uhrzeigersinn von Norden beginnend): Partenstein, Fellen, Neuendorf, Gemünden am Main, Karlstadt, Steinfeld, Neustadt am Main, Rechtenbach.

Name[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Ihren Namen hat die Stadt Lohr vom gleichnamigen Fluss Lohr,[3][4] der dem Main im Stadtgebiet zufließt. Der Zusatz am Main unterscheidet sie von weiteren gleichnamigen Orten.

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[3]

  • 1296 Lare
  • 1331 Lore
  • 1342 Lor
  • 1526 Lohr
  • 1573 Loarn
  • 1747 Lahr
  • 1831 Lohr
  • 1946 Lohr am Main[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Bayersturm

Die Stadt Lohr am Main ist spätestens seit dem 8. Jahrhundert besiedelt und war bei der ersten zweifelsfreien urkundlichen Nennung im Jahr 1295 als „Lare“ schon Kernort der Grafschaft Rieneck. 1333 erhielt Lohr das Stadtrecht,[5] erklärbar aus den Auseinandersetzungen um das Erbe der ausgestorbenen Linie der Grafen von Rieneck-Rothenfels. Stadt war der Ort zu diesem Zeitpunkt schon lange. Kaiser Ludwig der Bayer wollte jedoch in dieser Auseinandersetzung den Rienecker Stadtherren aus Dank für ihrerseits geleistete Dienste politisch den Rücken stärken. Das Stadtrecht schützte allerdings nicht vor der wohl schon seit langem bestehenden Lehenshoheit durch das Erzstift Mainz, auch wenn der Erzbischof von Mainz erst seit 1366 als Lehnsherr nachweisbar ist. Als Sühne für die Teilnahme am Bauernkrieg wurden den Lohrer Bürgern von 1525-1535 die Privilegien entzogen.

1559, nach dem Tod des letzten Rienecker Grafen Philipp III., kam Lohr daher als heimgefallenes Lehen an das Erzstift Mainz. Lohr erlebte in der Folgezeit eine Blütezeit, die sich noch heute im Stadtbild zeigt. Die Reformation wurde in Lohr noch vom letzten Riencker Grafen Philipp III.eingeleitet. Er hatte im Rahmen seines Besetzungsrechts 1543 Martin Luther und Philipp Melanchthon um Entsendung eines geeigneten Theologen gebeten. Der von ihnen empfohlene Schaffhausener Reformator Johann Konrad Ulmer traf noch im selben Jahr in Lohr ein und wirkte hier bis 1566. Obwohl Lohr seit 1559 mainzisch war, wurde erst unter dem Erzbischof Johann Adam von Bicken1603 die Rekatholisierung in Angriff genommen und im Wesentlichen bis 1605 abgeschlossen. Zwischen 1611 und 1629 fielen viele Bürger der Hexenverfolgung zum Opfer.

Den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) hat Lohr zunächst unbeschadet überstanden; 1632 fielen jedoch Schweden ein. Zur Drangsal des Krieges kam die Pest. Bis zu ihrem Erlöschen verlor die Stadt …„ mehr als die halbe Bürgerschaft durch die grassierende Infection …“. Nach 1648 erholte sich die Stadt langsam. Das handwerkliche Leben auf den vier Lohrer Schiffbauplätzen erblühte. Die Gründung der kurmainzischen Spiegelmanufaktur Anfang des 17. Jh. brachte für damalige Verhältnisse eine Großinvestition in die Stadt. Die Manufaktur bestand bis 1806. Friedrich Stein errichtete 1817 in der leerstehenden Manufaktur ein Eisenwalzwerk, das 1850 von den Brüdern Rexroth erworben wurde. Politisch wurde das Oberamt des Erzstiftes Mainz 1803 zugunsten des Fürstentums Aschaffenburg (Fürstprimas von Dalberg) säkularisiert und fiel mit ihm 1814 (damals ein Departement des Großherzogtums Frankfurt) an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Stadtgemeinde.

