Ludwig von Vincke

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Freiherr von Vincke

Friedrich Ludwig Wilhelm Philipp Freiherr von Vincke (* 23. Dezember 1774 in Minden; † 2. Dezember 1844 in Münster) war ein preußischer Reformer.

Leben[Bearbeiten]

Ludwig von Vincke entstammt einem alten Adelsgeschlecht. Er besuchte von 1789 bis 1792 das Königliche Pädagogium in Halle. Entgegen der Familientradition entschied er sich dann nicht für eine militärische Karriere, sondern für die Verwaltungslaufbahn im preußischen Staatsdienst. Ab 1792 war er an der Universität Marburg eingeschrieben und hörte für drei Semester Staatswissenschaft bei Johann Heinrich Jung-Stilling. In Erlangen stiftete er am 24. Mai 1794 das Kränzchen der ordensfreien Westfälinger.[1]

Bei seinen Studien in England lernte er die Methode des Selfgovernments kennen, das er bei seiner ab 1806 einsetzenden Reformarbeit benötigte. Vincke wurde 1798 Landrat in Minden und nahm 1803 das Präsidentenamt der Kriegs- und Domänenkammer in Aurich an. Im darauffolgenden Jahr wurde Freiherr vom Stein als Minister nach Berlin berufen, so dass der Präsidentenstuhl der Kammern von Münster und Hamm frei war. Vincke trat die Nachfolge des Freiherrn an und bekleidete dieses Amt bis 1806.

Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon I. floh Vincke nach England, wo er das dortige Verwaltungssystem kennenlernte. Bei seiner Rückkehr 1807 schloss er sich dem Reformerkreis um Freiherr vom und zum Stein an. Bis zur Entlassung von Steins im November 1808 wurden unter der Mitwirkung von Vinckes als entscheidende Reformen die Aufhebung der Leibeigenschaft und Erbuntertänigkeit, eine neue Gewerbeordnung und die kommunale Selbstverwaltung der Städte durchgesetzt. Nach Steins Rücktritt wurde Vincke 1809 kurmärkischer Kammerpräsident in Potsdam, zog sich aber 1810 auf seine privaten Güter zurück. Im gleichen Jahre heiratete er Eleonore von Syberg zum Busch und wurde so zum Eigentümer der mittelalterlichen Burgruine Hohensyburg, die derzeit zu dem Besitz des Hauses zum Busch gehörte. Das Haus Busch war nach der Heirat der gemeinsame Wohnsitz. Dort wurde 1811 auch der Sohn Georg von Vincke geboren.

Erst 1813 nach Niederlage der Franzosen in der Völkerschlacht bei Leipzig wurde er im Rahmen des Zentralverwaltungsdepartements Gouverneur des Zivilgouvernements zwischen Weser und Rhein. Auf dem Wiener Kongress wurde die Neuordnung Europas beschlossen, die zur Gründung der neuen preußischen Provinz Westfalen führte. Über den Regierungspräsidenten der drei zugehörigen Regierungsbezirke stand jetzt der Oberpräsident der Provinz. Dieses Amt übernahm Vincke für fast drei Jahrzehnte. Mehrfach schlug er sogar Ministerposten in Berlin aus. Vincke schaffte es, die über zwanzig verschiedenen Einzelstaaten zwischen „Weser und Rhein“ zu einem Staatsgebilde Westfalen zu einen.

Er förderte die Industrialisierung Westfalens, brachte den Infrastrukturausbau beispielsweise durch die Schiffbarmachung der Lippe voran und setzte sich für ein starkes Bauerntum ein. Er bemühte sich vor allem darum, die aus zahlreichen Territorien zusammengesetzte neue Provinz zu einen.

