Luca Giordano

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Luca Giordano, Selbstbildnis, etwa 1692

Luca Giordano (* 1634 in Neapel; † 12. Januar 1705 ebenda), genannt Fa Presto, war ein italienischer Maler und Radierer.

Er genoss den Unterricht Riberas, blieb aber daneben unter der Leitung seines Vaters, der aus der Geschicklichkeit Giordanos im Zeichnen möglichst großen Gewinn ziehen wollte. So zeichnete Giordano die Zimmer und die Loggien Raffaels im Vatikan zwölfmal, die Konstantinsschlacht wohl zwanzigmal und nicht weniger häufig die Meisterwerke Michelangelos, Polidoros u. a.

Seines Vaters beständiger Zuruf: "Luca, fa presto!" ("Luca, mach schnell!") soll diesem seinen Beinamen verschafft haben. Auf diese Weise erlangte Giordano zwar eine große Fertigkeit, legte aber auch den Grund zu seiner Oberflächlichkeit. Wahrscheinlich der väterlichen Zucht müde, ging er nach Rom, wo er der Schüler und Freund Pietros da Cortona wurde, und besuchte sodann die bedeutendsten Städte Italiens. Sein Talent, jeden Stil nachzuahmen, erwarb ihm den Beinamen des "Proteus der Maler". An Erfindung war er außerordentlich reich, auch mit der Perspektive gründlich vertraut und bei freier, fester Pinselführung namentlich im sanften, harmonischen Kolorit ausgezeichnet. Dagegen lassen seine Werke Tiefe der Charakteristik vermissen, er bewegt sich meist innerhalb weniger Charaktertypen. Seine leichte Hand und die massenhaften Aufträge, die er erhielt, um die Paläste der italienischen Großen rasch mit Fresken und Ölbildern zu schmücken, verführten ihn oft zu großer Nachlässigkeit und zuletzt zu einer widerwärtigen Manier. Unter seinen Freskogemälden gibt man jenen im Tesoro der Kartause, aus seinem reiferen Alter, den Vorzug. Ein großes Altarblatt bei den Jesuiten zu Neapel (Franciscus Xaverius, die Japaner taufend) soll er binnen 1 1/2 Tagen vollendet haben. In Florenz malte er die Kuppel der Kapelle Corsini und später die Galerie Riccardi aus.

Im Jahr 1690 erhielt er einen Ruf nach Spanien, wo er 13 Jahre lebte und von Karl II. zum Ritter ernannt wurde. Zu seinen ausgezeichnetsten Arbeiten gehören die in der Kirche San Lorenzo del Escorial.

Nach Karls II. Tod kehrte er ins Vaterland zurück und starb am 12. Januar 1705 in Neapel.

Giordano hat zahllose Gemälde geliefert. Seine früheren Bilder sind in Riberas, seine späteren (die große Mehrzahl) in Cortonas Manier. Als die besten heben wir hervor:

  • Seneca sich die Adern öffnend,
  • das Urteil des Paris (im Berliner Museum),
  • Hl. Erzengel Michael (Berlin, Gemäldegalerie)
  • die Verstoßung der Hagar, Lucretia,
  • David mit dem Haupte des Goliath,
  • Rahel und Jakob am Brunnen, der Raub der Sabinerinnen,
  • Herkules und Omphale,
  • Esther und Ahasuerus (in der Nationalgalerie Athen)
  • Susanna im Bade, die büßende Magdalena,
  • Lot mit seinen Töchtern (in der Dresdner Galerie),
  • Proteus der Malerei (in der Nationalgalerie Athen)
  • eine Allegorie auf den Frieden u. a. (im Museum zu Madrid),
  • der bethlehemitische Kindermord,
  • Christus am Kreuz,
  • Christus die Viertausend speisend,
  • Christus und die Samariterin am Brunnen (in der Pinakothek zu München),
  • eine Pietà,
  • der heilige Xaver Wilde taufend (im Museum zu Neapel),
  • Christi Darstellung im Tempel,
  • Venus und Mars von den Grazien und Liebesgöttern bedient (Paris, Louvre),
  • eine Kreuzabnahme,
  • die Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies,
  • die Entführung der Europa (in der Eremitage zu Petersburg),
  • der Erzengel Michael die hoffärtigen Engel stürzend,
  • Marias Vermählung mit Joseph,
  • Die Unbefleckte („Immacolata“, Stadtmuseum Klausen/Südtirol)
  • die Geburt Christi u. a. (Wien, Belvedere).

Im Kolleg St. Blasien hängt sein Gemälde "Abnahme des heiligen Andreas vom Kreuz".[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.badische-zeitung.de/st-blasien/eine-kreuzabnahme-ohne-kreuz

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Luca Giordano – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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