1875 kam es zum Bau der alten Mainbrücke. 1936 erfolgte die Gründung der Lindigsiedlung, 1939 die Eingemeindung von Sendelbach.

In der Zeit der NS-Gewaltherrschaft zwischen 1940 und 1945 wurden aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt (heute Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie) über 600 Kinder, Frauen und Männer im Rahmen der „Euthanasie“-Tötungsaktion T4 in die Tötungsanstalten Sonnenstein und Grafeneck und in die KZ Auschwitz und KZ Mauthausen deportiert. Seit 1993 erinnert ein in die Straße eingelassenes Bronzerelief des Künstlers Rainer Stoltz an diese Opfer des NS-Regimes. Am 2. April 1945 wurde der Arzt Carl Brand, der zu jener Zeit beruflich in Lohr zu tun hatte, von der Gestapo verhaftet und am gleichen Tage nach einem Standgerichtsurteil erschossen, weil er die Stadt den US-Truppen kampflos übergeben wollte. Daran erinnert seit 1979 ein Gedenkstein.[6]

Am 2. und 3. April fanden in Lohr heftige Kämpfe zwischen der Wehrmacht und US-Armee statt. Letztere verlor hier 8 Sherman-Panzer.

2008 wurde eine Straße im neuen Baugebiet Schafhof-Ost nach ihm benannt, nachdem vorherige Bemühungen des Lohrer Bürgers Dietrich Kohl in den Jahren 2005 und 2006 erfolglos geblieben waren.[7][8]

Am 1. Juli 1972 wurde der Großteil des Landkreises Lohr am Main Teil des neuen „Landkreises Mittelmain“, der am 1. Mai 1973 seine heutige Bezeichnung „Landkreis Main-Spessart“ erhielt. Als Kreisstadt wurde zunächst Lohr am Main bestimmt. Im Oktober 1972 entschied man sich jedoch für Karlstadt als neuen Kreissitz und verlegte das Landratsamt von Lohr nach Karlstadt. Hiergegen gab es große Proteste in der Bevölkerung, die sich unter anderem in einer Protestfahrt von ca. 4.000 Lohrern und Spessartern am 26. Februar 1973 nach München sowie Unterschriftensammlungen mit 27.000 Unterschriften gegen die Entscheidung zeigten. In der Folge traten Hunderte CSU-Mitglieder in der Region aus der Partei aus, da der Beschluss für den neuen Kreissitz von der damaligen CSU-Mehrheit im Maximilianeum in München gefasst worden war; es lösten sich stellenweise ganze Ortsverbände auf. Die Stadt Lohr strengte vergebens eine Normenkontrollklage an.[9]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Jahr 1939 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Sendelbach eingegliedert. Im Rahmen der Gemeindegebietsneugliederungen in Bayern kamen am 1. Januar 1972 Halsbach, Rodenbach, Ruppertshütten, Sackenbach, Steinbach und Wombach hinzu.[10] Pflochsbach folgte am 1. Januar 1978.[11]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Zum neuen Bürgermeister der Stadt Lohr wurde am 16. März 2014 als Nachfolger von Ernst-Heinrich Prüße (CSU) Mario Paul (als Kandidat von Grünen und SPD unterstützt) gewählt.

Stadtrat[Bearbeiten]

In der Wahlperiode 2014 - 2020 gehören dem Stadtrat von Lohr 24 Gemeinderätinnen und -räte an. Sie verteilen sich folgendermaßen auf die einzelnen Parteien oder Listen:

Partei / Liste Sitze
CSU 7
SPD 6
Die Grünen 5
Freie Wähler 4
BLuU* 2

* Bürgerverein Lohr und Umgebung

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Stadt Lohr am Main unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft:

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Lohr Maintal und Industriegebiet

Lohr am Main ist der wirtschaftlich wichtigste Standort im Landkreis Main-Spessart. Von etwa 12.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten wohnen nur etwa 5.500 in Lohr. Die größere Zahl, etwa 6.200 Beschäftigte, pendelt jeden Tag nach Lohr. Vergleicht man Lohr am Main mit der Kreisstadt Karlstadt, fällt die Bedeutung Lohrs noch stärker auf. Bei etwa der gleichen Zahl an Einwohnern hat Lohr am Main nur eine Verschuldung pro Kopf von etwa 160 Euro und etwa dreimal so viele Arbeitsverhältnisse. Die hohe Zahl an Arbeitsplätzen und großen Unternehmen spiegelt sich auch in den Steuereinnahmen pro Kopf wider. Diese lagen im Jahr 2005 bei etwa 1000 €/pro Kopf.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Wichtige Arbeitgeber in Lohr sind:

  • Bosch Rexroth AG (Hydraulik, Maschinenbau und Automationstechnik) mit 6.620 Beschäftigten
  • Bezirkskrankenhaus Lohr (Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosomatische Medizin) mit 607 Beschäftigten
  • Krankenhaus Lohr (unter dem Dach des Klinikums Main-Spessart) mit 450 Beschäftigten
  • Gerresheimer Lohr GmbH (Glaserzeugnisse) mit 350 Beschäftigten
  • Nikolaus Sorg GmbH & Co KG (Glasverarbeitungsanlagen und Zubehör) mit 165 Beschäftigten
  • Walter Hunger KG (Hydraulikkomponenten) mit 160 Beschäftigten
  • OWI Oskar Winkler GmbH & Co.KG (Formteile aus Holz und Kunststoffen) mit 120 Beschäftigten
  • hinzu kommen diverse holzverarbeitende Betriebe

Die Stadt Lohr am Main ist von alters her reich an Wald. Die Herkunft ist ungeklärt. Nach einer neuen, durchaus plausiblen Überlegung gelangte der Besitz im Wege einer Dotation im 10.Jh. an die Lohrer Pfarrgemeinde (damals St. Martin) und über diese an den Grundherrn und an die Kommune. Mit einer Waldfläche von immer noch über 4.000 ha ist Lohr zweitgrößter kommunaler Waldbesitzer in Bayern nach Augsburg. Der Wald der Stadt Lohr ist ein nach den Grundsätzen der Arbeitsgemeinschaft naturgemäßer Waldwirtschaft (ANW) bewirtschafteter Laubmischwald. Seit dem Jahr 2000 ist der Stadtwald Lohr nach den Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert.

Verkehr[Bearbeiten]

Luftverkehr[Bearbeiten]

Der internationale Flughafen Frankfurt am Main liegt ca. 85 km von Lohr entfernt und ist über die B 26 und BAB 3 zu erreichen.

Schiene[Bearbeiten]

Die Main-Spessart-Bahn aus Würzburg und Gemünden kommend verlässt auf dem Weg nach AschaffenburgFrankfurt am Main in Lohr das Maintal und durchquert den Spessart.

Als 2006 die Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt–München in Betrieb ging, wurde ein direkter Früh-InterCity bzw. -InterRegio nach München durch eine Regionalbahn zuerst nach Würzburg, später als Regionalexpress nach Nürnberg ersetzt. Nächste ICE-Halte sind Aschaffenburg und Würzburg.

Am östlichen Rand des Gemeindegebiets verläuft ein kurzes Stück des Mühlbergtunnels der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg in Nord-Süd-Richtung. Auf dem Gebiet der Gemeinde liegt auch ein Abschnitt der Nantenbacher Kurve mit dem Schönraintunnel.

Die Bahnstrecke Lohr–Wertheim von Lohr Bahnhof über Lohr Stadt war eine eingleisige, nicht elektrifizierte und normalspurige Strecke nach Wertheim; der Personenverkehr zwischen Lohr Stadtbahnhof und Wertheim wurde am 30. Mai 1976 eingestellt, der Abschnitt Lohr Bahnhof–Lohr Stadt folgte am 22. Mai 1977. Dort wird heute noch Güterverkehr bedient. Der ehemalige Haltepunkt Lohr Stadt ist als „Stattbahnhof“ ein Lokal neben dem Parkdeck und dem Busbahnhof.

