Lorbeerkirsche

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Lorbeerkirsche
Lorbeerkirschstrauch zur Blütezeit

Lorbeerkirschstrauch zur Blütezeit

Systematik
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Spiraeoideae
Tribus: Steinobstgewächse (Amygdaleae)
Gattung: Prunus
Art: Lorbeerkirsche
Wissenschaftlicher Name
Prunus laurocerasus
L.
Knospen und Blüten einer Lorbeerkirsche.
Früchte einer Lorbeerkirsche.
Früchte der Sorte 'Macrophylla'.

Die Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus, syn.: Laurocerasus officinalis) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie stammt ursprünglich aus Kleinasien.[1] Ihren Trivialnamen erhielt diese Pflanzenart aufgrund ihrer kirschartigen Steinfrüchte und wegen der lorbeerähnlichen Blätter. Ihre Sorten werden als weitgehend frostharte Ziersträucher in Parks und Gärten verwendet. 2013 wurde sie Giftpflanze des Jahres.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Lorbeerkirsche ist ein immergrüner Strauch oder Baum, der Wuchshöhen bis zu 7 m erreicht. In strengen Wintern mit Temperaturen im Bereich von −20 °C erfrieren alle Blätter und ein großer Teil der Äste. In den meisten Fällen treibt die Pflanze wieder neu aus. Die 8 bis 15 cm langen Laubblätter ähneln in ihrer Form dem Echten Lorbeer (Laurus nobilis), worauf die inkorrekte Bezeichnung als „Kirschlorbeer“ zurückgeht. Die angenehm duftenden Blüten erscheinen zwischen April und Juni und stehen zu vielen in endständigen, traubigen Blütenständen zusammen. Die anfangs grünen kugeligen Früchte sind in der Reife schwarz.

Ökologie[Bearbeiten]

Am oberen Ende des Blattstiels sitzen 2(-3) rote, extraflorale Nektarien an denen Zuckersaft abgegeben wird. Wie schon seit längerem vermutet, handelt es sich dabei um „Polizistenfutter“ für Ameisen. Die Nektarproduktion in den Drüsen ist in den ersten Wochen nach dem Knospenaustrieb besonders groß und zieht größere Mengen der Ameise Formica obscuripes an, die die jetzt noch kleinen schädlichen Raupen oder Blattläuse angreifen.

Nutzung[Bearbeiten]

Lorbeerkirsch-Sorten werden als weitgehend frostharte Ziersträucher in Parks und Gärten verwendet. Abgesehen von kleinwüchsigen Sorten ist das Gehölz aufgrund seiner Wuchsfreudigkeit ohne regelmäßigen Schnitt ungeeignet für kleine Gärten, da es in kurzer Zeit einen großen Standraum belegen und sich zudem durch Selbstaussaat bei günstigen Standortbedingungen schnell zu einer Art „Unkraut“ entwickeln kann. Dies ist besonders problematisch, wenn sich die Pflanze im Unterholz der Wälder ausbreitet und so die einheimische natürliche Vegetation verdrängt.[1] Darum ist die Lorbeerkirsche in vielen Gegenden auf der Schwarzen Liste der Neophyten aufgeführt und sollte außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets nicht mehr angepflanzt werden. Lorbeerkirsch-Pflanzen gedeihen auch auf unwirtlichen Plätzen. Sie wird sowohl solitär oder als Heckenpflanze verwendet.

Neben der Nutzung als Zierpflanze hat die Lorbeerkirsche inzwischen auch eine wichtige Funktion in der Restaurierung und Präparation erlangt. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts dienen die Blätter mit einem möglichst hohen Anteil an Blausäure dem Aufweichen oder Geschmeidigmachen organischer Materialien – ohne dabei Wasserschäden zu verursachen. Beispielsweise kann man getrocknete Insekten wieder beweglich bekommen, wenn man sie einige Tage über den zerschnittenen Blättern in einem geschlossenen Gefäß aufbewahrt (Blätter täglich austauschen und direkten Kontakt vermeiden). Auch lange gefaltete Stoffe, wie man sie aus Gräbern kennt, lassen sich mit dieser Methode wieder geschmeidig machen. Wiederentdeckt wurde die Methode in den 1990er Jahren von Klaus Wechsler (Überseemuseum).

