Louviers

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Louviers
Wappen von Louviers
Louviers (Frankreich)
Louviers
Region Haute-Normandie
Département Eure
Arrondissement Les Andelys
Kanton Louviers-Nord und Louviers-Sud
Gemeindeverband Communauté d’agglomération Seine-Eure.
Koordinaten 49° 13′ N, 1° 10′ O49.2152777777781.165555555555623Koordinaten: 49° 13′ N, 1° 10′ O
Höhe 11–149 m
Fläche 27,06 km²
Einwohner 17.697 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 654 Einw./km²
Postleitzahl 27400
INSEE-Code
Website http://www.ville-louviers.fr/

Rathaus

Louviers ist eine französische Stadt mit 17.697 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Eure in der Region Haute-Normandie. Sie gehört zum Arrondissement Les Andelys und ist Hauptort zweier Kantone, des Kantons Louviers-Nord und des Kantons Louviers-Sud.

Geografie[Bearbeiten]

Louviers liegt am Ufer des Flusses Eure nur etwa 4 Kilometer westlich der Seineschleifen im Osten des großen Walds Forêt domaniale de Bord-Louviers (auch Forêt de Louviers oder Forêt de Bord genannt), 25 Kilometer südöstlich von Rouen und zwei Kilometer südlich von Incarville.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Im 9. Jh. wurde Louviers als Locos veteres urkundlich erwähnt, in den Annalen der Abtei Saint-Bertin taucht es im 10. Jh. als Loviers und im 11. Jh. als Lotvers auf.[2] Laut Beaurepaire wurden die lateinischen Ortsnamen Locos veteres (‚alter Ort‘) oder auch Locus veris (‚Ort des Frühlings‘) falsch von geistlichen Schreibern rückübersetzt. Denn in anderen Ortsnamen hat sich das lateinische Wort locus zum französischen Wort lieu entwickelt. Endungen auf -viers sind nach Beaurepaire typisch für Nordfrankreich und Belgien (zum Beispiel Reviers, Verviers). Er nimmt an, dass -viers sich aus dem protoindoeuropäischen Wort var oder ver für ‚Wasser‘ entwickelt hat.[3]

Am 10. Februar 856 feierte der König Ludwig der Stammler in Louviers die Verlobung seines Sohnes Ludwig mit einer Tochter Erispoës, des Herzogs der Bretonen.

Im Hundertjährigen Krieg (1337-1453) wurde die Stadt belagert.[4] 1442 verlieh ihr König Karl VII. den Namen Louviers-le-Franc (etwa ‚das freie Louviers‘).[5]

1793 erhielt Louviers im Zuge der Französischen Revolution (1789-1799) den Status einer Gemeinde und 1801 das Recht auf kommunale Selbstverwaltung.

Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) wurde Louviers am 9. und 10. Juni 1940 von der Luftwaffe der Wehrmacht bombardiert. Wasser- und Stromversorgung sowie die Telefonleitungen waren unterbrochen. Bis zum 11. Juni wurde die Stadt fast vollständig evakuiert. In der Nacht des 11. auf den 12. Juni fand in Louviers ein Artilleriegefecht zwischen der anrückenden Wehrmacht und dem 25. französischen Artillerieregiment (25e régiment d’artillerie) statt, bei dem das Stadtzentrum zerstört wurde. Die Altstadt brannte. Am 13. Juni marschierten die Deutschen in Louviers ein.[5]

Im Sommer 1944 während der Operation Overlord bombardierte die Alliierte Luftwaffe die Stadt.[5]

Bevölkerungsentwicklung
1793 1800 1806 1866 1921 1946 1954 1962 1968 1975 1982 2007
9520 6819 8472 11707 10345 9624 10746 13160 15326 18333 19000 18102

Am meisten Einwohner hatte Louviers 1982 (19000), am wenigsten im Jahr 1800 (6819). In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl stark an.[6]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1959 unterhält Louviers eine Städtepartnerschaft mit Weymouth and Portland im Vereinigten Königreich, seit 1978 mit Holzwickede in Deutschland und seit 2005 mit San Vito dei Normanni in Italien.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Grünflächen[Bearbeiten]

Rathausgarten

Louviers ist mit drei Blumen im Conseil national des villes et villages fleuris (Nationalrat der beblümten Städte und Dörfer) vertreten.[7] Die „Blumen“ werden im Zuge eines regionalen Wettbewerbs verliehen, wobei maximal drei Blumen erreicht werden können.

