Lommatzsch

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Lommatzsch, zu weiteren Bedeutungen von Lommatzsch siehe Lommatzsch (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Lommatzsch
Lommatzsch
Deutschlandkarte, Position der Stadt Lommatzsch hervorgehoben
51.213.3168Koordinaten: 51° 12′ N, 13° 18′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Meißen
Höhe: 168 m ü. NHN
Fläche: 66,47 km²
Einwohner: 5180 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 78 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01623
Vorwahl: 035241
Kfz-Kennzeichen: MEI, GRH, RG, RIE
Gemeindeschlüssel: 14 6 27 130
Stadtgliederung: 39 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Markt 1
01623 Lommatzsch
Webpräsenz: www.lommatzsch.de
Bürgermeisterin: Anita Maaß (FDP)
Lage der Stadt Lommatzsch im Landkreis Meißen
Coswig (Sachsen) Diera-Zehren Ebersbach (bei Großenhain) Glaubitz Gröditz Großenhain Hirschstein Käbschütztal Nossen Klipphausen Lampertswalde Nossen Lommatzsch Meißen Moritzburg Gröditz Niederau Nossen Nünchritz Priestewitz Radebeul Radeburg Riesa Röderaue Schönfeld Stauchitz Strehla Tauscha Thiendorf Klipphausen Weinböhla Lampertswalde Wülknitz Zeithain Sachsen Dresden Landkreis Bautzen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Landkreis Mittelsachsen Landkreis Nordsachsen BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Lommatzsch ist eine Kleinstadt im Landkreis Meißen in Sachsen, Deutschland.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Lommatzsch liegt inmitten der Lommatzscher Pflege, einem landwirtschaftlich geprägten Gebiet mit hervorragenden Lößböden zwischen den Tälern des Keppritzbaches und des Ketzerbaches.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Ortsteile sind:

  • Albertitz,
  • Altlommatzsch,
  • Altsattel,
  • Arntitz,
  • Barmenitz,
  • Birmenitz,
  • Churschütz,
  • Daubnitz,
  • Dennschütz,
  • Dörschnitz,
  • Grauswitz,
  • Ickowitz,
  • Jessen,
  • Klappendorf,
  • Krepta,
  • Lautzschen,
  • Löbschütz,
  • Lommatzsch,
  • Marschütz,
  • Mögen,
  • Neckanitz,
  • Paltzschen,
  • Petzschwitz,
  • Piskowitz,
  • Pitschütz,
  • Poititz,
  • Prositz,
  • Rauba,
  • Roitzsch,
  • Scheerau,
  • Schwochau,
  • Sieglitz,
  • Striegnitz,
  • Trogen,
  • Wachtnitz,
  • Weitzschenhain,
  • Wuhnitz,
  • Zöthain,
  • Zscheilitz.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Ostrau Stauchitz Hirschstein
Zschaitz-Ottewig Nachbargemeinden Diera-Zehren
Mochau Nossen Käbschütztal

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsnamenformen[Bearbeiten]

Der Name der Stadt leitet sich her von Glumaci, den Daleminziern, die sich wiederum nach ihrer heiligen Quelle Glomaci (sprich glomatschi) nannten. Urkundlich belegt sind die folgende Namen. Die ersten Nennungen sind indirekte Erwähnungen einer Ansiedlung.

Urkundlich nachweisbar sind folgende Namensformen:

1190 (vor 1190) Thiemo de Lomacz

1206 Heinricus sacerdos de Lomaz

1286 Lomats

1308 Lomatsch

1350 Lamacz, Lowmacz

1408 Lommaczsch

1500 Lumbatzsch (HOV)

1518 Lumbicz

1547 Lommatz, Lommitsch, Lummitsch

Entwicklung der Stadt[Bearbeiten]

