Lovara

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Die Lovara („Pferdehändler“, von ungarisch ló Pferd) sind eine Untergruppe der Roma, die in weiten Teilen Europas, u. a. Deutschland, Österreich, Skandinavien, Frankreich, Polen und Ungarn, daneben aber auch in Übersee anzutreffen ist. Sie bezeichnen sich weniger als Roma, denn als Rom (auch im Plural), worauf manche von ihnen besonderen Wert legen.[1] Ihre Sprache wird zu den Vlach-Dialekten des Romanes gerechnet. Man nimmt an, dass sie jahrhundertelang als Leibeigene in der Walachei im heutigen Rumänien, daneben aber auch längere Zeit in Ungarn gelebt haben und erst nach Aufhebung der Leibeigenschaft in der Mitte des 19. Jahrhunderts weiter nach Norden und Nordwesten gewandert sind. Die meisten Lovara sind katholisch, jedoch finden Freikirchen, besonders die Pfingstler, immer mehr Anhänger unter ihnen.

Lovara in Österreich[Bearbeiten]

Einige Lovara-Familien waren Ende der 1930er Jahre im Burgenland und in Wien ansässig, als Österreich an das Deutsche Reich angeschlossen wurde. Von ihren Siedlungen, z. B. der Hellerwiese und der Wankog'stätten im 10. Wiener Gemeindebezirk wurden die Großfamilien in die Konzentrationslager deportiert, die Wohnstätten wurden nach dem Abtransport zerstört.

Nur wenige Überlebende kamen nach dem Krieg zurück, darunter einige Mitglieder der Großfamilie Stojka. Sie wohnen heute großteils im Wiener Raum. Ihre Sprache, das Lovara-Romanes, wurde zwischen 1997 und 1999 im Rahmen des österreichischen Romani-Projekts kodifiziert, d. h. es wurde erstmals zur Schriftsprache. Ein Wörterbuch und zwei Textbände wurden erstellt, die Grammatik beschrieben. Die Sprache wird nur mehr wenig gesprochen, vor allem von den alten Lovara.

Der Lovaraweg im 21. Wiener Bezirk (Floridsdorf) erinnert seit 2001 an die Lovara.

Lovara in Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland werden die Lovara, neben den Kalderascha (Kelderara) und Tschurara, teilweise als „deutsche Roma“ bezeichnet, da sie sich seit etwa den 1870er Jahren (im Rheinland erst seit ca. 1900) in den östlichen und nordöstlichen Teilen Deutschlands aufhalten und somit länger in Deutschland anzutreffen sind als jene Roma, die erst in den letzten Jahrzehnten aus dem Balkan, besonders aus dem Bereich des ehemaligen Jugoslawien, zuwanderten bzw. flüchteten. Anders als etwa die Kalderascha tragen die Lovara überwiegend deutsche Familiennamen, die teilweise von den Sinti übernommen worden sind. Der Lovara-Dialekt ist hier durchaus noch verbreitet. Wie die Kalderascha haben auch die Lovara in Deutschland verwandtschaftliche Bindungen nach Polen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. das Buch der österreichischen Lovarkina Ceija Stojka: Wir leben im Verborgenen - Erinnerungen einer Rom-Zigeunerin, Wien 1988. Für Deutschland z. B. das "Rom-Forum NRW e.V.": [1].

Weblinks[Bearbeiten]