Der Stadtpark Aristide-Briand wurde am Pfingstsonntag 1927 eröffnet. Er wurde vom Direktor der öffentlichen Parkanlagen von Rouen entworfen und mit hohen Bäumen bepflanzt, zum Beispiel Silber-Linden, ein Ginkgo, ein Trauerschnurbaum und ein Riesenmammutbaum. Im Dezember 1999 wurden die Bäume des Parks durch den Orkan Lothar beschädigt oder gar gefällt, sie wurden unter anderem durch Chilenische Araukarien, Mammutbäume, Ungarische Eichen, Gemeine Eschen und Geweihbäume ersetzt. Die gewundenen Alleen des Parks haben eine Länge von 1200 Metern. Der Park bietet außerdem klassische Teppichbeete, exotische Dattel- und Zwergpalmen sowie Gemüse und Kakteen.

Der Park Delos liegt gegenüber dem Krankenhaus. Er gehört ebenfalls der Stadt und beherbergt unter anderem einen Ginkgo, einen Milchorangenbaum, einen Tulpenbaum und eine große Echte Sumpfzypresse, deren Wurzeln in der Eure hängen, die den Park begrenzt. Der eigentliche Park des Krankenhauses wurde 1977 umgestaltet. Seine großen Bananenbäume, ein Eukalyptus, Pestwurzen und Pfahlrohr verleihen ihm heute einen exotischen Charakter.

Der Park Le Jardin de Saint-Lubin wurde 1870 eingerichtet. Er ist nach dem Heiligen und Bischof Leobinus von Chartres († um 557) benannt. Der Park verfügt über Korsische Schwarzkiefern, Küstenmammutbäume, Schwarznüsse und Atlas-Zedern.

Der Rathausgarten wurde 1987 um einen Pavillon aus dem Jahr 1907 herum eingerichtet. Dort, wo sich heute der Garten befindet standen früher mehrere Gebäude, darunter der Konvent Saint-Louis und dessen Kirche.[8]

Bauwerke[Bearbeiten]

Kreuzgang des Konvents Saint-Louis

Der Konvent Saint-Louis wurde ab 1625 gebaut. Zum Konvent gehörten eine 1645 geweihte Kirche, ein Krankenhaus, das 1726 vergrößert wurde, und ein Kreuzgang. 1702 wurden die Wohngebäude nach Osten erweitert. 1791 wurde die Kirche im Zuge der Französischen Revolution in ein Gericht umfunktioniert, 1899 wurde sie endgültig zerstört. 1796 zog die Mairie („Rathaus“) in das Krankenhaus um. 1846 wurde der Kreuzgang zerstört.[9]

Das Kloster Notre-Dame-de-Consolation der „Gemeinschaft des 3. Ordens der Büßer(Pénitents) des Franziskanischen Ordens wurde 1646 gegründet. Das Kloster wurde im Zuge der Französischen Revolution aufgelöst und von 1803 bis 1928 wurden die Gebäude als Kerker genutzt. In der Kirche des Klosters wurde bis 1828 Getreide gelagert, dann wurde das Gebäude zerstört. Der Nordteil des Kreuzgangs wurde 1910 zerstört, als die rue de Pénitents („Straße der Büßer“) erweitert wurde. Trotzdem ist der Kreuzgang noch heute ein einzigartiges Bauwerk, denn die Eure fließt hindurch. Seit den 1980er Jahren beherbergen die erhaltenen Gebäude die Musikschule.[8]

