Louis Braille

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Das Bild (es könnte eine Pastellzeichnung oder ein Aquarell sein) zeigt ein Brustbild Louis Brailles vor blau-violettem Hintergrund. Er trägt ein dunkles Gewand mit Stehkragen, hat braunes, leicht gewelltes Haar, eine hohe Stirn und kräftige Wangenknochen. Die tief liegenden Augen sind fast ganz geschlossen. Braille wirkt – fast mönchisch – in sich gekehrt.
Louis Braille
Eine vergilbte Postkarte ist mit Braillezeichen und erläuterndem Text in Schwarzschrift bedruckt. Unter der Überschrift „WIE BLINDENSCHRIFT AUSSIEHT“ folgen in 5 Reihen die 26 Buchstaben des Alphabetes in Brailleschrift und darunter in Schwarzschrift sowie die Wörter „BLUMENTAG HEILBRONN“. In zwei weiteren Texttafeln stehen in sehr kleiner Schwarzschrift Erläuterungen zur Brailleschrift. Sie enden mit dem Satz „In Deutschland gibt es 35000 Blinde!“
Brailleschrift-Postkarte zum Int. Blindentag 1915
Die Grafik zeigt in Kleinbuchstaben den Namen „louis braille“ in Schwarz- und Brailleschrift. Die Braillezeichen sind grafisch dargestellt mit orangefarbenen Punkten, die einen leichten Schatten zu werfen scheinen; sie wirken dadurch erhaben, sind es aber freilich nicht wirklich.
Louis Braille in Braille
In einem Park, im Hintergrund zwei Sitzbänke. Auf einem Sockel aus dunkelgrauem Granit steht eine Büste Brailles aus schneeweißem Marmor. Er trägt einen Mantel mit großem Kragen, darunter eine Weste mit Stehkragen. Sein gewelltes Haar fällt in Strähnen nach vorn, die tief liegenden Augen sind fast ganz geschlossen. Er hat kräftige Wangenknochen und schmale Lippen – die Gesichtszüge wirken dadurch ein wenig hart. Auf dem Sockel vor der Büste sind quer zwei schwarze Schrifttafeln angebracht, die jeweils oben in weißer Normalschrift und darunter in Braille beschriftet sind. Auf der oberen steht „Louis Braille – der Erfinder der Blindenschrift“, die untere zeigt in Normal- und Brailleschrift das Alphabet.
Büste Brailles an der Seepromenade in Bad Wiessee
Die querformatige Briefmarke zeigt vor grauem Hintergrund auf der linken Hälfte den Kopf Brailles im Profil von der rechten Seite als schwarzweißes Flachrelief. Die Gesichtszüge sind kräftig modelliert und wirken sehr plastisch, die Augen sind geschlossen. Rechts vor seiner Stirn, etwa in der oberen Mitte der Marke, sind die sechs Braillepunkte als weiße Kreisscheiben angeordnet. Ihnen scheint ein Regenbogen zu entspringen, der erst nach rechts und dann im Bogen zur unteren rechten Ecke der Marke führt. Oben rechts in der freien Fläche über dem Regenbogen stehen schwarz die Buchstaben „DDR“ und weiß die Zahl „20“, am unteren Rand der Marke, unter dem grauen Hauptmotiv, steht schwarz auf weiß „WELT-BRAILLE-JAHR 1975“.
Welt-Braille-Jahr
Briefmarke der DDR 1975
Die Münze ist wie alle 2-Euro-Münzen zweifarbig. Der etwa drei Millimeter breite Rand ist aus silberfarbigem Metall mit zwölf aufgeprägten Sternen, der Bereich in der Mitte ist messingfarben. Er zeigt als Flachrelief ein Portrait Brailles mit geschlossenen Augen. Darüber steht im Bogen „LOUIS BRAILLE“, darunter „1809 BE 2009“. Links und rechts des Portraits sind drei bzw. zwei als kleine Halbkugeln ausgeführte, übereinander stehende Braillepunkte angeordnet.
Belgische 2-Euro-Gedenkmünze zum 200. Geburtstag von Louis Braille 2009

Louis Braille [bʁaj] (* 4. Januar 1809 in Coupvray, Île-de-France; † 6. Januar 1852 in Paris) ist der Erfinder des nach ihm benannten Punktschriftsystems für Blinde, der Brailleschrift oder kurz Braille.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Im Alter von drei Jahren verletzte sich Braille mit einer Ahle am Auge. Das verletzte Auge entzündete sich und infizierte das zweite, bis dahin unversehrte Auge. Dies führte zur völligen Erblindung des kleinen Louis. Da sich der wissbegierige Junge nicht damit abfinden wollte, Literatur nur durch Vorlesen erleben zu können, dachte er über eine Schrift für Blinde nach.

Louis Braille erfand seine Blindenschrift nicht allein. Er baute auch auf den Überlegungen anderer auf. In der Blindenschule von Valentin Haüy lernte er ein System kennen, das Haüy bei einem Konzert mit anschließendem Gespräch mit der blinden Komponistin, Pianistin und Musikpädagogin Maria Theresia Paradis während ihrer dreijährigen Europatournee mit Parisaufenthalt kennengelernt hatte. Für diese war ein Setzkasten entwickelt worden, mit dem sie ihre Korrespondenz und ihre Noten setzen, blinde und sehende Kinder gemeinsam unterrichten und so auch für ihren Lebensunterhalt selbst sorgen konnte[1]. Haüy war davon dermaßen fasziniert, dass er diese Gerätschaften auch für sich entwickelte, mit der sich bewegliche Lettern und Noten in Papier prägen ließen, die somit ertastbar wurden.

