Lorenzo Tiepolo

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Wappen Lorenzo Tiepolos

Lorenzo Tiepolo († 15. August 1275) war der 46. Doge von Venedig. Er regierte von 1268 bis 1275.

Familie[Bearbeiten]

Aus der Familie sind zwei Dogen hervorgegangen, auch Lorenzos Vater Jacopo Tiepolo war Doge.

Sein Enkel war der berühmte Baiamonte Tiepolo, einer der Hauptbeteiligten eines fehlgeschlagenen Aufstandes unzufriedener Familien, die bei der serrata des maggior consiglio aus dem exklusiven Kreis der Familien, die die Dogen wählten bzw. wählbar waren, ausgeschlossen blieben.

Leben[Bearbeiten]

Tiepolo hatte in seiner Karriere hervorragende Ämter in der Republik bekleidet. In den Auseinandersetzungen mit Genua war er Generalkapitän der Flotte (capitan general da mar). Als solcher vernichtete er im Krieg von Saint-Sabas vor Palästina eine genuesische Flotte. Darüber hinaus bekleidete er auch das Amt eines podesta von Treviso, Padua, Fermo und Fano. Aus Tiepolos Beutezügen im vorderen Orient stammt wahrscheinlich ein Teil der kostbaren Spolien des Markusdoms.

Er war in erster Ehe mit Agnese Ghisi verheiratet und in zweiter Ehe mit einer Tochter eines Herrschers vom Balkan. Die zweite Frau brachte dem Dogen eine reiche Mitgift ein mit Besitzungen in der Nähe von Konstantinopel. Das führte nach seinem Tod zu einer Verschärfung der promissio des Dogen, in der jeweils genau dessen Aufgaben, Pflichten und Rechte aufgeführt werden, und denen ab jetzt verboten war, Lehen fremder Herrscher anzunehmen oder nicht aus Venedig stammende Frauen zu heiraten.

Das Dogenamt[Bearbeiten]

Die Mitra, Wappen der Familie Tiepolo, von der Dogenmütze gekrönt. Detail des Grabsmals der Dogen Jacopo († 1249) und Lorenzo Tiepolo († 1275), in der Basilika der Hll. Giovanni und Paolo in Venedig.

Lorenzo wurde in Abwesenheit gewählt. Er war der erste Doge, der nach dem neu eingeführten komplizierten Wahlsystem gewählt wurde (zum Wahlverfahren siehe Doge von Venedig).

Während seiner Regierungszeit konnte er den Einfluss Venedigs im Mittelmeerraum erweitern. Ein Krieg gegen Bologna ging erfolgreich für Venedig aus und Istrien kam unter venezianische Herrschaft. Durch eine Reihe von Verträgen kam es zu einem – vorübergehenden - friedlichen Nebeneinander der beiden Rivalen Genua und Venedig.

Seit den mehr oder weniger bindenden Abkommen von Cremona von 1270 betrachtete sich Venedig als rechtmäßiger Herr der Adria. Ein neues Amt wurde eingerichtet, der Capitano del golfo, der mit einer eigenen „Polizeiflotte“ zur Überwachung des Handelsverkehrs in der Adria ausgerüstet war.

Lorenzo Tiepolo starb am 15. August 1275 und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Zanipolo beigesetzt. Er ruht im gleichen Sarkophag wie sein Vater.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrea da Mosto: I dogi di Venezia. Florenz 2003, ISBN 88-09-02881-3
  • Claudio Rendina: I dogi. Storia e segreti. Rom 1984, ISBN 88-8289-656-0
  • Helmut Dumler: Venedig und die Dogen. Düsseldorf 2001.
Vorgänger Amt Nachfolger
Renier Zen Doge von Venedig
1268–1275
Jacopo Contarini