Lorenz Werthmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Briefmarke von 1954 aus der Serie Helfer der Menschheit
Briefmarke zum 150. Geburtstag 2008

Lorenz Werthmann (* 1. Oktober 1858 in Geisenheim; † 10. April 1921 in Freiburg im Breisgau) war katholischer Priester und Sozialpolitiker. Lorenz Werthmann war Gründer und erster Präsident des Deutschen Caritasverbandes.

Leben[Bearbeiten]

Lorenz Werthmann wurde in Geisenheim geboren und besuchte das Gymnasium in Hadamar. Er studierte am Collegium Germanicum in Rom und wurde dort zum Dr. phil. und Dr. theol. promoviert. 1883 erhielt Lorenz Werthmann die Priesterweihe in Rom. Nach kurzer Tätigkeit am Frankfurter Dom wurde Werthmann Sekretär von Bischof Peter Josef Blum in Limburg an der Lahn. Die gleiche Position nahm er auch bei dessen Nachfolger Christian Roos ein. Als dieser 1886 zum Erzbischof von Freiburg gewählt wurde, folgte er ihm und baute von dort aus seit 1895 den Caritasverband auf. Am 9. November 1897 gründete Werthmann in Köln den Charitasverband für das katholische Deutschland (DCV), der seit 1921 als Deutscher Caritasverband (DCV) bezeichnet wird.

Anliegen Werthmanns war es, auf die sozialen Nöte und das Elend seiner Zeit eine angemessene Antwort zu geben. „Organisieren, Studieren, Publizieren“ waren die drei zentralen Aufgaben, die er dem Caritasverband ins Stammbuch schrieb:

  • „Organisieren“ bedeutete für Werthmann statt vereinzelter Aktionen die Bündelung der Kräfte und das Schaffen von Hilfenetzen mit den dadurch entstehenden Synergieeffekten.
  • „Studieren“ hieß für den Gründer, dass Caritas (lat., Nächstenliebe) „nicht allein Übung eines warmfühlenden Herzens“ ist, sondern „eine Wissenschaft, eine Kunst“, dass sie also der fachlichen Kompetenz und der professionellen Rationalität bedarf.
  • Mit dem „Publizieren“ verband Werthmann das Ziel, ein „allgemeines Caritas-Bewusstsein“ zu schaffen.

Werthmann publizierte zahlreiche Veröffentlichungen, die Zeitschrift Caritas mit Erstausgabe 1895 betreute er bis zu seinem Tode 1921. Die DCV-Zentrale in Freiburg trägt seinen Namen seit 1924. Er war Mitglied der K.D.St.V. Arminia Freiburg im Breisgau im CV und seit 1898 im Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine Unitas.

Im September 2007 wurde der Werderring in Freiburg in Werthmannstraße umbenannt. Zuvor hatte es einen Werthmannplatz gegeben, der in „Platz der Universität“ umbenannt wurde. Am 9. Oktober 2008 erschien zum Gedenken an seinen 150. Geburtstag eine Sonderbriefmarke im Wert von 55 Cent.

Schriften[Bearbeiten]

  • Ernst und Größe der gegenwärtigen Weltstunde, Caritas Buchhandlung Freiburg 1914
  • Fünfzig Jahre Raphaelsverein zum Schutze katholischer deutscher Auswanderer und die drohende Auswandererflut im neuen Deutschland. Caritas-Verlag Freiburg i.Br. 1919.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dirk Hainbuch/ Florian Tennstedt (Bearb.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Band 1: Sozialpolitiker im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918. Kassel University Press, Kassel, 2010, S. 171; ISBN print 978-3-86219-038-6, ISBN online 978-3-86219-039-3 (Online, PDF; 2,2 MB)
  • Wilhelm Liese: Lorenz Werthmann und der Deutsche Caritasverband. Freiburg i.Br.: Caritasverlag 1929
  • Karl Borgmann: Lorenz Werthmann: Reden und Schriften, Freiburg i.B.: Lambertus Verlag 1958
  • Hans-Josef Wollasch: Lorenz Werthmann. In: Jürgen Aretz/ Rudolf Morsey/ Anton Rauscher (Hrsg.), Zeitgeschichte in Lebensbildern. Bd. 4, Mainz 1980, S. 79-91
  • Hans Josef Wollasch: Werthmann, Lorenz, Gründer des Deutschen Caritasverbandes (DCV). In: Hugo Maier (Hrsg.), Who is who der Sozialen Arbeit. Freiburg i.Br. 1998, S. 622-624
  • Manfred Hermanns: Weltweiter Dienst am Menschen unterwegs. Auswandererberatung und Auswandererfürsorge durch das Raphaels-Werk 1871–2011. Friedberg 2011.
  • Konrad HilpertWerthmann, Lorenz. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 13, Bautz, Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7, Sp. 890–895.

Weblinks[Bearbeiten]