Ludwig Engels (SA-Mitglied)

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Ludwig Eduard Werner Engels, genannt Louis Engels (* 30. August 1901 in Haus Landscheid bei Burscheid; † 2. Juli 1934[1] bei Breslau) war ein deutscher Staatsbeamter und SA-Führer. Er amtierte von 1933 bis 1934 als stellvertretender Polizeipräsident von Breslau. Er wurde bekannt als eines der Opfer des sogenannten Röhm-Putsches.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten]

Nach dem Schulbesuch durchlief Ludwig Engels die juristische Ausbildung.[2]

Politische Aktivitäten[Bearbeiten]

1930 trat Engels in die NSDAP ein. In dieser widmete er sich vor allem dem Aufbau der Gaupresse im Gau Schlesien, die 1933 zehn Zeitungen umfasste, deren Syndikus er wurde. Zur selben Zeit wurde Engels Mitglied der Sturmabteilung (SA), in der er rasch zu einem der engsten Mitarbeiter des schlesischen SA-Führers Edmund Heines avancierte. Als besonderer Vertrauensmann Heines’ hatte er bis zum Jahr 1933 den Rang eines Obersturmbannführers erreicht.[3]

In der Literatur wird Engels neben Männern wie Hans Ramshorn und Hans Walter Schmidt meist einer sich um Heines gruppierenden homosexuellen Gruppe in der Führung der schlesischen SA ("Heines-Kreis") zugerechnet.[4] Max Gallo bezeichnete Engels sogar als den „bösen Geist“ Heines'.[5]

Als rechte Hand Heines' war Engels seit den frühen 1930er Jahren an der Führung der schlesischen SA und ab 1933 an der Führung der Polizei im Landkreis Breslau beteiligt. Am 24. Oktober 1933 wurde Engels offiziell – mit Wirkung zum 1. November 1933 – als Regierungsrat beim Polizeipräsidium von Breslau bestallt, dessen Führung Heines im April 1933 übernommen hatte. Im November 1933 folgte Engels dem ins Geheime Staatspolizeiamt versetzten Günther Patschowsky als stellvertretender Polizeipräsident von Breslau nach.[6] In dieser Stellung wurde er am 24. April 1934 zum Oberregierungsrat befördert.

Ermordung[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1934 wurde Engels im Rahmen der als Röhm-Putsch bekannt gewordenen politischen Säuberungswelle der Nationalsozialisten vom Frühsommer 1934 während eines Aufenthaltes im Rheinland verhaftet.[7] Nachdem man ihn noch am selben Tag nach Breslau überführt hatte wurde er in den frühen Morgenstunden des 2. Juli 1934 zusammen mit Edmund Heines’ Bruder Oskar Heines in einen Wald bei Deutsch Lissa gebracht und dort durch ein SS-Kommando erschossen. Heines selbst war bereits am 30. Juni 1934 im Gefängnis Stadelheim exekutiert worden.[8] Die Leichen beider Männer wurden in die Breslauer Anatomie gebracht und am 17. Juli im Breslauer Krematorium eingeäschert.[9]

Nach Engels Tod verbreiteten sich einige überaus dramatisierte Geschichten über seine Ermordung: Im Weissbuch hieß es beispielsweise, Engels wäre nach seiner Verhaftung in den Gängen des Breslauer Polizeipräsidiums „zu Tode getrampelt“ worden.[10] Und das Nachrichtenmagazin Der Spiegel verbreitete noch 1966 die Behauptung, Engels wäre in den Wald getrieben und „mit Schrotladungen“ „durchlöchert“ worden.[11]Dieser Auffassung schloss sich Guido Knopp im Jahr 2003 an.[12] Im Ausland wurde seine Ermordung durch Berichte in der New York Times und im Chicago Tribune sowie in dem in Paris veröffentlichten Weissbuch über die Erschießungen vom 30. Juni bekannt gemacht. Auch in den Deutschlandberichten der SOPADE, der Exil-SPD wurde Engels' Ermordung ausdrücklich festgehalten.[13]

