Louis Jourdan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Louis Jourdan (* 19. Juni 1921 in Marseille als Louis Robert Gendre) ist ein französischer Schauspieler, der vor allem in charmant-weltmännischen Rollen in Hollywood besetzt wurde. Zu seinen bekannsten Filmen zählen Brief einer Unbekannten (1948), Gigi (1958) und James Bond – Octopussy (1983). Er wurde mit zwei Sternen auf dem Hollywood Walk of Fame ausgezeichnet.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Louis Jourdan wurde als einer von drei Söhnen des Hotelbesitzers Henry Gendre und seiner Ehefrau Yvonne in Marseille geboren. Heute gilt 1921 als wahrscheinlichtes Geburtsjahr für Jourdan, auch wenn lange die Mehrzahl der Quellen von 1919 ausging. Er wuchs in Frankreich, der Türkei sowie England auf und wurde auf der École Dramatique in Paris zum Schauspieler ausgebildet. Schon während seines Schauspielstudiums stand er erstmals als professioneller Theaterschauspieler auf der Bühne. Schnell wurde der Regisseur Marc Allégret auf den jugendlichen, gutaussehenden Jourdan aufmerksam und besetzte ihn 1939 neben Star Charles Boyer im Film Le Corsaire, der wegen des beginnenden Zweiten Weltkriegs jedoch nicht vollendet werden konnte. Seinen ersten „richtigen“ Filmauftritt hatte Jourdan schließlich 1940 in der französisch-italienischen Komödie La Comédie du bonheur von Marcel L’Herbier. Auch während des Zweiten Weltkrieges drehte er weiter Filme, bis er aufgefordert wurde, bei Propagandafilmen der Nationalsozialisten mitzuwirken; er wies das Angebot zurück und schloss sich der Résistance an. Im unbesetzten Frankreich setzte er seine Filmkarriere fort und gelangte spätestens Mitte der 1940er-Jahre in Frankreich zu größerer Bekanntheit.

1947 folgte Jourdan einem Angebot aus Hollywood, eine Nebenrolle in Der Fall Paradin von Alfred Hitchcock. Er spielte dabei den Diener von Gregory Peck, der gleichzeitig eine Affäre mit dessen Ehefrau hatte. Zunächst unter Vertrag beim Starproduzenten David O. Selznick, wurde versucht, Louis Jourdan als Nachfolger von Charles Boyer zu einem Continental Lover aufzubauen. Auch die folgenden Filme zeigten den Schauspieler meist in romantischen Rollen, so in der Adaption von Madame Bovary neben Jennifer Jones und in der Verfilmung von Stefan Zweigs Brief einer Unbekannten unter der Regie von Max Ophüls, wo er neben Joan Fontaine einen leichtlebigen Pianisten verkörperte. Er war zunehmend unzufrieden mit der ständigen Wiederholung desselben Rollenmusters, weshalb er 1954 nach New York an den Broadway, wo er die Hauptrolle in Billy Roses Drama The Immoralist übernahm.

In den 1950er Jahren trat Louis Jourdan in mehreren internationalen Produktionen auf: Er spielte neben Brigitte Bardot die männliche Hauptrolle in La Mariée est trop belle und verkörperte den Fechtlehrer von Grace Kelly in Der Schwan. In Erinnerung blieb er aber vor allem für seine Rolle als Frauenheld Gaston Lachaille in der 1958er Verfilmung von Colettes Roman Gigi neben Leslie Caron und Maurice Chevalier. Der Film erhielt neun Oscars, darunter den für den Besten Film. 1961 spielte Jourdan die Titelrolle im Dumas-Klassiker Der Graf von Monte Christo unter Regie von Claude Autant-Lara. In späteren Jahren spielte er zunehmend elegante Schurkenrollen: 1974 war er als Villefort in der Neuverfilmung von Der Graf von Monte Christo neben Richard Chamberlain und Tony Curtis zu sehen, 1977 außerdem in Count Dracula. Zwei seiner bekanntesten Schurkenrollen spielte er Anfang der 1980er-Jahre: Als boshafter Millionär Anton Arcane in der Comicverfilmung Das Ding aus dem Sumpf (1982) sowie in dem James-Bond-Film Octopussy (1983) als afghanischer Prinz Kamal Khan, der als Gegenspieler zu Roger Moores James Bond fungiert.

