Lubliniec

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Lubliniec
Wappen von Lubliniec
Lubliniec (Polen)
Lubliniec
Lubliniec
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Schlesien
Landkreis: Lubliniec
Fläche: 91,90 km²
Geographische Lage: 50° 41′ N, 18° 41′ O50.68333333333318.683333333333Koordinaten: 50° 41′ 0″ N, 18° 41′ 0″ O
Höhe: 260 m n.p.m
Einwohner: 24.316
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 42-700 bis 42-715
Telefonvorwahl: (+48) 34
Kfz-Kennzeichen: SLU
Wirtschaft und Verkehr
Straße: CzęstochowaOpole
Schienenweg: OleśnicaKatowice
Lubliniec–Warschau/Kielce
Nächster int. Flughafen: Katowice
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Einwohner: 24.316
(31. Dez. 2013)[1]
Gemeindenummer (GUS): 2407011
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Edward Maniura
Adresse: ul. Paderewskiego 5
42-700 Lubliniec
Webpräsenz: www.lubliniec.pl

Lubliniec (deutsch: Lublinitz) ist eine oberschlesische Kreisstadt in der Woiwodschaft Schlesien in Polen. Die Stadt ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt, den wichtige Transitstraßen und Eisenbahnlinien durchziehen, aber auch die Leicht- und Chemieindustrie ist von Bedeutung. In Lubliniec, das von 1941 bis 1945 den amtlichen Namen Loben trug, leben fast 25.000 Menschen.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Lubliniec befindet sich am Nordrand der Region Oberschlesien und des Oberschlesischen Industriegebiets; in der Woiwodschaft Schlesien ist Lubliniec nordwestlich gelegen. Die Stadt liegt etwa 60 km nordwestlich von Katowice und etwa 35 km südwestlich von Częstochowa. Durch das Stadtgebiet fließen vier Flüsse, die Malapane sowie das nach der Stadt benannte Lublinitzer Wasser, an dessen Ufer große Teile der Stadt angrenzen. Außerdem durchziehen die Bäche Steblowski und Droniowicki Lubliniec. Die Umgebung der Stadt ist von großen Waldgebieten, den Lublinitzer Wäldern (Lasy Lublinieckie) umgeben, die bis nach Opole und Tschenstochau reichen. In diesem Waldgebiet, das zu den größten in Polen zählt, wurde 1999 der 50.746 ha große Landschaftspark Lasy nad Górną Liswartą angelegt, der sich wenige Kilometer nördlich der Stadt erstreckt.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Lubliniec gliedert sich in folgende Stadtteile:

  • Droniowiczki (Klein Droniowitz)
  • Dziuba
  • Jania Góra (Johnhof)
  • Kokotek (Kokottek)
  • Kopce (Kopka)
  • Leśnica (Leschnitza)
  • Lipie
  • Łopian (Schwarzwald)
  • Posmyk
  • Pusta Kuźnica (Wüstenhammer)
  • Stara Kolonia (Kolonie Klein Droniowitz)
  • Steblów (Steblau)
  • Śródmieście / Innenstadt
  • Wesoła (Wesolla)
  • Wymyślacz (Wymislacz / Wymischlatz)
  • Zagłówek (Soglowek)

Geschichte[Bearbeiten]

Schrotholzkirche St. Anna
Der städtische Ring
Das Lublinitzer Rathaus
Stanislauskirche

Lubliniec wurde um 1270 an einer wichtigen Handelsstraße von Breslau nach Krakau vom Oppelner Herzog Wladislaus I. gegründet. Um das Jahr 1300 wurde die Stadt von Herzog Boleslaus I. von Oppeln mit Magdeburger Stadtrecht versehen und mit einem rechteckigen Ring samt Pfarrkirche ausgestattet. In dieser Zeit kam die Stadt unter böhmische Herrschaft, aber bald darauf eroberte Władysław II. Jagiełło die Stadt kurzzeitig für die polnische Krone. Das mittelalterliche Lublinitz sicherten Gräben und Erdwälle sowie drei Stadttore, das Krakauer, Oppelner und Rosenberger Tor. In den folgenden Jahrzehnten erhielt die Stadt zahlreiche Privilegien. Bereits im 15. Jahrhundert erhielt das etwa 200 Einwohner zählende Lublinitz das Braurecht für die Bevölkerung im Umkreis von 7 km. Darauf wurde im Jahre 1500 von Herzog Johann II. von Oppeln festgesetzt, dass in nahegelegenen Gasthöfen nur Lublinitzer Bier ausgeschenkt werden dürfe, was zusammen mit der Erlaubnis zum Abhalten von Wochenmärkten und Viehmärkten und schließlich dem Anschluss des Dorfes Steblów zu einem beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung führte. Sehr wichtig wurde für die Stadt auch die Verleihung des Zunftrechts, da sich nun die Handwerker zusammenschließen konnten und dadurch eine viel höhere Qualität und Stückzahl der Waren ermöglicht wurde.