Die Ermordung von Engels und neunzehn weiteren Personen bildete im Jahr 1957 den Gegenstand eines Strafverfahrens gegen Udo von Woyrsch und Ernst Müller-Altenau vor dem Schwurgericht Osnabrück. Woyrsch und Müller-Altenau hatten als oberste regionale SS- beziehungsweise SD-Befehlshaber für Schlesien im Jahr 1934 die Durchführung der im Zusammenhang mit der Röhm-Aktion stehenden Maßnahmen der SS im Gebiet um Breslau geleitet und insbesondere auch die von der SS durchgeführten Exekutionen dieser Tage koordiniert und angeordnet bzw. entsprechende Anordnungen aus Berlin weitergegeben. Woyrsch wurde am 2. August 1957 wegen Beihilfe zum Totschlag in neun Fällen zu zehn Jahren Haft verurteilt, während er in einem Fall wegen erwiesener Unschuld und in den übrigen Fällen aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde. Müller-Altenau wurde in allen Fällen aus Mangel an Beweisen freigesprochen.[14]

Archivalien[Bearbeiten]

  • Personalakte von Ludwig Engels (Bundesarchiv Lichterfelde, R 1501/206075).

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erich Stockhorst: Engels, Werner. In: Fünftausend Köpfe: Wer war was im Dritten Reich. Blick und Bild Verlag, 1967, S. 123 nennt als Todestag den 30. Juni 1934.
  2. Henning Grunwald: Courtroom to revolutionary stage. Performance and ideology in Weimar Political Trials, Oxford 2012, S. 169.
  3. Abraham Ascher: A community under Siege. The Jews of Breslau under Nazism, Stanford 2007, S. 74; Vernon McKenzie: Through Turbulent Years, London 1938, S. 42. Auch: „How Hitler Trains his Army“, in: Charleston Daily Mail vom 29. Januar 1933.
  4. Heinz Höhne: Mordsache Röhm, 1984, S. 110; Bernd-Ulrich Hergemöller (Hrsg.): Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum, 2010, S. 1062 und 1418.
  5. Max Gallo: Der Schwarze Freitag der SA, S. 71.
  6. Abraham Ascher: A community under Siege. The Jews of Breslau under Nazism, Stanford 2007, S. 74.
  7. Karl Martin Grass: Edgar Jung, Papenkreis und Röhmkrise 1933-34, 1966, S. 281.
  8. Otto Gritschneder: „Der Führer hat sie zum Tode verurteilt...“ Hitlers Röhm-Putsch-Morde vor Gericht, München 1993, S. 132; Karl Martin Grass: Edgar Jung, Papenkreis und Röhmkrise 1933-34, 1966, S. 283; Rainer Orth: Der SD-Mann Johannes Schmidt, 2012, S. 188f.
  9. „Reveals Breslau Storm Troops Received Training for Revolt“, in: Chicago Tribune vom 6. Juli 1934; Deutschland-Bericht der Sopade, Bd. 1, 1934, S. 302. Siehe auch Norbert Conrads: Kein Recht, nirgends. Breslauer Tagebücher 1933-1941, 2008, S. 36.
  10. Weissbuch, 1934, S. 75.
  11. Der Spiegel 45/1966
  12. Guido Knopp: Die SS: Eine Warnung der Geschichte., Goldmann Verlag 2003, S. 72, ISBN 978-3442152520
  13. „Reveals Breslau Storm Troops Received Training for Revolt“, in: Chicago Tribune vom 6. Juli 1934; „Germans Told of Death total for first time", in: New York Times vom 8 Juli 1934; Deutschland-Bericht der Sopade, Bd. 1, S. 302.
  14. Zum Prozess gegen Woyrsch und Müller-Altenau vgl. die Behandlung dieses Prozesses bei Otto Gritschneder: „Der Führer hat Sie zum Tode verurteilt…“ Hitlers „Röhm-Putsch“-Morde vor Gericht, München 1993; siehe auch Richard Bessels auf dem Osnabrücker Urteil basierende Darstellung der schlesischen Vorgänge bei Richard Bessel: Political Violence and the Rise of Nazism: The Storm Troopers in Eastern Germany, 1925-1934, 1984, S. 133-139; vgl. auch den Bericht über diesen Prozess bei „Der Furcht so fern, dem Tod so nah“. Der «Röhm-Putsch» oder der Mord von Staats wegen“ in: Der Spiegel vom 15. Mai 1957.