Ludwig von Bertalanffy

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Karl Ludwig von Bertalanffy (* 19. September 1901 in Atzgersdorf, Österreich; † 12. Juni 1972 in Buffalo, New York, USA) war einer der bedeutendsten theoretischen Biologen und Systemtheoretiker des 20. Jahrhunderts. Er war Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (seit 1968) und der New York Academy of Sciences.

Leben[Bearbeiten]

Ludwig von Bertalanffy wurde 1901 in Atzgersdorf in der Nähe von Wien geboren. Er wuchs als Einzelkind auf und wurde von Privatlehrern unterrichtet, bis er zehn war, und besuchte im Anschluss ein Gymnasium. In dieser Zeit pflegte er auch Kontakt mit Paul Kammerer, einem Nachbarn, der ein berühmter Biologe und zugleich ein Vorbild für ihn war.

1918 begann er an der Universität Innsbruck Kunstgeschichte und Philosophie zu studieren, wechselte aber 1924 nach Wien. Er war mit der Zeit immer mehr hin- und hergerissen, sein Studium zu wechseln. So fasste er den Entschluss, schließlich auch Biologie zu studieren, da er der Meinung war, dass er auch noch zu einem späteren Zeitpunkt Philosoph werden könne. An der Universität Wien galt sein Interesse daher sowohl der Philosophie als auch den Naturwissenschaften (insbesondere der Biologie).

1926 verfasste er unter seinem Doktorvater Moritz Schlick, dem Physiker und Naturphilosophen, seine Doktorarbeit über den Physiker und Naturphilosophen Gustav Fechner mit dem Titel: "Fechner und das Problem der Integration höherer Ordnung". Damit promovierte er zum Doktor der Philosophie.

Bertalanffy bekleidete ab 1934 mehrere Professuren:

Bertalanffy war von 1934 bis 1948 Professor an der Universität Wien. Später war er Professor an der Universität London (1948–49), an der Universität Montreal (1949), an der Universität Ottawa (1950–54), an der University of Southern California (1955–58), an der Menninger Foundation (1958–60), an der University of Alberta in Edmonton (1961–68) sowie von 1969 bis 1972 an der State University of New York in Buffalo (SUNY).

Familie[Bearbeiten]

1924 lernte er seine zukünftige Frau kennen, welche er für die nächsten 40 Jahre beinahe ohne Unterbrechung neben sich haben sollte. Sie studierte ebenfalls, beendete ihr Studium aber nie, sondern unterstützte ihren Mann soweit sie konnte. Zusammen hatten sie einen Sohn, der später in die Krebsforschung gehen sollte und somit die Arbeit seines Vaters weiterführte.

1972 starb er an einem plötzlichen Herzinfarkt.

Werk[Bearbeiten]

Der Wissenschaftler beschäftigte sich im Laufe seines Lebens mit den Themenkomplexen Physiologie und Krebsforschung, Biophysik offener Systeme (er führt hierbei den Begriff Fließgleichgewicht ein) und Thermodynamik lebender Systeme, die er von den geschlossenen Systemen der Physik unterschied.

Er verfasste eine Allgemeine Systemtheorie, die versucht, auf der Grundlage des methodischen Holismus gemeinsame Gesetzmäßigkeiten in physikalischen, biologischen und sozialen Systemen zu finden und zu formalisieren. Prinzipien, die in einer Klasse von Systemen gefunden werden, sollen auch auf andere Systeme anwendbar sein. Diese Prinzipien sind zum Beispiel: Komplexität, Gleichgewicht, Rückkopplung und Selbstorganisation.

Bertalanffy unterscheidet verschiedene Typen von Gleichgewichten bei Systemen:

  • Dynamisches Gleichgewicht ist der Überbegriff für echtes Gleichgewicht und Fließgleichgewicht:
  • Echtes Gleichgewicht stellt sich in geschlossenen Systemen ein, die weder Materie noch Energie mit ihrer Umgebung austauschen. Es stellt den Zustand maximaler Entropie dar, das System kann also keine Arbeit mehr verrichten. Alle makroskopischen Zustandsgrößen sind konstant, auch wenn mikroskopische Prozesse weiterlaufen. (Beispiel: Chemisches Gleichgewicht)
  • Fließgleichgewicht stellt sich in offenen Systemen ein, die mit ihrer Umgebung Materie oder Energie austauschen. Es ist durch die Konstanz einer Größe charakterisiert, die durch primäre Regulation (Rückwirkungen, die auf einfachen Prinzipien der Kinetik und Thermodynamik beruhen) bewirkt wird.
  • Homöostatisches Gleichgewicht, ebenfalls ein Fließgleichgewicht, stellt sich in offenen Systemen durch sekundäre Regulation ein. Diese Systeme sind mit einem speziellen Informationssystem ausgestattet, das eine negative Rückkopplung bewirkt.

Als theoretischer Biologe war Ludwig von Bertalanffy ein Kritiker des reduktionistischen Evolutionsmodells des Neodarwinismus', das er als vage, mangelhaft verifizierbar und dogmatisch charakterisierte.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Nikolaus von Kues (1928).
  • Theoretische Biologie (1932).
  • Das biologische Weltbild (1949).
  • General System Theory; Biologia Generalis 1/1949, S. 114 -129.
  • The Theory of Open Systems in Physics and Biology, Science, Band 111, 1950, S. 23-29.
  • Biophysik des Fließgleichgewichtes (1953).
  • Robots, men and minds (1967).

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]