Der Vincketurm auf der Hohensyburg wurde zu seinen Ehren errichtet

Gerne wird folgende nicht belegte Geschichte von ihm erzählt:

Eines Tages war Ludwig Freiherr von Vincke wieder unterwegs. Es hatte vorher geregnet und die Straßen waren aufgeweicht. An einer tiefen Stelle des Weges steckte ein Bauer mit seinem Karren fest. Als er Vincke ankommen sah, rief er: „He, du da! Pack mal mit an und hilf mir, den Karren aus dem Dreck zu ziehen!“ Er hatte natürlich nicht erkannt, mit wem er da sprach. Vincke krempelte sich die Hosenbeine hoch und fasste mit an. Mit gemeinsamem Hauruck hatten sie den Karren in fünf Minuten wieder flott. Der Bauer bedankte sich und Vincke setzte seinen Weg fort. Als sich Vinckes Frau über die schmutzigen Hosen wunderte, erklärte er ihr: „Heute habe ich mal wieder gesehen, wie nötig es ist, die Straßen im Lande auszubessern.“

Neben seinem beruflichen Engagement war Vincke als Patron für die Herrnhuter Brüdergemeine tätig, die sich in Iserlohn um den engagierten Pfarrer Johann Abraham Strauß schon seit geraumer Zeit gruppiert hatte und zu deren prominentesten Mitgliedern unter anderem der Tuchfabrikant Friedrich von Scheibler sowie der Landrat Peter Eberhard Müllensiefen gehörten.

Darüber hinaus zählte er wiederum zusammen mit Müllensiefen, Scheibler, Johann Caspar Harkort und anderen zu den Mitgliedern des „Literarischen Vereins der Grafschaft Mark“, der zu jenem Zeitpunkt unter der Leitung des Schwerter Arztes und Universalgelehrten Friedrich Bährens stand und von 1814 bis 1860 existierte.

Ludwig von Vincke ist gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern auf einem heute denkmalgeschützten Privatfriedhof, dem sogenannten Vincke-Grab, im Hagener Stadtteil Helfe im Fleyer Wald beigesetzt.

Der Sohn Vinckes, Georg von Vincke, war ebenfalls preußischer Politiker. Er wurde auch im Vincke-Grab bestattet.

Ehrung[Bearbeiten]

An Ludwig von Vincke erinnert der Vincketurm auf der Dortmunder Hohensyburg, der Vinckekanal in Duisburg, diverse Schulnamen, unter anderem in Minden (Freiherr-von-Vincke Realschule), Hagen, Hamm (von-Vincke-Schule)[2], Lünen (Vincke-Schule) und Soest (Von-Vincke-Schule) sowie zahlreiche Straßennamen, wie die Vinckestraße in seiner Geburtsstadt Minden, in Duisburg der Vinckeplatz oder die von-Vincke-Straße in Hamm, einem seiner Wirkungsorte.

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludger Graf von Westphalen: Die Tagebücher des Oberpräsidenten Ludwig Freiherr Vincke 1813–1818, Münster 1980.
  • Ludwig Freiherr Vincke: Ein westfälisches Profil zwischen Reform und Restauration in Preußen, hrsg. von Hans-Joachim Behr und Jürgen Kloosterhuis, Münster 1994
  • Ludwig Freiherr Vincke (1774–1844). Ausstellung zum 150. Todestag des ersten Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, veranstaltet vom NW Staatsarchiv Münster, Münster 1994
  • Siegfried Bahne: Das Familienleben des Freiherrn Ludwig und der Freifrau Eleonore Vincke. In: Mentalitäten und Lebensverhältnisse. Beispiele aus der Sozialgeschichte der Neuzeit. Festschrift Vierhaus, Göttingen 1982, S. 205–224
  • Die Tagebücher des Ludwig Freiherrn Vincke 1789–1844, bearbeitet von Winfried Reininghaus und Hertha Sagebiel. Münster: Aschendorff 2009. ISBN 3-402-15740-3 (mehrbändig[3])
  • Die Guestphalia zu Erlangen vom 27. Mai 1794. In: Academische Monatshefte, Bd. XXIV, Heft 280, S. 126–129 (H.S.)
  • Alfred Stern: Vincke, Ludwig Freiherr von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 39, Duncker & Humblot, Leipzig 1895, S. 736–743.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kösener Korps-Listen 1910, 40, 1
  2. Homepage der von-Vicke Grundschule abgerufen am 6. November 2012
  3. Editionsplan

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Ludwig von Vincke – Quellen und Volltexte
 Commons: Ludwig von Vincke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien