Luciano Canfora

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Luciano Canfora (* 5. Juni 1942 in Bari) ist ein italienischer klassischer Philologe. Er lehrt als Professor für griechische und lateinische Philologie in Bari, ist Mitglied der Partito dei Comunisti Italiani und gilt als engagierter Intellektueller der italienischen Linken. Seit 1999 ist er korrespondierendes Mitglied der Accademia Roveretana degli Agiati.[1]

Werk[Bearbeiten]

Canfora verfasste zahlreiche Beiträge zur Geschichte des Altertums, der Altertumskunde, der Nachreformation und der Moderne. Er ist Mitglied des wissenschaftlichen Komitees der "Society of Classical Tradition" (Boston), der Instituto Gramsci-Stiftung (Rom), der Association pour l’encouragement des Etudes Grecques (Paris) sowie der Redaktion der Zeitschriften Historia y critica (Santiago-Spanien), Limes (Rom) und Filosofia dei diritti umani. Zudem gibt er die geschichtswissenschaftliche Zeitschrift Quaderni di Storia heraus und betreut die Buchreihen La città antica des Sellerio-Verlags und Paradosis des Dedalo-Verlags.

Kontroverse um sein Buch Kurze Geschichte der Demokratie[Bearbeiten]

In Deutschland wurde Ende 2005 kontrovers über seine Kurze Geschichte der Demokratie diskutiert. Das Buch sollte als ein Band der von Jacques Le Goff herausgegebenen Reihe Europa bauen erscheinen, an der die Verlage Basil Blackwell (Großbritannien), Le Seuil (Frankreich), Laterza (Italien), Crítica (Spanien) und C.H. Beck (Deutschland) beteiligt sind. Nachdem es in Italien, Frankreich und Spanien bereits erschienen war und in England vorbereitet wurde, kündigte C. H. Beck an, es in Deutschland nicht zu veröffentlichen. Nach einem vom Verlag in Auftrag gegebenen Gutachten des Historikers Hans-Ulrich Wehler handle es sich "nicht nur um eine extrem dogmatische Darstellung, sondern um eine so dumme, dass sie an keiner Stelle den Ansprüchen der westlichen Geschichtswissenschaft genügen kann". In den Medien wurden zwar Canforas Thesen über die Rolle Stalins und die Bundesrepublik Deutschland unter Adenauer kritisiert [2][3][4], dennoch wandte man sich gegen die Absicht des Verlags, das Buch nicht zu veröffentlichen. Einige der besonders strittigen Passagen seien auf fehlerhafte Übersetzungen zurückzuführen.

Die Kurze Geschichte der Demokratie wurde im Januar 2006 vom Kölner Verlag Papyrossa veröffentlicht, nachdem das Manuskript neu übersetzt worden war. Canfora reagierte auf die Vorwürfe mit der Schrift "Das Auge des Zeus", die im Konkret Literatur Verlag erschien, und kritisierte ebenfalls die ursprüngliche Übersetzung des Beck-Verlags. Auch Georg Fülberth, ein Verteidiger Canforas in Deutschland, vertrat die Meinung, die Kritik basiere auf einer böswilligen Missinterpretaion einer fehlerhaften Übersetzung.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • La biblioteca scomparsa, Sellerio, 1986; 1988. -- Die verschwundene Bibliothek. Das Wissen der Welt und der Brand von Alexandria. Rotbuch-Taschenbuch 1104. Rotbuch-Verlag, Berlin 1990 (ital. Originalausgabe Palermo 1986), ISBN 3-88022-026-3 (Neu erschienen in der Europ. Verl.-Anst., Hamburg 2002, ISBN 3-434-46182-5)
  • Le vie del classicismo, Roma-Bari, Laterza, 1989. -- Politische Philologie : Altertumswissenschaften und moderne Staatsideologien, Klett-Cotta, Stuttgart 1995
  • Un mestiere pericoloso. La vita quotidiana dei filosofi greci, Palermo, Sellerio, 2000. -- Ach, Aristoteles!: Anleitungen zum Umgang mit Philosophen, Europ. Verl.-Anst., Hamburg 2000
  • Giulio Cesare. Il dittatore democratico, Roma-Bari, Laterza, 1999. -- Caesar: der demokratische Diktator; eine Biographie, C.H. Beck, München 2001, (2004) ISBN 3-406-51869-9
  • La democrazia. Storia di un'ideologia, Roma-Bari, Laterza, 2004. -- Kurze Geschichte der Demokratie: Von Athen bis zur EU, Papyrossa, Köln 2006, ISBN 3-89438-350-X - Rezension: Rudolf Walther, Das Subjekt der Demokratie ("Freitag", 5. Januar 2007)
  • L'occhio di Zeus. Disavventure della "Democrazia", Roma-Bari, Laterza, 2006. -- Das Auge des Zeus. Deutsche Geschichtsschreibung zwischen Dummheit und Demagogie - Antwort an meine Kritiker, Konkret Literatur Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-930786-50-8
  • Esportare la libertà. Il mito che ha fallito, Milano, Mondadori, 2007. -- Die Freiheit exportieren. Vom Bankrott einer Ideologie, Papyrossa, Köln 2008
  • 1914, Palermo, Sellerio, 2006. -- August 1914. Oder: Macht man Krieg wegen eines Attentats?, Papyrossa, Köln 2010
  • 1956. L'anno spartiaque, Palermo, Sellerio, 2008. -- Zeitenwende 1956, Papyrossa, Köln 2012

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mitgliederliste ab 1900
  2. *[1]
  3. Süddeutsche Zeitung (vom 16. November 2005)
  4. der Freitag (vom 6. Januar 2006)

Weblinks[Bearbeiten]