Ludwig von Wolzogen

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Ludwig Freiherr von Wolzogen

Justus Philipp Adolf Wilhelm Ludwig Freiherr von Wolzogen (* 4. Februar 1773 in Meiningen; † 4. Juli 1845 in Halle an der Saale) war ein württembergischer Offizier, der später in russischen und preußischen Diensten stand. Zuletzt war er General der Infanterie in der Preußischen Armee sowie Diplomat.

Familie[Bearbeiten]

Ludwig war der Sohn des sachsen-hildburghausischen Geheimen Legationsrats Ernst Ludwig Freiherr von Wolzogen (1723–1774) und dessen Ehefrau Wilhelmine Henriette, geborene Marschalk von Ostheim (1745–1788). Er heiratete in Ludwigsburg bei Stuttgart 1820 Dorothea Therese Emilie, geborene von Lilienberg (1797–1872). Der Ehe entstammten zwei Töchter und drei Söhne.

Leben[Bearbeiten]

Durch den frühen Tod der Eltern wurde Wolzogen zunächst bei einem Prediger erzogen und kam 1781 auf die Hohe Karlsschule in Stuttgart, wo er die strenge Ausbildung mit großem Erfolg absolvierte. 1792 trat er in das I. Bataillon der Württembergischen Garde zu Fuß ein und wechselte 1794 als Leutnant in das Infanterieregiment von Hügel. Seit dieser Zeit war er mit Friedrich von Schiller befreundet, der durch die Heirat mit Charlotte von Lengefeld zudem der Schwager seines älteren Bruders Wilhelm von Wolzogen war.

Auf Vermittlung des Fürsten Hohenlohe trat Wolzogen im Herbst 1794 in preußische Dienste. In dieser Zeit veröffentlichte er wissenschaftliche Arbeiten und machte während eines Aufenthaltes im Weimar Bekanntschaft mit Goethe, Wieland und Herder. 1802 wurde er durch die Freundschaft mit Scharnhorst Mitglied in der Militärischen Gesellschaft und übernahm den Auftrag zur Erziehung des jungen Prinzen Eugen von Württemberg. 1804 trat er wieder in württembergische Dienste zurück.

Vom württembergischen König wurde Wolzogen 1806 zu Napoleon nach Mainz entsandt, um die Hochzeit der württembergischen Prinzessin Katharina mit Jérôme Bonaparte zustande zu bringen.

Auf Betreiben seines ehemaligen Zöglings, des Prinzen Eugen von Württemberg, wechselte Wolzogen mit diesem 1807 in die russische Armee und fand eine Anstellung als Major im Stab des russischen Generalquartiermeisters. Durch kluge militärische Arbeiten, unter anderem der 1810 veröffentlichten Denkschrift Napoleon und die Art, gegen ihn Krieg zu führen, in der erstmals der Gedanke ausgesprochen wurde, dass Bonaparte nicht mit einem offensiven Operationsplan zu besiegen sei, sondern vielmehr durch Locken in weite Fernen, durch kleinere Scharmützel und Behinderung des Verpflegungsnachschubs sturmreif gemacht werden müsse, wurde der Zar auf ihn aufmerksam, der ihn zu seinem Flügeladjutanten und 1811 zum Oberstleutnant ernannte. Im Feldzug von 1812 war Wolzogen als Oberst im Generalstab des Generals Barclay de Tolly und später auch bei Kutusow, wo er sich in den Schlachten bei Smolensk und Borodino auszeichnete.

Im Feldzug 1813 diente er im Generalstab des Zaren und stellte einmal mehr seine militärischen Fähigkeiten unter Beweis, als er während der Völkerschlacht bei Leipzig bemerkte, dass der Fürst Schwarzenberg seine Reservetruppen so ungünstig aufgestellt hatte, dass diese leicht vom Feind abgeschnitten und völlig aufgerieben werden konnten. Auf Wolzogens Initiative wurden die Truppen in letzter Stunde in anderer Form aufgestellt, was dazu führte, dass Schwarzenbergs Niederlage vermieden und der Sieg der Verbündeten gesichert wurde. Zar Alexander ernannte Wolzogen daraufhin zum Generalmajor und Friedrich Wilhelm III. verlieh ihm dem Orden pour le mérite.

Im Frühjahr 1814 wird er zum Chef des Generalstabs des Herzogs Karl August von Sachsen-Weimar ernannt. In dieser Stellung nahm er am Feldzug von 1814 in den Niederlanden teil und begleitete den Herzog später zum Wiener Kongress.

Auf Wolzogens Bitte hin, nahm ihn der preußische König 1815 als Generalmajor wieder in preußische Dienste. Mit dem Oberst von Brause widmete er sich sowohl der Erziehung des Prinzen Wilhelm von Preußen als auch der Arbeit in der Reorganisationskommission zur Erneuerung der Kadettenanstalten. In dieser Zeit trat er auch der Gesetzlosen Gesellschaft zu Berlin bei.

1818 ernannte ihn Friedrich Wilhelm III. zum ständigen Bevollmächtigten bei der Militärkommission des Deutschen Bundes. Mit großer Umsicht und Besonnenheit wirkte er in dieser oftmals schwierigen Stellung neunzehn Jahre. 1825 übernahm er im Namen des Bundes die Bundesfestung Mainz, ebenso 1826 Luxemburg.

Am 12. März 1836 wurde Wolzogen als General der Infanterie in den Ruhestand versetzt. Er lebte abwechselnd in Halle (Saale), Berlin und auf seinem Gut Kalbsrieth, das er von der mit ihm verwandten Charlotte von Kalb erworben hatte. Im Jahre 1845 starb Wolzogen in Halle (Saale) und wurde auf dem Berliner Invalidenfriedhof bestattet.

Militärische Beförderungen[Bearbeiten]

Orden und Ehrenzeichen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum Band 4, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, S 180-184
  • Alfred Freiherr von Wolzogen: Memoiren des königl. preuß. Generals der Infanterie Ludwig Freiherrn von Wolzogen, aus dessen Nachlaß unter Beifügung officieller militärischer Denkschriften mitgetheilt, Leipzig: Otto Wiegand 1851, Digitalisat
  • Adalbert Wahl (Hg.): Aus der Korrespondenz Ludwig v. Wolzogens, nebst einem Vorwort von Freiherrn Otto Stockhorner von Starein, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1911.
  • Meinrad Freiherr von Ow, Herzog Eugen von Württemberg, Kaiserlich Russischer General der Infanterie, Berg am Starnberger See/Potsdam: Kurt Vowinkel 2000 [S. 60ff. über Wolzogens Einfluss auf den "russischen Kriegsplan von 1812"]
  • Jürgen W. Schmidt: Ludwig von Wolzogen, Herzog Eugen von Württemberg und die Denkschrift über die Abwehr einer russischen Seelandung in Ostpreußen, in: Deutsches Schiffahrtsarchiv Bd.31 (2008) S.289-303