Louis Billot

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Louis Billot SJ (* 12. Januar 1846 in Sierck-les-Bains, Frankreich; † 18. Dezember 1931 in Ariccia, Italien) war ein französischer Ordenspriester und Theologe. 1911 wurde er in den Stand der Kardinäle erhoben, seine Niederlegung des Amtes im Jahre 1927 sollte die einzige in diesem Jahrhundert werden.

Leben[Bearbeiten]

Louis Billot studierte an den Priesterseminaren in Metz, Bordeaux und Blois. Am 22. Mai 1869 wurde er zum Priester geweiht und trat sechs Monate später den Jesuiten in Angers, am 25. November desselben Jahres bei. Billot war von 1875 bis 1878 in Paris, anschließend in Laval bis 1879 in der Pastoral tätig.

An der Katholischen Universität von Angers, später als Katholische Hochschule des Westens in Angers bekannt, dozierte er von 1879 bis 1882, am 2. Februar 1883 legte er während seines Scholastikates in Ile-de-Jersey seine Profess ab. 1885 wurde Billot zum Professor der dogmatischen Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom berufen. Zusätzlich zu seiner Berufung wurde er am 19. Juni 1909 zum Konsultor der Glaubenskongregation berufen.

Als leidenschaftlicher Anhänger des Scholastizismus des Thomas von Aquin wurde Billot zu einem der führenden Gestalter der metaphysischen und spekulativen Theologie. Sein Einfluss auf die katholische Theologie ist unter anderem durch seine zahlreichen Publikationen und bekannter Schüler[1] auch heute noch sichtbar, unter anderem, da er 1907 Enzyklika Pascendi Dominici Gregis von Papst Pius X. mitwirkte. Er wird häufig als enger Freund von Fr. Henri Le Floch, Rektor des Französischen Seminares in Rom bezeichnet.

Pius X. ernannte ihn zum Kardinaldiakon von Santa Maria in Via Lata während des Konsistoriums am 17. November 1911, außerdem war er wahlberechtigter Kardinal im Konklave von 1914 und einer der drei Kardinalspräsidenten des Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin (Angelicum) in Rom, gemeinsam mit Benedetto Lorenzelli und Michele Lega; wahrscheinlich aufgrund dieser Tätigkeit wurde er am 6. Februar 1923 an die Päpstliche Bibelkommission berufen.

Billots Unterstützung der extremistischen Action Française-Bewegung begründete möglicherweise erste Spannungen zwischen ihm und dem Heiligen Stuhl. Nachdem Papst Pius XI. seine Verurteilung dieser Bewegung kundtat, da er wohl der Meinung war, diese Bewegung würde den Katholizismus für seine eigenen politischen Belange nutzen, äußerte Billot sein Unverständnis hierüber, da die politischen Aktivitäten monarchistischer Katholiken nicht von Rom "zensiert" werden dürften.[2]. Nach einer hitzig geführten Unterredung mit Papst Pius XI. ersuchte er am 13. September 1927 um seinen Rücktritt[3], welchen der Papst am 21. September annahm. Billots Ersuchen wurde dem Kardinalskollegium erst im folgenden Konsistorium am 19. Dezember eröffnet. Er war damit der einzige Kardinal des 20. Jahrhunderts, der sein Amt niedergelegt hatte.

Billot starb im Alter von 85 Jahren als einfacher Priester im jesuitischen Noviziat in Galloro nahe Ariccia. Sein Grab befindet sich auf dem römischen Friedhof Campo di Verano. Das Erbe seiner thomistisch geprägten Theologie reicht bis in die heutige Zeit hinein.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerald A. McCool, Nineteenth-century Scholasticism: The Search for a Unitary Method, Fordham University Press 1989.
  2. TIME Magazine. Billot v. Pope October 3, 1927
  3. Die Theorie, dass in Wahrheit Papst Pius XI. ihn um seinen Rücktritt gebeten habe, wird zwar häufig angeführt, ist jedoch nicht belegbar.

Weblinks[Bearbeiten]