Louise-Cathérine Breslau

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Selbstporträt von Louise-Cathérine Breslau (1885)

Marie Louise-Cathérine Breslau, eigentlich Maria Luise Katharina Breslau (* 6. Dezember 1856 in München; † 12. Mai 1927 in Neuilly-sur-Seine) war eine deutsch-schweizerische Lithografin und Pastellzeichnerin.

Leben[Bearbeiten]

Maria Luise Katharina war die Tochter des Arztes Bernhard Breslau und seiner Ehefrau Katharina Freiin von Brandenstein. Im Jahr 1858 übersiedelten ihre Eltern nach Zürich, da ihr Vater den Posten des Chefarztes der Geburtshilfe und Gynäkologie an der Universität Zürich angeboten bekam. Nachdem ihr Vater im Dezember 1866 an einer bei der Arbeit zugezogenen Infektion verstorben war, wurde Luise Katharina in einem Kloster in der Nähe des Bodensees erzogen.

Ihre ersten Zeichenstunden erhielt sie bei dem Maler Eduard Pfyffer, der ihr eindringlich zur Fortsetzung des Studiums in Paris riet. In Begleitung der Mutter ging Breslau 1876 nach Frankreich, um sich bei Tony Robert-Fleury an der renommierten Académie Julian in Paris weiterzubilden. An der Académie zog die junge Malerin durch ihr großes zeichnerisches Talent die Aufmerksamkeit ihrer Lehrer auf sich, aber auch die Eifersucht einiger Klassenkameraden, einschließlich der russischen Malerin Marie Bashkirtseff. In ihren Tagebüchern beschrieb Bashkirtseff die Entwicklungsphase der Breslau ausführlich bis 1881. Im Jahr 1879 fand Breslaus erste Ausstellung im Salon de Paris statt, an dem sie sich in der Folge bis 1891 regelmäßig beteiligte; 1889 und 1900 erhielt sie auf den Pariser Weltausstellungen die Goldmedaille. In dieser Zeit eröffnete sie ihr erstes Atelier in Paris und änderte ihren Namen in Louise-Cathérine Breslau[1].

Louise-Cathérine Breslau mit ihrer Mutter, Öl auf Leinwand (1885)

Bis Ende des Jahrhunderts blieb Paris der künstlerische Bezugspunkt Breslaus, hier pflegte sie Freundschaft und Austausch mit Edgar Degas, Henri Fantin-Latour, Jules Bastien-Lepage und Jean-Louis Forain. Auf Studienreisen in die Bretagne fand sie die Bekanntschaft zum schwedischen Maler Ernst Josephson, später hatte sie eine enge Bindung mit dem Bildhauer Émile-Antoine Bourdelle. Ab 1890 verlagerte sich ihr Wirkungskreis in die Schweiz, hier nahm sie bis 1929 häufig an der Nationalen Kunstausstellung teil. 1900 zog sie mit ihrer langjährigen Kollegin, der Kunsthandwerkerin Madeleine Zillhardt, in ein Atelierhaus nach Neuilly-sur-Seine. Zillhardt war ihre Muse, Modell, Vertraute und Förderin. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs verlor sie die engen Pariser Kontakte und zunehmend ihre künstlerische Publizität. Erst im Jahr 1921 brachte ihr das Porträt des Philosophen Anatole France wieder ein stärkeres öffentliches Interesse ein.

Louise-Catherine Breslau starb am 12. Mai 1927 nach langer Krankheit in Neuilly-sur-Seine. Sie wurde auf dem Friedhof der Stadt Baden, im Kanton Aargau, neben ihrer Mutter bestattet.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Freundinnen (1881, Musée d’art et d’histoire, Genf)
  • Fünfuhrtee (1883, Kunst-museum Bern)
  • Chez soi ou Intimité (1885, Musée d’Orsay, Paris)
  • Gegenlicht (1888, Kunstmuseum Bern)
  • Englische Künstlerin (1881)
  • Deutsche Lehrerin (1884)
  • Porträt von Gaetano Braga (1880)
  • Porträt von Jean Carriès (1886–87, Musée du Petit Palais, Paris)
  • La vie pensive (1908, Musée cantonal des Beaux-Arts, Lausanne)
  • Die Künstlerin und ihr Modell (1921, Musée d’art et d’histoire, Genf)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1891 wurde ihr das Zürcher Bürgerrecht verliehen
  • 1899 Mitglied der Société Nationale des Beaux-Arts
  • 1901 Ritter der Ehrenlegion, Louise-Cathérine Breslau war die dritte und erste ausländische Frau mit dieser Auszeichnung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert de Montesquiou: Un maître femme. Mademoiselle Breslau, In: Art et Décoration (1904)
  • Emile Hovelaque: Mademoiselle Louise Breslau, In: Gazette des Beaux-Arts (1905)
  • Alexandre Arsène: Louise C. Breslau, Paris: Les Editions Rieder (1928)
  • Madeleine Zillhardt: Louise-Catherine Breslau et ses amis, Paris: Editions des Portiques (1932)
  • Renate Berger: Malerinnen auf dem Weg ins 20. Jahrhundert, Kunstgeschichte als Sozialgeschichte. Köln: DuMont (1982)
  • Anne-Catherine Krüger: Die Malerin Louise Catherine Breslau 1856–1927, Biografie u. Werkanalyse zur Erlangung der Würde des Doktors der Philosophie der Universität Hamburg. Hamburg (1988)
  • Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig: Seemann, 1907–1950; Taschenbuchausgabe: München: DTV (1992) ISBN 3-423-05908-7
  • Sabine Voigt: Die Tagebücher der Marie Bashkirtseff von 1877–1884, Dortmund (1997) (zugl. Diss. Marburg 1996) ISBN 3-931782-90-5
  • Delia Gaze: Dictionary of Women Artists, London, Chicago: Fitzroy Dearborn Publishers (1997)
  • Margot Brink: „Ich schreibe, also werde ich“, Nichtigkeitserfahrungen und Selbstschöpfung in den Tagebüchern von Marie Bashkirtseff, Marie Leneru und Catherine Pozzi, Ulrike Helmer Verlag, Königstein (1998)
  • Gabriel P. Weisberg und Jane R. Becker: Overcoming All Obstacles. The Women of the Académie Julian, The Dahesh Museum, New York and Rutgers University Press (1999)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Zillhardt 1932

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Louise-Cathérine Breslau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien