Loretto (Burgenland)

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Loretto
Wappen von Loretto
Loretto (Burgenland) (Österreich)
Loretto (Burgenland)
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Eisenstadt-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: EU
Fläche: 2,38 km²
Koordinaten: 47° 55′ N, 16° 31′ O47.91527777777816.516944444444218Koordinaten: 47° 54′ 55″ N, 16° 31′ 1″ O
Höhe: 218 m ü. A.
Einwohner: 462 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 194 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2443
Vorwahl: 02255
Gemeindekennziffer: 1 03 20
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 9
2443 Loretto
Website: www.gemeinde-loretto.at
Politik
Bürgermeister: Markus Nitzky (ÖVP)
Gemeinderat: (2012)
(11 Mitglieder)
7
4
Von 11 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Loretto im Bezirk Eisenstadt-Umgebung
Breitenbrunn am Neusiedler See Donnerskirchen Großhöflein Hornstein Klingenbach Leithaprodersdorf Loretto Mörbisch am See Müllendorf Neufeld an der Leitha Oggau am Neusiedler See Oslip Purbach am Neusiedler See Sankt Margarethen im Burgenland Schützen am Gebirge Siegendorf Steinbrunn Stotzing Trausdorf an der Wulka Wimpassing an der Leitha Wulkaprodersdorf Zagersdorf Zillingtal Eisenstadt Rust BurgenlandLage der Gemeinde Loretto (Burgenland) im Bezirk Eisenstadt-Umgebung (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Die Basilika von Loretto
Innenansicht der Basilika
Kreuzgang der Basilika
Denkmalgeschützte Grasskapelle
Kriegerdenkmal in Loretto
Steinbruch um 1870
Loretto (Mitte) um 1872 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Loretto (ungarisch Lorettom) ist eine Marktgemeinde mit 462 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Eisenstadt-Umgebung im Burgenland in Österreich.

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im nördlichen Burgenland auf 218 m Seehöhe am Fuße des Leithagebirges. Der Ort umfasst eine Fläche von 2,38 km². Loretto ist der einzige Ort in der Gemeinde.

Die Gemeinde ist von der Bundeshauptstadt Wien 38 km entfernt und 13 km von der Landeshauptstadt Eisenstadt.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg. Ein hallstattzeitliches Gräberfeld wurde in der Flur „Ochsenstand“ ausgegraben (siehe Gräberfeld Loretto).

Später unter den Römern lag das heutige Loretto dann in der Provinz Pannonia.

Die Lorettokapellen sind Nachbildungen des Wallfahrtsheiligtums Loreto in der italienischen Provinz Ancona. Dort ist auch die Lauretanische Litanei entstanden. Die Basilika von Loreto birgt die casa santa, das Haus der Heiligen Familie von Nazareth, das nach der Legende von Engeln nach Loreto übertragen wurde.

1644 besuchte Rudolf von Stotzingen, damals Lehensträger von Hornstein, Loreto und ließ kurz darauf eine Nachbildung der Gnadenstatue feierlich in der neuerbauten Lorettokapelle aufstellen, die an der Stelle einer verfallenen, gotischen (1431) Johanneskapelle in Loretto erbaut worden war. Heute steht dort ein reliefgeschmückter Pfeiler der Mater dolorosa im ummauerten Vorhof. Die Stotzinger Serviten versahen bis 1648 den Gottesdienst, doch legte Graf Franz Nadasdy, seit 1650 der Patron, 1651 den Grundstein zu einer neuen, großen Kirche samt Kloster. Zugleich mit der Fertigstellung der Kirche 1659 wurde die Lorettokapelle an die heutige Stelle versetzt und später vom zweiten Kreuzgang umschlossen. Als Baumeister der Kirche wird Antonio Riebler angenommen, der 1657 als „derzeit Architekt in Loretto“ genannt wird.

In Anwesenheit des Kardinals, des ganzen ungarischen Hochadels und 20.000 Gläubigen wurde die Kirche am 2. Juli 1659 feierlich eingeweiht. Um den rechteckigen Platz vor der Wallfahrtskirche, die rasch berühmt wurde, erbaute man das Dorf, auf das Kloster hin ausgerichtet. Der erste Dorfrichter wurde 1651 erwähnt, der erste Markt 1666. An der Ausgestaltung der Kirche arbeitete man noch 1671, in welchem Jahr Franz von Nadasdy hingerichtet wurde.

Als sich das Hauptheer der Türken am 7. Juli 1683 in Bewegung setzte, war die Gnadenstatue nach Burg Forchtenstein gebracht worden. Am 13. Juli wurde Loretto an vier Stellen angezündet, Kirche und Kloster wurden ein Raub der Flammen. Die Wiedereinweihung war am 24. Mai 1707. 1703 bis 1711 war Loretto von den Kuruzzen bedroht, 1713 wütete die Pest. Die Wallfahrten nahmen danach einen großen Aufschwung. 1781 wurde durch Brand fast die Hälfte des Marktes verheert.

Nach der Aufhebung des Klosters 1787 diente es als Militärspital und bis 1860 als Zentralwolldepot der Herrschaft Esterházy. Von 1926 bis 1956 waren die Serviten wieder im Kloster.

In der 1720 vollendeten Basilika Maria Loretto (Titel Basilica minor seit 1997) und der 1659 errichteten Gnadenkapelle des Wallfahrtsortes wird eine Schwarze Madonna verehrt. Das Gnadenbild ist eine Kopie der Schwarzen Madonna des italienischen Marienwallfahrtsortes Loreto, welcher auch namensgebend für den Ort war.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Lorettom verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Marktgemeinde ist Loretto seit 1991.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Loretto (Burgenland)

Hauptanziehungsort des Wallfahrtsortes ist für zahlreiche Pilger die barocke Basilika Maria Loretto (siehe oben ‚Geschichte‘), mit dem großen Anger, der der größte natürliche Anger Mitteleuropas ist. Der Klosterkomplex, die Kirche mit dem hohen Dach und den niedrigen Türmen schmiegt sich an den sanften Hang, der zum Leithagebirge aufsteigt und an dem die Kalksteinbrüche angelegt sind. Der Lorettokalk ist an punktförmigen, dunklen Einsprengseln im hellockerfarbenen Gesamtton zu erkennen. Um 1830 waren fünf Steinbrüche in Betrieb, wo viele Einwohner beschäftigt waren.

Wanderer machen bei Wanderungen über das Leithagebirge Rast in Loretto. Die Kombination des Angers und der Basilika ist ausschlaggebend dafür, dass jedes Jahr rund 200.000 Besucher den kleinen Ort besuchen.

Am Anger befindet sich eine Pestsäule von 1680, die Florianisäule aus der Zeit um 1734 und eine Pietà aus dem 18. Jahrhundert.

Sehenswert ist auch die Dreifaltigkeitskapelle, die sich in der Nähe der Esterházyschen Waldrandsiedlung befindet. Ein Stück weiter in Richtung Stotzing befindet sich das so genannte Teufelsloch, eine Höhle, die der ansässigen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg als Versteck diente.

Im Ortsgebiet wurden eine fossile Antilope und ein Nashorn aus dem Miozän gefunden. Loretto ist eine der größten urgeschichtlichen Fundstätten Österreichs. Grabungen finden seit 1950 statt. Entdeckt wurden ein Begräbnisplatz mit über 160 Gräbern (Bronzezeit bis Urnenfelderkultur), 200 illyrische Gräber der Hallstattzeit („Bürgermeistergräber“, Mondidole) sowie skythische Gräber aus dem 5. Jahrhundert und Hinweise auf keltische Bestattungen.

Die alten Häuser in Loretto besitzen alte Hoftore, so Nr. 3 mit Schlussstein, Nr. 4 mit Schlussstein „1698“, Nr. 5 „1668“, Nr. 6 „1720“, Nr. 8 „1799“, Nr. 14 mit Relief des hl. Georg, Nr. 20 mit Hauszeichen (Brezel, außerdem die Nr. 17, 18, 28, 30, 31, 33, 34). Haus Nr 3 hat einen barocken Erker und Nr. 32 eine besonders reich gegliederte Fassade.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Neben der Sonnwendfeier und dem
  • Beach-Sports-Event des VFL (Verein der Freunde Loretto)

stehen selbstverständlich auch kirchliche Ereignisse im Mittelpunkt

  • Der große Kirtag, der alljährlich am 15. August am Anger stattfindet und an dem rund 300 Marktstände teilnehmen, lockt jedes Jahr rund 20.000 Besucher an.
  • Jedes Jahr am 1. Mai findet die Autoweihe statt, zu der Fahrzeugbesitzer aus der Region kommen, um ihre Fahrzeuge segnen zu lassen.
  • Am Wochenende zu Fronleichnam findet der traditionelle Feuerwehrheurige statt.
  • Am 8. eines jeden Monats findet die monatliche Wallfahrt statt.

In der wunderschönen Basilika lassen sich alljährlich zahlreiche Paare trauen, die oft von Wien oder anderen Regionen kommen. Vor allem in den Sommermonaten finden an den Wochenenden an manchen Tagen mehrere Trauungen hintereinander statt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Politik[Bearbeiten]

  • Bürgermeister ist Markus Nitzky von der ÖVP.
  • Die Mandatsverteilung (11 Sitze) in der Gemeindevertretung ist: SPÖ 4, ÖVP 7 Mandate.

Einwohner[Bearbeiten]

Laut Volkszählung im Jahr 2011 zählt die Gemeinde 458 Einwohner und ist damit die an der Bevölkerung gemessen kleinste Marktgemeinde Österreichs.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Im Ort sind einige kleinere Handwerksbetriebe tätig. Der örtliche Gasthof Graf bewirtet Einheimische wie Reisende seit 1886 unter diesem Namen und bietet Unterkünfte an. Des Weiteren befinden sich noch ein Heurigenrestaurant und eine Bäckerei im Ort.

Sport[Bearbeiten]

  • Der örtliche Tennisverein UTC Loretto betreibt fünf Tennisplätze.
  • Der Verein VFL betreibt einen Beach-Volley/Beach-Soccer-Platz sowie eine
  • Eisstockschießbahn
  • Regelmäßig findet auf dem Rundkurs um den Anger Loretto ein überregionales Radkriterium statt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Loretto – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien