Louis Joliet

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Louis Joliet (Skulptur von Alfred Laliberté vor dem Parlamentsgebäude in Quebec)
Unterschrift von Louis Jolliet
Karte des Flusssystems des Mississippi von ca. 1681 basierend auf der Expedition von Joliet und Marquette von 1673

Louis Joliet (* 21. September 1645 bei Québec; † zwischen Mai und Oktober 1700 am Nordufer des St.-Lorenz-Stroms) war ein französischer Entdecker und Kartograf.

Louis Joliet (oder Jolliet) wurde am 21. September 1645 nahe Québec in der französischen Kolonie Kanada als Sohn des Wagenmachers Jean Joliet geboren. Als Zehnjähriger kam er auf das Jesuitenkolleg in Québec und studierte dort für das Priesteramt. 1667 verzichtete er jedoch auf ein geistliches Amt. Stattdessen begann er, mit seinem Bruder Adrien im unerforschten Hinterland Kanadas mit den Indianern Handel zu treiben. Das nötige Kapital für die Karriere als „Waldläufer“ stellte ihm Bischof Laval von Québec zur Verfügung. Die erste Reise in die Region der Großen Seen unternahm jedoch Adrien.

Am 4. Juni 1671 hielt er sich trotzdem in dieser Region auf, denn er gehörte zu den Unterzeichnern einer in Sault Ste. Marie abgegebenen Erklärung, der zufolge Frankreich Besitz des Gebietes der Großen Seen und aller angrenzenden Länder bis zum Pazifik, dem Golf von Mexiko und der Hudson Bay nahm. In der dortigen Jesuitenmission traf Joliet wahrscheinlich den Jesuitenpater Jacques Marquette, mit dem er eine Expedition verabredete, um den Mississippi River zu finden, von dessen Existenz sie von Indianern gehört hatten. Sie hofften, auf diese Weise entweder eine Verbindung zum Golf von Mexiko oder zum Pazifik zu finden und auf diese Weise eine Verbindung nach China zu öffnen. Die beiden konnten zwar die Unterstützung des Gouverneurs Frontenac gewinnen, erhielten aber keine finanzielle Hilfe durch die Krone.

Joliet und Marquette brachen am 17. Mai 1673 zusammen mit fünf anderen Franzosen auf. Sie folgten dem Michigansee bis Green Bay, fuhren mit Kanus den Fox River hinauf, wechselten von diesem auf den Wisconsin River und folgten diesem flussabwärts zum Mississippi, den sie am 17. Juni erreichten. Obwohl sie zunehmend überzeugt waren, dass der Fluss in den Golf von Mexiko mündet und nicht in den Pazifik, folgten sie ihm bis etwa auf die Höhe des Arkansas River. Als sie von Indianern von der Nähe zum Meer informiert und vor feindlichen Stämmen gewarnt wurden und spanische Handelswaren beobachteten, kehrten sie um, um nicht den Spaniern in die Hände zu fallen, die gegen Eindringlinge in ihre Kolonien mit Härte vorzugehen pflegten. Während seiner Rückkehr nach Kanada im Sommer 1674 kenterte Joliets Kanu in den Lachine-Stromschnellen. Er selbst wurde nach vier Stunden im Wasser von Fischern gerettet, aber seine Tagebücher und Karten waren verloren und mussten aus dem Gedächtnis rekonstruiert werden.

1674 heiratete Joliet und ließ sich in Québec nieder, verlor aber sein Interesse am Pelzhandel nicht. 1676 gründete er eine Handelsgesellschaft für das Nordufer des St. Lorenz-Stroms. Drei Jahre später erhielt er Ländereien auf der Mingan-Halbinsel sowie 1680 die Anticosti-Insel. 1679 reiste Joliet im Auftrag des Gouverneurs über Land an die Hudson Bay, um sich ein Bild von der dortigen englischen Präsenz und dem Pelzhandel zu machen.

Um 1690 war Joliet nicht nur in Kanada, sondern auch in Frankreich und sogar in England eine Berühmtheit, wozu die auf seinen Angaben basierenden Karten des Mississippi und des St. Lorenz-Stroms erheblich beigetragen hatten. Diesen Ruhm vergrößerte er 1694 mit einer Expedition zur Erforschung der Küste von Labrador, bei der er bis zur Höhe des 65. Breitengrades kam und die ersten exakten Karten dieser Region anfertigte sowie Nachrichten über Land und Leute mit zurückbrachte. Am 13. April 1697 wurde er in Québec zum Professor für Hydrographie ernannt. Er starb zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt zwischen Mai und Oktober 1700, wahrscheinlich auf einer seiner Besitzungen am Sankt-Lorenz-Strom.

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