Lucona

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Lucona ist der Name eines Schiffes, das im Zuge eines sechsfachen Mordes, sechsfachen Mordversuchs und versuchten Versicherungsbetrugs durch eine Sprengung zu Jahresbeginn 1977 im Indischen Ozean versenkt wurde. Im Rahmen der darauf folgenden Untersuchung weitete sich die Begebenheit zum größten politischen Skandal Österreichs in der Zweiten Republik aus, in den mehrere Spitzenpolitiker verstrickt waren und der das Land von 1977 bis 1992 bewegte. In den Medien wurde die Causa neben Lucona-Skandal mehrheitlich als Lucona-Affäre gehandelt[1].

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Ablauf

Der Frachter Lucona wurde 1976 von Udo Proksch, dem damaligen Prokuristen des Wiener Kaffeehauses Demel und Enfant terrible der Wiener Gesellschaft, gechartert. Das Schiff wurde in Chioggia in Oberitalien angeblich mit einer Uranerzaufbereitungsanlage beladen. Die Ladung wurde bei der Bundesländer-Versicherung in Wien für 212 Mio. Schilling (ca. 15,4 Mio. Euro) versichert. Adressat der Lieferung war ein Strohmann Prokschs. Das mit einer aus österreichischen Heeresbeständen stammenden Sprengladung versehene Schiff wurde am 23. Jänner 1977 in der Gegend der Malediven im Indischen Ozean versenkt. Dabei wurde der Tod der zwölfköpfigen Besatzung in Kauf genommen, sechs Menschen kamen tatsächlich ums Leben.

Die Bundesländer-Versicherung verweigerte allerdings die Auszahlung der Versicherungssumme, da sie den Verdacht hegte, die Lucona habe nicht die behauptete wertvolle Fracht, sondern vielmehr Schrott, nämlich Gerätschaften des aufgelassenen Kohlebergwerkes von Oberhöflein, sowie Teile eines Kunststoffextruders geladen gehabt, was sich letztlich als richtig erweisen sollte: Die Ladung repräsentierte einen Wert von lediglich 1 Mio. Schilling (ca. 73.000 Euro).

Es wurde nie genau geklärt, womit die Sprengladung gezündet wurde. Eine Fernauslösung scheidet wegen der großen Distanz (6.000 km) zwar aus, allerdings konnte auch die Verwendung eines Zeitzünders nicht nachgewiesen werden. Das österreichische Bundesheer verfügte aber über Zeitzünder, die maximal 21 Tage liefen. Die Lucona lief am 2. Jänner 1977 aus Chioggia aus, exakt 21 Tage später, am 23. Jänner, erfolgte die Explosion.

[Bearbeiten] Aufdeckung

Der Fall Lucona wurde durch die Journalisten Gerald Freihofner ("Wochenpresse") und Hans Pretterebner aufgedeckt. Die gesammelten Details verarbeitete Pretterebner literarisch in seinem Buch Der Fall Lucona, das er im Jahr 1987 im Eigenverlag veröffentlichte.

[Bearbeiten] Aufklärung

Zur Klärung der Verwicklung von Politikern in den Fall, insbesondere politischer Verbindungen zur SPÖ („Club 45“), wurde 1988–1989 ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt, in dessen Folge der Nationalratspräsident Leopold Gratz (SPÖ) und der Innenminister Karl Blecha (SPÖ) zurücktraten. Die juristische Aufarbeitung des Vorfalls stürzte das Land in einen nie da gewesenen Politskandal: 16 Politiker, Juristen und Spitzenbeamte wurden von ihren Posten entfernt, angeklagt oder verurteilt; ein Dutzend weiterer beteiligter Personen, darunter der österreichische Verteidigungsminister Karl Lütgendorf, kam auf mysteriöse Weise ums Leben.

Im Auftrag der Wiener Justiz fand die auf Tiefsee-Bildaufnahmen spezialisierte US-Firma Oceaneering am 5. Februar 1991 nach mehrtägiger Suche das Wrack der Lucona am Grund des Indischen Ozeans. Ein ferngesteuerter Tauchroboter erstellte fünfzehn Stunden Videobänder und rund hundert Standbilder vom Wrack. Sie zeigen ein Trümmerfeld auf dem Meeresboden: Der Bug des Schiffs mit Ankerkette und Klüse fand sich in einiger Entfernung vom restlichen Wrack, der vordere Laderaum war glatt durchtrennt, das Hinterschiff wies hingegen nur relativ geringe Schäden auf.[2][3] Die Gesamtkosten allein dieser Aktion beliefen sich auf über 20 Mio. Schilling (ca. 1,45 Mio Euro).

Der Gerichtsprozess am Landesgericht für Strafsachen Wien gegen Proksch endete 1992 mit einem Schuldspruch wegen sechsfachen Mordes und der Verurteilung zu lebenslanger Haft. Proksch starb Ende Juni 2001 nach einer Herzoperation während der Haft. Der zweite Drahtzieher im Fall Lucona – Hans Peter Daimler – wurde 1997 vom Landgericht Kiel zu einer 14-jährigen Haftstrafe wegen Beihilfe zum sechsfachen Mord und versuchten Versicherungsbetrug verurteilt. Hinweise auf etwaige Verstrickungen ausländischer Geheimdienste (CIA, KGB, Stasi und BND) in dieser Affäre und damit einhergehende Scheingeschäfte wurden vor dem Gericht in Kiel zwar aufgebracht, jedoch nicht weiter verfolgt. Der Versuch, Daimler als Bauernopfer darzustellen, scheiterte.

[Bearbeiten] Kulturelle Rezeption

Das Buch Der Fall Lucona diente als Vorlage für eine Verfilmung (1993)[4] mit dem britischen Schauspieler David Suchet in der Rolle des dort in Rudi Waltz umbenannten Proksch. (Rudolf war der erste Vorname von Udo Proksch.)

2004 wurde in Wien das Musical Udo 77 der Künstlergruppe monochrom zur Uraufführung gebracht, das sich mit dem Fall Lucona und Udo Proksch auseinandersetzte.

[Bearbeiten] Filme

[Bearbeiten] Literatur

  • Stichwort Lucona-Affäre, in: Oswald Panagl/Peter Gerlich (Hg.): Wörterbuch der politischen Sprache in Österreich. Wien: Österreichischer Bundesverlag 2007. ISBN 978-3-209-05952-9
  • Hans Pretterebner: Der Fall Lucona: Ost-Spionage, Korruption u. Mord im Dunstkreis d. Regierungsspitze 1. Aufl. Dezember (1987). ISBN 3-900710-01-5
  • Hans Pretterebner: Das Netzwerk der Macht: Anatomie der Bewältigung eines Skandals. ISBN 3-900710-02-3

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Vgl. Panagl/Gerlich 2007.
  2. Bilder von der versenkten Lucona (PDF Oceaneering En: Lucona1991 Page 27-30)
  3. Nach mehrtägiger Suche wurde am 5. Februar 1991 im Indischen Ozean in 4.700 m Tiefe das Wrack der im Auftrag von Udo Proksch versenkten "Lucona" gefunden. akustische-chronik.at (1991)
  4. wega-film Der Fall Lucona

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

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