Straße[Bearbeiten]

Lohr liegt an der B 26, der B 276, der Staatsstraße 2435 und der Staatsstraße 2315. Die nächsten Autobahnen sind die BAB 3 (München – Würzburg – Frankfurt/Main), Anschlussstellen Weibersbrunn, Hösbach und Marktheidenfeld, sowie die BAB 7 (Würzburg – Kassel), Anschlussstelle Hammelburg.

Wasserstraße[Bearbeiten]

Der Main ist eine Bundeswasserstraße erster Ordnung, für die das Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt zuständig ist.

Gasthof Krone 1567

Bildung und Kultur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Weitere Bildungseinrichtungen

Museen[Bearbeiten]

Lohrer Schloss

Im Lohrer Schloss ist das Spessartmuseum untergebracht, das sich hauptsächlich mit Wirtschaft und Handwerk, aber auch mit der Geschichte des Raumes Spessart befasst. Eine Theorie von drei weinseligen Lohrer Fabulologen verlegte 1985 den Ursprung des Schneewittchenmärchens nach Lohr; die Geburtsstätte des historischen Schneewittchens soll demnach das Lohrer Schloss gewesen sein. Entsprechende Ausstellungsstücke wie der „Sprechende Spiegel“ befinden sich im Spessartmuseum, die Stadt bietet weitere touristische Angebote zu dem Thema.[16]

Im Stadtteil Sendelbach gibt es ein anschauliches Schulmuseum mit den Schwerpunkten Kaiserreich (1871–1918) und Drittes Reich (1933–1945).

Deutschlands kleinstes Museum findet sich in der Haaggasse in einem denkmalgeschützten ehemaligen Transformatorenhäuschen: Lothar Vormwald stellt dort Isolatoren aller Art aus.

Bauwerke[Bearbeiten]

Altes Rathaus

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Stadtkern sind

  • das Alte Rathaus (1599–1602), ein Renaissancebau von Michael Imkeller mit großen Arkaden im Sockelgeschoss, das einst eine offene Markthalle war. Eine Vielzahl von Masken und Karyatiden wurden an der Fassade angebracht; das Relief an der Krieger-Gedenktafel von 1870/71 im 1. Stock ist ein Frühwerk von Ignatius Taschner.[17]
  • das Lohrer Schloss, in seinen ältesten Teilen im 14. Jahrhundert als Herrschaftssitz der Grafen von Rieneck erbaut, wurde nach ihrem Aussterben 1559 von den Mainzer Kurfürsten als neuen Landesherren übernommen und umgestaltet. Danach war es nacheinander Sitz des Landgerichts, des Bezirksamts und des Landratsamts;heute beherbergt es das Spessartmuseum. Nebengebäude der einstigen Kurmainzischen Administration am Schlossplatz sind die ehemalige Kellereischeune in Fachwerk sowie die ehemalige Waldbauschule und das Forstamt; die Kellereischeune war einst das „Bandhaus“ der Rienecker (die gräfliche Küferei und Weinkellerei), erbaut kurz nach 1415 und damit eines der ältesten erhaltenen Gebäude Lohrs.
  • der Bayersturm (Stadtturm, 1330–1385), Wahrzeichen der Stadt Lohr, und einige wenige Reste der Stadtmauer, die größtenteils im 19. Jahrhundert abgebrochen wurde;
  • die Pfarrkirche St. Michael (12.-15. Jh.) ist eine spätgotische Kirche auf Fundamenten einer romanischen Pfeilerbasilika und frühmittelalterlicher Vorgängerbauten des 8. Jahrhunderts, wie die Ausgrabungen von Alfons Ruf 1978 erbrachten.[18] Der frei stehende Glockenturm wurde 1496 hinzugefügt. Die Inneneinrichtung stammt aus dem 19. Jahrhundert.
  • die 1934 eingeweihte Auferstehungskirche am Fuße des Valentinusbergs ist ein Umbau des evangelischen Bet-und Schulhauses von 1872. Das Altarbild Auferstehung Christi sowie ein Bild an der Seite des Hauptschiffes ist das letzte große Werk von Matthäus Schiestl.

