Lou Donaldson

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„Sweet Poppa“ Lou Donaldson

Louis Andrew Donaldson, Jr.[1] (* 1. November 1926 in Badin, North Carolina) ist ein US-amerikanischer Jazz-Altsaxophonist, Bandleader und Komponist. In seiner über 60-jährigen Karriere spielte er mit Milt Jackson, Thelonious Monk, Ray Barretto, Art Blakey, Horace Silver, Jimmy Smith, Blue Mitchell und Grant Green. Er gilt als Mitbegründer von Hardbop und Soul Jazz.

Biografie[Bearbeiten]

Lou Donaldson (3.v.l.) auf der Bühne mit Scott Hamilton in Paris

Louis Andrew Donaldson, Jr. kam als zweites von vier Kindern in Badin zur Welt, einer Kleinststadt am Fuße der Uwharrie Mountains. Seine Mutter Lucy Wallace Donaldson, eine ausgebildete Konzertpianistin, war Musiklehrerin an der Badin High School. Sein Vater Louis Andrew Donaldson, Sr. arbeitete als Versicherungsvertreter und Pfarrer. Mit neun Jahren bekam Lou Donaldson von seiner Mutter eine Klarinette geschenkt. Im Alter von 15 Jahren spielte er in der örtlichen Marschkapelle. Während des College wurde er 1945 zur Navy eingezogen. Er spielte in der dortigen Militärband und wechselte zu seiner eigentlichen Berufung, dem Altsaxophon. Sein großes Vorbild wurde Charlie Parker, der damals gerade auf dem Höhepunkt seines musikalischen Schaffens stand. Nach Ableistung des Militärdienstes nahm Lou Donaldson seine unterbrochene College-Ausbildung wieder auf und schloss diese 1947 mit einem Bachelor of Science ab. Danach strebte er eine semiprofessionelle Baseballkarriere an.[2] Erst auf Drängen des Schlagzeugers Poppa Jo Jones zog er 1950 nach New York City, wo er zahlreiche Wochenendauftritte in den Jazzclubs von Harlem absolvierte.[3]

Bei einem Gig in Minton’s Playhouse entdeckte ihn Alfred Lion, der Gründer und Talentscout von Blue Note Records. Lion engagierte Donaldson als Saxophonbegleitung im Stile Charlie Parkers für eine Plattenaufnahme des Milt Jackson Quartet, dem späteren Modern Jazz Quartet. Durch den Erfolg der Platte bestätigt, bot ihm Alfred Lion Aufnahmen als Solokünstler an. Damit begann eine der fruchtbarsten Zusammenarbeiten des Jazzlabels. Von 1952 bis 1963 nahm Lou Donaldson für Blue Note Records drei 10‘‘ und dreizehn 12‘‘ LP’s auf, unter anderem mit dem Latino-Perkussionisten Ray Barretto und dem Schlagzeuger Art Blakey. Als Bandleader kann Donaldson auf eine beachtliche „Gruppenerfahrung“ verweisen. Musiker wie Horace Silver, Clifford Brown, Grant Green, John Patton, Blue Mitchell, Donald Byrd, Horace Parlan, Tommy Turrentine, Al Harewood, George Tucker, Jamil Nasser und Curtis Fuller machten mit Lou Donaldson ihre ersten Plattenaufnahmen. Darüber hinaus begleitete Donaldson die Orgellegende Jimmy Smith auf mehreren seiner frühen Alben, zum Beispiel bei dessen Hit The Sermon!.

Lou Donaldson spielte 1954 im Art Blakey Quintet, einer kurzlebigen Vorstufe der berühmten Jazz Messengers. Dem Quintett gehörten neben seinem Namensgeber, dem Schlagzeuger Art Blakey, der Pianist Horace Silver, der Trompeter Clifford Brown und der Bassist Curly Russell an. Ein Zeugnis dieser Zusammenarbeit ist das Live-Album A Night at Birdland, das auf Blue Note Records erschienen ist und als eines der ersten dem neuen Subgenre des Hard Bop zugerechnet wird.[4] Das Doppelalbum wurde am 21. Februar 1954 im New Yorker Jazzclub Birdland aufgenommen. Pee Wee Marquettes Ansage des Abends (mit Vorstellung aller beteiligten Musiker) ist selbst zu einem Klassiker geworden und als Sample in Auszügen zu Beginn des Acid Jazz-Standards Cantaloop der Formation Us3 zu hören.[5]

“It's the best, best-recorded session ever done live ... You got the energy, the projection from the music to the people, and you can hear it on the record. It was great. It was a different kind of music. As anybody knows that plays music, sometimes you're just into it better, you play better. Same songs every night, but it's a different thing. Some nights a different thing.”

