Loss Given Default

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Loss Given Default (LGD) ist in der Kreditrisikosteuerung die Bezeichnung für die Verlustquote.

Der LGD ist neben der Ausfallwahrscheinlichkeit (Probability of Default; oder häufig kurz als "PD" bezeichnet) und dem Exposure at Default (= ausstehendes Obligo im Verzugsfall) maßgeblich für die Bestimmung des sog. Erwarteten Verlustes (Expected Loss; oder häufig kurz als "EL" bezeichnet) eines Kreditgeschäftes oder eines Kreditportfolios. Zur Ermittlung des LGD wird in der ex-ante Betrachtung der erwartete Verlust im Verzugsfall in Relation zum Exposure at Default gesetzt. Der Verlust muss nach der Definition von Basel II dem "ökonomischen Verlust" entsprechen. In der ex-post Betrachtung wird hingegen aus den realisierten Kosten und Erlösen der LGD berechnet.

Der Parameter LGD erhält zunehmende regulatorische Aufmerksamkeit, da er speziell bei Immobilienfinanzierungen zentral ist. Die LGD-Modelle der ersten Generation (2000er-Jahre) waren oft nur im Poolmittel valide (im Durchschnitt der Kreditnehmer), nicht jedoch auf Kreditnehmerebene. Daraus resultierten auch Pricing-Probleme für die entsprechenden Banken. So genannte Erlösquotenschätzer gelten als Best Practice für die Berechnung der LGD-Parameter für die unterschiedlichen Segmente (Retail, Mortgages, Corporate). Die Erlösquotenschätzer bestimmen Erlöse und Verluste bspw. für Immobilienfinanzierungen aus Einflussgrössen wie der wirtschaftlichen Kraft nahegelegener Agglomerationen, der Infrastruktur und Erreichbarkeit (öffentlicher Nahverkehr, Anbindung), der Quadratmeterzahl, dem Standard, dem regionalen Freizeitwert usw.

Zeitabhängige Erlöse und Kosten werden dann in Relation zum EAD gesetzt. Der (zeitabhängige) LGD resultiert. 

Zunehmendes Gewicht wird speziell auf die Zeitabhängigkeit von LGD-Schätzungen gelegt - dies ist besonders im Licht von IFRS 9 relevant (laufzeitabhängige PD- und LGD-Werte). Mit dem sich ändernden Objektwert in der Mobilien- und Immobilien-Finanzierung ändert sich auch der LGD und damit das für die Bank zu hinterlegende Kapital.


Einflussfaktoren für den "ökonomischen Verlust" sind:

  • Erlöse aus der Verwertung von Sicherheiten
  • Sonstige Erlöse (Zahlungen des Kreditnehmers, Zahlungen aus der Insolvenzquote)
  • Interne und Externe Kosten
  • Zeitliche Struktur von Kosten und Erlösen (barwertige Betrachtung auf den Ausfallzeitpunkt)
  • Opportunitätskosten (Kosten für gebundenes Eigenkapital)
  • Opportunitätserlöse (Steuerersparnisse)
  • Kapitalverlust (Abschreibungen, Einzelwertberichtigungen)
  • Barwertverluste bei Restrukturierung der Kreditengagements


Für ein Kreditinstitut ist eine eigene oder ein im Verbund mit anderen Kreditinstituten entwickelte LGD-Methodik eine Voraussetzung, um den erweiterten Basel II Ansatz zu erreichen. (IRB)