Die untere Altstadt (Hauptstraße und einige Seitenstraßen) ist ein architektonisch geschlossenes Ensemble von Fachwerkhäusern im fränkischen Stil geblieben. Das größte zusammenhängende Sichtfachwerkgebäude ist der 1567 erstmals erwähnte Gasthof Krone (Lohrtorstraße 2); das imposante denkmalgeschützte Anwesen mit Portal von 1589 ist der einzige noch in Betrieb befindliche historische Gasthof in der Lohrer Altstadt. Weitere Beispiele repräsentativer Fachwerkhäuser sind das Eckhaus Hauptstraße 2 (1559), das spätgotische Doppelhaus Hauptstraße 3/5, das „Maulaffeneck“ (Ecke Turmstraße, 1589), die Häuser des so genannten „Malerwinkels“ (Hauptstraße 19-27), die Marienapotheke Ecke Hauptstraße/Apothekergasse (seit ca. 1735, vormals seit ca. 1560 „Gasthof Zum Ochsen“) sowie einige andere, teilweise mit Erkern und Skulpturenschmuck, die heute Geschäfte, Cafés und Gaststätten beherbergen. Am Unteren Marktplatz (Hauptstraße/Ecke Brunnengasse) steht heute statt des mittelalterlichen Brunnens der Märchenbrunnen (Hermann Amrhein 1936, Brüderchen und Schwesterchen).

Auch das historische Fischerviertel weist mittelalterliche Fachwerkbauten auf (ein schönes Beispiel Fischergasse 15 + 17, 1786). Eine moderne Reminiszenz an die Fischerzunft am Main ist der Sandsteinbrunnen von Helmut Weber (1983): Hier zieht ein stämmiger Mann mit Bart sein volles Netz aus dem Wasser (Durchgang Fischergasse / Muschelgasse).

Seit 1875 wird der Main von der Alten Mainbrücke überspannt. Für den kunstvollen Oberbau kamen etliche Steinmetze nach Lohr, u. a. Bartholomäus Taschner, der Vater von Ignatius Taschner. Hundert Jahre später folgte der alten Bogenbrücke eine zweite, die 417 m lange Neue Mainbrücke, eine Spannbetonkonstruktion.

Ehemalige Spiegelmanufaktur

Außerhalb der Stadtkerns, auf dem Gelände der heutigen Bosch Rexroth AG, errichtete Kurfürst Lothar Franz von Schönborn die kurmainzische Spiegelmanufaktur zu Lohr (1698–1806). Sie ist als Gebäudegruppe bis heute, wenn auch modern überformt, deutlich erkennbar.[19] Der mächtige Original-Wappenstein des Kurfürsten Philipp Karl von Eltz-Kempenich an ihrer Ostseite zeugt von größeren Umbaumaßnahmen nach 1732.[20] Die Manufaktur machte in ihrer Blütezeit mit den prunkvollen „Lohrer Spiegeln“ sogar Venedig Konkurrenz und Lohr in aller Welt bekannt. Die Spiegel fanden ihren Weg bis nach Indien und Amerika. Lohr kann damit heute auf eine über 300jährige Industriegeschichte zurückblicken.[21]

Außerhalb Lohrs sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Lohrer Karfreitagsprozession 2012

Die Lohrer Karfreitagsprozession zieht jedes Jahr tausende Besucher an. 13 lebensgroße Figuren stellen den Leidensweg Christi dar. Die Figuren werden getragen und betreut von Angehörigen der verschiedenen Handwerkerinnungen. Die Prozession ist der Rest einer ursprünglich noch viel größeren barocken Bilderprozession. Entstanden ist sie wohl in den Jahren nach dem Dreißigjährigen Krieg. Die älteste gesicherte Erwähnung in den Kirchenrechnungen der Pfarrei St. Michael stammt aus dem Jahr 1656. Auf ein Pestgelübde geht der seit 1666 geübte Brauch der Lohrer Bürger zurück, alle Jahre am Gedenktag des hl. Rochus (16. August) in einer Prozession zur Valentinuskapelle auf den Valentinusberg über der Stadt zu ziehen und dort einen feierlichen Gottesdienst zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit zu halten.

Unter Spessartsommer wird eine Reihe von Festen und kulturellen Veranstaltungen zusammengefasst; zu ihnen gehören das Lohrer Tanzfest, das Altstadtfest, das City-Festival und Klingendes Lohr.

Herausragende Bedeutung hat die Spessartfestwoche, die zehn Tage lang um den 1. August herum stattfindet. Ein bayerisches Bierzelt mit 4.500 Sitzplätzen und Live-Musik, ein Biergarten direkt am Mainufer mit weiteren 2.000 Sitzplätzen bilden den Kern der Veranstaltung, ein Rummelplatz mit Fahrgeschäften sowie ein großes Abschlussfeuerwerk runden es ab. Im Jahr 2013 fand die 68. Spessartfestwoche mit um die 100 000 Besuchern[22] statt. 20 678 Fahrgäste benutzten dabei die Linien des Festwochen-Expresses (Sonderbuslinien).[23]

