Ludwig Viktor von Österreich

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Ludwig Viktor, Lithographie von Franz Eybl nach einem Gemälde von Anton Einsle
Erzherzog Ludwig Viktor in seinen jungen Jahren
Gruppenbild der kaiserlichen Brüder um 1860, Erzherzog Ludwig Viktor steht ganz rechts
Palais Erzherzog Ludwig Viktor am Schwarzenbergplatz, seine Wiener Stadtresidenz
Seine letzten Jahre verbrachte Ludwig Viktor vereinsamt auf Schloss Klessheim
Ankündigung der Nachlass-Versteigerung für 6./7. Mai 1921

Erzherzog Ludwig Viktor Joseph Anton von Österreich (* 15. Mai 1842 in Wien; † 18. Jänner 1919 in Klessheim) war der jüngste Sohn von Erzherzog Franz Karl von Österreich und dessen Ehefrau Sophie Friederike von Bayern und jüngster Bruder des Kaisers Franz Joseph I. von Österreich.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem frühen Tod von Maria Anna Karolina (welche bereits mit vier Jahren verstarb) sollte das nächste Kind der Familie ein Mädchen werden, nachdem bereits drei Söhne vorhanden waren. Mit Ludwig Victor, genannt „Luziwuzi“ wurde wieder ein Junge geboren. Der Knabe spielte sich schon früh bei jeder Gelegenheit in den Mittelpunkt wobei seine ironischen bis zynischen Bemerkungen auf Kosten anderer lange als geistreich belächelt und ihm als Nesthäkchen lange eine gewisse Narrenfreiheit eingeräumt wurde.[1]

Während der Revolution von 1848 floh er im März 1848 mit der kaiserlichen Familie nach Innsbruck und nach Ausbruch des Wiener Oktoberaufstand 1848 nach Olmütz. Der 6-Jährige soll beim Anblick von zum Tode verurteilten Revolutionären um deren Freilassung gebeten haben. Später durchlief er die für Mitglieder des Kaiserhauses traditionelle Militärlaufbahn, er wurde General der Infanterie und ihm wurde die Leitung eines Regiments übertragen, das seinen Namen trug.

Den Plan seines Bruders Maximilian, des Kaisers von Mexiko, dort sein Nachfolger zu werden, lehnte er ab. Maximilian hätte sogar eine passende politische Heirat für ihn im Auge – Isabel, die Erbtochter von Kaiser Pedro II., welcher Brasilien aufgrund seiner umsichtigen Regierung zu unerwarteter Blüte geführt hatte. Diese Heirat würde die Länder Mexiko und Brasilien miteinander vereinigen.[1]Stattdessen beschäftigte sich Ludwig Viktor vorwiegend mit Kunstsammlungen und baute Palais. Bekannt sind vor allem das von Heinrich von Ferstel im Renaissancestil erbaute Palais Erzherzog Ludwig Viktor am Schwarzenbergplatz und die vom Erzherzog veranlasste Einrichtung des Schlosses Klessheim. In seinem Palais veranstaltete er Feste, wobei er die Anwesenheit von Männern der von Frauen vorzog.

Ludwig Viktor wurden später zahlreiche Eskapaden nachgesagt: So soll er wegen einer Prügelei unter Homosexuellen vom Kaiser nach Salzburg strafversetzt worden sein und Frauenkleider getragen haben und sich darin sogar fotografieren lassen. Tatsächlich war Ludwig Viktor an dieser Schlägerei im Centralbad (heute Kaiserbründl) beteiligt[2], dies tat jedoch seinen Beziehungen zu seinem kaiserlichen Bruder und seiner Familie keinen Abbruch, wie seine Privatkorrespondenz beweist. Seine homosexuelle Orientierung war ein offenes Geheimnis, wobei Ludwig jedoch auch ein langes Verhältnis mit der Tänzerin Claudia Couqui hatte.

