Louis Renault (Autokonstrukteur)

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Louis Renault (1907)
Louis Renault mit seinem ersten Auto im Jahre 1903

Louis Renault (* 15. Februar 1877 in Billancourt; † 24. Oktober 1944 in Paris) war ein französischer Ingenieur und Mitgründer des Automobilherstellers Renault.

Den Anstoß für seine Firmengründung bot nach seinen eigenen Angaben der Besuch des neuerbauten Eiffelturms 1889. Allerdings war er schon von klein auf fasziniert von Technik und Mechanik.[1] So ersann er bereits als Elfjähriger ein eigenes System, das Zinkstäbe in ein Säurebad tauchte, durch ein von ihm erfundenes „Kordelprinzip“. Als Zwölfjähriger versteckte er sich in einem Tender einer Lokomotive, nur um zu erfahren, wie eine solche Maschine funktioniert. Ein Jahr später steuerte er zum ersten Mal einen Dampfwagen; Léon Serpollet ließ ihn "ans Lenkrad". Der neu erbaute Eiffelturm beeindruckte ihn. Mechanische Konstruktionen reizten ihn. Schon in früher Jugend vernachlässigte er die Schule und trieb sich in den Werkstätten und Bahnhöfen von Paris herum.[1]

Am 28. Februar 1899 gründete er mit seinen Brüdern Marcel und Fernand die Société Renault Frères (Unternehmen der Gebrüder Renault) und leitete die Firma bis 1944. Der Weihnachtsabend 1898 gilt als Gründungsdatum des Unternehmens. An diesem Abend erhielt Louis Renault Aufträge über zwölf Voiturettes.[2] 1901 gingen bereits 347 Bestellungen ein und das Werk in Billancourt beschäftigte 110 Mitarbeiter.

Louis Renault war auch als Rennfahrer aktiv, beim abgebrochenen Rennen Paris-Madrid 1903, bei dem Marcel Renault ums Leben kam,[2] erreichte er einen zweiten Platz. Daraufhin beendete Louis seine Rennfahrerkarriere, das Unternehmen prosperierte dennoch weiter.[1]

Neben der Unternehmensleitung war er weiterhin als Techniker tätig. einige seiner patentierten Erfindungen wurden als revolutionär rezipiert. Beispielhaft seien hier die Kardanwelle (sein erstes Patent im Automobilbau), die einzuschraubende Zündkerze oder der Turbokompressor (Turbolader) genannt, ebenso der Sicherheitsgurt, der erste V8-Motor für ein Flugzeug und die Trommelbremse. Diese Patente sicherten auch die finanzielle Unabhängigkeit des Unternehmens.

1929 erbaute er nach Henry Fords Vorbild ein neues Werk mit Fließband (das Fließband war mit 1500 Metern das längste außerhalb der USA) und moderner Montagetechnik.[1] Die Folgen der Weltwirtschaftskrise (sie begann 1929) trafen auch sein Unternehmen hart. Eine ausreichende Kapitaldecke, ein breit gefächertes Typenprogramm, weitgehende Unabhängigkeit von Lieferanten (hohe Fertigungstiefe; Renault fertigte Vieles in seinen Werken selbst, sogar Gullydeckel, Kantinenbesteck, Zündkerzen), eine effiziente Fertigung und die Entlassung einiger Mitarbeiter sicherten den Fortbestand des Unternehmens.

Im Juni 1940 besetzten deutsche Truppen Paris. Louis Renault wurde vor die Wahl gestellt, entweder Lastwagen und Panzer der Wehrmacht zu reparieren oder die Firma zu liquidieren. Renault entschied sich, mit Zustimmung der Vichy-Regierung, die sich für die Staatskollaboration einsetzte, für die Zusammenarbeit mit den Deutschen – diese „Panzeraffäre“ und ein Händeschütteln mit Adolf Hitler 1939 in Berlin ließen den Vorwurf der Kollaboration laut werden.[1] Im März 1943 und im April und September 1944 wurden die Produktionsanlagen von alliierten Bomberverbänden schwer beschädigt. Renault gelang es, die Produktion schnell wieder in Gang zu bringen.

Nach der Befreiung von Paris (Kommandant Dietrich von Choltitz ignorierte einige Befehle und kapitulierte am 25. August 1944 praktisch kampflos) stellte sich Renault am 23. September 1944 (auf Anraten seines Freundes Ribet, dem Präsidenten der Anwaltskammer) den Behörden. Er wurde im Gefängnis im Pariser Vorort Fresnes inhaftiert.[1]

Am 9. Oktober wurde er in ein psychiatrisches Krankenhaus eingeliefert und kurz darauf in die Klinik Saint-Jean-de-Dieu verlegt. Dort starb er am 24. Oktober 1944.[1] Die Todesursache bleibt unklar:[2] Während offizielle Stellungnahmen von einer Urämie (Harnvergiftung) sprechen, deuten einige Umstände auf tödliche Misshandlungen in der Gefängniszelle hin.[1]

Durch seine Tätigkeit für Frankreich im Ersten Weltkrieg (Renault baute als ersten Panzer den FT-17[2]) war er nationaler Held geworden, 1918 wurde er deshalb zum Offizier der Ehrenlegion ernannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Edouard Seidler: Die große RENAULT Herausforderung. Edita: Lausanne, 1981. ISBN 2-88001-118-3
  • Ulrich Bethscheider-Kieser: Renault: im Zeichen des Rhombus. Motorbuch-Verlag: Stuttgart 1995. ISBN 3-613-01658-3

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Answers.com – Internetseite: Louis Renault. Auf: www.answers.com, abgerufen am 6. Januar 2013.
  2. a b c d Renaultoloog – Internetseite: Renault's history. Auf: www.renaultoloog.nl, abgerufen am 6. Januar 2013.