Als Stadt (civitas seu oppidum) wurde Lommatzsch 1286 erstmals als Lomatz urkundlich erwähnt. Am 12. August 1330 verleiht Landgraf Friedrich dem Burggrafen zu Meißen den Bierzins zu Lommatzsch. Damit war in der Stadt das Braurecht vorhanden. 1386 gab es einen Bürgermeister und einen Rat, die Ratsverfassung von 1412 sah einen Bürgermeister und 9 Ratsmitglieder vor. 1504 Baubeginn der jetzt noch vorhandenen Wenzelskirche. Es wurden an den von früher stammenden Turm drei gotischen Spitzen aufgesetzt und ein Langhaus angebaut. Die Reformation wurde 1539 eingeführt und Ambrosius Naumann wird erster evangelischer Stadtpfarrer. 1550–1555 erfolgte die Erbauung des Rathauses in der heutigen Größe. 1591 bekam die Wenzelskirche ihre erste Kirchturmuhr. Die Pest machte auch Lommatzsch zu schaffen, so kam es 1607 und 1611 zu insgesamt 1350 Pesttoten. Die folgenden Jahre waren vom Dreißigjährigen Krieg gezeichnet. So kam es 1632 zum Ausbrennung und Einäscherung der Stadt durch kaiserliche Truppen und um 1645 zu erneuten Bränden von Häusern und Scheunen durch die Schweden. 1722 wurde auf dem Markt eine kursächsische Postdistanzsäule aufgestellt, die sich dort bis 1857 befand und heute in Form einer Nachbildung wieder befindet (Fragmente der Originalsäule im Museum). 1814 wurde eine neue Orgel für die Kirche eingeweiht. Lommatzsch bleibt von der deutschen Revolution nicht unberührt, so kommt es 1849 zum ersten Lommatzscher Anzeiger, 1854 zur Erbauung eines Gerichtsgebäudes und 1857 zur Gründung eines Gewerbevereins. 1859 Einweihung des Hauptgebäudes der Schule und Gründung 1865 der Freiwilligen Feuerwehr. 1873 erfolgte die Trennung von Kirche und Schule, so dass fortan 2 Bürgerschulen existierten. 1878 wird an der Schule die Turnhalle errichtet. 1877 Eröffnung der Eisenbahnstrecke nach Riesa und 1880 nach Nossen. 1909 folgte die Schmalspurbahn Wilsdruff–Gärtitz nach Meißen und 1911 nach Döbeln.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges ergab sich ein ständiger Frontenwechsel von deutschen Truppen und Verbänden der Roten Armee: Vom 25. – 28. April wurde Lommatzsch von der Sowjetunion eingenommen und vom 29. April – 5. Mai wieder von Deutschen. In diesen Tagen ließen SS-Männer 36 von der Zivilbevölkerung denunzierte Zwangsarbeiter und einen weiteren unschuldigen sechzehnjährigen Jungen, der angeblich eine Schreibmaschine gestohlen haben sollte, an der Kirche aufstellen und erschossen sie mit einer MG-Salve. Als nach der Schlacht um Berlin mehr sowjetische Truppen zu Verfügung standen, flüchtete die SS aus Lommatzsch und die Rote Armee marschierte ein.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeisterin der Stadt Lommatzsch ist die Historikerin Dr. Anita Maaß (FDP).

Stadtrat[Bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[2]
Wahlbeteiligung: 53,8 % (2009: 51,0 %)
 %
40
30
20
10
0
24,0 %
34,3 %
21,9 %
13,0 %
3,9 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-3,8 %p
+7,7 %p
-2,2 %p
+0,4 %p
-5,0 %p

In der Wahlperiode 2014–2019 hat der Stadtrat 18 Sitze. Die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 führte zu folgender Sitzverteilung:

Partei / Liste Sitze
FWL 5
CDU 7
FDP 4
LINKE 2

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Silber hinter einer torlosen roten Zinnenmauer ein rotes Gebäude mit kreuzbestecktem Giebel und zwei gezinnten Seitentürmen mit blauen Spitzdächern und goldenen Knäufen; im offenen goldenen Tor des Gebäudes unter hochaufgezogenem Fallgatter ein aufgerichteter schwarzer Löwe.

Der erste Wappennachweis ist auf einem Siegel, das sich an einer Urkunde von 1461 befand. Zwischen 1623 und 1627 gab es ein weiteres Wappen, gezeichnete von Dilich. Die heutige gültige Fassung entstand 1912.[3]

Partnerschaften[Bearbeiten]

Lommatzsch unterhält eine partnerschaftliche Beziehung zu Weissach im Tal in Baden-Württemberg seit 1990.

Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Grabstätte und Ehrenmal an der Stadtkirche für eine unbekannte Anzahl von Zwangsarbeitern mehrerer Länder, die bei einem Massaker am 29. April 1945 von SS-Männern erschossen wurden
  • Gedenkanlage auf dem Friedhof des Ortsteiles Dörschnitz für 36 unbekannte KZ-Häftlinge, die in Dörschnitz und Klappendorf im April 1945 ermordet wurden. Die Anlage wurde 1947 im Beisein von Otto Nuschke eingeweiht