Nach rund 85 Film- und Fernsehauftritten zog er sich 1992 mit einer größeren Nebenrolle in Das Jahr des Kometen mit Penelope Ann Miller aus dem Filmgeschäft zurück. Heute lebt er zurückgezogen in der Umgebung von Los Angeles. Seit 1946 ist Jourdan mit Berthe Frédérique verheiratet, mit der er einen 1951 geborenen Sohn hatte, der 1981 jedoch an einer Überdosis nicht näher genannter Drogen starb. Louis Jourdan hat zwei Sterne – einen für Fernsehen und einen für Tonaufnahmen – auf dem Hollywood Walk of Fame bei 6153 und 6445 Hollywood Boulevard. 2010 wurde er im Beisein seiner Freunde Kirk Douglas und Sidney Poitier zum Mitglied der französischen Ehrenlegion ernannt.[1]

Filmografie (Auszüge)[Bearbeiten]

  • 1939: Le Corsaire
  • 1940: La Comédie du bonheur
  • 1941: Parade en sept nuits
  • 1941: Premier rendez-vous
  • 1942: Félicie Nanteuil
  • 1942: La Belle aventure
  • 1944: Les Petites du quai aux fleurs
  • 1945: La Vie de bohème
  • 1947: Der Fall Paradin (The Paradine Case)
  • 1948: Brief einer Unbekannten (Letter from an Unknown Woman)
  • 1948: Ein Mann zuviel (No minor Vices)
  • 1949: Madame Bovary und ihre Liebhaber (Madame Bovary)
  • 1951: Insel der zornigen Götter (Bird of Paradise)
  • 1951: Die Piratenkönigin (Anne of the Indies)
  • 1952: Mein Sohn entdeckt die Liebe (The Happy Time)
  • 1952: Liebe im Kreise (Rue de l’éstrapade)
  • 1953: Boccaccios große Liebe (Decameron Nights)
  • 1954: Drei Münzen im Brunnen (Three Coins in the Fountain)
  • 1956: Die Braut war viel zu schön (La Mariée est trop belle)
  • 1956: Der Schwan (The Swan)
  • 1956: Mord in den Wolken (Julie)
  • 1957: Im Dienste des Königs (Dangerous Exile)
  • 1957: Dem Sumpf entronnen (Escapade)
  • 1958: Gigi
  • 1959: The Best of Everything
  • 1959: Alle meine Träume (The Best of Everything)
  • 1960: Can-Can
  • 1961: Die Jungfrauen von Rom (Le Vergini di Roma)
  • 1961: Der Graf von Monte Christo (Le Comte de Monte Cristo)
  • 1962: Die Zitadelle von San Marco (Mathias Sandorf)
  • 1961: Verwirrung (Il disordine)
  • 1962: Leviathan
  • 1963: Hotel International (The V.I.P.s)
  • 1966: Paris ist voller Liebe (Made in Paris)
  • 1967: Cervantes – Der Abenteurer des Königs (Cervantes)
  • 1967: Der grausame Job (Peau d’espion)
  • 1969: Vergiß oder stirb! (Run a Crooked Mile)
  • 1975: Der Graf von Monte Christo (The Count of Monte Christo)
  • 1977: Der Mann mit der eisernen Maske (als d´Artagnan)
  • 1977: Kommissar hoch zwei (Plus ça va, moins ça va)
  • 1978: Silber, Banken und Ganoven (Silver Bears)
  • 1978: Columbo: Mord à la carte (Murder Under Glass)
  • 1979: Victor Charlie ruft Lima Sierra (The French Atlantic Affair)(Miniserie)
  • 1981: Double Deal – Eine verhängnisvolle Affäre (Double Deal)
  • 1982: Escape to Love
  • 1982: Das Ding aus dem Sumpf (Swamp Thing)
  • 1983: Octopussy
  • 1989: Das grüne Ding aus dem Sumpf (The Return of Swamp Thing)
  • 1992: Das Jahr des Kometen (Year of the Comet)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. https://www.youtube.com/watch?v=is6xSFDK0_Q

Weblinks[Bearbeiten]