Nach der Reformation wurde Lublinitz im 16. Jahrhundert ein bescheidenes Zentrum des Protestantismus im katholischen Oberschlesien. Im 18. Jahrhundert stieg Lublinitz zur Kreisstadt auf und war somit Hauptstadt eines der größten Kreise des Oppelner Landes. 1776 kam im Einvernehmen mit dem Grafen von Schlegenberg ein etwa 1300 ha großes Waldgebiet in den Besitz der Stadt, wodurch die Bewohner mit dem nötigen Holz versorgt werden konnten, ohne teures Holz einzuführen. 1742 fiel die Stadt nach dem Breslauer Frieden, wie der allergrößte Teil Schlesiens, an Preußen.

Zu neuer Blüte kam Lublinitz im 19. Jahrhundert, da sich nahe der Stadt die Eisenbahnlinien RosenbergTarnowitz sowie OppelnTschenstochau kreuzten und Lublinitz an dieses Eisenbahnnetz angeschlossen war. Im Zuge der Industrialisierung siedelten sich kleine Industriebetriebe in der Stadt an. 1893 wurde das alte Schloss von der preußischen Verwaltung gekauft und dort eine Klinik für die Bevölkerung der Stadt eingerichtet. Von 1895 bis 1896 wurde dann im Schloss die bis heute existierende Psychiatrie eingerichtet.

Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien 1921 wurden im Kreis Lublinitz 15.453 oder 53,1 % der 29.132 Stimmen für den Verbleib bei Deutschland abgegeben, wobei die Stadt selbst mit 88 % für Deutschland stimmte. Das für Polen ungünstige Abstimmungsergebnis nahm Wojciech Korfanty zum Vorwand in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1921 im nahegelegenen Ort Czarny Las zum Dritten Schlesischen Aufstand aufzurufen. Schließlich wurde entschieden, dass Lublinitz wie das restliche Ostoberschlesien an Polen fallen solle, während ein Drittel des Kreises Lublinitz an den Kreis Guttentag angeschlossen wurde. Seitdem war Lubliniec neue Grenzstadt Polens zur preußischen Provinz Oberschlesien.

Verwaltungsgebäude der Psychiatrie
Schloss während der Renovierung

Bereits kurz nach dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 wurde auch Lubliniec von deutschen Soldaten erobert. Bald darauf begann die Verfolgung der ehemaligen polnischen Aufständischen, außerdem wurden in der städtischen Psychiatrie grausame Experimente vor allem an Kindern und Behinderten durchgeführt, die meist mit dem Tod der unschuldigen Betroffenen endeten. 1941 wurde der historische Name der Stadt durch die Bezeichnung Loben ersetzt. Letztendlich wurde mit der Vertreibung, Deportation und Ermordung der meisten örtlichen Juden diese traditionelle Bevölkerungsgruppe ausgelöscht. Einzig der erhaltene jüdische Friedhof von 1845 erinnert noch an die jüdische Gemeinde – die 1861 18 % der Gesamtbevölkerung ausgemacht hatte. Dort finden sich auch die Gräber der Großeltern Edith Steins mütterlicherseits Adelheid und Salomon Courant und ihrer Brüder Ernst und Richard. Edith Steins Familie hatte sich bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 für den Verbleib bei Deutschland eingesetzt und sich deshalb, wie Edith Stein schrieb, „durch ihr entschiedenes Eintreten für die deutsche Sache den Haß der Polen“ zugezogen.[2]

Am 19. Januar 1945 wurde die Stadt von der Roten Armee befreit und als Teil Polens wieder in Lubliniec umbenannt. Heute ist die Stadt vor allem wegen der psychiatrischen Anstalt (Wojewódzki Szpital Neuropsychiatryczny im. doktora Emila Cyrana) bekannt, die eine der größten Polens ist, darüber hinaus sind noch das größte polnische Frauengefängnis sowie ein Bildungszentrum für Hörgeschädigte von Bedeutung. Heute ist Lubliniec wegen der großen Waldgebiete in der Umgebung ein beliebtes Ausflugsziel und wird auch als „Stadt des grünen Klimas“ bezeichnet.

Edith Stein und Lubliniec[Bearbeiten]

Edith Stein besuchte oft Lubliniec und ihre Familie mütterlicherseits (Courant).[3] Das Wohn- und Geschäftshaus ihrer Großeltern in Sichtweite des „Rings“, d.h. des Marktplatzes,[4] sowie Gräber von Familienangehörigen sind erhalten.

Im Wohnhaus der Familie Courant wurde ein modernes Museum eingerichtet, welches dem Leben Edith Steins gewidmet ist. Mit vielen Zeitdokumenten und einer Zeitachse der Weltgeschichte wird ihr Leben und ihr Weg in das Konzentrationslager anschaulich gemacht.