Sorten (Auswahl)[Bearbeiten]

Sorte Wachstum Höhe Breite Blatt Eigenschaften
Caucasica stark 2 m 14×5 cm winterhart
Cherry Brandy stark 1 m 3 m 11×6 cm sehr winterhart
Diana mittelstark 2 m 2 m 10×7 cm bronzeroter Austrieb
Etna (Anbri) mittelstark 2 m 2 m 12×5 cm bronzeroter Austrieb
Genolia stark 3-4 m 0,80 m schmal extrem winterhart, sehr gut für schmale Hecken
Green Survival sehr stark 2–3 m 2–3 m 15×6 cm
Herbergii stark 2–3 m 2 m 12×5 cm sehr winterhart
Leander stark 2 m 2 m 15×3 cm
Low’n Green schwach 50 cm 1–2 m kerzenartig
Mano mittelstark 1–2 m 2 m 10×5 cm
Macrophylla sehr stark 3–4 m
Miky stark 2 m 2 m 12×2 cm
Mischeana sehr stark 1–3 m 2–3 m 12×5 cm
Mount Vernon sehr gering 35 cm 1 m 11×4 cm
Novita sehr stark 2–3 m 2–3 m 15×7 cm ähnlich Rotundifolia, besser frosthart
Otto Luyken mittelstark 1 m 1–2 m 11×3 cm frosthart, benannt nach Otto Luyken
Paradise stark 1–2 m 2–3 m 12×5 cm
Reynvaanii sehr stark 2 m 2 m 14×5 cm
Rotundifolia sehr stark 2–3 m 2–3 m 15×7 cm frostgefährdet
Rudolf Billeter sehr stark 2–3 m 2–3 m 11×3 cm
Schipka Holland stark 2 m 2–3 m 11×5 cm
Schipkaensis stark 2 m 2 m 11×4 cm
Schipkaensis Macropylla stark 2 m 2 m 16×7 cm sehr winterhart
Van Nes mittelstark 1–2 m 2 m 11×5 cm
Zabeliana mittelstark 1–2 m 2–3 m 12×3 cm

Giftigkeit[Bearbeiten]

Frische, reife Früchte schmecken süß mit bitterem Nachgeschmack. In der Türkei wird die Lorbeerkirsche wegen der Früchte kultiviert. Diese werden dort als Trockenfrüchte verzehrt. Das Fruchtfleisch kann zu Marmelade oder Gelee verwertet werden.[1][2] Die Samen enthalten – wie bei fast allen Früchten der Gattung Prunus – Prunasin, ein cyanogenes Glykosid.[3] Im Magen entwickeln zerkaute Samen die giftige Blausäure. Nach Aufnahme von Blättern oder bis zu 10 Samen kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Tachykardie und Krämpfen kommen. Bei mehr als 10 Samen können Herz- und Atemstillstand eintreten.[4] Beim Kochen aber werden die Blausäureverbindungen zerstört. Blätter und Samen enthalten mehr Prunasin als das Fruchtfleisch.

Krankheiten & Frostschäden[Bearbeiten]

Auch wenn die Lorbeerkirsche als pflegeleichte und heimisch gut akklimatisierte Pflanze gilt, sind insbesondere drei Krankheiten oftmals beim Kirschlorbeer zu beobachten: Echter Mehltau, falscher Mehltau und Schrotschusskrankheit. Da es sich bei diesen drei Erkrankungen um einen Pilzbefall handelt, ist oftmals eine Behandlung mit einem entsprechenden Fungizid unumgänglich.

Auch wenn die Lorbeerkirsche als immergrüne Heckenpflanze und prinzipiell winterhart gilt, sind gerade in den letzten Jahren immer wieder Schäden nach den Wintern zu beobachten. Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist allerdings nicht die Kälte die Ursache für ein Erfrieren der Pflanzen, sondern in der Regel ist Wassermangel die Ursache. Die Lorbeerkirsche verdunstet gerade bei schnell ansteigenden Temperaturen viel Wasser über die Blattflächen. Wenn vorher strenge Kälte dafür gesorgt hat, dass der Boden tief durchgefroren ist, kann die Pflanze nicht ausreichend Wasser aus dem Boden beziehen, um den Wasserbedarf zu decken. Die daraus resultierenden braunen Blätter sind ein klares Zeichen für diesen Wassermangel. Entsprechende Wässerung und ein Rückschnitt der braunen Blätter / Bereiche kann Abhilfe schaffen.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  •  L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Nikol, Hamburg 2006.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c http://www.unics.uni-hannover.de/Geobotanik/Steckbrief-Prunus-laurocerasus.pdf
  2. Vollbrecht Dericks-Tan: Auf den Spuren der Wildfrüchte in Europa. Abadi-Verlag, 2009, ISBN 978-3-00-021129-4, S. 270–271.
  3. http://books.google.de/books?id=MbM211w450IC&lpg=PA519&dq=fruchtfleisch%20lorbeerkirsche&pg=PA519#v=onepage&q=fruchtfleisch%20lorbeerkirsche&f=false
  4. Franz-Xaver Reichl: Taschenatlas Toxikologie. Thieme-Verlag, 2009, ISBN 978-3-13-108973-1, S. 272–273.
  5. http://blog.baumschule-newgarden.de/pflanz-und-pflegetipps/heckenpflanzen/prunus-kirschlorbeer/

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Lorbeerkirsche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen