Long Distance Calling

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Dieser Artikel behandelt die deutsche Band. Für ihr gleichnamiges Album, siehe Long Distance Calling (Album).
Long Distance Calling
Long Distance Calling live in der Frankfurter Batschkapp 2010
Long Distance Calling live in der Frankfurter Batschkapp 2010
Allgemeine Informationen
Herkunft Münster, Deutschland
Genre(s) Postrock · Post-Metal[1]
Gründung 2006
Website www.longdistancecalling.de
Aktuelle Besetzung
Martin Fischer (seit 2012)
David Jordan
Florian Füntmann
Jan Hoffmann
Janosch Rathmer
Ehemalige Mitglieder
Reimut van Bonn (bis 2012)

Long Distance Calling ist eine deutsche Postrock-Band aus Münster. Die Band wurde im Jahre 2006 gegründet und steht bei Superball Music, einem Unterlabel von InsideOut Music unter Vertrag. Die Diskografie der Band umfasst vier Studioalben. Die Band spielt instrumentale Rockmusik mit verhältnismäßig langen Liedern. Der Bandname kann laut der Band als Ferngespräch als auch als „Ruf der weiten Distanz“ verstanden werden. Hauptgrund bei der Wahl des Bandnamens war der Zusammenklang der Wörter.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Frühe Jahre (2005–2006)[Bearbeiten]

Florian Füntmann und Jan Hoffmann (v.l.)

Im November 2005 lernten einander der Gitarrist Florian Füntmann, der Bassist Jan Hoffmann und der Schlagzeuger Janosch Rathmer kennen. Nach mehreren gemeinsamen Jamsessions stieß mit David Jordan ein weiterer Gitarrist zur Band hinzu. Komplettiert wurde die Besetzung durch Reimut van Bonn im März 2006.[3] Alle Mitglieder waren schon vor der Gründung von Long Distance Calling musikalisch tätig. Janosch Rathmer und Florian Füntmann waren auch bei der Melodic-Death-Metal-Band Misery Speaks aktiv. David Jordan spielte bei The Ghost Dance Movement und Reimut van Bonn bei Muad'dib Schlagzeug. Bassist Jan Hoffmann spielte zuvor in der Metalband Dogday.[2][4]

Ursprünglich wurde auch ein Sänger gesucht. Nachdem die Band über den Zeitraum von mehreren Monaten mehrere Kandidaten ausprobierte und keinen passenden Sänger finden konnte, entschieden sich die Musiker für einen „Soundmenschen“ - in diesem Falle Reimut van Bonn - anstelle einer Sängers.[5] Ein weiteres Argument gegen einen Sänger war, die Musik für sich sprechen zu lassen.[2] Ende 2006 veröffentlichten Long Distance Calling ihr Demo DMNSTRTN. Der Titel beschreibt das Wort Demonstration ohne Vokale.[5] Von der Fachpresse wurde das Demo positiv aufgenommen. Die Magazine Visions[6] und Rock Hard kürten DMNSTRTN jeweils zum Demo des Monats.

Satellite Bay und Avoid the Light (2007–2010)[Bearbeiten]

Reimut van Bonn

Die Band unterschrieb einen Vertrag über ein Album bei Viva Hate Records. Nach Auftritten mit A Whisper in the Noise und einer Tour im Vorprogramm von 65daysofstatic nahm die Band im April 2007 innerhalb von drei Tagen das Debütalbum Satellite Bay auf. Das Album erschien im Oktober des gleichen Jahres und wurde von den Kritikern positiv aufgenommen. Als Gastsänger ist Peter Dolving von der schwedischen Thrash-Metal-Band The Haunted bei dem Lied Built Without Hands zu hören. Anlässlich einer gemeinsamen Tournee mit der Schweizer Band Leech wurde im Jahre 2008 die Split-EP 090208 aufgenommen. Es folgten weitere Auftritte, unter anderem mit dredg und beim Musikfestival Rock am Ring.[3]

Ebenfalls im Jahre 2008 nahm die Band ein weiteres Demo mit dem Lied Apparitions auf und bewarb sich damit bei verschiedenen Plattenfirmen. Schließlich wurden Long Distance Calling von Superball Music unter Vertrag genommen. Im November 2008 reiste die Band nach Koblenz, um das vom Blackmail- und Scumbucket-Gitarristen Kurt Ebelhäuser produzierte zweite Album Avoid the Light aufzunehmen. Hier trat Jonas Renkse von der schwedischen Metalband Katatonia bei dem Lied The Nearing Grave als Gastsänger auf. Avoid the Light erschien im April 2009. Anschließend ging Long Distance Calling mehrmals auf Tournee und spielte unter anderem im Vorprogramm von Bands wie Opeth, Katatonia oder Anathema.

David Jordan

Long Distance Calling (2011–2012)[Bearbeiten]

Im Frühjahr 2011 arbeitete die Band in verschiedenen Jamsessions an ihrem dritten, selbstbetitelten Studioalbum, welches im Sommer 2010 in den Horus Studios in Hannover aufgenommen wurde. Bei dem von der Band gemeinsam mit Benjamin Schäfer produzierten Album ist als Gastsänger der Armored-Saint- und ehemalige Anthrax-Sänger John Bush bei dem Lied Middleville zu hören.[7] Laut Schlagzeuger Janosch Rathmer war die Band erstmals mit einem ihrer Studioalben komplett zufrieden. Da die Musiker deutlich machen wollten, dass dieses Album die Band definieren soll, wurde Long Distance Calling nach der Band benannt.[8]

Von der Fachpresse wurde das Album erneut durchgehend positiv aufgenommen und beispielsweise als Album der Woche der Magazine Visions oder Focus gekürt.[9] Für das Lied Into the Black Wide Open drehte die Band ihr erstes Musikvideo. Mit Long Distance Calling erreichte die Band ihre erste Chartplatzierung und erreichte Rang 36 der Media-Control-Charts. Die Redaktion des deutschen Magazins Metal Hammer wählten Long Distance Calling zum besten Album des Jahres der Genres Post-Hardcore/Rock/Metal.[10] Nach einer eigenen Headlinertournee im Herbst 2011 folgte im Frühjahr 2012 eine Europatournee im Vorprogramm der kanadischen Progressive-Metal-Band Protest the Hero.

The Flood Inside (2012 bis 2013)[Bearbeiten]

Im April 2012 gab die Band die freundschaftliche Trennung von Reimut van Bonn bekannt. Im September 2012 nahm die Band in den Megaphon Tonstudios in Arnsberg ihr viertes Studioalbum auf. Nach dem Abschluss der Aufnahmen gab die Band den Einstieg des ehemaligen Fear-My-Thoughts-Mitgliedes Martin Fischer als Sänger und Keyboarder in die Band bekannt. Das vierte Studioalbum The Flood Inside erschien am 1. März 2013 und stieg auf Platz 33 der deutschen und auf Platz 79 der Schweizer Charts ein. Gleichzeitig begann eine Headlinertournee durch Europa, bei der die Band von den Vorgruppen Sólstafir, Audrey Horne und Sahg begleitet wurde.[11]

Ende November 2013 spielten Long Distance Calling auf dem erstmals ausgetragenen Festival Metal Hammer Paradise im Ferienpark Weißenhäuser Strand. Die Band spendete sämtliche am 22. November 2013 erzielten Einnahmen aus ihrem Onlineshop für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Anlass der Spendenaktion waren die Folgen des Taifun Haiyan, der insbesondere auf den Philippinen für schwere Verwüstungen gesorgt hatte.[12] Dabei kam ein Betrag von tausend Euro zusammen. Für den Februar 2014 ist eine weitere Europatournee geplant, dieses Mal mit den Bands Junius und Wolves Like Us im Vorprogramm.

Nighthawk (seit 2014)[Bearbeiten]

Nach der zweiten Europatournee plante die Band die Aufnahme einer rein instrumentalen Jam-EP. Die EP sollte im April oder Mai 2014 bei dem bandeigenen Label Avoid the Light Records erscheinen. Die Finanzierung des Projekts wurde per Crowdfunding über die Internetplattform Pledge Music vollzogen.[13] Die Nighthawk betitelte EP erschien schließlich am 26. Juni 2014.

