Louis Daguerre

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Dieser Artikel behandelt den Maler und Erfinder Daguerre. Für den nach ihm benannten Mondkrater, siehe Daguerre (Mondkrater).
Louis Jacques Mandé Daguerre, 1844, Aufnahme von Jean-Baptiste Sabatier-Blot

Louis Jacques Mandé Daguerre [da'ge:r] (* 18. November 1787 in Cormeilles-en-Parisis; † 10. Juli 1851 in Bry-sur-Marne) war ein französischer Maler und Erfinder des ersten kommerziellen fotografischen Verfahrens, der Daguerreotypie.

Leben[Bearbeiten]

Titelbuchseite Daguerres aus dem Jahr 1839 (deutsche Übersetzung)

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Louis Daguerre stammte aus einfachen Verhältnissen. Er wurde 1787 als Sohn von Louis Jacques Daguerre (*ca.1761) und Anne Antoinette Hauterre (*7. Juli 1766) in Cormeilles-en-Parisis geboren und wuchs hauptsächlich in Orléans auf. Sein Vater war Gerichtsschreiber und brachte es später zum Schreiber der königlichen Staatsdomäne in Orléans. Am 11. September 1791 wurde seine jüngere Schwester Marie Antoinette Ulalie Daguerre geboren. Daguerre besuchte zunächst die Grundschule und wurde anschließend zu einem Architekten in die Lehre geschickt. Später brachte ihn sein Talent zum Zeichnen zum Beruf des Dekorationsmalers, wobei er sich besonders auf das Malen von Panoramen verstand. Dadurch fand er vor allem in Theatern Beschäftigung.

Louis Daguerre heiratete am 10. November 1810 die zwanzigjährige Louise Georgina Arrowsmith (†24. März 1857), gebürtig in Frankreich mit britischen Wurzeln, außerdem Patenkind der Prinzessin Lamballe (1749-1792). Seine neuen Schwager baten Daguerre, der ein geborener Katholik war, die Hochzeit in einer protestantischen Kirche in Paris zu vollziehen. Der Wunsch auf ein eigenes Kind blieb dem Paar allerdings jahrelang verwehrt, so dass Louis und seine Frau inoffiziell Marguérite-Félicité, die uneheliche Tochter von Louis Bruder Charles, adoptierte. Marguérite-Félicité arbeitete zwanzig Jahre später in Daguerres Diorama als Assistentin. Nach dem Tod ihrer Zieheltern wurde sie Alleinerbin des Familienvermögens. Weil Louis sich als Künstler vervollkommnen sollte, schickte man ihn zum prominenten Bühnenbildmaler Eugéne Marie Degotti, der auch Ausstattungschef der Pariser Oper war. Berühmtheit erlangte er damit nicht, er tat sich eher als Opernstatist, Tänzer, Akrobat und Seilkünstler hervor. 1814 stellte er einige seiner Kunstwerke im Pariser Salon aus. Durch die vielen Jahre Panoramamalerei, mit der er bei Degotti hauptsächlich sein Geld verdiente, erlangte er im August 1816 die Position des führenden Bühnenmalers im Théâtre de l'Ambigo-Comique im dritten Bezirk des Boulevard du Temple. Das Ambigo Theater wurde ursprünglich 1769 als Marionettentheater gegründet und zählte danach seinerzeit zu einem der beliebtesten Billigtheater der Stadt. Als Louis dort zu arbeiten begann, änderte er bald das bis dahin eher primitiv wirkende Bühnendesign in ein modernes mit Lichteffekten gefülltes und wunderschön bemaltes Bühnendesign. Sein wohl bekanntestes Design war der Vulkanausbruch Etna in der Aufführung Le Belvédère, welche zu den kommerziell erfolgreichsten Aufführungen des Ambigo-Theaters zählten. In den folgenden Jahren kreierte er auch Designs für die Pariser Oper.

Erfolg und Tod[Bearbeiten]

Im April 1821 tat er sich zusammen mit seinem alten talentierten Kollegen Charles Marie Bouton, ein Panoramamaler des Studios von Pierre Prévost. Zusammen mit Bouton eröffnete er am 11. Juli 1821 in der rue de Samson (heute rue de la Douane) das erste Pariser Diorama. Der sensationelle Erfolg führte dazu, dass die beiden Künstler bald ein zweites Diorama in London eröffnen wollten. Britische Investoren ließen sich schnell finden um das in der Straße Portland Place neu zu bauende Gebäude für damalige 12.000 Pfund finanzieren können. Das erste Londoner Panorama eröffnete am 29. September 1823 und wurde schnell auch dort ein Erfolg. In den folgenden zehn Jahren eröffneten in ganz Europa zahlreiche Dioramas. Für die erstaunlich plastischen Diorama-Bilder verwendete Daguerre als technisches Hilfsmittel eine Camera obscura, zudem noch Licht- und Toneffekte. Daguerre der sich als Perfektionist sah, fand es auf Dauer problematisch für die Projektion mit der Camera obscura die ganzen feinen Details eines Bildes naturalistisch und effektvoll im kleinen Format zu malen und anschließend wiedergeben zu können. Er wollte versuchen, das mit der Camera obscura eingefangene Bild festzuhalten. Deshalb beschäftigte er sich ab 1824 mit der Fixierung des Bildes mit lichtempfindlichen Stoffen, was jedoch zunächst erfolglos blieb. Im Jahre 1826 trat er auf Anraten des Optikers Vincent Chevaliers in Kontakt mit dem wohlhabenden Privatmann Joseph Nicéphore Nièpce, der schon seit 1814 ähnliche Versuche angestellt hatte. 1829 trafen sie eine juristische Vereinbarung zur weiteren Verfolgung ihrer Erfindungen. Beide arbeiteten nun gemeinsam, allerdings per Briefkontakt, in dem sie sich gegenseitig berichteten, wie die ein oder andere chemische Substanz reagierte. Joseph Nicéphore Nièpce, der 1833 starb, erlebte die Fertigstellung des Verfahrens jedoch nicht mehr. Daguerre arbeitete dann mit Niépces Sohn Isidore Niépce (1805–1868) weiter. Durch Zufall entdeckte er ein Verfahren, das von dem seines Partners völlig verschieden war. 1837 entstand schließlich die älteste erhaltene Daguerreotypie der Welt. Daguerre hielt jedoch seine Methode erst 1839 für praxisreif. Die nach ihm „Daguerreotypien“ benannten Bilder waren bereits fertige Positive. Fast gleichzeitig hatte der Engländer William Fox Talbot ein für mehrere Bildabzüge geeignetes, Talbotypie genanntes Negativ-Positiv-Verfahren entwickelt.

Daguerres Resultate wurden dann durch Vermittlung des prominenten Physikers, Astronomen und Politikers François Arago (1786–1853) am 7. Januar 1839 in der französischen Akademie der Wissenschaften vorgestellt und am 19. August 1839 offiziell bekanntgegeben. Auf Aragos Empfehlung hin wurde Daguerres Verfahren von der Regierung aufgekauft, als spektakuläres Geschenk der Grande Nation an die ganze Welt. Auf Antrag Aragos und des Physikers und Chemikers Gay-Lussac erhielt Daguerre folglich als Gegenleistung eine lebenslange Rente von 6000 Francs, der Erbe von Nièpce, Isidor Nièpce eine solche von 4000 Francs. Am 31. Mai 1842 wurde er in den preußischen Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste als ausländisches Mitglied aufgenommen. Louis Daguerre starb am 10. Juli 1851 an „dem Bersten einer Pulsadergeschwulst“ – vermutlich an einem Aneurysma – in Petit-Bry-sur-Marne, bei Paris.

Sein fotografisches Verfahren wurde nach seinem Tod in Europa noch bis etwa Mitte der 1850er Jahre, in den USA noch bis in die 1860er Jahre angewandt, so wie das Daguerreotypie-Porträt Abraham Lincolns von 1864, das seit 2006 den neu gestalteten amerikanischen 5-Dollar-Schein ziert. In diesem zu Ende gehenden Zeitraum wurde die Daguerreotypie von neuen und günstigeren fotografischen Methoden abgelöst. Louis Daguerre wurde später namentlich auf dem Eiffelturm verewigt, siehe Die 72 Namen auf dem Eiffelturm.

