Ludwig von Reuter

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Ludwig von Reuter

Hans Hermann Ludwig von Reuter[1] (* 9. Februar 1869 in Guben; † 18. Dezember 1943 in Potsdam) war ein deutscher Marineoffizier, zuletzt Admiral. Bekannt wurde er als Befehlshaber der in Scapa Flow internierten Hochseeflotte durch seinen Befehl zu ihrer Selbstversenkung am 21. Juni 1919.

Leben[Bearbeiten]

Von Reuter entstammte einer alten Offiziersfamilie und kommandierte zu Beginn des Ersten Weltkriegs den Großen Kreuzer SMS Derfflinger. Er führte dieses Schiff auch beim Gefecht auf der Doggerbank. Im September 1915 wurde er Kommodore und zugleich Befehlshaber der IV. Aufklärungsgruppe, welche aus den fünf Kleinen Kreuzern SMS Stuttgart, SMS Hamburg, SMS München, SMS Stettin und SMS Frauenlob bestand. Mit diesem Verband nahm er an der Skagerrakschlacht teil. Im September 1916 übernahm von Reuter das Kommando über die II. Aufklärungsgruppe. Am 25. November erfolgte seine Beförderung zum Konteradmiral. Am 17. November 1917 stießen die Kreuzer der II. Aufklärungsgruppe sowie die beiden Großlinienschiffe SMS Kaiser und SMS Kaiserin auf britische Einheiten. Es kam zum zweiten Seegefecht bei Helgoland. Im Januar 1918 wurde von Reuter stellvertretender Befehlshaber der I. Aufklärungsgruppe und im August 1918 löste er Admiral Franz von Hipper als Befehlshaber dieses Verbandes ab.

Nach dem Waffenstillstand im November 1918 erhielt von Reuter den Befehl über die Verbände der kaiserlichen Hochseeflotte, die bis zum Abschluss eines Friedensvertrages im britischen Kriegshafen Scapa Flow interniert werden sollten. Admiral Hipper, Befehlshaber der Hochseeflotte, hatte sich geweigert, dieses Kommando auszuüben. Von Reuter führte den Verband zunächst vom Schlachtschiff SMS Friedrich der Große. Am 25. März 1919 verlegte er seine Befehlsstelle wegen zunehmender Unruhen unter den Besatzungen auf den Kleinen Kreuzer SMS Emden.

Am 21. Juni 1919, dem letzten Tag der Frist, der der deutschen Regierung für die Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrags gesetzt worden war, ließ von Reuter per Flaggensignal den 74 Schiffen der in Scapa Flow ankernden Flotte den Befehl „Paragraph Elf. Bestätigen.“ übermitteln, ein zuvor von den Offizieren in Anlehnung an Paragraph 11 „Es wird fortgesoffen!“ des Biercomments der Studentenverbindungen vereinbartes Codewort, um eine Beschlagnahme der Flotte durch die Siegermächte zu verhindern. Die Vorbereitungen zur Selbstversenkung waren bereits zuvor getroffen worden, ohne dass die britischen Bewacher es bemerkt hatten. Auf von Reuters Befehl versenkten sich innerhalb weniger Stunden zehn Großlinienschiffe, fünf Große Kreuzer, fünf Kleine Kreuzer und 32 Torpedoboote. Lediglich das Großlinienschiff SMS Baden, die drei Kleinen Kreuzer Emden, SMS Nürnberg und SMS Frankfurt, der Minenkreuzer SMS Bremse sowie vierzehn Torpedoboote konnten durch das Eingreifen britischer Seeleute an der Selbstversenkung gehindert und in seichtes Wasser geschleppt werden. Nur vier Torpedoboote blieben schwimmfähig.

Neun deutsche Seeleute verloren ihr Leben; sie fielen entweder im Handgemenge mit britischen Marinesoldaten (wie der Kommandant der SMS Markgraf, der auf seinem Schiff erschossen wurde) oder wurden in ihren Rettungsbooten erschossen. Es waren die letzten deutschen Kriegstoten des Ersten Weltkriegs.

Von Reuter und die verbliebenen 1.773 Offiziere und Mannschaften der Rumpfbesatzungen wurden in England als Kriegsgefangene interniert. In Deutschland wurde von Reuter als Held gefeiert, der die Ehre der deutschen Flotte gerettet hatte. Er ging in Pension und nahm nicht mehr am öffentlichen Leben teil.

Grabstein

Am 27. August 1939, dem sogenannten Tannenbergtag, erhielt Reuter den Charakter als Admiral verliehen.

Admiral von Reuter wurde auf dem Bornstedter Friedhof in Potsdam beigesetzt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werk[Bearbeiten]

  • Scapa Flow - Das Grab der deutschen Flotte, Koehler, Leipzig 1921

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans H. Hildebrand: Deutschlands Admirale 1849-1945, Band 3: P-Z (Packroß bis Zuckschwerdt), Biblio Verlag, Osnabrück 1990, ISBN 3-7648-2482-4
  • Andreas Krause: Scapa Flow. Die Selbstversenkung der wilhelminischen Flotte, Ullstein, Berlin 1999, ISBN 3-550-06979-0

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag im Kirchenbuch der Klosterkirche Uetersen vom 14. Juni 1898 anlässlich seiner Trauung mit Henriette von Rumohr (* 1875)
  2. a b c d e f g h i Rangliste der Kaiserlich Deutschen Marine für das Jahr 1918, Hrsg.: Marine-Kabinett, Mittler & Sohn Verlag, Berlin 1918, S.7