Das Jahr 2008 wurde von der Stadtverwaltung zum Jahr Edith Steins erklärt, die auch offiziell zur Stadtpatronin erklärt wurde.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen[5] von Lubliniec (es handelt sich teilweise um Rundungen bzw. Schätzungen):

Jahr Einwohner
15. Jahrhundert 200
1756 676
1782 803
1855 2.228
1861 2.365¹
1885 2.671
1890 3.093
1905 3.656
Jahr Einwohner
1910 4.952
1931 8.500
1941 10.268
1961 19.800
1980 22.300
2002 24.457
2005 24.242

¹ darunter 1,692 Katholiken, 241 Evangelische und 432 Juden

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Nikolaikirche

Trotz der langen Stadtgeschichte konnten sich in Lubliniec nur wenige historische Gebäude erhalten. Neben dem als Ring bezeichneten zentralen Platz der Altstadt und den in der Altstadt befindlichen Bürgerhäusern des 18. und 19. Jahrhunderts finden sich noch einige wichtige Bauwerke:

  • Nahe dem als Ring bezeichneten Platz befindet sich die einschiffige Nikolaikirche. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert, wurde 1576–1590 und schließlich im 18. Jahrhundert umgebaut, wobei sie ihre barocke Gestalt erhielt. Spätere Umbauten fanden noch im 19. Jahrhundert statt. Die spätbarocke Karl-Borromäus-Kapelle stammt aus dem Jahr 1648. Der barocken Kirchturm beherbergt eine Glocke aus dem 18. Jahrhundert.
  • Die 1754 erbaute kleine Schrotholzkirche St. Anna mit einem Barockaltar
  • Im Norden der Altstadt steht seit dem 16. Jahrhundert die Kreuzkirche, die 1842 grundlegend umgestaltet wurde.
  • Das Schloss aus dem 18. Jahrhundert wurde anstelle eines Vorgängerbaus des 13. Jahrhunderts errichtet. Noch im 16. Jahrhundert wurde das Schloss als Feste bezeichnet, im folgenden Jahrhundert jedoch in eine Barockresidenz verwandelt. Es diente bis 1975 als Psychiatrie und verfiel in der Folge zusehends. Das Schloss wurde verkauft und im Jahr 2009 mit dem Ziel renoviert, ein Hotel einzurichten.
  • Edith Stein Museum im Haus Courant
  • Die Kirche zur Hl Teresa Benedykta vom Kreuze – Edith Stein, die erste Kirche in Polen, die dieser Heiligen geweiht wurde.

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

POL Lubliniec COA1.svg

Blasonierung: Das Wappen der Stadt zeigt in gespaltenem, blauem Schild, rechts einen halben, goldenen Adler, links fünf goldene Sterne.

Diese Darstellung findet sich bereits in einem Stadtsiegel von 1660. Zu deutscher Zeit waren die fünf Sterne silber in Rot. Der goldene Adler erinnert als Wappentier der oberschlesischen Piasten an die Gründung der Stadt durch Herzog Wladislaus I. von Oppeln. Die Sterne führt Hugo Saurma auf die Freiherren von Garnier zurück, in deren Besitz sich Lublinitz von 1727 bis 1763 befand und deren Wappen neben dem Reichsadler drei Sterne zeigt.[6]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Haus der Familie Courant
Edith-Stein-Denkmal in Lubliniec

Lubliniec unterhält mit folgenden Orten Partnerschaften:

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lech Szaraniec: Zabytkowe ośrodki miejskie; Górny Śląsk i Małopolska. Muzeum Śląskie, Kattowitz 1996, ISBN 83-85039-52-x (Historische Stadtanlagen in Oberschlesien und Kleinpolen, darunter auch Lubliniec)
  • Jan Fikus: Spacerem przez Lubliniec., WEST Wydawnictwo Edyty Stein, Lubliniec 1997, ISBN 83-90762-013 (Lublinitzer Stadtführer)
  • Maciej Janik, Teresa Janik: Lubliniec i okolice przewodnik krajoznawczy. Górnośląska Oficyna Wydawnicza, Kattowitz 2003, ISBN 83-85862-668

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lubliniec – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 10. Juli 2014.
  2. Edith Stein: Aus meinem Leben. Herder, Freiburg im Breisgau 1987. ISBN 3-451-20940-3. S. 10.
  3. Edith Stein: Aus meinem Leben. Herder, Freiburg im Breisgau 1987. ISBN 3-451-20940-3. S. 3-15.
  4. Edith Stein: Aus meinem Leben. Herder, Freiburg im Breisgau 1987. ISBN 3-451-20940-3. S. 9.
  5. 15. Jahrhundert: [1] – 1756, 1782, 1855, 1861: Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien. Breslau 1865 – 1885: [2] – 1910: [3] – 1890, 1905: [4] – 1961: Heinz Rudolf Fritsche: Schlesien Wegweiser, Bechtermünz Verlag, Augsburg – 1980: Encyklopedia Powszechna PWN – 2002, 2005: [5]
  6. Vgl. Hugo Saurma, Hrsg.: Wappenbuch der Schlesischen Städte und Städtel. Berlin 1870