Galerie[Bearbeiten]

Werk[Bearbeiten]

Daguerre beschrieb sämtliche zur Herstellung von Daguerrotypien notwendigen Geräte und chemischen Verfahren einschließlich der Kamera sehr detailliert in seinem Buch „Historique et description des procédés du Daguerréotype et du Diorama, par Daguerre, Peintre, inventeur du Diorama, officier de la Légion-d'Honneur, membre de plusieurs Académies, etc.“ (Geschichte und Beschreibung der Verfahren der Daguerreotypie und des Dioramas, von Daguerre, Maler, Offizier der Ehrenlegion, Mitglied verschiedener Akademien, usw.). Es wurde Ende August 1839 von Susse Frères herausgebracht und bereits wenige Tage später vom Verlag J. B. Metzler’sche Verlagsbuchhandlung in einer deutschen Übersetzung angeboten.[1]

Das Porträt eines Künstlers, das François Jules Collignon (1787–1846), dem Bruder von Madame Daguerre, zugeschrieben wird, im Jahr 1843, ist eines von noch drei erhaltenen Porträts Daguerres, andere erhaltene Daguerreotypien Daguerres befinden sich heute unter anderem in amerikanischen Museen, wie dem George Eastman House.

Im Jahr 1977 wurden Fotoarbeiten von Louis Daguerre auf der documenta 6 in Kassel in der berühmten Abteilung Fotografie gezeigt, die den Zusammenhang zur zeitgenössischen Kunst im Kontext von „150 Jahren Fotografie“ darstellte.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Adhémar, Beaumont Newhall: Daguerre (1787–1851) et les premiers daguerréotypes français, Paris 1961.
  • Geoffrey Batchen: Burning With Desire. The Conception of Photography, Cambridge (Mass.), London 1997. ISBN 978-0262522595
  • Szilágyi Gábor: Daguerre. A fényképezés felfedezésének története, Budapest 1987.
  • Helmut Gernsheim, Alison Gernsheim: L.J.M. Daguerre. The History of the Diorama and the Daguerreotype, London 1956; 2., durchges. Aufl. New York 1968.
  • Stephen Pinson: Daguerre, expérimentateur du visuel. In: Études photographiques 13 (Juli 2003), S. 110–135.
  • Stephen C. Pinson: Speculating Daguerre. Art and Enterprise in the Work of L.J.M. Daguerre, Chicago, London 2011. ISBN 978-0-226669113
  • Georges Potonniée: Histoire de la découverte de la photographie, Paris 1925. (Neuausgabe 1990)
  • Georges Potonniée: Daguerre. Peintre et décorateur, Paris 1935 (Neuausgabe 1990)
  • Hans Rooseboom: What’s Wrong With Daguerre? Reconsidering Old and New Views on the Invention of Photography, Amsterdam 2010.
  • Steffen Siegel (Hg.): Neues Licht. Daguerre, Talbot und die Veröffentlichung der Fotografie im Jahr 1839, München 2014. ISBN 978-3-7705-5736-3

Film[Bearbeiten]

  • Thomas Ammann: Meilensteine der frühen Kommunikation. DVD. Drehbuch: Susanne Päch. Kamera: Johannes Kirchlechner. Reihe: P. M. Wissensedition. Meilensteine, 3. o. J. (2007), 60 Min.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Louis Daguerre – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Vorwort zur Faksimile-Ausgabe der deutschen Ausgabe, Verlag Th. Schäfer, Hannover, 1988, ISBN 3-88746-211-4
  2. Stellt vier Pioniere der Kommunikations- und Speichertechnologien vor. Neben Daguerre und der Fotografie, Guglielmo Marconi und die Funktechnik, Alexander G. Bell und das Telefon sowie Thomas A. Edison und die Schallaufzeichnung