Kabarett- und Laientheaterveranstaltungen gibt es in Lohr und einigen Stadtteilen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Lohr verfügt über ein Kreiskrankenhaus mit den Fachrichtungen Chirurgie, Innere Medizin, Anästhesie, Neurologie, Urologie, Augenheilkunde und HNO, sowie über das Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Forensische Medizin des Bezirks Unterfranken.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Die IG Metall betreibt in Lohr ein großes Bildungszentrum in der Willi-Bleicher-Straße 1.
  • In Lohr betreibt der Verein „Bürgernetz Mainspessart e. V.“ seine Technik für das größte zusammenhängende WaveLan-Netz Europas. Das sogenannte Funknetz Wavelink wird vereinsintern allen Mitgliedern angeboten, die im Gebiet zwischen Gemünden und Erlach wohnen.
  • Gebürtige Lohrer werden „Mopper“ genannt, die Zugezogenen „Schnüdel“.
  • Das sechste Buch (Mr. Monk goes to Germany) zur US-Fernsehserie Monk spielt in Lohr.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karlheinz Bartels: Schneewittchen – Zur Fabulologie des Spessarts. 2., ergänzte Neuauflage. Hrsg. Geschichts- und Museumsverein Lohr a. Main. Lohr am Main 2012, ISBN 978-3-934128-40-8.
  • Günter Christ: Lohr am Main. Der ehemalige Landkreis. Hrsg. von der Kommission für Bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Laßleben, Kallmünz 2007, ISBN 978-3-7696-6854-4.
  • Werner Loibl: Die kurmainzische Spiegelmanufaktur Lohr am Main (1698–1806) und die Nachfolgebetriebe im Spessart. 3 Bände. Geschichts- und Kunstverein Aschaffenburg, Aschaffenburg 2012.
    • Band 1: Die kurmainzische Spiegelmanufaktur Lohr am Main (1698–1806) im Rahmen der allgemeinen Geschichte. ISBN 978-3-87965-116-0.
    • Band 2: Der Regiebetrieb der kurmainzischen Spiegelmanufaktur Lohr am Main. ISBN 978-3-87965-117-7.
    • Band 3: Die Zweig- und Nachfolgebetriebe der kurmainzischen Spiegelmanufaktur im Spessart. ISBN 978-3-87965-118-4.
  • Alfons Ruf: Die Pfarrkirche St. Michael in Lohr und ihre Baugeschichte. Lohr am Main 1983, ISBN 3-9800281-1-9.
  • Theodor Ruf: Quellen und Erläuterungen zur Geschichte der Stadt Lohr am Main bis zum Jahr 1559. Lohr am Main 2011, ISBN 978-3-00-035963-7.
  • Theodor Ruf: Die Grafen von Rieneck. Genealogie und Territorienbildung. Würzburg 1984, DNB 551095377.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lohr am Main – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Lohr a. Main - das Spessarttor, Stadtteile
  3. a b c  Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck oHG, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 133.
  4. Theodor Ruf: Quellen und Erläuterungen zur Geschichte der Stadt Lohr am Main bis zum Jahr 1559. Lohr am Main 2011, ISBN 978-3-00-035963-7, S. 46–47.
  5. Urkunde Ludwigs des Bayern>
  6.  Ulrike Puvogel: Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein. In: Bundeszentrale für Politische Bildung (Hrsg.): Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus : eine Dokumentation. 2., überarb. u. erw. Auflage. Bd. 1, Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 190.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format(tjm): Ausschuss soll eine Straße nach Carl Brand benennen. Main-Netz, 26. März 2008, abgerufen am 8. August 2010.
  8. TOP 4 (…) Vergabe eines Straßennamens („Dr.-Carl-Brand-Straße“). In: Einladung zur Hauptverwaltungsausschusssitzung der Stadt Lohr am 1. April 2008. Stadt Lohr, S. 8–10, abgerufen am 8. August 2010 (PDF; 400 kB).
  9. Günter Weislogel: »Folgenschwere Konsequenzen«. In: Wertheimer Zeitung vom 13. Februar 2013.
  10.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 514.
  11.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/ Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 763.
  12. Webseite der Georg-Ludwig-Rexroth-Realschule.
  13. Webseite des Franz-Ludwig-von-Erthal-Gymnasiums
  14. Bayerische Forst- und Technikerschule. auf der Webseite des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
  15. Bayerische Forst- und Technikerschule. auf der Webseite des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
  16. Lohr & Schneewittchen. In: lohr.de. Abgerufen am 10. Oktober 2011. Zur Entstehung der Idee, dass Schneewittchen die 1725 in Lohr geborene Maria Sophia Margaretha Catharina von Erthal sein muss: Karlheinz Bartels: Schneewittchen – Zur Fabulologie des Spessarts, 2. ergänzte Neuauflage. Hrsg. Geschichts- und Museumsverein Lohr a. Main. Lohr am Main 2012, ISBN 978-3-934128-40-8, S. 67–70.
  17. Werner Loibl: Kindheit und frühe Jugend in Lohr am Main. In: Norbert Götz, Ursel Berger (Hrsg.): Ignatius Taschner, Ein Künstlerleben zwischen Jugendstil und Neoklassizismus [anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in München, Berlin, Lohr am Main, Dachau und Bad Kissingen 1992/1993], München 1992, S. 21–41, insb. S. 29–31.
  18. Alfons Ruf: Die Pfarrkirche St. Michael in Lohr und ihre Baugeschichte. Lohr am Main 1983, ISBN 3-9800281-1-9, S. 143–182.
  19. Foto
  20. Werner Loibl: Der Regiebetrieb der kurmainzischen Spiegelmanufaktur Lohr am Main. ISBN 978-3-87965-117-7, Band 2, S. 95–125.
  21. Lena Schwaiger: Die Normannen, der Spessart und das Glas. In: Lohrer Echo, 10. August 2013, S.18.
  22. http://www.mainpost.de/regional/main-spessart/spessartfestwoche.artikel/Hitze-bremst-Festwoche-nur-leicht;art774,7610376
  23. http://www.mainpost.de/regional/main-spessart/Ueber-20-000-nahmen-den-Bus;art768,7613323