Stil[Bearbeiten]

Long Distance Calling spielen instrumentale Rockmusik. Durch zahlreiche Wiederholungen von einzelnen Passagen sind die Lieder der Band verhältnismäßig lang. Die Lieder Horizon sowie Arecibo (Long Distance Calling) sind mit einer Spielzeit von jeweils 5:53 Minuten die kürzesten der Bandgeschichte. Das längste Lied ist Apparitions mit einer Spielzeit von 12:16 Minuten. Teilweise wird die Musik mit Sprachsamples unterlegt. Das Lied Fire in the Mountain enthält zum Beispiel Auszüge aus Kafkas Prosatext Vor dem Gesetz. Als wichtigste Einflüsse nennen Long Distance Calling Postrock- und Progressive-Rock-Bands wie Isis, Tool, Mogwai, dredg und Porcupine Tree.[3] Auf späteren Alben kamen Einflüsse aus Classic Rock, Funk und Boogie dazu.

Spätestens seit ihrem selbstbetitelten Album sehen sich Long Distance Calling eher als instrumentale Rockband denn als Postrock-Band. Bassist Jan Hoffmann beschrieb die Musik von Long Distance Calling als härter, progressiver und rhythmischer als die anderer Instrumentalbands.[14] Auf dem vierten Studioalbum The Flood Inside enthält die Hälfte der Lieder Gesang. Schlagzeuger Janosch Rathmer begründete dies damit, dass die Musiker etwas Neues machen wollten, da sie mit den bisherigen Liedern mit Gesang sehr zufrieden waren.[15]

Diskografie[Bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben
Long Distance Calling
  DE 36 07.03.2011 (1 Wo.) [16]
The Flood Inside
  DE 33 18.03.2013 (1 Wo.) [16]
  CH 79 17.03.2013 (1 Wo.) [17]
[16] [17]

Studioalben[Bearbeiten]

Demos & Split-EPs[Bearbeiten]

  • 2006: DMNSTRTN (limitiertes Demoalbum)
  • 2008: 090208 (Viva Hate/Cargo Records, Split-EP mit Leech)
  • 2014: Nighthawk (Avoid the Light Records)

Musikvideos[Bearbeiten]

  • 2011: Into the Black Wide Open
  • 2013: Tell the End

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Long Distance Calling (band) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matthias Manthe: Satellite Bay. laut.de, abgerufen am 21. September 2007.
  2. a b c Markus Endres: Long Distance Calling - Interview zu "Satellite Bay". Metal.de, abgerufen am 25. Dezember 2011.
  3. a b c Anja Distelrath und René Bogdanski: Grundsatzdiskussionen im Tourbulli. Der Westen, abgerufen am 11. Juni 2008.
  4. Thoralf Koß: Interview mit Long Distance Calling. Musikreviews.de, abgerufen am 28. Dezember 2012.
  5. a b Peter: Demonstration ohne Vokale. Schallgrenzen.de, abgerufen am 28. Dezember 2012.
  6. Alexander Mayer: Unexplored im Februar. Visions, abgerufen am 28. Dezember 2012.
  7. Matthias Olejnik: Interview mit Gitarrist Flo zu "Long Distance Calling". Metal.de, abgerufen am 28. Dezember 2012.
  8. Peter Kubaschk: Long Distance Calling: Interview mit Janosch. Metal.de, abgerufen am 28. Dezember 2012.
  9. jba: Plattenkiste: The Streets / Long Distance Calling / Alex Cuba / Césaria Évora. Focus, abgerufen am 28. Dezember 2012.
  10. Metal Hammer, Januar 2012, Seite 39
  11. Long Distance Calling: Sänger vorgestellt. Metalnews.de, abgerufen am 28. Dezember 2012.
  12. Online Redaktion: Newsflash. Visions, abgerufen am 2. Dezember 2013.
  13. Instrumental-Jam-EP. Pledge Music, abgerufen am 20. Januar 2014 (englisch).
  14. Matthias Olejnik: Interview mit Jan Hoffmann zur Split-EP "090208". Metal.de, abgerufen am 28. Dezember 2012.
  15. Boris Kaiser: So ist das Leben. In: Rock Hard, Februar 2013, Seite 6
  16. a b c Chartverfolgung / Long Distance Calling / longplay. Musicline.de, abgerufen am 15. März 2013.
  17. a b Long Distance Calling in der schweizer Hitparade. Hitparade.ch, abgerufen am 15. März 2013.