Lomonossow-Rücken

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Bathymetrische Karte des Arktischen Ozeans

Der Lomonossow-Rücken ist ein etwa 1800 km langer ozeanischer Rücken im Arktischen Ozean. Er verläuft von den Neusibirischen Inseln über den mittleren Teil des Ozeans unter dem geographischen Nordpol bis zur Ellesmere-Insel nahe Grönland. Die Breite des Rückens schwankt zwischen 60 und 200 km. Er ragt 3300 bis 3700 m über den Meeresgrund auf. Die geringste Tiefe des Rückens beträgt 954 m.

Entdeckung und Erforschung[Bearbeiten]

Der Lomonossow-Rücken wurde im Jahr 1948 von einer sowjetischen Expedition entdeckt und nach Michail Lomonossow benannt.

Nach durch Bohrungen gewonnenen aktuellen Erkenntnissen handelt es sich beim Lomonossow-Rücken nicht um einen ozeanischen Tiefseerücken und damit Teil einer Ozeanischen Platte wie beispielsweise der Mittelatlantische Rücken, sondern um einen von den Kontinenten abgetrennten Teil der Kontinentalen Erdkruste und damit Teil einer kontinentalen Platte.[1][2] Als Ursache für die Abtrennung vermuten Wissenschaftler die Bildung des Gakkelrückens, der ein ozeanischer Rücken ist.

Heutige Bedeutung[Bearbeiten]

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts zog die geologische Struktur des Rückens die internationale Aufmerksamkeit auf sich, da Russland im Dezember 2001 eine Eingabe an die UN gemäß Artikel 76 Paragraph 8 des UN Seerechtsübereinkommens machte. Darin schlug Russland eine neue Grenze des russischen Kontinentalschelfs jenseits der 200-Meilen-Zone, aber innerhalb Russischen Arktissektors, vor. Das in der Eingabe beanspruchte Gebiet erstreckt sich über einen großen Teil der Arktis inklusive des Nordpols. Eines der angeführten Argumente war, dass der Lomonossow-Rücken und der Mendelejew-Rücken Erweiterungen des Eurasischen Kontinents seien. Im Jahr 2002 haben die UN den russischen Vorschlag weder abgelehnt noch angenommen, sondern weitere Forschungen gefordert.

Aus wirtschaftlichen Konkurrenzgründen wegen erhoffter Bodenschätze versuchen nun dänische Forscher zu beweisen, dass der Lomonossow-Rücken eine Erweiterung Grönlands sei, wodurch Dänemark Ansprüche auf das Gebiet hätte. Kanada, das ebenfalls Ansprüche angemeldet hat, behauptet, der Rücken sei eine Erweiterung seines eigenen Kontinentalschelfs.

Im April 2007 wurden kanadische und russische Expeditionen ausgesandt um den Rücken zu kartieren. Im Juni desselben Jahres behaupteten russische Wissenschaftler, der Lomonossow-Rücken sei eine Erweiterung des russischen Territoriums. Daher schickte eine russische Expedition Ende Juli 2007 einen Eisbrecher und zwei Mini-U-Boote Mir-I und Mir-II zur Erkundung in die Tiefe.

Russische Wissenschaftler tauchten 4.261 Meter (14.000 Fuß) nach unten und verankerten eine rostfreie russische Flagge aus Titan im Meeresboden, als symbolisches Zeichen für die Beanspruchung des Gebiets.[3] Eine weitere russische Expedition war für den November 2007 geplant.[4]

Mitte September 2007 gab das russische Ministerium für Naturressourcen folgende Pressemitteilung ab:

„Am 20. September wurden vorläufige Ergebnisse einer Profilanalyse des Erdkrustenmodells bei der ‚Arktis-2007’-Expedition gewonnen, die bestätigen, dass die Struktur der Kruste des Lomonossow-Rückens den weltweit bekannten Analogien der Kontinentalkruste entspricht und somit Teil des Festlandsockels der Russischen Föderation ist.“[5]

Im Dezember 2014 beantragte Dänemark selber bei der UNO das Gebiet um den Lomonossow-Rücken als Erweiterung des Grönland-Sockels und damit als sein Staatsgebiet, da Dänemark Grönland in internationalen Angelegenheiten vertritt.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.planet-erde.de/aktuelles/planeterde-news/hahnenkampf-mit-wissenschaftlichem-nutzen Hahnenkampf mit wissenschaftlichem Nutzen auf planet-erde.de
  2. http://a76.dk/greenland_uk/north_uk/gr_n_expeditions_uk/lorita-1_uk/index.html The Continental Shelf Project, LORITA-1, 2006
  3. BBC News: Russia plants flag under N Pole
  4. Kampf um Rohstoffe - Moskau plant neue Arktis-Expedition, SpiegelOnline, Wissenschaft, 8. August 2007
  5. http://de.rian.ru/science/20070920/80076210.html Russische Informations- und Nachrichtenagentur Novosti
  6. Christoph Seidler: Dänischer Antrag bei der Uno: Ein Stück vom Nordpol, bitte schön! Spiegel Online, 15. Dezember 2014, abgerufen am 15. Dezember 2014.