Die Kirche Notre-Dame

Die Kirche Notre-Dame wurde im 13. Jh. erbaut und 1846 als Monument historique (‚historisches Denkmal‘) klassifiziert.[10]

  • Maison du Parlement (16. Jh.), Ausweichversammlungsort des Parlement de Rouen während der Hugenottenkriege
  • Straßen aus dem 16. Jahrhundert mit Fachwerkhäusern (Monument historique)
  • Manoir de Bigards (16.–17. Jh.)
  • Musée des décors de Théâtre, d’Opéra et de Cinéma

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

1803 wurde hier die erste Wollspinnerei Frankreichs errichtet, die hydraulische Energie nutzte.[4]

Auf dem Gemeindegebiet gelten geschützte geographische Angaben (IGP) für Schweinefleisch (Porc de Normandie), Geflügel (Volailles de Normandie) und Cidre (Cidre de Normandie und Cidre normand).[11]

Louviers ist mit einem @ als Ville Internet (Internetstadt) eingestuft.[12] Die „@s“ werden an Städte vergeben, die den Ausbau und die Nutzung des Internets fördern, wobei maximal fünf @s vergeben werden.

Zwischen Le Vaudreuil und Incarville verläuft die Europastraße 5, die hier Autoroute de Normandie genannt wird, sie verbindet Évreux und Rouen. Louviers ist mit der Europastraße durch die Route nationale 154 verbunden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Pierre Mendès-France 1932

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Louis Béquet: L’histoire de Louviers évoquée par les choses. 1978.
  •  Robert Dauphin: Louviers, 4 années d’occupation 1940–1944. 1981.
  •  Jean-Michel Chaplain: La chambre des tisseurs. Louviers, cité drapière (1680–1840). 1984, ISBN 2-903528-40-3.
  •  Dauphin et Marinier: Les rues de Louviers vous parlent…. 1986.
  •  Abbé Delamare, curé d’Incarville: Histoire des rues de Louviers.
  •  Yvette Petit-Decroix u. a.: Les moulins à eau du Pays de Louviers. Société d’Etudes Diverses de Louviers et sa Région.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Louviers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ville de Louviers. In: Actuacity.com. Abgerufen am 23. Juni 2010 (französisch).
  2. François de Beaurepaire (préf. Marcel Baudot), Les Noms des communes et anciennes paroisses de l'Eure, Paris, A. et J. Picard, 1981, 221 p. (ISBN 2-7084-0067-3) (OCLC 9675154). S. 137.
  3. Beaurepaire S.137
  4. a b Liste der Gemeinden von Eure. In: eure.pref.gouv.fr. Préfecture von Eure, abgerufen am 14. August 2011 (französisch).
  5. a b c  A.-V. de Walle: Évreux et l’Eure pendant la guerre. Charles Herissey, Évreux November 2000, ISBN 2914417055, S. 29–31+34+176 (erstmals 1946 erschienen, französisch).
  6. Louviers - notice communal. In: Cassini.ehess.fr. Abgerufen am 29. Juli 2010 (französisch).
  7. Palmarès des villes et villages fleuris. Conseil National des Villes et Villages Fleuris, abgerufen am 14. August 2011 (französisch).
  8. a b  A. Blanchard, M. Delafenêtre, Lisa Pascual: Jardins en Normandie. Eure. Connaissance des Jardins, Caen 2001, ISBN 2912454077, S. 48-56. (Französisch)
  9. Louviers. In: Base Mérimée. Ministère de la culture, abgerufen am 29. Juli 2010 (französisch).
  10. Eintrag Nr. 27375 in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  11. La ville de Louviers. In: Annuaire-Mairie.fr. Abgerufen am 21. Juli 2012 (französisch).
  12. Louviers @ 2010. Villes Internet, association loi 1901, abgerufen am 21. Juli 2012 (französisch).
  13. François Loncle. In: Assemblée nationale. Abgerufen am 23. Juni 2010 (französisch).