Ludwig Dmitrijewitsch Faddejew

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Ludwig Faddejew auf Kreta, 1983
Faddejew bei einem Vortrag in Aarhus 2010

Ludwig Dmitrijewitsch Faddejew (russisch Людвиг Дмитриевич Фаддеев, nach englischer Schreibweise Ludvig Faddeev zitiert; * 23. März 1934 in Leningrad, Sowjetunion) ist ein führender russischer theoretischer Physiker und Mathematiker.

Biographie[Bearbeiten]

Faddejews Vater Dmitri Faddejew (1907–1989) war Mathematik-Professor in Sankt Petersburg, korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften der UdSSR und bekannter Algebraiker, seine Mutter Wera Faddejewa war ebenfalls eine bekannte Mathematikerin. Faddejew studierte ab 1951 an der Universität Leningrad bei Olga Ladyschenskaja (bekannt für ihre Arbeiten zu partiellen Differentialgleichungen der Hydrodynamik) und dem Physiker Wladimir Fock[1]. 1956 graduierte er und 1959 promovierte er und ist seitdem am Steklow-Institut in Leningrad, wo er 1969 Professor wurde, 1976 bis 1987 Vizedirektor und danach Direktor war. Außerdem war er lange Direktor des dortigen 1988 gegründeten Internationalen Mathematischen Euler-Instituts.

Faddejew ist vor allem bekannt für die Einführung (mit seinem Kollegen Wiktor Nikolajewitsch Popow) von Faddejew-Popow-Geistern zur Behandlung der Eichfreiheitsgrade in Yang-Mills-Theorien (nichtabelschen Eichtheorien). In den 1960er Jahren führte er die Faddejew-Gleichungen zur exakten Behandlung des Dreikörperproblems in der Quantenmechanik ein. Ab den 1970er Jahren beschäftigte er sich vor allem mit exakt lösbaren („integrablen“) Modellen der mathematischen Physik (Stichworte sind hier Yang-Baxter-Relationen und der Bethe-Ansatz), hinter denen vielfach die Struktur von Quantengruppen steckt. An der Aufklärung dieser Verbindungen war er wesentlich beteiligt. 1975 entwickelte er ein Verfahren zur Quantisierung von Solitonen. Er beschäftigte sich auch mit der mathematischen Behandlung des Infrarotproblems in der Quantenelektrodynamik und mit der Theorie magnetisch eingeschlossener Plasmen.

Faddejew ist seit 1976 Mitglied der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, später Russischen Akademie der Wissenschaften, (wo er seit 1988 im Präsidium war) und außerdem Mitglied der National Academy of Sciences der USA und der Französischen, Schwedischen sowie seit 2011 der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.[2] 1971 erhielt er den Staatspreis der UdSSR (sowie 1995 und 2004 nochmals den russischen Staatspreis), 1975 den Dannie-Heineman-Preis für mathematische Physik, 1990 die Dirac-Medaille (ICTP), 1996 die Max-Planck-Medaille und 2002 den Pomerantschuk-Preis. 1983-1986 war er mit Jean-Pierre Serre Vizepräsident und 1987–1990 Präsident der Internationalen Mathematischen Union. 2006 erhielt er den Henri-Poincaré-Preis, 2008 den Shaw Prize (gemeinsam mit Arnold) und 2013 die Lomonossow-Goldmedaille. 2002 hielt er einen Plenarvortrag auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Peking (Knotted Solitons), 1978 war er Invited Speaker auf dem ICM in Helsinki (Quantum theory of solitons), 1962 in Stockholm (Construction of the resolvent of the energy operator for a three particle system and the scattering problem) und 1970 in Nizza (Symplectic structure and quantization of the Einstein gravitation theory).

Zu seinen Doktoranden gehören Pjotr Petrowitsch Kulisch, Alexander Rudolfowitsch Its, Nikolai Reschetichin, Wladimir Korepin, Wladimir Buslajew, Leon Tachtadschjan, Alexei Wenkow und Samson Shatashvili.[3]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. In einem Interview 2007 sagte er, dass er zunächst Physik studierte, um dem Einfluss seines Vaters aus dem Weg zu gehen
  2. Neugewählte Mitglieder der ÖAW 2011 (PDF)
  3. Mathematics Genealogy Project

Schriften[Bearbeiten]

  • mit Popov Feynman diagrams for the Yang-Mills field, Physics Letters B, Bd.25, 1967, S.29 (Faddeev-Popov-Geister)
  • Mathematical aspects of the three body problem in quantum scattering theory, Steklow Institut 1965 (Faddeev-Gleichungen)
  • mit Kulisch Asymptotic conditions and infrared divergences in quantum electrodynamics, Theoretical and mathematical physics Bd.4, 1970, S.745
  • 40 years in mathematical physics, World Scientific 1995
  • mit Merkurjew Quantum scattering theory of several particle systems, Kluwer 1993
  • mit Andrei Slavnov Gauge fields - introduction to quantum theory, 2.Auflage, Addison-Wesley, 1991 (russisch zuerst 1978, englisch zuerst Gauge theories 1980, Benjamin-Cummings)
  • mit Takhtajan Hamiltonian methods in the theory of solitons, Springer 1987
  • mit Korepin Quantum theory of solitons, Physics Reports, Band 42, 1978, S. 1-87
  • Functional methods, in Balian, Zinn-Justin (Hrsg.) Les Houches Lectures 1975
  • mit O. A. Yakubovskii Lectures on quantum mechanics for mathematics students, American Mathematical Society 2009
  • How I came to work with Victor Popov, Journal Mathematical Sciences, Bd.88, 1998, Nr.2 (russisches Original als Nachruf auf Popov 1995, Entstehung von Faddeevs berühmtester Arbeit).
  • What mathematical physics is supposed to be, in Bolibruch, Osipov, Sinai (Herausgeber) Mathematical Events of the Twentieth Century, Springer 2006, S. 75

Literatur[Bearbeiten]

  • Physikalische Blätter 1996, S.258 zur Verleihung der Max-Planck-Medaille
  • Wladimir Arnold, S.P. Novikov, Ossipov, Marchuk, Kulish, Gonchar, Mishchenko Ludwig Faddeew, Russian Mathematical Surveys Bd.50, 1995, S.643-669 (zum 60.Geburtstag)

Weblinks[Bearbeiten]