Ludwig Edelstein

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Ludwig Edelstein (* 23. April 1902 in Berlin; † 16. August 1965 in New York) war ein deutsch-amerikanischer Klassischer Philologe und Medizinhistoriker.

Er studierte Klassische Philologie seit 1921 an der Berliner Universität bei Hermann Diels, Werner Jaeger, Eduard Norden und seit 1925 an der Universität Heidelberg, wo er 1929 bei Otto Regenbogen mit der Arbeit περὶ ἀέρων und die Sammlung der Hippokratischen Schriften“ promoviert wurde. Anschließend war er Assistent am Institut für Geschichte der Medizin an der Berliner Universität und Lehrbeauftragter für Geschichte der exakten Wissenschaften im Altertum in der Philosophischen Fakultät. 1933 wurde er als Jude entlassen und ihm der Lehrauftrag entzogen. 1934 emigrierte er über Italien in die USA. Hier lehrte er zunächst bis 1947 an der Johns Hopkins University in Baltimore, war er seit 1947 Professor an der University of Washington in Seattle, seit 1948 an der University of California, Berkeley. Als er in der McCarthy-Ära den Loyalitätseid verweigerte, musste er Berkeley verlassen und ging 1951 an der Johns Hopkins University zurück, seit 1960 lehrte er an der Rockefeller University in New York als Professor für Klassische Philosophie und Wissenschaftsgeschichte.

Edelstein gehörte mit Henry E. Sigerist, Owsei Temkin und Erwin Heinz Ackerknecht zu den führenden deutschen Medizinhistorikern, die in der Zeit des Nationalsozialismus in die USA auswanderten. Die Auswanderung bedeutete einen großen Qualitätsverlust für die medizintheoretische deutsche Forschung, denn der Hippokratismus der 1920er Jahre, in dem sich Mediziner sehr stark auf eine überhöhte Gestalt des Hippokrates berufen hatten, um aktuelle Probleme der Medizin zu lösen, hatte zu einer stabilen Institutionalisierung der Medizingeschichte geführt. Mit Textherausgaben und Interpretationen zum Hippokratischen Eid hatte Edelstein an dieser Entwicklung erheblichen Anteil.

In seinen wissenschaftlichen Arbeiten standen Studien zu den griechischen Universalgelehrten, Ärzten und Philosophen im Mittelpunkt. Neben Arbeiten zu Hippokrates und Asklepios war er Mitherausgeber einer dreibändigen Zusammenstellung der Fragmente des Poseidonios.

Werke[Bearbeiten]

  • The Hippocratic Oath: Text, Translation, Interpretation (1943)
  • mit Emma J. Edelstein: Asclepius: Collection and Interpretation of the Testimonies (1945)
  • Wielands „Abderiten“ und der Deutsche Humanismus (1950)
  • Plato's Seventh Letter (1966)
  • The Idea of Progress in Classical Antiquity (1967)
  • Ancient Medicine: Selected Papers of Ludwig Edelstein (1967), herausgegeben von Owsei Temkin und C. Lilian Temkin
  • The Meaning of Stoicism (1968) Martin Classical Lectures Volume XXI
  • Posidonius. Ed. by Ludwig Edelstein and Ian G. Kidd. 3 Bde. Cambridge: CUP, 1972-1999. (= Cambridge classical texts and commentaries.)

Literatur[Bearbeiten]

  • John Scarborough: Edelstein, Ludwig. In: Ward W. Briggs (Hrsg.): Biographical Dictionary of North American Classicists. Greenwood Press, Westport CT u. a. 1994, ISBN 0-313-24560-6, S. 153–156.
  • Thomas Rütten: Ludwig Edelstein at the Crossroads of 1933. On the Inseparability of Life, Work, and Their Reverberations, in: Early Science and Medicine 11, 2006, S. 50-99
  • Heinrich Schlange-Schöningen: Edelstein, Ludwig. In: Der Neue Pauly (DNP). Supplementband 6: Geschichte der Altertumswissenschaften. Metzler, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-476-02033-8, Sp. 345–347.

Weblinks[Bearbeiten]