Ludwig Plate (Zoologe)

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Ludwig Plate. Foto von 1901.

Ludwig Hermann Plate (* 16. August 1862 in Bremen; † 16. November 1937 in Jena) war ein deutscher Zoologe, Sozialdarwinist und ab 1909 Professor in Jena; er verfasste Arbeiten zur Vererbungs- und Abstammungslehre.

Leben[Bearbeiten]

Plate studierte Mathematik und Naturwissenschaften in Bonn, München und Jena. 1885 veröffentlichte er seine Dissertation "Beiträge zur Naturgeschichte der Rotatorien". Er war ein Schüler Ernst Haeckels und wurde von ihm gefördert. Wie Haeckel war er im Deutschen Monistenbund organisiert und gehörte zu seinen Mitbegründern. Dem Staatsexamen für das höhere Lehramt (1887) folgte 1888 die Habilitation in Marburg. 1896/97 war er ein Jahr als Assistent des Zoologischen Instituts der Berliner Universität tätig. 1898 wurde er Titularprofessor für Zoologie an der Tierärztlichen Hochschule in Berlin. Dort avancierte er 1901 zum wissenschaftlichen Sachbearbeiter am Museum für Meereskunde und 1905 zum außerordentlichen Professor für Zoologie an der Landwirtschaftlichen Hochschule. Geprägt durch Haeckel war für Plate die Eugenik beziehungsweise Rassenhygiene von besonderem Interesse. Im Jahr 1904 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie einschließlich Rassen- und Gesellschaftshygiene. Hier wurden Arbeiten zum Thema Rassenhygiene gesammelt und publiziert und ein umfassender wissenschaftlicher Austausch gefördert. Herausgeber und Gründer waren unter anderen Plate, Alfred Ploetz, Ernst Rüdin und Anastasius Nordenholz. Die Zeitschrift verstand sich im weiteren Verlauf als Organ der 1905 in Berlin gegründeten Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene. Als Nachfolger Ernst Haeckels bekleidete Plate ab 1909 das Amt des Direktors des Zoologischen Institutes und des Phyletischen Museums in Jena. 1934 erfolgte seine Emeritierung.

Plate reiste zu Forschungszwecken nach Westindien, Südamerika und an das Rote Meer.

Wirken[Bearbeiten]

Plate gehörte zu den Meinungsbildnern, die vor der Zeit des Nationalsozialismus den Antisemitismus aktiv propagierten und aktiv umsetzten. So beschloss die Jenaer Klinikerschaft bereits Ende 1922 die ersten vier Bänke ihres Auditoriums nur Ariern vorzubehalten. In einer Vorlesung 1924 behauptete Plate: "Die Judenfrage ist zweifellos eine Rassenfrage und gehört daher in eine zoologische Vorlesung. Es ist meine Pflicht, anhand der Tatsachen darauf hinzuweisen, dass die Juden als Rasse, beziehungsweise als Volk zwar manche guten Eigenschaften, aber sehr viel mehr schlechte haben, und dass daher von einer Vermischung von Juden und Ariern dringend zu warnen ist. Jeder Lehrer soll zugleich Erzieher sein, und als Rassen- und Vererbungsforscher ist es (...) meine Pflicht, meine Zuhörer zu Rassenstolz und Rassenbewusstsein zu erziehen." Auf diese Äußerungen erfolgte ein disziplinarrechtliches Verfahren gegen Plate, welches mit einem Freispruch endete. Plate berief sich auf den Unabhängigkeitsanspruch der Professoren. Ein generelles Judenverbot an der Universität Jena, wie von Plate gefordert, ließ sich damals noch nicht durchsetzen.

1930 veröffentlichte Plate unter dem Titel Feminismus unter dem Deckmantel der Wissenschaft eine Schmähschrift gegen Mathilde Vaerting, eine der ersten beiden Frauen, die in Deutschland einen Lehrstuhl erhielten. Vaerting wurde 1923 zum "ordentlichen Professor" für Pädagogik in Jena ernannt. Plates unermüdliche Versuche, sie zu bekämpfen und ihre Kompetenz in Zweifel zu ziehen, mündeten schließlich nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 in ihrer Entlassung aus dem universitären Dienst.

Werke[Bearbeiten]

  • Über die Bedeutung des Darwin'schen Selectionspricips und Probleme der Artbildung, Plate, Ludwig 2. Aufl. Leipzig, 1903
  • (Hrsg.): Ultramontane Weltanschauung und moderne Lebenskunde, Orthodoxie und Monismus  : die Anschauungen des Jesuitenpaters Erich Wasmann und die gegen ihn in Berlin gehaltenen Reden , Verlag Gustav Fischer, Jena 1907
  • Selectionsprinzip und Probleme der Artbildung, ein Handbuch des Darwinismus. 3., sehr vermehrte Aufl., Plate, Ludwig, Verlag Wilhelm Engelmann, Leipzig 1908
  • Der gegenwärtige Stand der Abstammungslehre, Plate, Ludwig, Leipzig, 1909
  • Vererbungslehre (Handbücher der Abstammungslehre), Plate, Ludwig, Verlag W. Engelmann, Leipzig, 1913
  • Leitfaden der Deszendenztheorie. Abdruck aus dem 'Handwörterbuch der Naturwissenschaften'. Bd. 2, Plate, Ludwig, Verlag Jena Gustav Fischer, 1913
  • Feminismus unter dem Deckmantel der Wissenschaft, Plate, Ludwig, in: Geschlechtscharakter und Volkskraft. Grundprobleme des Feminismus. Darmstadt/Leipzig 1930
  • Führer durch das Museum für Abstammungslehre (Phyletisches Museum) der Universität Jena, Plate, Ludwig, Publikation des Phyletisches Museums 1933

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]