Ludwig August Frankl von Hochwart

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Ludwig August Frankl, Gemälde von Leopold Pollack
Ludwig August Frankl, Lithographie von Johann Stadler
Ludwig August Frankl als akademischer Legionär im Jahre 1848 (nach einem Gemälde von Joseph Matthäus Aigner)

Ludwig August Ritter von Frankl-Hochwart (* 3. Februar 1810 in Chrast in Böhmen; † 12. März 1894 in Wien) war Arzt, Journalist, Schriftsteller und Ehrenbürger von Wien.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Ludwig August Frankl (seit 1876) Ritter von Hochwart, aus einer jüdischen Familie in Chrast stammend, Vater des Nervenarztes Lothar von Frankl-Hochwart (1862-1914) und Onkel des Musikwissenschaftlers Paul Josef Frankl (* 21. Dezember 1892 in Brünn (Brno), † 1. August 1976 in Wien, 1849 Professor an der Musikakademie in Wien), besuchte das Piaristengymnasium der Prager Neustadt, das Piaristenkollegium in Leitomischl und studierte seit 1828 in Wien Medizin, seit dem Tod seines Vaters mit Not kämpfend. Durch das Habsburglied (Wien 1832) und eine Reihe historischer Balladen führte er sich in die Kreise der Wiener Schriftsteller ein und fand durch die Episch-lyrischen Dichtungen (das. 1834), die Sagen aus dem Morgenland (Leipzig 1834) und das romantische Epos Christoforo Colombo (Stuttgart 1836) beachtete Anerkennung.

Nach der Rückkehr von einer Reise nach Italien, wo er an der Universität Padua 1837 zum Doktor der Medizin promovierte, begann er eine medizinische Praxis in Wien und wurde 1838 Sekretär der Israelitische Kultusgemeinde Wien. Er übernahm 1841 die Redaktion des Österreichischen Morgenblattes, gab eine neue Sammlung Dichtungen (Leipzig 1840) und das biblisch-romantische Gedicht Rachel (1842; 7. Aufl., Wien 1880) heraus und begründete die Wochenschrift Sonntagsblätter, die Entscheidendes zur Entwicklung des geistigen Lebens in Österreich beitrug. Seit 1851 Direktor des Wiener Musikvereins und Professor der Ästhetik an der Universität in Wien, wurde er Gründer der Blindenanstalt Hohe Warte in Wien, 1973 Präsident des ersten Blindenlehrerkongresses in Wien, zum K.k.Schulrat ernannt, Präsident der Schillergesellschaft in Wien und Präses der Wiener israelitischen Kultusgemeinde.

Sein Gedicht Die Universität, zu Beginn der Märzrevolution des Jahres 1848 entstanden, erregte als erstes zensurfreies Flugblatt großes Aufsehen, wurde in mehr als einer Million Exemplaren verbreitet und von zahlreichen Komponisten in Musik gesetzt. Im Jahr 1856 reiste Ludwig August Frankl nach Jerusalem.

Bei Gelegenheit der Enthüllung des von ihm angeregten Schillerdenkmals am Schillerplatz (Wien) am 10. November 1876 wurde Frankl mit dem Prädikat "Ritter von Hochwart", in Anerkennung für die von ihm ins Leben gerufene Blindenanstalt auf der Hohen Warte in Wien in den erbländisch-österreichischen Adelsstand erhoben. Im Jahr 1880 wurde Ludwig August Frankl von Hochwart Ehrenbürger der Stadt Wien.

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Don Juan d'Austria, ein Heldenlied, (Leipzig 1846; 3. Aufl., Prag 1884);
  • Ein Magyarenkönig" (Leipzig 1850; 3. Aufl., Wien 1880); die Dichtung
  • Der Primator (Prag 1861; 5. Aufl., Leipzig 1880), eine Schilderung von Judenverfolgungen; das
  • Helden- und Liederbuch (Prag 1861, 2. Aufl. 18.63); die
  • Ahnenbilder (Leipzig 1864);
  • Libanon, ein poetisches Familienbuch (3. Aufl., Wien 1867);
  • Tragische Könige. Epische Gesänge (Wien 1876, 2. Aufl. 1880) und
  • Lyrische Gedichte (5. Aufl., Wien 1880).

Im Vergleich mit Schriftstellern vor 1848 im deutsch-österreichischen Raum zeichnete sich Frankl von Hochwart durch sein Streben nach geschmackvoller Darstellung und künstlerischem Gleichmaß aus. Nach Meinung von Literaturkritikern haben seine Publikationen keine individuell geprägte Form; sie haben allgemeingültige Merkmale, seiner Begabung als Journalist entsprechend. In diesem Zusammenhang zu erwähnen sind die Publikation Gusle, eine Übersetzung serbischer Nationallieder (Wien 1852), Beurteilung der Biographien bekannter Österreicher (Wien 1984), einige satirische Gedichte, in denen er den medizinischen Charlatanismus anprangerte:

  • Hippokrates von Kos und die moderne Medizin (5. Aufl., Wien 1860),
  • Die Charlatane (3. Aufl., Wien 1862)
  • Hippokrates und die Cholera (3. Aufl., Wien 1864)
  • Nach 500 Jahren, Satire zur Säkularfeier der Wiener Universität (Leipzig. 1865);
  • Zur Geschichte der Juden in Wien (Wien 1853),
  • Zu Lenaus Biographie (Wien 1854, 2. Aufl. 1885);
  • Nach Jerusalem (Leipzig 1858, 2 Bde.)
  • Aus Ägypten (Wien 1860);
  • Zur Biographie Ferdinand Raimunds (Wien: Hartleben 1884);
  • Zur Biographie Friedrich Hebbels (Wien: Hartleben 1884);
  • Zur Biographie Franz Grillparzers (Wien. 1883)
  • Andreas Hofer im Lied (Innsbruck. 1884).

Seine Gesammelten poetischen Werke (mit Ausnahme der Satiren) sind in drei Bänden 1880 in Wien erschienen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]