Ludwig Choris

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Ludwig Choris: Die Rurik vor der Insel Sankt Paul (Alaska)

Ludwig York Choris (auch Louis Choris, * 22. März 1795 in Jekaterinoslaw, heute Dnipropetrowsk, Ukraine; † 22. März 1828 bei Veracruz, Mexiko) war ein deutsch-russischer Maler, Zeichner, Lithograf und Forschungsreisender.

Leben[Bearbeiten]

Ludwig Choris wurde 1795 als Sohn deutscher Eltern in Jekaterinoslaw geboren. Er besuchte das Gymnasium in Charkow, wo sein Vater an der Universität lehrte. Nach dem frühen Tod der Eltern nahm ihn der Titularrat J. Matthes, der an der Universität Zeichenunterricht gab, als Pflegekind in sein Haus.[1] Mit diesem kam Choris nach Sankt Petersburg, wo er seine Ausbildung fortsetzte, unter anderem auf dem Gebiet der Naturgeschichte. Schon früh hatte er mit seinen Zeichnungen und Porträts Beachtung gefunden. 1813 unternahm er seine erste Forschungsreise. Er begleitete den Botaniker Friedrich August Marschall von Bieberstein als Pflanzenzeichner auf eine Reise in den Kaukasus.[2] Anschließend kehrte er nach Sankt Petersburg zurück, um die Kunstakademie zu besuchen.

1815 wurde er unter mehreren Mitbewerbern ausgewählt, als Maler und Zeichner an der Weltumseglung Otto von Kotzebues mit der Brigg Rurik teilzunehmen. An Bord waren auch die Naturforscher Adelbert von Chamisso und Johann Friedrich Eschscholtz. Die Reise führte von Sankt Petersburg zunächst durch den Atlantik und um Kap Hoorn in den Pazifik. Nach einem Besuch Kamtschatkas durchfuhr die Rurik auf der Suche nach der Nordwestpassage die Beringstraße. Der Kotzebuesund in Alaska wurde entdeckt und eine dortige Halbinsel nach Choris benannt. In der Folge wurden die Tschuktschenhalbinsel, die Aleuten, Hawaii, die Marshallinseln und San Francisco angelaufen. Nach einem zweiten Besuch der Beringstraße kehrte die Rurik 1818 über die Sundastraße und das Kap der Guten Hoffnung heim.

Choris fertigte während der Expedition eine Vielzahl von Aquarellen und Zeichnungen an, darunter hervorragende Porträts der Bewohner der besuchten Länder. Er hielt aber auch Szenen aus deren Alltagsleben fest und zeichnete Gebrauchsgegenstände, Landschaften, Tiere und Pflanzen.

Nach seiner Rückkehr von der Weltumseglung ging Choris 1819 nach Paris, wo er in engem Kontakt zu François Gérard und Jean-Baptiste Regnault stand. Er erlernte die Technik der Lithografie und stellte in der Folgezeit Lithografien seiner eigenen Aquarelle her. Mit diesen illustrierte er die Reiseberichte Kotzebues und Chamissos. 1822 gab er einen eigenen Reisebericht in französischer Sprache (Voyage pittoresque autour du monde) heraus, der auch Textbeiträge von Chamisso und Georges Cuvier enthält. 1826 erschienen 24 weitere Lithografien (Vues et paysages des régions équinoxiales).

1827 begab er sich im Auftrag des Musée des Jardins des Plantes auf eine Reise nach Mittel- und Südamerika, wo er Pflanzen sammeln und zeichnen sollte, insbesondere aber auch Porträts der Indios malen wollte. Er besuchte die Antillen und New Orleans, bevor er in Veracruz mexikanischen Boden betrat. Auf dem Weg nach Xalapa wurde er im März 1828 von Banditen überfallen und ermordet.

1986 wurde sein während der Rurik-Expedition und in den darauffolgenden Monaten geführtes Tagebuch in der Bibliothek Sainte-Geneviève in Paris wiedergefunden und kurz darauf publiziert.

Werk[Bearbeiten]

König Kamehameha I. von Hawaii

Das Werk Choris’ wurde schon von seinen Zeitgenossen hoch geschätzt. Von den Malern auf früheren Forschungsreisen unterschied er sich dadurch, dass er die Angehörigen nichteuropäischer Völker weder als furchterregende „Wilde“, noch idealisiert als „edle Wilde“ darstellte, sondern – wie in seinen Pflanzenzeichnungen – allein der Wahrheit verpflichtet war.

In wissenschaftlicher Hinsicht ist sein Werk für Ethnologen von unschätzbarem Wert. Insbesondere für Hawaii stellt es ein großes Vermächtnis dar. Kein anderer Künstler hat das alte Hawaii ähnlich authentisch wiedergegeben. Seine beiden Porträts König Kamehamehas I. sind von großer historischer Bedeutung und werden auch heute bei hawaiianischen Feierlichkeiten gern gezeigt.[3]

Interessant sind auch seine Darstellungen San Franciscos zu einer Zeit, als es nur ein unbedeutender spanischer Außenposten war.

Publikationen[Bearbeiten]

Eigene Werke
Illustrierte Werke anderer Autoren
  • Otto von Kotzebue: Entdeckungs-Reise in die Süd-See und nach der Berings-Straße zur Erforschung einer nordöstlichen Durchfahrt: unternommen in den Jahren 1815, 1816, 1817 und 1818, auf Kosten Sr. Erlaucht des Herrn Reichs-Kanzlers Grafen Rumanzoff auf dem Schiffe Rurick unter dem Befehle des Otto von Kotzebue, Weimar 1821, Band 1, Band 2, Band 3, Tafeln zu Band 1 (online abrufbar über das Digitalisierungszentrum der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen).
  • Adelbert von Chamisso: Reise um die Welt, Weidmann’sche Buchhandlung, Leipzig 1836, 1. Band: Tagebuch, 2. Band: Anhang. Bemerkungen und Ansichten (online abrufbar über das Digitalisierungszentrum der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen).

Literatur[Bearbeiten]

  • Lithographisches Reisewerk des Hrn. Choris. In: Morgenblatt für gebildete Leser, Kunstblatt 61, 1821, S. 244
  • Ludwig Choris, der Maler. In: Friedrich Christian August Hasse (Hrsg.): Zeitgenossen. Ein biographisches Magazin für die Geschichte unserer Zeit, Band 3, Nr. 20/21, Brockhaus, Leipzig 1831, S. 188–191
  • Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter, etc. Band 2, Fleischmann, München 1835, S. 526

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus Mehnert: The Russians in Hawaii 1804–1819. In: Univ. of Hawaii Bull. 18(6), 1939, S. 58
  2. Adelbert von Chamisso, S. 25
  3. Niklaus R. Schweizer im Vorwort zum Journal des Malers Ludwig York Choris auf der Website von museo-on, abgerufen am 2. Januar 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ludwig Choris – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien