Lot (Mathematik)
Ein Lot ist in der Geometrie eine gerade Linie, die auf einer gegebenen Gerade oder Ebene senkrecht steht. Je nachdem ob es sich bei dieser Linie um eine Gerade oder um eine Strecke handelt spricht man auch von Lotgerade oder Lotstrecke. Der Schnittpunkt des Lots mit der gegebenen Gerade oder Ebene wird Lotfußpunkt genannt. Das Lot kann auf verschiedene Weisen mit Zirkel und Lineal geometrisch konstruiert werden. Berechnet werden kann es durch Ermittlung des Normalenvektors der Gerade oder Ebene oder durch Orthogonalprojektion eines Punkts außerhalb der Gerade oder Ebene. Die Länge der Lotstrecke ist dann gerade der Abstand (Normalabstand) eines Punkts von der Gerade oder Ebene.
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Definition [Bearbeiten]
Eine Linie
heißt Lot auf eine Gerade
oder Ebene
, wenn
bzw. 
gilt, wenn sie also senkrecht auf der Gerade oder Ebene steht und somit mit ihr einen rechten Winkel bildet. Der Lotfußpunkt ist dann der Schnittpunkt
bzw.
des Lots mit der Gerade oder Ebene.
Geometrische Konstruktionen [Bearbeiten]
In zwei Dimensionen lässt sich das Lot auf eine Gerade auf einfache Weise mit Zirkel und Lineal konstruieren. Je nachdem, ob ein gegebener Punkt
auf der Geraden
oder außerhalb liegt, spricht man vom Errichten oder vom Fällen des Lots.
Errichten des Lots [Bearbeiten]
Ist ein Punkt
auf der Geraden
gegeben, dann findet man die Lotgerade durch diesen Punkt wie folgt. Man sticht den Zirkel in den Punkt
ein und bestimmt durch Ziehen eines beliebigen Kreises zwei Punkte auf der Gerade mit gleichem Abstand von
. Dann vergrößert man den Winkel des Zirkels, sticht ihn jeweils in einen der beiden gefundenen Punkte auf der Gerade ein und findet durch Ziehen zweier Kreisbögen einen Punkt (von zwei möglichen) außerhalb der Gerade mit gleichem Abstand von den beiden Punkten. Die Gerade, die diesen Punkt gleichen Abstands mit dem Ausgangspunkt verbindet, ist dann die Lotgerade zu
durch
.
Fällen des Lots [Bearbeiten]
Ist ein Punkt
außerhalb der Geraden
gegeben, dann findet man das Lot durch diesen Punkt auf die Gerade wie folgt. Man sticht den Zirkel in den Punkt
ein und bestimmt durch Ziehen eines Kreises mit entsprechend großem Radius zwei Punkte auf der Gerade mit gleichem Abstand von
. Dann verkleinert man gegebenenfalls den Winkel des Zirkels, sticht ihn jeweils in einen der beiden gefundenen Punkte auf der Gerade ein und findet durch Ziehen zweier Kreisbögen einen weiteren Punkt mit gleichem Abstand von den beiden Punkten. Die Gerade, die diesen beiden Punkte gleichen Abstands miteinander verbindet, ist dann die Lotgerade zu
durch
und der Schnittpunkt dieser Gerade mit
ist der Lotfußpunkt.
Eine alternative Konstruktion von einem gegebenen Punkt das Lot auf eine Gerade zu fällen besteht darin, den Zirkel an zwei beliebigen Punkten
und
auf der Gerade einzustechen und jeweils den Kreis, der durch den gegebenen Punkt
verläuft, einzuzeichnen. Diese beiden Kreise schneiden sich dann in einem weiteren Punkt
außerhalb der Gerade und die Verbindungslinie zwischen
und
ist dann die Lotgerade durch
. Diese Konstruktion kann auch für Spiegelungen benutzt werden.
Berechnung [Bearbeiten]
In der analytischen Geometrie werden Punkte in der euklidischen Ebene oder im euklidischen Raum mit Hilfe des kartesischen Koordinatensystems durch Ortsvektoren
bzw. 
beschrieben. Geraden in der Ebene sind typischerweise als Geradengleichung in Parameterdarstellung
gegeben, wobei
der Ortsvektor eines Geradenpunkts,
der Richtungsvektor der Geraden und
ein reeller Parameter ist. Ebenen im Raum sind typischerweise in Parameterdarstellung
gegeben, wobei
und
reelle Parameter sind, sowie
und
die Spannvektoren der Ebene, die nicht kollinear sein dürfen. Zwei Vektoren
und
in der Ebene oder im Raum bilden einen rechten Winkel, wenn ihr Skalarprodukt
ist.
Errichten des Lots [Bearbeiten]
Der Richtungsvektor der Lotgeraden zu einer gegebenen Gerade oder Ebene ist der Normalenvektor
der Gerade bzw. Ebene. Man erhält im zweidimensionalen Fall einen Normalenvektor einer Gerade durch Vertauschen der beiden Komponenten ihres Richtungsvektors und durch Umkehrung des Vorzeichens einer der beiden Komponenten über
.
Einen Normalenvektor
einer Ebene kann man, sofern sie nicht in Normalenform gegeben ist, über das Kreuzprodukt der Spannvektoren durch
berechnen. Ist nun ein Punkt
auf der Gerade oder Ebene gegeben, dann ist die Geradengleichung der Lotgerade
,
wobei
eine reelle Zahl ist. Eine Gerade im Raum hat keine ausgezeichnete Normalenrichtung, stattdessen besitzt sie an jedem Geradenpunkt eine Lotebene, deren Normalenvektor gleich dem Richtungsvektor der Geraden ist.
Fällen des Lots [Bearbeiten]
Ist ein Punkt
außerhalb der Gerade oder Ebene gegeben, dann erhält man den Lotfußpunkt
des Lots von
auf die Gerade oder Ebene als Orthogonalprojektion
.
Es ist auch möglich, das Lot von einem Punkt im Raum auf eine Gerade im Raum zu fällen. Ist
der Richtungsvektor der Geraden, dann erhält man den Lotfußpunkt
durch
.
Der Lotfußpunkt
ist dann derjenige Geraden- bzw. Ebenenpunkt, dessen Abstand zu
minimal ist. Man definiert damit den Abstand von
zu der Gerade oder Ebene als die Länge der Lotstrecke
.
Beispiel [Bearbeiten]
Gegeben sei die Ebene mit dem Fußpunkt
und den Spannvektoren
und
. Ein Normalenvektor der Ebene ist dann
oder auch einfacher
. Die Lotgerade durch den Punkt
auf der Ebene ist damit
mit
.
Ist nun der Punkt
außerhalb der Ebene gegeben, dann erhält man den Lotfußpunkt des Lots von
auf die Ebene als
.
Der Abstand des Punkts
von der Ebene ist damit
.
Literatur [Bearbeiten]
- Harald Scheid, Wolfgang Schwarz: Elemente der Geometrie. 4. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-8274-1697-1, S. 9.
Weblinks [Bearbeiten]
-
Commons: Perpendicular – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien - Michiel Hazewinkel (Hrsg.): Perpendicular straight lines. In: Encyclopaedia of Mathematics. Springer-Verlag, Berlin 2002, ISBN 1-4020-0609-8 (Online).
- Eric W. Weisstein: Perpendicular. In: MathWorld. (englisch)
- Warren Buck: Compass and straightedge construction of perpendicular. In: PlanetMath. (englisch)

von einem Punkt
auf eine Gerade
mit Lotfußpunkt 
bzw. 
bzw. 


.
,
.
.
mit
.
.
.