Los Caprichos

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„Volavérunt“ aus Los Caprichos

Los Caprichos (spanisch, von italienisch Capriccio, (unbeschwerte) Laune, Einfall) ist ein zwischen 1793 und 1799 entstandener gesellschaftskritischer Zyklus des spanischen Malers und Grafikers Francisco de Goya.

Es handelt sich um 80 Blätter, die in einer Mischung aus Aquatinta und traditioneller Radiertechnik entstanden und die als Schlüsselwerk Goyas gelten, das am meisten dazu beitrug, Goyas Namen und Kunst in ganz Europa bekannt zu machen. Bis heute gilt Goyas Verwendung der Aquatinta als herausragendes Beispiel für Radiertechnik.

Der Zyklus erschien 1799 in einer Auflage von 270 Stück, wurde aber aus Furcht vor Repressalien (die Inquisition hatte begonnen) zwei Tage nach dem Verkauf von nur 27 Stück aus dem Handel gezogen.

Ursprung[Bearbeiten]

1792 erkrankte der Hofmaler Goya schwer – die Spekulationen reichen von Syphilis bis Bleivergiftung – was zu einer lebenslangen Gehörlosigkeit und auch zu einer Wende in seinem künstlerischen Schaffen führte. Goya konzentrierte sich fortan nicht mehr auf das höfische Leben und dessen Repräsentationswünsche, sondern entwickelte zunehmend gesellschaftskritischen Charakter und beschäftigte sich mit den politischen und sozialen Umständen seiner Zeit. Er zog sich von seinen öffentlichen Ämtern zurück und versuchte, seine Druckgrafiken eigenhändig auf dem freien Markt zu verkaufen.

Dualismus von Vernunft und Phantasie – Kennzeichen des Capriccio – charakterisiert diesen ersten seiner Radierungszyklen, bei dessen Entstehung im Jahre 1797 Goya 51 Jahre alt war.

Inhalt[Bearbeiten]

Die Blätter greifen aktuelle Probleme auf: Armut, Prostitution, Aberglaube, Standesdünkel, Missbrauch klerikaler Autorität durch Inquisition und die Brutalität des Machterhalts von Adel und Klerus.

1799 kündigte Goya in einer Madrider Tageszeitung das Erscheinen dieser Serie von 80 Radierungen unter dem Titel Caprichos an. Der unbeschwerte Titel der Bilderserie ließ die dahinter steckende schonungslose Gesellschaftskritik nicht vermuten. Doch als Sittenbilder der zeitgenössischen Gesellschaft, „durchtränkt von erotischer Atmosphäre und beißender Satire“[1], galt der Zyklus den Zeitgenossen als höchst gefährlich.

Goyas Zeitgenossen haben die Caprichos als direkte Satire verstanden und sich damit vergnügt, angeblich porträtierte Personen zu identifizieren. Goya dagegen hatte bestritten, dass persönliche Angriffe gemeint waren.

Drucklegung[Bearbeiten]

1803 bot Goya die Platten und die restlichen Drucke dem König Karl IV. (1788–1808) mit der Bitte an, eine Pension für seinen Sohn zu gewähren. Der König akzeptierte, und die Platten gingen an das Museo de Calcografía Nacional Madrid. Von den Platten wurden nach Francisco de Goyas Tod mehrere Serien abgezogen. Die erste Neuausgabe erschien 1850, der letzte Neudruck (12. Auflage) kam 1937 heraus.

Abbildungen[Bearbeiten]

Am berühmtesten ist das Blatt Nr. 43 mit dem Titel El sueño de la razón produce monstruos (Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dr. Christoph Heinrich von der Hamburger Kunsthalle

Literatur[Bearbeiten]

  • Francisco Goya y Lucientes: Caprichos. Introduced and Edited by Miroslav Mícko. Spring Books u. a., London u. a. 1958, Sämtliche 80 Blätter sind abgedruckt und beschrieben.
  • Charles Harrison, Paul Wood (Hsg.): Art in theory. An anthology of changing ideas. Band 1: 1648–1815. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2000, ISBN 0-63120-064-9, S. 975.
  • Helmut C. Jacobs: Der Schlaf der Vernunft. Goyas Capricho 43 in Bildkunst, Literatur und Musik. Schwabe, Basel 2006, ISBN 3-7965-2261-0.
  • Sigrun Paas-Zeidler: Goya, Radierungen. Hatje Verlag, Stuttgart 1978, ISBN 3-7632-2331-2.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Los Caprichos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien