Ludvík Kundera

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Ludvík Kundera (Herbst 2009)

Ludvík Kundera (* 22. März 1920 in Brünn; † 17. August 2010 in Boskovice) war ein tschechischer Schriftsteller. Er galt als Surrealist und wurde vor allem durch ironisch-satirische Gedichte, Erzählungen und Essays bekannt.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Nach dem Abitur 1938 am Leitmeritzer Gymnasium schrieb sich Kundera an der philosophischen Fakultät der Karls-Universität in Prag ein, wechselte allerdings nach Brünn, wo er von der Schließung der Universitäten im Zuge der deutschen Okkupation überrascht wurde. Sein Studium beendete er deshalb erst 1946. Er schrieb auch während seiner Zeit als Zwangsarbeiter in Berlin-Spandau. Nach dem Krieg wurde er Gründungsmitglied der surrealistischen Künstlervereinigung Skupina RA, deren Manifest, den Artikel Mladší surrealisté, er 1945 gemeinsam mit Zdeněk Lorenc verfasste. Sein 1961 veröffentlichtes Theaterstück Der totale Hahnenschrei (Totální kuropění) wechselt zwischen Versen, Prosa und Gesangsteilen. Seit 1967 war er Mitglied des P.E.N.

Von 1968 bis 1970 war Kundera Chefdramaturg am Schauspielhaus Brünn. Nach Erteilung des Publikationsverbots veröffentlichte er im Samisdat und gab 1973 bis 1975 eine Samisdat-Edition Host do domu (Gast ins Haus) heraus. Seit 1976 lebte er bis zu seinem Tod in Kunštát (Mähren). 1990 bis 1999 wurde Kundera mit Gastvorlesungen an Brünner und Olmützer Hochschulen betraut. Seit Ende der 1990er Jahre erscheint eine umfangreiche Werkausgabe. Er war Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Sächsischen Akademie der Künste. Kundera gehörte dem Obec spisovatelů an. Er war der Neffe des Pianisten Ludvík Kundera und der Vetter des Schriftstellers Milan Kundera.

Zum 28. Oktober 2007, dem tschechischen Staatsfeiertag, wurde ihm von Präsident Václav Klaus die Medaille für Verdienste um den Tschechischen Staat im Bereich Kultur und Kunst zuerkannt.[1]

Preise[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Elemente in uns. Gedichte 1946.
  • Deutsche Porträts. Essays 1956.
  • Vermerke und Ansprachen. Gedichte 1961.
  • Die Glasträne. Anthologie Tschechischer Poesie. 1964 und 1966.
  • Halloh der Sturm, der große Sturm ist da. Expressionismus-Anthologie 1969.
  • Und der Dichter? – Zwiebelzwerg Verlag (1979) Mitarbeit und Essay in dem Band von Frantisek Halas
  • Der dreizehnte Monat. Sammlung Hruden 1985 und 1993.
  • (Hrsg.) Die Sonnenuhr. Anthologie tschechischer Lyrik. Leipzig 1986.
  • Fälle. Gedichte 1992.
  • Fall der Dinge. Gedichte 1992.
  • Geruch des Salzes. Deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts. 1996.
  • Könige Verbrecher Magusse 1998.
  • als Herausgeber: Die Seele Brünns [zusammengestellt von Ludvík Kundera und Alena Mizerová, übersetzt aus dem Tschechischen von Eduard Schreiber, Bernd Magar [u. a.] ], Verlag der Masaryk-Universität, Brno 1998, ISBN 978-80-210-4557-6 (erschien auch tschechisch (Duše Brna) und englisch (The Spirit of Brno) ).
  • Brecht 1999.
  • Berlin. Erzählung. Reihe gerettete Texte. Weimar 2000.
  • als Herausgeber: Anthologie des Poetismus. München 2004 (mit Eduard Schreiber)
  • Erinnerungen an Städte/Stätten, wo ich niemals war / Vzpomínky na města/místa, kde jsem nikdy nebyl [Gedichte], illustriert von Christian Thanhäuser, übersetzt aus dem Tschechischen von Eduard Schreiber, Edition Thanhäuser, Ottensheim an der Donau 2004, ISBN 978-3-900986-56-8 (Text deutsch und tschechisch).
  • el do Ra Da(da). Gedichte, Erzählungen, Erinnerungen, Bilder. Wuppertal 2007.
  • Poesiealbum 281, Märkischer Verlag Wilhelmshorst 2008, EAN 978 3 931329 81 5

Veröffentlichungen in deutschen Zeitschriften und Anthologien, eine tschechische Werkausgabe ist in Vorbereitung.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ludvík Kundera – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Artikel beim Presseportal iDNES.cz: Prezident ocenil hrdinství, hudbu i šíření Komenského
  2. Siehe die offizielle Liste der Ausgezeichneten [1]