Lotte Laserstein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lotte Laserstein bei der Arbeit an ihrem Gemälde Abend über Potsdam; Fotografie von Wanda von Debschitz-Kunowski

Lotte Laserstein (* 28. November 1898 in Preußisch Holland; † 21. Januar 1993 in Kalmar, Schweden) ist eine bedeutende Vertreterin der gegenständlichen Malerei der Weimarer Republik.[1] 1937 emigrierte Lotte Laserstein nach Schweden, aufgrund der Verfolgung von Menschen jüdischer Herkunft durch das nationalsozialistische Regime in Deutschland. In Schweden war sie bis zu ihrem Tode als Porträtistin und Landschaftsmalerin tätig. Die in den 1920er und 1930er Jahren in Deutschland entstandenen Bilder stehen der Neuen Sachlichkeit nahe und gelten als der Höhepunkt ihres umfangreichen Schaffens.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Stolperstein für die Mutter von Lotte Laserstein vor dem Haus, Immenweg 7, in Berlin-Steglitz

Im damaligen Ostpreußen in Preußisch Holland bei Königsberg geboren, schloss Lotte Laserstein 1927 ihr Studium an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst in Berlin – als eine der ersten Frauen mit Auszeichnung – ab. Das zentrale Thema ihrer Arbeit war die Bildnismalerei. Die Bilder, die zwischen 1927 und 1933 entstanden, als sie relativ unabhängig von Aufträgen arbeiten konnte, werden heute als die bedeutendsten eingeschätzt.[2] Es sind „Bildnisse zwischen sozialer Repräsentation und malerischer Präsenz“ die „als Schilderung weiblicher Lebensrealität“ gelten können.[3] Schätzungsweise 10.000 Arbeiten umfasst das Gesamtwerk Lotte Lasersteins, darunter konnten inzwischen für die Berliner Jahre etwa 300 Gemälde und 100 Zeichnungen nachgewiesen werden. Die getaufte und assimilierte Jüdin lebte ab 1937, dem Jahr ihrer Flucht nach Schweden, überwiegend von Auftragsporträts. Ihre Bemühungen während des Zweiten Weltkriegs, auch ihre Mutter Meta sowie ihre Schwester Käte und deren Lebensgefährtin Rose Ollendorf nach Schweden zu retten, waren vergebens. Die Mutter starb 1943 im KZ Ravensbrück, die Schwester überlebte den Krieg traumatisiert im Versteck in Berlin.

Den Durchbruch zur internationalen künstlerischen Anerkennung brachte die Londoner Ausstellung 1987, bei der die betagte Malerin mit ihrer Lebensgefährtin Traute Rose zugegen war. Noch mit 92 Jahren war Lotte Laserstein künstlerisch tätig.

Publiziert und wissenschaftlich gewürdigt wurde die Künstlerin ab den 1990er Jahren, u. a. durch Marsha Meskimmons Forschungsbeiträge zur Kunst der 1920er Jahre.[4]

Seit 2010 ist die Nationalgalerie in Berlin im Besitz des Gemäldes Abend über Potsdam aus dem Jahr 1930. Das Bild soll zukünftig die Ausstellung zur Moderne in der Neuen Nationalgalerie als erstes Bild eröffnen.

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg hat 2007 im Ortsteil Schöneberg eine kurze Zufahrt zu einem Parkhaus nach ihr benannt.

Retrospektiven seit 2000[Bearbeiten]

  • 2003 Retrospektive Lotte Laserstein (1898–1993) – Meine einzige Wirklichkeit. Das Verborgene Museum e. V. in Zusammenarbeit mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin, Museum Ephraim-Palais in Berlin
  • 2004 Lotte Laserstein – min enda verklighet. Kalmar Konstmuseum, Schweden
  • 2005 Sternverdunkelung. Lotte Laserstein och Nelly Sachs – om exilens villkor. Jüdisches Museum Stockholm
  • 2006 Lotte Laserstein – ur exilens anonymitet. Bror Hjorths Hus, Uppsala

Literatur[Bearbeiten]

  • Caroline Stroude: Lotte Laserstein. In: Lotte Laserstein. Paintings and Drawings from Germany and Sweden, 1920–1970. Thos. Agnew's & Sons Ltd. and The Belgrave Gallery, London 1987, OCLC 272505220, S. 3–6.
  • Anna-Carola Krausse: Lotte Laserstein – Meine einzige Wirklichkeit. Ausstellungskatalog. Philo Fine Arts, Dresden 2003, ISBN 3-364-00609-1.
  • Anna-Carola Krausse: Och livet bröts itu. In: Sternverdunkelung. Lotte Laserstein och Nelly Sachs – om exilens villkor. Judiska Museet, Stockholm 2005, ISBN 91-974363-4-8, S. 21–73. (Ausstellungskatalog zur schwedischen Retrospektive; schwed./engl.)
  • Anna-Carola Krausse: Lotte Laserstein (1998–1993). Leben und Werk. Dissertation, Uni Berlin 2003. Reimer Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-496-01347-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  • Anna-Carola Krausse: Lotte Laserstein (1998–1993). Leben und Werk. Reimer, Berlin 2006, ISBN 3-496-01347-8.
  1. Krausse: Lotte Laserstein, Leben und Werk. 2006, S. 13.
  2. Krausse: Lotte Laserstein, Leben und Werk. 2006, S. 11, Fußnote 5.
  3. Krausse: Lotte Laserstein, Leben und Werk. 2006, S. 94.
  4. Krausse: Lotte Laserstein, Leben und Werk. 2006, S. 13, Fußnote 19.