Louis Brandeis

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Louis Brandeis, um 1916

Louis Dembitz Brandeis (* 13. November 1856 in Louisville, Kentucky; † 5. Oktober 1941 in Washington D.C.) war ein US-amerikanischer Jurist und von 1916 bis 1939 der erste jüdische Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten.

Leben[Bearbeiten]

Brandeis wurde in Louisville, Kentucky, geboren. Seine Eltern Adolph und Frederika (geb. Dembitz) Brandeis entstammten der jüdischen Gemeinde in Prag und wanderten nach der Revolution von 1848/49 im Kaisertum Österreich in die USA aus, wo sie einen Getreidehandel eröffneten. Louis Brandeis besuchte die Louisville Male High School und schloss dort 1872 im Alter von 14 Jahren mit Auszeichnung ab.

Durch wirtschaftliches Missgeschick und die gerade beginnende Long Depression nach dem Gründerkrach von 1873 musste Adolph Brandeis seine Firma verkaufen und ging mit der Familie für einige Jahre zurück nach Europa. Louis Brandeis besuchte in dieser Zeit das Realgymnasium Annenschule in Dresden. 1875 ging die Familie zurück in die USA, wo Brandeis ein Studium an der Harvard Law School begann. Als Jahrgangsbester schloss er das Jurastudium 1877 ab.

1916 wurde Brandeis von US-Präsident Woodrow Wilson zum Richter am Obersten Gerichtshof ernannt und blieb bis 1939 im Amt. Er leitete dort über lange Jahre einen Prozess des Umdenkens ein: Reformgesetze im Bereich der Wirtschaft und der industriellen Beziehungen wurden immer weniger von den mehrheitlich konservativen Richtern für verfassungswidrig erklärt, sondern insbesondere in der New Deal-Zeit im Grundsatz akzeptiert.

Brandeis war zudem einer der Wortführer des amerikanischen Zionismus sowie Unterstützer des progressiven Flügels der Demokratischen Partei.

Nach ihm ist die Brandeis University in Waltham, Massachusetts, sowie die Louis D. Brandeis School of Law der University of Louisville benannt. Sein wissenschaftlicher Nachlass liegt unter dem Namen „Brandeis Papers“ in dieser Law School der University of Louisville.[1]

Eines seiner wichtigsten Verdienste ist die Entwicklung des „Right to Privacy“[2] innerhalb der US-Gesetzgebung. Zwischen 1888 und 1890 schrieben Brandeis und sein Partner Samuel Warren drei grundlegende Artikel zu diesem Thema für die Harvard Law Review, die dazu führten, dass diese Rechte von da an im US-Recht anerkannt wurden (siehe Datenschutz#Geschichte).

Zitat[Bearbeiten]

„Wir können in diesem Land entweder eine Demokratie haben oder wir können großen Wohlstand haben, der in den Händen weniger konzentriert liegt, aber wir können nicht beides haben.“

Literatur[Bearbeiten]

  • Leonard Baker: Brandeis and Frankfurter: A Dual Biography, New York 1984. ISBN 0-06-015245-1
  • Ernst Fraenkel: Louis Brandeis – Reformator der Demokratie, in: Deutsche Universitätszeitung, Jg. 12 (20. März 1957), Nr. 5/6, S. 17–20. Wiederabdruck in Ernst Fraenkel: Gesammelte Schriften, Band 4, Amerikastudien, herausgegeben von Hubertus Buchstein und Rainer Kühn, Nomos, Baden-Baden 2000, S. 260–268, ISBN 3-7890-6161-1.
  • Lewis J. Paper: Brandeis: An Intimate Biography of One of America's Truly Great Supreme Court Justices, Englewood Cliffs (New Jersey) 1983. ISBN 0-13-081299-4
  • Philippa Strum: Brandeis: Justice for the People, Cambridge (Mass.) 1984. ISBN 0-674-53921-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Louis Brandeis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Louis Brandeis – Zitate (Englisch)

Belege[Bearbeiten]

  1. http://www.law.louisville.edu/library/collections/brandeis/
  2. Harvard Law Review IV, S. 193 ff.
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