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Postmeilensäule vor dem Rathaus
  • Marktplatz: Zentrales Gebäude am Markt ist das 1550/55 erbaute Rathaus, das Stilelemente von Jugendstil, Barock und Renaissance vereint. Vor dem Rathaus befindet sich die Kursächsische Postmeilensäule als Nachbildung, deren Originalteile von 1726 in der Sächsischen Postmeisterstube in Dresden bis 1945 ausgestellt waren und heute im Stadtmuseum zu finden sind. Im Gebäude Am Markt 14, dem ältesten Fachwerkgebäude der Stadt, befindet sich das Stadtmuseum.
  • Schaubergkellerareal: Lommatzschs historischer Stadtkern ist von einer Reihe unterirdischer miteinander verbundener Tiefkeller durchzogen. Dies wurden seit dem 14. Jahrhundert als Lagerräume angelegt. Gleichzeigt boten die Räume Schutz vor Krieg und Feuer. In den vergangenen Jahrzehnten kam es zu einer Reihe von Senkungen (unter anderem 1926, 1939, 1970, 1996), die Schäden an Straßen, Plätzen und Häuserfronten verursachten. Die genaue Zahl und Lage der Keller ist nicht bekannt, es wird von etwa 85 Anlagen mit einer Ganglänge von über 2 Kilometern ausgegangen.[4] Seit 1995 werden die Tiefkelleranlagen saniert. Ein Teil der Anlagen steht der Öffentlichkeit als Schaubergkellerareal seit 2000 zur Besichtigung zur Verfügung. Das Schaubergkellerareal ist 122,5 Meter lang, hat eine Sohlentiefe von 4 bis 7 Meter, eine Ganghöhe von ungefähr 1,75 Meter und ein Hohlraumvolumen von 320 m³.[5]
  • Wenzelskirche: Eine dem Heiligen Wenzel geweihte Kirche bestand in Lommatzsch bereits vor 1190. Der heutige Bau wurde zwischen 1504 und 1514 als spätgotische dreitürmige einschiffige Kirche erbaut. Baumeister war Peter Ulrich von Pirna (genannt Meister Peter). Sehenswert ist der barocke Altaraufbau (1714), die Kanzel (1619) und eine Reihe von Grabdenkmalen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.[6] In der Wenzelskirche steht der Fünfkinderstein, von dem in der Chronik berichtet wird: „Anno 1688 d 25 Junii hat Fr. Maria Samuel Kühnens Bürgers und Kürschners in der Meißnischen Gasse Eheweib 5 Kinder auf einmahl innerhalb rund halben Tages als 3 Söhne und 2 Töchter zur Welt gehohrn abgelegt.“ Die Fünflinge von Lommatzsch sind einer der ersten genauer dokumentierten Fälle einer höhergradigen Mehrlingsgeburt. Ein Kind verstarb gleich nach der Geburt, zwei weitere nach 2 Tagen. Das vierte Kind lebte etwa 6 Tage und das letztgeborene verstarb im Alter von 8 Wochen. Dieses Ereignis war für damalige Zeiten derart ungewöhnlich, dass der sächsische Kurfürst Johann Georg III in einem Brief darüber unterrichtet wurde.

Verkehr[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet wird von der Bundesstraße 6 berührt und hat dadurch gute Verbindungen nach Meißen und Riesa. Die noch im Bau befindliche S85 stellt in Zukunft eine gute Anbindung zu den Autobahnen A 4 sowie A 14 und damit nach Dresden (etwa 20 min) und Leipzig (etwa 40 min) dar. Seit 1998 findet auf der durch Lommatzsch laufenden Bahnstrecke Riesa–Nossen kein Zugverkehr mehr statt, wodurch die Stadt mit der Eisenbahn nicht mehr zu erreichen ist. Zusätzlich bestand zwischen 1909/11 und 1970/72 in Lommatzsch Anschluss an die Schmalspurbahn Wilsdruff–Gärtitz.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • o. A.: Lommatzsch im Wandel der Zeit. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 1995, ISBN 3-89570-098-3.
  • Karlheinz Blaschke: Lommatzsch und Lausick. Zwei „Kirchstädte“ in Sachsen. In: Peter Johanek (Hrsg.) unter Mitarbeit von Uwe John: Stadtgrundriß und Stadtentwicklung. Forschungen zur Entstehung mitteleuropäischer Städte. Ausgewählte Aufsätze von Karlheinz Blaschke (= Städteforschung : Reihe A, Darstellungen Bd. 44). Köln, Weimar, Wien: Böhlau 1997, S. 342–351. ISBN 3-412-06897-7, 2., unveränderte Auflage ebd. 2001. ISBN 3-412-02601-8.
  • Siegfried Börtitz, Herbert Grund: Die mittelalterlichen Keller im Stadtgebiet von Lommatzsch. In: Sächsische Heimatblätter Heft 3/1972, S. 105–110.
  • R. Naumann: Lommatzsch in Vergangenheit und Gegenwart. in: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Band XXI, Heft 1-3/1932, S. 75–82.
  • Cornelius Gurlitt: Lommatzsch. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 41. Heft: Amtshauptmannschaft Meißen-Land. C. C. Meinhold, Dresden 1923, S. 268.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lommatzsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Lommatzsch – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.statistik.sachsen.de/wpr_neu/pkg_s10_erg_kt.prc_erg_kt?p_bz_bzid=KT14&p_ebene=GE&p_ort=14627130
  3. Lexikon Städte und Wappen der DDR, Dr. habil. Karlheinz Blaschke, Prof. Dr. sc. Gerhard Kehrer, Heinz Machatscheck, VEB Verlag Enzyklopädie Leipzig, 1979, 1. Auflage
  4. PDF bei www.dr-gmeier.de
  5. [1]
  6. Fritz Löffler: Die Stadtkirchen in Sachsen. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1988, S. 222
  7.  Jürgen Müller: Ist Bismarck Ehrenbürger von Lommatzsch?. In: Sächsische Zeitung, Ausgabe: Riesaer Zeitung. 16. Februar 2013, S. 19.