„Das ist die beste Livesession, die jemals aufgenommen wurde ... Du kannst die ganze Energie der Leute im Raum bei der Aufnahme hören. Es war einfach großartig, eine ganz besondere Aufnahme. Jeder, der Musik macht, weiß, manchmal bist du besser, spielst einfach besser. Da spielst du jede Nacht die gleichen Songs, aber manche Nächte sind einfach besonders.“

Lou Donaldson am 21. Dezember 2012[6]

Im Jahr 1963 löste sich Donaldson von seinem angestammten Label und unterschrieb für vier Jahre beim Chicagoer Plattenlabel Cadet, wo er sechs Alben aufnahm. Als er 1967 zu Blue Note Records zurückkehrte, gelang ihm dort sein beliebtestes und kommerziell erfolgreichstes Album Alligator Boogaloo, auf das er noch im selben Jahr das ähnlich eingängige Mr. Shing-A-Ling und im Jahr darauf Midnight Creeper folgen ließ. Schlag auf Schlag kamen weitere Alben bis in die Mitte der 1970er Jahre hinein, die mit funkigen Overdubs dem Zeitgeschmack angepasst wurden. 1975 verließ Donaldson endgültig das Blue-Note-Label.

Seinen Spitznamen Sweet Poppa Lou verpasste ihm zu Beginn der Achtziger der Radio-DJ Bob Porter. Bei einer Aufnahmesession hatte ihm Donaldson die Ballade If I Should Lose You vorgespielt. Bob Porter, dem die Aufnahme sehr gefiel, ließ sich spontan zu dem Ausruf der Begeisterung "Oh, Sweet Papa Lou!" hinreißen. Das dazugehörige Album, Donaldsons erstes für Muse Records, erhielt dann auch den Titel Sweet Poppa Lou".[7]

Lou Donaldson war seit den 1950ern mit seiner Jugendliebe Maker aus North Carolina verheiratet. Aus der Beziehung gingen zwei Kinder hervor: Lydia Donaldson und Dr. Carol Webster, eine Psychologin, Buchautorin und Gründerin der African American Success Foundation in Fort Lauderdale. Maker Donaldson verstarb im Jahr 2006.

Musikalisches Schaffen[Bearbeiten]

Lou Donaldson mit Dr. Lonnie Smith und seinem charakteristischen Turban an der Orgel

Lou Donaldson gehört zu den Jazzern, die Mitte der 1950er den Bebop zum Hardbop weiterentwickelten. Er ist in den 1960ern besonders für einen eingängigen und tanzbaren Jazzsound bekannt geworden: den Soul Jazz. Wohl auch deswegen zählt er zu den populärsten Jazzmusikern der Sechziger und ist auch heute noch auf vielen Best-of-Samplern von Blue Note Records vertreten.

Zu den Musikern, die ihn bei seinen zahlreichen Plattensessions begleiteten, gehören namhafte Kollegen, wie die Organisten Dr. Lonnie Smith, Charles Earland und John Patton oder die Gitarristen George Benson, Grant Green und Melvin Sparks.

Neben eigenen Stücken interpretierte er, wie in dem Genre üblich, viel von anderen, zum Beispiel Standards wie Duke Ellingtons Caravan oder George Gershwins Summertime. Besonders bekannt geworden sind seine Jazz-Adaptionen von Liedgut aus der Soul- und Funk-Sparte, wie zum Beispiel Curtis Mayfields Gleichberechtigungshymne If There‘s Hell Below (We’re All Gonna Go) oder von James Brown Everything I Do Gonh Be Funky und Say It Loud! (I’m Black And I’m Proud), das obendrein Namensgeber eines Albums von 1969 ist. Anfang der 1970er Jahre wandte sich Donaldson in seiner Klangfarbe der gerade aufkommenden Funk-Musik zu und integrierte sie in seinem Schaffen (Sassy Soul Strut).

Donaldsons Spiel zeigte sich stets vom Blues beeinflusst. Seine Herangehensweise erklärte er 1989 so:

“Playing jazz without the blues is like cooking potatoes without salt. You have something, but it doesn't have any flavour. The Blues are at the heart of everything I do. Even if I've added some Latin flavours - and I was the first to put in a conga player - it's still the blues.”

„Jazz zu spielen, ohne den Blues ist wie Kartoffeln kochen ohne Salz. Du hast etwas, aber ohne Geschmack. Der Blues ist das Herz von allem, was ich tue. Auch wenn ich einige Latin-Essenzen hinzugefügt habe - und ich war der erste, der einen Conga-Spieler einsetzte - es ist immer noch der Blues.“

Lou Donaldson[8]

Lou Donaldson ist seit 1996 Mitglied der International Jazz Hall of Fame und seit dem 11. Oktober 2012 in der North Carolina Music Hall of Fame.

Samples[Bearbeiten]

  • Der französische Rapper MC Solaar verwendete ein Sample aus One Cylinder für Qui sème le vent récolte le tempo (1991).
  • Lou Donaldsons Komposition It's Your Thing wurde von De La Soul für deren Song Bitties In The BK Lounge gesampelt (auf dem Album De La Soul Is Dead, 1991).
  • Lou Donaldsons Ode To Billie Joe wurde von Cypress Hill in deren Song 3 Lil' Putos verwendet (auf Black Sunday, 1993).
  • Donaldsons Who's Making Love wurde von De La Soul für Wonce Again Long Island gesampelt (auf Stakes Is High, 1996).

Filmauftritt[Bearbeiten]

In dem Dokumentarfilm Blue Note: A Story of Modern Jazz des deutschen Regisseurs Julian Benedikt hat Lou Donaldson einen kurzen Gastauftritt. Zu Beginn des 4. Kapitels stellt er sich mit den Worten vor: »My name is Louis A. Donaldson, better known to Jazz fans as Lou Donaldson.« Im Anschluss trifft er im Rudy Van Gelder-Studio auf den Bassisten Bob Cranshaw und andere, nicht namentlich aufgeführte Weggefährten, die den 70-jährigen herzlich begrüßen.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lawrence Koch: Donaldson, Lou, Barry Kernfeld (Herausgeber): New Grove Dictionary of Jazz, Macmillan 1994
  • J. Schafer: Music is my business, Down Beat, 1973, Heft 12, S. 16
  • L. Tomkins: The Lou Donaldson story, Crescendo International, Band 19, 1981, Nr.11, S. 20, Nr. 12, S. 16

Diskografische Hinweise[Bearbeiten]

Zusammenstellungen[Bearbeiten]

Alben[Bearbeiten]

  • 1952 New faces new sounds, Blue Note Records
  • 1953 Lou Donaldson with Clifford Brown, Blue Note Records
  • 1952/54: Quartet/Quintet/Sextet, mit Horace Silver, Elmo Hope, Blue Mitchell, Kenny Dorham, Art Taylor und Art Blakey
  • 1957: Swing and Soul, Blue Note Records, mit Herman Foster, Peck Morrison, Dave Bailey, Ray Barretto
  • 1958: Blues Walk, mit Herman Foster, Peck Morrison, Dave Bailey und Ray Barretto
  • 1959: LD + 3, Lou Donaldson zusammen mit Gene Harris und The Three Sounds.
  • 1959: The Time Is Right, mit Horace Parlan, Peck Morrison, Dave Bailey, Ray Barretto
  • 1960: Sunny Side Up, Blue Note Records
  • 1961: Gravy Train, mit Herman Foster, Ben Tucker, Dave Bailey und Alec Dorsey
  • 1962: The Natural Soul, mit Tommy Turrentine (tr), John Patton (org), Grant Green (git), Ben Dixon (dr).
  • 1963: Good Gracious!, mit John Patton, Grant Green und Ben Dixon
  • 1964: Cole Slaw, Argo
  • 1967: Lush Life / Sweet Slumber, mit Freddie Hubbard, Wayne Shorter, Duke Pearson und weiteren
  • 1967: Alligator Boogaloo, mit Melvin Lastie (corn), George Benson (git), Lonnie Smith (org), Leo Morris (Idris Muhammad) (dr).
  • 1967: Mr. Shing-A-Ling, mit Blue Mitchell (tr), Jimmy ”Fats” Ponder (git), Lonnie Smith (org), Leo Morris (dr).
  • 1968: Midnight Creeper, mit Blue Mitchell (tr), George Benson (git), Lonnie Smith (org), Idris Muhammad (dr).
  • 1969: Say It Loud!, mit Blue Mitchell (tr), Jimmy ”Fats” Ponder (git), Charles Earland (org), Idris Muhammad (dr).
  • 1969: Hot Dog, mit Ed Williams (tr), Melvin Sparks (git), Charles Earland (org), Idris Muhammad (dr).
  • 1970: Everything I Play Is Funky, mit Blue Mitchell (tr), Melvin Sparks (git), Lonnie Smith (org), Jimmy Lewis (b), Idris Muhammad (dr).
  • 1970: Pretty Things, mit Blue Mitchell (tr), Ted Dunbar (git), Leon Spencer (org), Idris Muhammad (dr).
  • 1973: Sassy Soul Strut, mit Thad Jones u.v.a.m.
  • 1981: Sweet Poppa Lou, mit Herman Foster, Calvin Hill, Idris Muhammad und Ralph Dorsey
  • 1981: Forgotten Man, Timeless
  • 1990: Play The Right Thing, mit Lonnie Smith, Peter Bernstein, Bernard Purdie und Ralph Dorsey

Alben als Begleitmusiker / Sideman[Bearbeiten]

Einzelhinweise[Bearbeiten]

  1. Lou Donaldson Biography (Facts As Proudly Told by Lou - April, 2008)
  2. Sweet Poppa Lou talks about the musical roots of his swinging bop saxophone sound.
  3. Lou Donaldson Biography (Facts As Proudly Told by Lou - April, 2008)
  4. NEA Jazz Masters 2013: Lou Donaldson
  5. Der hier wenige Sekunden dauernde Auszug “Ladies and gentlemen, as you know, we have something special down here at Birdland this evening” ist im Original weitaus länger und enthält u.a. die Vorstellungsrunde mit Lou Donaldson am Saxophon.
  6. Sweet Poppa Lou talks about the musical roots of his swinging bop saxophone sound.
  7. Sweet Poppa Lou talks about the musical roots of his swinging bop saxophone sound.
  8. Brian Morton/Richard Cook: The Penguin Jazz Guide
  9. Julian Benedikt: Blue Note - A Story of Modern Jazz, 4. Kapitel »It must schwing!«, 1997/2007.

Weblinks[Bearbeiten]

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