Louis Braille wurde so als Schüler Haüys auf dieses System aufmerksam gemacht und experimentierte in der Schusterwerkstatt seines Vaters damit, aus Lederstücken Dreiecke, Quadrate und Kreise herzustellen, die die Schrift zusätzlich vereinfachen sollten. Das Ergebnis stellte ihn aber nicht zufrieden. Als 11-Jähriger lernte Braille die von einem Artilleriehauptmann namens Charles Barbier für militärische Zwecke erfundene "Nachtschrift" kennen, die ein kompliziertes System von Punkten und Silben darstellte. Braille vereinfachte diese Schrift, indem er die Silben durch Buchstaben ersetzte und die Anzahl der Punkte von zwölf auf sechs pro Zeichen reduzierte. 1825 hatte der erst 16-jährige Louis Braille seine Blindenschrift fertiggestellt.

Brailleschrift[Bearbeiten]

Erste Schritte: Literatur in der Punktschrift[Bearbeiten]

Obwohl die Schriftzeichen leicht erlernbar und einfach zu schreiben waren, konnten sie sich lange nicht durchsetzen. Mit 27 Jahren hat Louis Braille eine Auswahl aus den Werken des blinden englischen Dichters John Milton übertragen und versucht, mit einem öffentlichen Vortrag zu beweisen, dass er schnell schreiben und lesen kann. Doch seine Zuhörer glaubten, er habe die Texte auswendig gelernt.

Louis Braille schrieb an den französischen Innenminister und erhielt die nichtssagende Antwort: „Diese Arbeit scheint mir hervorragend, und Herr Braille verdient, ermutigt zu werden.“ Eine offizielle Anerkennung blieb jedoch aus. Hinzu kam, dass der neue Direktor der Blindenschule die Punktschrift verbot. Er war der Auffassung, dass sich Blinde durch eine Schrift, die Sehenden unbekannt ist, isolieren würden. Außerdem hatte der Direktor ein Handleitgerät erfunden, mit dem die Buchstabenschrift geschrieben werden konnte. Manche Schüler aber praktizierten die Punktschrift heimlich weiter.

Entwicklung einer Notenschrift für Blinde[Bearbeiten]

1828 erfand Louis Braille, der selbst Orgel spielte, eine ebenfalls auf den sechs Punkten basierende Notenschrift. Sie setzte sich schnell durch und ist bis heute die perfektionierte Möglichkeit für Blinde, Musiknoten zu lesen und zu schreiben. Mittlerweile ist diese Schrift auch international standardisiert.

Entwicklung der Raphigrafie[Bearbeiten]

1839 veröffentlichte Louis Braille seine Raphigrafie zur Nachbildung der lateinischen Buchstaben durch Punkte, an der er längere Zeit gearbeitet hatte. Gedacht war diese Schrift für blinde Schüler, die Angehörigen oder Freunden schreiben wollten, welche diese Brailleschrift nicht lesen konnten. Die Groß- und Kleinbuchstaben sowie Ziffern des Raphigrafie-Alphabetes waren bis zu zehn Punkte hoch und unterschiedlich breit. Mit der einsetzenden Entwicklung der mechanischen Schreibmaschine geriet diese Schrift wieder in Vergessenheit.

Internationale Anerkennung der Blindenschrift und Tod[Bearbeiten]

Erst 1850 wurde die Brailleschrift offiziell für den Unterricht an französischen Blindenschulen eingeführt. In Deutschland erfolgte die offizielle Einführung 1879. Den internationalen Siegeszug seiner Erfindung erlebte Braille nicht mehr. Er starb 1852 in Paris an Tuberkulose. 100 Jahre nach seinem Tod wurde Brailles Körper exhumiert und in das Panthéon in Paris überführt. Seine Hände, die so zentrale Bedeutung für seine Erfindung hatten, blieben jedoch in seinem Grab an seinem Heimatort.

Gedenkmünze[Bearbeiten]

Zum 200. Geburtstag von Louis Braille gab Belgien am 25. September 2009 eine 2-Euro-Gedenkmünze heraus.[2] Auch Italien gab am 15. Oktober 2009 eine 2-Euro-Gedenkmünze zu diesem Anlass aus.[3] Eine weitere Münze wurde 2009 von der Republik Palau (pazifische Inseln) im Wert von 5 Dollar herausgegeben. Das besondere an dieser Münze ist der Schriftzug „Louis Braille“, der weder in Brailleschrift noch in lateinischen Buchstaben, sondern in der erst 2008 erfundenen 9-Punkt-Schrift Fakoo ausgeführt wurde.[4] --Fakoo 09:01, 30. Apr. 2014 (CEST)

Literatur[Bearbeiten]

  • C. Michael Mellor: Louis Braille: le génie au bout des doigts, Éd. du Patrimoine, Paris 2008, ISBN 978-2-7577-0026-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Louis Braille – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Marion Fürst: Maria Theresia Paradis. Mozarts berühmte blinde Zeitgenossin. 405 S., 2005, ISDN-Nr. 978-3-412-19505-2.
  2. http://www.zwei-euro.com/2-euro/belgien/gedenkmuenzen/2009/200-geburtstag-von-louis-braille.html
  3. http://www.zwei-euro.com/2-euro/italien/gedenkmuenzen/2009/200-geburtstag-von-louis-braille.html
  4. Braille-Münze mit Fakooschrift