Lucas di Grassi

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Lucas di Grassi
Lucas di Grassi 2010
Automobil-/Formel-1-Weltmeisterschaft
Nation: BrasilienBrasilien Brasilien
Erster Start: Großer Preis von Bahrain 2010
Letzter Start: Großer Preis von Abu Dhabi 2010
Konstrukteure
2010 Virgin
Statistik
WM-Bilanz: WM-24. (2010)
Starts Siege Poles SR
18
WM-Punkte:
Podestplätze:
Führungsrunden: — über 0 km
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Lucas di Grassi (* 11. August 1984 in São Paulo) ist ein brasilianischer Automobilrennfahrer. Er fuhr von 2006 bis 2009 in der GP2-Serie und wurde dort 2007 Vizemeister. 2010 ging er in der Formel 1 an den Start. Seit 2012 nimmt er an der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) teil. Zudem startet er 2014/15 in der FIA-Formel-E-Meisterschaft.

Karriere[Bearbeiten]

Anfänge im Motorsport (1996–2005)[Bearbeiten]

Di Grassi begann seine Rennsportkarriere im Kartsport. 2002 wechselte er in Formelsport und startete er in der brasilianischen Formel Renault. Dort wurde er Vizemeister hinter Sérgio Jimenez. 2003 trat er in der südamerikanischen Formel-3-Meisterschaft an und gewann erneut einen Vizemeistertitel. Außerdem gab er als Vertretung für Robert Kubica für das Prema Powerteam sein Debüt in der Formel-3-Euroserie und trat zu vier Rennen an. 2004 fuhr er in der britischen Formel-3-Meisterschaft für Hitech Racing. Mit zwei Siegen wurde er Achter in der Gesamtwertung und war zugleich der beste Pilot seines Teams. Beim Macau Grand Prix wurde di Grassi in diesem Jahr Dritter. 2005 kehrte er in die Formel-3-Euroserie zurück und startete als Teamkollege von Paul di Resta für Manor Motorsport. Di Grassi hatte seinen Teamkollegen im Griff und belegte mit einem Sieg am Saisonende den dritten Gesamtrang hinter den dominierenden ASM-Piloten Lewis Hamilton und Adrian Sutil. Di Grassi trat diese Saison erneut beim Macau Grand Prix an und gewann das prestigeträchtige Rennen vor Robert Kubica. Auf Grund seiner guten Leistungen erhielt er 2005 die Möglichkeit für Renault an Formel-1-Testfahrten teilzunehmen.

GP2-Serie (2006–2009)[Bearbeiten]

2006 startete di Grassi an der Seite von Sergio Hernández für Durango in der GP2-Serie. Ein fünfter Platz war sein bestes Eergebnis. Er beendete seine erste Saison auf dem 17. Gesamtrang. Mit 8 zu 1 Punkten setzte er sich intern gegen Hernández durch. In der Saison 2007 startete er für ART Grand Prix, dem Meisterteam der vorherigen Saisons. Di Grassi gewann ein Rennen in Istanbul und stand insgesamt sieben mal auf dem Podium. Di Grassi hatte bis zum letzten Rennen Titelchancen und unterlag schließlich mit 77 zu 88 Punkten Timo Glock. Di Grassi wurde Vizemeister der GP2-Serie. Er hatte mehrere Teamkollegen, die zusammen neun Punkte erzielt hatten.

Di Grassi für Campos in der GP2-Serie 2008

2008 wurde er als Ersatz- und Testfahrer vom Formel-1-Team Renault verpflichtet.[1] Ab dem vierten Rennwochende der Saison 2008 fuhr er außerdem wieder in der GP2-Serie. Er wurde von Campos Grand Prix als Ersatz für Ben Hanley verpflichtet. Sein Teamkollege war Witali Petrow.[2] Di Grassi war auf Anhieb vorne mitdabei und erreichte bei den ersten zwei Rennwochenenden dreimal als Zweiter und einmal als Vierter das Ziel. Am Hungaroring fuhr er beim Hauptrennen seinen zweiten GP2 Sieg heraus.[3] Schon beim nächsten Rennwochenende in Valencia feierte er erneut einen Sieg.[4] Beim letzten Rennwochenende in Monza gewann er das Hauptrennen. Di Grassi stand sechs mal auf dem Podium und entschied drei Rennen für sich. Obwohl di Grassi drei Rennwochenenden ausgelassen hatte, wurde er hinter Giorgio Pantano und Bruno Senna mit 63 Punkten Dritter der Gesamtwertung. Damit setzte er sich intern gegen Petrow, der 39 Punkte erzielt hatte, durch. Seine Renault-Testfahrerkollegen Romain Grosjean und Sakon Yamamoto fuhren wie di Grassi in der GP2-Serie.

Im Herbst 2008 nahm Lucas di Grassi an Formel-1-Testfahrten für Renault F1 und Honda Racing F1 teil. Nachdem di Grassi für 2009 unter anderem wegen des Rückzugs von Honda kein Formel-1-Cockpit erhalten hatte, blieb er in der GP2-Serie und ging für Racing Engineering, dem Team mit dem Giorgio Pantano 2008 den Meistertitel gewonnen hatte, an den Start. Di Grassi gewann das Sprintrennen in Istanbul und stand bei sieben weiteren Rennen auf dem Podest. Er schloss die Saison auf dem dritten Gesamtrang ab. Damit war di Grassi der erste GP2-Pilot, der drei Jahre in Folge unter den ersten drei Fahrern platziert gewesen war. Mit 63 zu 4 Punkten gewann er das interne Duell gegen seinen Teamkollegen Dani Clos deutlich. In der Formel 1 fungierte di Grassi ab dem Großen Preis von Europa wieder als Renault-Ersatzfahrer.

Formel 1 (2010–2012)[Bearbeiten]

Di Grassi im Virgin beim Großen Preis von Malaysia 2010

Für die Saison 2010 wurde di Grassi Teamkollege von Timo Glock beim debütierenden Formel-1-Team Virgin Racing.[5] Nachdem er bei den ersten zwei Rennen mit technischen Defekten ausgeschieden war, erreichte er beim dritten Grand Prix in Malaysia als 14. zum ersten Mal das Ziel. Dieses Ergebnis blieb seine beste Platzierung in der Saison. Für Aufsehen sorgte ein Unfall im Rahmen des Großen Preises von Japan. Auf dem Weg in die Startaufstellung verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug. Er beschädigte sein Auto so stark, dass er nicht starten konnte.[6] Er beendete die Saison auf dem 24. Platz der Fahrerwertung. Er blieb – wie Glock – ohne Punkte. Für die nächste Saison verlor er sein Cockpit an Jérôme D’Ambrosio.[7]

Di Grassi fand 2011 kein Renncokpit und wurde schließlich Entwicklungsfahrer des Reifenherstellers Pirelli.[8] 2012 übte er diese Position zusammen mit Jaime Alguersuari aus.[9]

Langstrecken-Weltmeisterschaft und Formel E (seit 2012)[Bearbeiten]

Lucas di Grassi (ganz rechts, mit dem Lenkrad in der Hand) bei der Präsentation des Spark-Renault SRT_01E auf der IAA 2013 in Frankfurt

2012 bestritt di Grassi für das Audi Sport Team Joest ein Rennen in der neugegründeten FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC). Dabei erreichte er den dritten Platz und wurde 22. in der Fahrerweltmeisterschaft. Darüber hinaus fuhr er 2012 ein Rennen der V8 Supercars. Außerdem wurde di Grassi 2012 als Testfahrer von der FIA-Formel-E-Meisterschaft engagiert.[10] Er war an der Entwicklung und Testarbeit für den Spark-Renault SRT_01E beteiligt.[11]

2013 erhielt di Grassi bei zwei WEC-Rennen ein Audi-Cockpit. Unter anderem debütierte er dabei beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2013. Di Grassi und seine Teamkollegen Marc Gené und Oliver Jarvis wurden bei beiden Rennen Dritte. In der Fahrerweltmeisterschaft wurden die drei Neunte. Außerdem nahm di Grassi für Joest an einem Rennen der ALMS teil.

2014 erhielt di Grassi beim Audi Sport Team Joest ein permanentes WEC-Cockpit. Er wurde Nachfolger von Allan McNish und Teamkollege von Loïc Duval und Tom Kristensen. In Le Mans wurde Duval verletzungsbedingt durch Gené vertreten. Di Grassi, Gené und Kristensen kamen auf dem zweiten Platz ins Ziel. Nach dem dritten Rennen lagen di Grassi und Kristensen auf dem dritten Gesamtrang. Außerdem fuhr di Grassi 2014 ein Rennen in der Stock Car Brasil. In der FIA-Formel-E-Meisterschaft erhielt di Grassi für die erste Saison 2014/15 ein Cockpit bei Audi Sport ABT.[12] Di Grassi gewann das erste Formel-E-Rennen, den Beijing ePrix. Er führte die Formel-E-Fahrerwertung nach dem ersten Rennen an.

Statistik[Bearbeiten]

Karrierestationen[Bearbeiten]

  • 2007: GP2-Serie (Platz 2)
  • 2008: GP2-Serie (Platz 3)
  • 2008: Formel 1 (Testfahrer)
  • 2009: GP2-Serie (Platz 3)
  • 2009: Formel 1 (Testfahrer)
  • 2010: Formel 1 (Platz 24)
  • 2012: WEC (Platz 22)

Statistik in der Formel 1[Bearbeiten]

Saison Team Chassis Motor Rennen Siege Zweiter Dritter Poles schn.
Rennrunden
Punkte WM-Pos.
2010 Virgin Racing Virgin VR-01 Cosworth 2.4 V8 18 24.
Gesamt 18

Einzelergebnisse[Bearbeiten]

Saison 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19
2010 Flag of Bahrain.svg Flag of Australia.svg Flag of Malaysia.svg Flag of the People's Republic of China.svg Flag of Spain.svg Flag of Monaco.svg Flag of Turkey.svg Flag of Canada.svg Flag of Europe.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Germany.svg Flag of Hungary.svg Flag of Belgium (civil).svg Flag of Italy.svg Flag of Singapore.svg Flag of Japan.svg Flag of South Korea.svg Flag of Brazil.svg Flag of the United Arab Emirates.svg
DNF DNF 14 DNF 19 DNF 19 19 17 DNF DNF 18 17 20 15 DNS DNF NC 18

Le-Mans-Ergebnisse[Bearbeiten]

Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Teamkollege Platzierung Ausfallgrund
2013 DeutschlandDeutschland Audi Sport Team Joest Audi R18 e-tron quattro SpanienSpanien Marc Gené Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Oliver Jarvis Rang 3
2014 DeutschlandDeutschland Audi Sport Team Joest Audi R18 e-tron quattro SpanienSpanien Marc Gené DanemarkDänemark Tom Kristensen Rang 2

Einzelergebnisse in der FIA-Formel-E-Meisterschaft[Bearbeiten]

Jahr Team 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Punkte Rang
2014/15 Audi Sport ABT China VolksrepublikChina BEI MalaysiaMalaysia PUT UruguayUruguay PUN ArgentinienArgentinien BUE unbekanntunbekannt TBA Vereinigte StaatenVereinigte Staaten MIA Vereinigte StaatenVereinigte Staaten LBH MonacoMonaco MON DeutschlandDeutschland BER Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich LON 25 1.

(Legende)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Di Grassi: Renault-Pilot Nummer drei“ (Motorsport-Total.com am 31. Januar 2008)
  2. „Di Grassi ersetzt Hanley bei Campos“ (Motorsport-Total.com am 9. Juni 2008)
  3. „Di Grassi gewinnt das GP2-Hauptrennen in Ungarn“ (Motorsport-Total.com am 2. August 2008)
  4. „Valencia: Di Grassi siegt im Sprint“ (Motorsport-Total.com am 24. August 2008)
  5. Virgin bestätigt di Grassi als zweiten Fahrer (Motorsport-Total.com am 15. Dezember 2009)
  6. „Virgin: Di Grassi crasht schon vor dem Rennen“ (Motorsport-Total.com am 10. Oktober 2010)
  7. „Fix: D'Ambrosio neben Glock 2011 bei Virgin“ (Motorsport-Total.com am 21. Dezember 2010)
  8. „Di Grassi: Klare Bedingungen für ein Comeback“ (Motorsport-Total.com am 11. Juni 2011)
  9. „Alguersuari und di Grassi neue Pirelli-Testfahrer“ (Motorsport-Total.com am 30. März 2012)
  10. „Formula E appoints Lucas di Grassi as test driver“ (FIA Formula E Championship am 17. September 2012)
  11. „Formula E unveils new Spark-Renault SRT_01E at Frankfurt Motor Show“ (FIA Formula E Championship am 10. September 2013)
  12. „Formel E - Abt Sportsline startet mit Abt und di Grassi“. Absolute Wunschpaarung. Motorsport-Magazin.com, 13. Februar 2014, abgerufen am 13. Februar 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lucas Di Grassi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien