Lothar Zagrosek

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Lothar Zagrosek

Lothar Zagrosek (* 13. November 1942 in Otting) ist ein deutscher Dirigent.

Leben[Bearbeiten]

Lothar Zagrosek bei der Probe im Konzerthaus Berlin
Lothar Zagrosek bei der Probe

Während seiner Schulzeit war er unter Domkapellmeister Theobald Schrems Sängersolist bei den Regensburger Domspatzen. Als solcher sang er u. a. den Ersten Knaben in der Oper Die Zauberflöte 1954 bei den Salzburger Festspielen. Er studierte Dirigieren bei Hans Swarowsky, Istvàn Kertész, Bruno Maderna und Herbert von Karajan.

Von 2006 bis zum Ende der Saison 2010/2011[1] war Zagrosek als Chefdirigent und stellvertretender Intendant des Konzerthausorchesters Berlin tätig, im September 2012 kehrte er an die Deutsche Oper Berlin zurück und übernahm dort die musikalische Leitung einer Neuinszenierung von Lachenmanns Das Mädchen mit den Schwefelhölzern.

Lothar Zagrosek war er von 1997 bis 2006 Generalmusikdirektor an der Württembergischen Staatsoper in Stuttgart. Seine Arbeit an diesem Haus wurde in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt zweimal mit der Auszeichnung „Dirigent des Jahres“ gewürdigt. Die Staatsoper Stuttgart wurde während seiner Amtszeit fünfmal zum Opernhaus des Jahres gewählt. Außerdem ist er seit 1995 erster Gastdirigent der Jungen Deutschen Philharmonie.

Lothar Zagroseks musikalische Karriere führte nach Stationen als Generalmusikdirektor in Solingen und in Krefeld-Mönchengladbach 1982 als Chefdirigent des Österreichischen Radiosinfonieorchesters nach Wien. Diesem Engagement folgten 1986 drei Jahre als Directeur musicale der Grand Operá de Paris sowie als Chief Guest Conductor des BBC Symphony Orchestra in London. Von 1990 bis 1992 wirkte Lothar Zagrosek als Generalmusikdirektor der Oper Leipzig.

Zagrosek ist sowohl Opern- als auch Konzertdirigent und hat sich besonders um die zeitgenössische Musik verdient gemacht. Unzählige Ur- und Erstaufführungen sind hier zu nennen, darunter Werke von Berthold Goldschmidt, Jörg Herchet, Günter Kochan, Helmut Lachenmann, Wolfgang Rihm und Hans Zender.

Weiterhin führte er viele vergessene Werke wieder auf, vor allem Musik der sogenannten „entarteten Musik“ (u. a. Hans Krása, Viktor Ullmann, Erwin Schulhoff) und der frühen Moderne des 20. Jahrhunderts (Paul Hindemith, Franz Schreker). Mehrere seiner Einspielungen haben bedeutende Preise wie den Grand Prix du Disque, „Cannes Classical Award“ und den Deutschen Schallplattenpreis gewonnen oder wurden für den Grammy nominiert.

Im Jahr 2006 wurde Lothar Zagrosek der Hessische Kulturpreis verliehen. Für seine herausragenden musikalischen Leistungen wurde er vom Verband der deutschen Kritiker e. V. mit dem "Kritikerpreis 2009" im Bereich Musik ausgezeichnet.

Lothar Zagrosek, dem Nachwuchsförderung und kulturelle Bildung sehr am Herzen liegen, ist Schirmherr der Offensive Kulturelle Bildung in Berlin, Ehrenvorsitzender der Jury des Hochschulwettbewerbs Dirigieren 2008 und Vorsitzender des künstlerischen Beirats des Dirigentenforums des Deutschen Musikrats.

Lothar Zagrosek gastiert in allen großen Konzerthäusern Deutschlands und hat zahlreiche CDs eingespielt. Er stand und steht am Pult zahlreicher bedeutender Orchester des In- und Auslandes, darunter die Berliner und Münchner Philharmoniker, das Gewandhausorchester Leipzig, die Bamberger Symphoniker, alle großen deutschen Rundfunk-Sinfonieorchester, das Royal Concertgebouw Orchestra, die Wiener Symphoniker, das Orchestra dell’Accademia di Santa Cecilia, das Orchestre National de France, London Philharmonic Orchestra, das Orchestre Symphonique de Montreal, das Atlanta Symphony Orchestra und das NHK Symphony Orchestra Tokyo. Er war Gast bei den Wiener und Berliner Festwochen, den London Proms, den musica viva und auf den Festivals für zeitgenössische Musik in Donaueschingen, Berlin, Brüssel und Paris vertreten.

Sein Zwillingsbruder Eberhard Zagrosek begründete 2005 den Internationalen Klavierwettbewerb für Amateure, Berlin.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten]

  • 1984 Christoph Willibald Gluck: Paride ed Elena (Orfeo)
  • 1986 Bedrich Smetana: Festive Symphony (Slavnostní Symfonie oder Triumfální Symfonie; ORF Broadcasting Centre).
  • 1989 Gottfried von Einem: Dantons Tod (Orfeo)
  • 1989 Frank Martin: Der Cornet (Orfeo), „Grand Prix du Disque“
  • 1993 Ernst Krenek: Jonny spielt auf (Decca)
  • 1994 Berthold Goldschmidt: Der gewaltige Hahnrei (Decca), „Cannes Classical Award“
  • 1994 Victor Ullmann: Der Kaiser von Atlantis (Decca), „Cannes Classical Award“
  • 1995 Hanns Eisler: Deutsche Sinfonie (Decca)
  • 1995 Anton Bruckner: Quintett F-Dur, Arnold Schönberg: Verklärte Nacht (Orfeo)
  • 1996 Paul Hindemith: Das Unaufhörliche (Wergo)
  • 1998 Hans Krasa: Verlobung im Traume (Decca), „Gramophone editor’s choice“, „Diapason d’or“, Preis der deutschen Schallplattenkritik
  • 1998 Olivier Messiaen: Saint François d’Assise (Orfeo)
  • 2000 Kurt Weill: Die sieben Todsünden (Capriccio)
  • 2001 Luigi Nono: Al gran sole carico d’amore (Teldec)
  • 2003 Franz Schreker, Erwin Schulhoff, Paul Hindemith: Tanz Grotesk (Decca)
  • 2003 György Ligeti, Matthias Pintscher, Robert Schumann: Sinfonie Nr. 4
  • 2003 Helmut Lachenmann: Das Mädchen mit den Schwefelhölzern (Kairos), Preis der deutschen Schallplattenkritik
  • 2005 Walter Braunfels: Die Vögel (Decca), Grammy-Nominierung
  • 2005 Junge Deutsche Philharmonie: Konzertmitschnitte 1997-2005
  • 2006 Richard Wagner: Das Rheingold (Naxos)
  • 2007 Anton Webern: Im Sommerwind, Franz Schubert: Sinfonie Nr. 8 „Die Große“ (Altus)
  • 2008 Ludwig van Beethoven: Sinfonien Nr. 7 und Nr. 8 (Altus)
  • 2011 Olivier Messiaen, George Benjamin, Robin de Raaff, Igor Strawinsky

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wo fehlte Unterstützung? In: Berliner Zeitung, 18. April 2009