Lotte Hass

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lotte Hass
Taucher-weiss-links.svg
Lotte Hass 2004.jpg

Lotte Hass (2004)

Persönliche Informationen
Name: Charlotte Hildegard Hass (geb. Baierl)
Spitzname(n): Lotte
Nationalität: OsterreichÖsterreich Österreich
Geburtstag: 6. November 1928
Geburtsort: Wien-Brigittenau

Charlotte („Lotte“) Hildegard Hass (geb. Baierl) (* 6. November 1928 in Wien) ist eine österreichische Tauchpionierin. Als zweite Ehefrau des Naturforschers Hans Hass (1919–2013) wirkte sie in einigen seiner Filme als Unterwassermodell und Hauptdarstellerin mit.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Als Hans Hass im Sommer 1947 für sein Büro in Wien eine Sekretärin suchte, bewarb sich Lotte Baierl erfolgreich für die Stelle. Sie hatte gerade ihre Matura bestanden und war ein großer Fan von Hass. Lotte lernte neben ihrer Büroarbeit den Umgang mit Tauchgeräten und Unterwasserkameras, denn sie hoffte, an der nächsten Expedition von Hass teilnehmen zu dürfen. Dafür trainierte sie in Schwimmbädern, tauchte und fotografierte in den Seen rund um Wien. Unterstützt und angelernt wurde sie dabei von dem Assistenten von Hans Hass, Kurt Schaefer.

Hans Hass war generell gegen die Teilnahme einer Frau an seinen Expeditionen. Die Teilnahme von Lotte wurde aber schließlich doch möglich, als die Wiener Sascha-Filmgesellschaft darauf bestand, dass Hass seinen nächsten Dokumentarfilm durch eine hübsche weibliche Hauptdarstellerin für ein größeres Publikum attraktiver macht. Die Wahl fiel auf Lotte Baierl. Die mehrmonatige Expedition 1950 an das Rote Meer war sehr mühsam, aber erfolgreich. Hass konnte als erster Mensch Mantas und Walhaie filmen. Lotte betätigte sich dort als Unterwasser-Fotografin und Unterwasser-Modell. Zur Freude des Publikums trug sie im Film stets besonders textilarme Bademodedekorationen. 1970 publizierte sie ihre Erlebnisse während der Expedition an das Rote Meer in ihrem Buch „Ein Mädchen auf dem Meeresgrund“.

Bald darauf wurde sie international bekannt. Sie erhielt Film-Angebote aus Hollywood, die sie aber alle ablehnte, da sie nicht hauptberufliche Schauspielerin werden wollte.

So gut Lotte in den USA auch ankam, stieß ihre Teilnahme an der Expedition an das Rote Meer in Deutschland und Österreich doch auch auf Kritik, denn man zweifelte an dem wissenschaftlichen Ernst von Hans Hass. Die „Hessischen Nachrichten“ bezeichneten die Expedition an das Rote Meer aufgrund Lottes Mitwirkung als eine „Pin-Up-Expedition“.[1] Andere betitelten Lotte Baierl spöttisch „Lotte Haierl“. Noch 1959 höhnte das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in einer Fernsehkritik: „Keine Grotte ohne Lotte“.[2] Man verstand nicht, welchen Spagat Hass zur Kommerzialisierung seiner Filme machen musste: Sie wurden in der Art von Dokumentarfilmen produziert, aber als Spielfilm umgearbeitet und dem Publikum präsentiert. Diese Mischung funktionierte erstaunlich gut: Der Film „Abenteuer im Roten Meer“ wurde 1951 bei der Biennale in Venedig mit dem Internationalen Preis für lange Dokumentarfilme ausgezeichnet.

Anfang November 1950, auf dem Rückflug von Port Sudan nach Wien, verlobten sich Hans Hass und Lotte Baierl. Die Ehe von Hass mit seiner ersten Ehefrau, der Schauspielerin Hannelore Schroth, war im April 1950 geschieden worden. Die zivilrechtliche Trauung von Hans Hass und Lotte fand am 29. November 1950 in Küsnacht am Zürichsee statt. Die kirchliche Hochzeit erfolgte im Februar 1963 in der Kirche Sankt Augustin in Wien.

In den 1950er Jahren nahm Lotte auch an beiden „Xarifa“-Expeditionen von Hans Hass teil. Nach der Geburt ihrer Tochter Meta im Jahre 1958 zog sich Lotte Hass aus der Öffentlichkeit zurück und widmete sich vorwiegend Haushalt und Erziehung. Nur selten kehrte sie vor die Kamera zurück. 1976 spielte sie eine Nebenrolle in der Folge 29 von „Der Mann aus Portofino“ der bekannten Krimiserie „Derrick“.

Lotte und Hans Hass auf der boot 2009 an seinem 90. Geburtstag

Filme[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1959 Während der zweiten Xarifa-Expedition wurde eine neue Fischart entdeckt, die von den Wissenschaftlern zu Ehren von Lotte Hass „Lotilia graciliosa“ getauft wurde.
  • 1989 IADS-Lifetime Achievement Award (International Association of Diving schools, USA)
  • 1990 Tauchpionier-Preis des TC Salzkammergut
  • 1997 Historical Diver Magazine Pioneer Award (USA)
  • 2000 Aufnahme in die Womens Divers Hall of Fame (USA)[3]
  • 2000 Aufnahme in die International Scuba Diving Hall of Fame (USA)
  • 2006 Beneath the Sea Legends Award (USA)
  • 2009 Ehrenplakette in Gold vom Verband Deutscher Sporttaucher e.V. (VDST)
  • 2012 Romy Platin für ihr Lebenswerk[4]

Internationale Bedeutung[Bearbeiten]

Bereits in den Jahren 1946 bis 1949 wurden in Frankreich die ersten abendfüllenden Spielfilme unter der Wasseroberfläche gedreht. Ein Beispiel ist der Film „Les traficants de la mer“ von 1947 unter Willy Rozier und Michel Rocca. Sie erforderten, dass Filmschauspielerinnen das Tauchen lernten und bis zu 30 Meter Tiefe tauchen mussten. Neu war bei diesen Filmen auch, dass die Spielszenen bereits mit Unterwasserscheinwerfern beleuchtet wurden, die von Batterien aus mit wasserdichten Kabeln aus dem Begleitschiff gespeist wurden.

Als weltweit erste Filmschauspielerin von Rang, die in einem Unterwasserfilm mitgewirkt hat, gilt die französische Schauspielerin Françoise Arnoul in Willy Roziers Film „L'Épave“, der erstmals 1949 gezeigt wurde.

Verfilmung[Bearbeiten]

Im Sommer und Herbst 2010 wurde ihr Buch Ein Mädchen auf dem Meeresgrund unter dem Titel Das Mädchen auf dem Meeresgrund verfilmt. Es handelt von der Expedition an das Rote Meer 1950. Im Film spielt Yvonne Catterfeld ihre Rolle. Bei einigen Unterwasser-Stuntszenen wurde Catterfeld von Anna von Boetticher gedoubelt. Hans Hass wird von Benjamin Sadler dargestellt. Der Film wurde am 8. Dezember 2011 zeitgleich vom ORF und ZDF ausgestrahlt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lotte Baierl: Expedition ins Wiener Eismeer. Grosse Österreich Illustrierte, Wien, Oktober 1949
  • Lotte Hass: Ein Mädchen auf dem Meeresgrund. Wien, 1970. (Englische Lizenzausgabe 1972, Polnische Lizenzausgabe 1976)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hessische Nachrichten, Kassel, 20. Dezember 1950
  2. Der Spiegel, Hamburg, 9. Dezember 1959
  3. Womens Divers Hall of Fame
  4. http://kurier.at/freizeit/leute/4487617-barbara-schoeneberger-moderiert-kurier-romy.php