Nach seinem Umzug nach Salzburg 1864 widmete er sich weiter neuen Bauten (beispielsweise der Errichtung des Kavalierhauses Klessheim auf Schloss Klessheim im Jahr 1879), wohltätigen Spenden und der Kunstförderung (er war Mäzen des Salzburger Kunstvereins). 1896 ernannte der Kaiser ihn zur Aufsichtsperson über das Österreichische Rote Kreuz, das nach der Schlacht bei Solferino (1859) entstanden war. 1901 wurde ihm zu Ehren die Lehener Brücke über die Salzach in „Ludwig-Viktor-Brücke“ umbenannt, weiter wurde der Salzburger Alte Markt nach dem Erzherzog „Ludwig-Viktor-Platz“ genannt.

In seinen letzten Jahren zeigten sich Anzeichen geistiger Verwirrung. Der inzwischen unter Kuratel gestellte starb 1919 mit 76 Jahren als letzter der Söhne Erzherzog Franz Karls auf Schloss Klessheim und liegt auf dem Friedhof von Siezenheim begraben.[1]

Charakterisierung[Bearbeiten]

Die Zeitgenössin Fürstin Nora Fugger beschrieb den Erzherzog ihn ihren Mémoiren:

„Er war grundverschieden von seinen Brüdern, war weder militärisch noch kunstverständig, schwächlich, unmännlich, geziert und von garstigem Äußerem. Man fürchtete ihn wegen seiner Medisance. Er führte ein sehr weltliches Leben, war über alles – nicht immer richtig – unterrichtet, seine Zunge war scharf wie die einer Giftschlange. In alles mischte er sich ein, spann daraus Intrigen und freute sich, wenn kleine Skandälchen daraus wurden. Man hatte allen Grund, seine Indiskretionen und Tratschereien zu fürchten; doch er war der Bruder des Kaisers. Eine gute Seite hatte er aber doch: er war der Freund seiner Freunde – mehr als seiner Freundinnen – er verteidigte sie, wenn sie von der Welt angegriffen wurden, und bewies ihnen allerlei Amabilitäten. Alten – mehr als jungen Damen – war er von größter Aufmerksamkeit und Liebenswürdigkeit. Er merkte sich alle Geburts- und Namenstage und schickte ihnen Blumen. Von diesen alten Damen wurde er natürlich sehr verehrt. Wenig beliebt war er in der kaiserlichen Familie; denn auch da wußte er immer etwas zu bekritteln oder etwas zu vertratschen.[3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ludwig Viktor von Österreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Sigrid-Maria Größing: Um Krone und Liebe, Amalthea Verlag
  2. Fürstin Nora Fugger. S. 126–128: In seinem Palais in Wien fehlte das Schwimmbad. Und so machte er es sich zur Gewohnheit, zweimal wöchentlich in Gesellschaft seines Adjutanten in einer öffentlichen Badeanstalt zu erscheinen. Wie oft sah ich seinen Hofwagen in der Weihburggasse stehen. Die Frage lag nahe, wie es sich mit der strengen Etikette am österreichischen Hofe vereinbaren lasse, daß ein Erzherzog in einem öffentlichen Schwimmbassin mit n'importe qui baden durfte. Mir erschien die Sache eigentümlich, nicht unbedenklich. Und ich hatte nicht so unrecht; denn eines schönen Tages kam es tatsächlich zu einem großen Skandal, ja sogar zu einem Handgemenge in der Badeanstalt. Man erzählte sich, der Erzherzog habe eine Ohrfeige erwischt und die Flucht ergreifen müssen. Dem Kaiser wurde diese Skandalaffäre – natürlich in den grellsten Farben – geschildert. Er war aufs höchste empört und befahl dem Bruder, Wien sofort zu verlassen und sich auf sein Schloß Klesheim zurückzuziehen. Dort verblieb der Erzherzog bis an sein Lebensende interniert.
  3. Fürstin Nora Fugger. Im Glanz der Kaiserzeit. S. 126-128. Amalthea Verlag, Wien 1932.