London Charterhouse

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Gebäude des Charterhouse

Das London Charterhouse ist ein historischer Gebäudekomplex aus dem 14. Jahrhundert im Londoner Stadtteil Smithfield. Das Areal liegt am Charterhouse Square. Der Name Charterhouse (dt. „Kartäuserkloster“ bzw. „Kartause“) rührt von der ersten Nutzung her.

Geschichte[Bearbeiten]

Norfolk Kreuzgang, 1895
Das Grab von Thomas Sutton in der Kapelle von Charterhouse

1371 von Walter de Manny auf einem Friedhofsgelände erbaut, dienten die Gebäude bis 1537 dem Kartäuserorden als Kloster. Die Pläne hierfür stammen vom Architekten Henry Yevele. Im Zuge der englischen Reformation wurde das katholische Kloster auf Befehl des Königs Henry VIII. geschlossen. Da sich die zwei Dutzend Mönche weigerten, das Kloster aufzugeben, wurden sie hart bestraft. Zwei von ihnen wurden hingerichtet[1], neun weitere starben den Hungertod im nahegelegenen Newgate-Gefängnis. Sie gingen als die „Kartäuser-Märtyrer“ in die Geschichte ein. 1970 wurden sie von Papst Paul VI. heiliggesprochen.

Der größte Teil der Gebäude blieb erhalten, auch wenn nach 1545 die Anlage von ihrem neuen Besitzer Edward North zu einem luxuriösen Herrenhaus mit geschlossenem Innenhof umgebaut wurde. Er ließ die Kirche abreißen und erschuf stattdessen die sogenannte Große Halle und nebenan die Große Kammer. 1558 nutzte Königin Elisabeth I. die Räume zur Vorbereitung ihrer Krönung.

Nach dem Tod von Edward North im Jahre 1564 erwarb Thomas Howard, 4. Duke of Norfolk, das Anwesen und taufte es Howard House. Zeitweise stand er unter Hausarrest, weil man ihm vorwarf, gegen die schottische Königin Maria Stuart intrigiert zu haben. Ansonsten nutzte er die Zeit, das Haus zu verschönern. Unter anderem ließ er im Garten eine überdachte Passage (Norfolk Kreuzgang) anlegen, die das Hauptgebäude mit dem Tennisplatz verband. Nachdem man ihm 1571 seine Verstrickung in die Ridolfi-Verschwörung nachweisen konnte, folgte im Jahr darauf Howards Hinrichtung.

Im Mai 1611 kaufte Thomas Sutton das damals noch Howard House genannte Areal von Thomas Howard, 1. Earl of Suffolk, Norfolks Sohn und Erbe. Entsprechend Suttons Testament entstand dort nach einigen Umbauten ein Altenheim für verarmte Pensionäre mit rund 80 Plätzen, eine Schule für etwa 40 Jungen sowie eine Kapelle. Das Gesamtobjekt nannte sich auf Suttons Geheiß The Hospital of King James and Thomas Sutton in Charterhouse, kurz Charterhouse. Die Charterhouse School wurde 1872 ins Londoner Umland nach Godalming verlegt und ist heute eine elitäre Privatschule. Die Schüler werden noch heute Carthusians, also „Kartäuser“ genannt. Geblieben ist bis heute das Altenheim, Sutton's Hospital genannt.

Thomas Suttons Grab befindet sich in der Kapelle von Charterhouse. Der Sarg von Walter de Manny wurde bei Restaurierungsarbeiten entdeckt.

Nutzung als Filmkulisse[Bearbeiten]

Das Gelände wird gern von Filmemachern als Drehort gebucht. Die BBC drehte hier Miss Austen Regrets und zwei Charles Dickens’ Verfilmungen (Große Erwartungen, Das Geheimnis des Edwin Drood). Weitere Filme, die die Gebäude als Kulisse benutzen, sind Downton Abbey und Little Dorrit. [2]

Literatur[Bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten]

 Commons: London Charterhouse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biografie des Prior Anmerkung: Die zweite Exekution betrifft einen Mönch aus der Gruppe der Inhaftierten (Newgate-Gefängnis).
  2. [1][2]

51.5209643-0.099852899999973Koordinaten: 51° 31′ 15″ N, 0° 5′ 59″ W