Ludwigskirche (Saarbrücken)

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Die Ostfassade der Ludwigskirche, 2007

Die Ludwigskirche im Saarbrücker Stadtteil Alt-Saarbrücken ist eine evangelische Kirche im Barockstil. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt und gilt neben der Dresdner Frauenkirche und dem Hamburger „Michel“ als einer der bedeutendsten evangelischen barocken Kirchenbauten Deutschlands.

Geschichte[Bearbeiten]

Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken
Friedrich Joachim Stengel

Errichtung des barocken Sakralbaues[Bearbeiten]

Wilhelm Heinrich, Fürst zu Nassau und Graf zu Saarbrücken, ordnete in seiner Eigenschaft als „Summus episcopus“ der evangelisch-lutherischen Kirche seines Territoriums am 21. Oktober 1761 den Bau einer lutherischen Kirche in der Residenzstadt Saarbrücken an. Bisher hatte es im alten Renaissance-Schloss eine Hofkapelle gegeben. Im neuerbauten Saarbrücker Barock-Schloss war jedoch kein Sakralbau eingeplant worden. Deshalb sollte die neue Kirche auch als Hofkirche fungieren. Der Bau sollte inmitten eines neu zu errichtenden Platzes als „Gesamtkunstwerk“ im Sinne einer barocken place royale liegen. Für das Projekt lieferte Friedrich Joachim Stengel die Baupläne und am 4. Juni 1762 wurde der Grundstein zum Neubau der Kirche feierlich gelegt. Die lateinische Grundstein-Inschrift lautet ins Deutsche übersetzt:[1]

„Für die Nachwelt! Als die Menge der evangelisch-lutherischen Bürger in der Stadt Saarbrücken sich so vermehrt hatte, dass die alte Kirche nahe dem Schlosse, die vor 300 Jahren erbaut wurde, sie kaum mehr fassen konnte, sorgte der erlauchteste Fürst und Herr, Herr Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken, der Vater des Vaterlandes, für die Erbauung dieses neuen heiligen Gotteshauses zur Ehre Gottes T.O.M. und zum öffentlichen Nutzen der evangelischen Gemeinde hauptsächlich auf seine Kosten. Dessen Grundstein befahl er zu legen im Jahre Christi 1762 am 4. Tage des Monats Juni.“

Stengel wurde bei seiner Arbeit durch den aus Saint-Avold in Lothringen stammenden Bildhauer Jacques Gounin tatkräftig unterstützt. Gounin fertigte sämmtliche Modelle nach Stengels Angaben, vergrößerte dessen Zeichnungen maßstabsgetreu und war verantwortlich für die Arbeit an den Kapitellen und den Fensterumrahmungen.

Friedrich Joachim Stengel lehnte sich bei seinen Kirchenbauten an die Breitsaal-Formen des Architekturtheoretikers Leonhard Christoph Sturm (Vollständige Anweisung, alle Arten von Kirchen wohl anzugeben..., Augsburg 1718, Digitalisat bei diglit.ub.uni-heidelberg.de) an und modifizierte sie nach den jeweiligen Erfordernissen.[2]

Im Jahr 1761 hatte man als Zielvorgabe der Fertigstellung der Kirche das Jahr 1765 anvisiert. Als der Auftraggeber, Graf Wilhelm Heinrich im Jahr 1768 starb, war allerdings nur das Äußere der Kirche weitgehend vollendet. Der Turm war noch im Bau. Nach dem Tod Wilhelm Heinrichs verschleppte sich die Fertigstellung unter seinem Sohn und Nachfolger Graf Ludwig zunehmend. Erst im Jahr 1772 waren die Stuckarbeiten des Innenraumes durch den Stuckateur Wunnybaldt Wagner fertiggestellt. Im Jahr 1773 verfügte Ludwig die Fertigstellung des Innenraumes und der gesamten Kirche sowie die Anlage einer Begräbnis-Krypta unter dem Westarm. Im selben Jahr fertigte der Schweizer Stuckateur Carlo Luca Pozzi zehn Karyatiden-Hermen für die Emporen im Innenraum, im Jahr 1774 vollendete der Bildhauer Johann Philipp Mihm zwei Karyatiden-Hermen für die Stützen der Nordempore. Mihm schuf ebenso die Amortissements des Außenbaues nach den von Gounin gefertigten Modellen. Für die Verfertigung des Statuenzyklus am Außenbau zeichnete der Wiener Bildhauer Franziskus Binck verantwortlich.[3]

Im selben Jahr wurde auch der Prospekt der Orgel installiert, obwohl er bereits im Jahr 1768 hätte vollendet sein sollte. Kostenvoranschläge für die Orgel haben sich von den Manufakturen der Gebrüder Stumm aus Sulzbach im Hunsrück (vom 12. Juni 1762) und von Johann Andreas Silbermann aus Straßburg (vom 18. Februar 1762) erhalten. Da der Kostenvoranschlag der Manufaktur Silbermann um 25 % höher lag als der der Gebrüder Stumm, bekamen diese den Zuschlag und verfertigten 1763/1764 den Entwurf des Orgelprospektes.

Kanzel und Kirchengestühl wurden im Jahr 1774 fertig, im Jahr 1775 der Altar, sodass man am 25. August, dem Todestag des französischen Königs Ludwig IX. (gestorben am 25. August 1270 während des Siebten Kreuzzuges in Karthago), die Kirche mit einem feierlichen Gottesdienst und einer eigens zu diesem Anlass komponierten Kantate einweihen konnte.

Die lateinischen Inschriften über dem Hauptportal lauten in deutscher Übersetzung:[4]

„Evangelisches Gotteshaus, geweihter Sitz des Heiligen Geistes, erhabene Wirkstätte des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe. Zum öffentlichen Lobe Gottes von Wilhelm Heinrich, Fürst von Nassau, Landesvater der evangelisch-lutherischen Gemeinde, freigiebig, gottesfürchig, prächtig erbaut 1765.“

  • Inschrift Ludwigs im Tympanon des Hauptportals:

„Dieses vom Vater begonnene Monument der Gottesverehrung hat vollendet und im Inneren zierlich ausgeschmückt und schließlich dem Gottesdienst gewidmet, der Sohn Ludwig, Schüler und Nacheiferer der väterlichen Tugend, Fürst von Nassau, Graf zu Saarbrücken, im Jahr 1773 nach der Geburt Christi.“

Seit der Einweihung nannte man die Kirche nach ihrem Vollender „Ludwigskirche“, während der sie umgebende Platz seit dem Jahr 1763 nach dessen Vater Wilhelm Heinrich noch Heinrichsplatz genannt wurde. Erst in späterer Zeit wurde der Platz in Analogie zur Kirche in Ludwigsplatz umbenannt. In manchen fremdsprachigen Übersetzungen wird die Kirche fälschlicherweise nach Ludwig dem Heiligen Eglise St. Louis oder St. Louis church genannt, obwohl eine Benennung von evangelischen Kirchen nach katholischen Heiligen – zumindest bei nachreformatorischen Neubauten – nicht gebräuchlich ist.[5]

Restaurierungsmaßnahmen[Bearbeiten]

In der Französischen Revolution wurde an der Ludwigskirche das Nassau-Saarbrückensche Landeswappen sowie der Namenszug und das Brustbild des Fürsten Wilhelm Heinrich an den Amortissements entfernt. Die Kirche wurde nun wieder „Neue Kirche“ in Relation zur gotischen Schlosskirche genannt. Drei Turmglocken wurden ausgebaut und nach Metz gebracht. Durch Diebstahl gingen die Bleiauskleidungen in der Rinne zwischen Dach und Attika und die Fallrohre verloren, was zu schweren Feuchtigkeitsschäden am Mauerwerk und zum Verlust des Verputzes führte.

Durch napoleonisches Dekret ging die Kirche am 5. Mai 1806 in die Verantwortlichkeit der Gemeinde über. Bürgermeister Johann Sebastian Bruch bestimmte im selben Jahr 9 „gutdenkende“ protestantische Aufseher für die Ludwigskirche. Diese Aufseher sollten im Auftrag des Bürgermeisters den Zustand der Kirche überwachen, Spenden sammeln und Reparaturen anordnen.

In den Jahren von 1885 bis 1887 beseitigte man die 26 Geschlechterstühle in der Kirche und vermauerte die Querovalfenster in der Sockelzone, die diese ehemals mietbaren „Kirchenlogen“ erhellt hatten, um das Problem der Zugluft in der Kirche besser handhaben zu können. Ebenfalls wurde in dieser Zeit eine Zentralheizung in der Kirche eingebaut.

Unter Pfarrer Julius Ebeling kam es in den Jahren 1906-1911 zu einer ersten grundlegenden Restaurierung des Bauwerkes durch die preußische Denkmalpflege unter der Leitung von Paul Clemen. Helmut Sachsenröder entfernte als Bauleiter vor Ort den graubraunen Innenanstrich der Ludwigskirche und die Ornamentvergoldungen, die man im 19. Jahrhundert aufgebracht hatte und entdeckte darunter die originale Farbtönung Stengels. Die Aufzeichnungen Sachsenröders hinsichtlich der Restaurierungsmaßnahmen waren für den Wiederaufbau der Ludwigskirche nach dem Zweiten Weltkrieg von großem Wert. Helmut Sachsenröder tauschte am Außenbau die Attikazone, 14 der 28 Statuen der Dachregion, 10 Schmuckvasen und die Amortissements durch Kopien aus. Die durch die Nässeeinträge im Gefolge der Revolution entstandenen Bauschäden behob Sachsenröder durch eine umfangreiche Erneuerung der Gesimse und des Mauerwerks. Die bunte Fensterverglasung des 19. Jahrhunderts ließ der Bauleiter entfernen und durch Antikverglasung mit bescheidener Malerei ersetzen. Das Orgelwerk wurde erweitert, während man das alte Gehäuse beibehielt. Moderne Gaslaternen und eine Gasheizung wurden eingebaut.[6][7]

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Ludwigskirche beim verheerenden britischen Bombenangriff auf Saarbrücken in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 1944 durch Spreng- und Brandbomben bis auf die Umfassungsmauern zerstört.

Wiederaufbau[Bearbeiten]

Nach den Zerstörungen begann die Gemdeinde mit der Sicherung der Ruine: Trümmer wurden ausgeräumt und Mauerwerksschäden beseitigt. Im Jahr 1946 wurde offiziell der Auftrag zum Wiederaufbau durch die Gemeinde erteilt. Im Jahr 1947 lag die Baugenehmigung vor. Ziel war die Wiederherstellung der Kirche im Vorkriegszustand, also nicht im originalen Zustand Stengels. Der Wiederaufbau der Ludwigskirche begann im gleichen Jahr, ist aber bis heute noch nicht abgeschlossen. Unter Leitung von Architekt Rudolf Krüger wurde die Wiederherstellung des Außenbaues in alter Form begonnen. Am 26. Juli 1947 feierte man bereits das Richtfest. Den Dachstuhl der Kirche hatte man aus vorhandenen Stahlrohren montiert. Krüger sanierte ebenfalls in den Jahren 1955-1957 das gesamte Kirchenfundament.

Als problematisch erwies sich die Gestaltung des Innenraumes des Sakralbaues. Krüger vertrat die Ansicht, dass eine barocke "Fürstenkirche" nicht mehr in die moderne Zeit passe und ein moderner Innenraum dem Empfinden und den Bedürfnissen moderner Menschen angemessener sei als ein "barocker Festsaal".[8]

Der Kirchenbauarchitekt Otto Bartning vertrat im Jahr 1952 als Gutachter die Auffassung, "dass die Ludwigskirche im Innern nicht in der gleichen Form, wie sie Stengel gebaut hat, wiederhergestellt werden darf, weil eine Kopie oder Doublette bekanntlich eine Fälschung ist. Die Kirche muss im Innern nach den Bedürfnissen unserer Zeit erneuert werden."[9]

Als erster Preisträger eines im Jahr 1958 ausgeschriebenen Architektur-Wettbewerbes begann Rudolf Krüger im Jahr 1959 mit der Neugestaltung des Innenraumes. Die Decke der Kirche wurde in den Kreuzarmen mit flachen Rautenmustern und in der Vierung mit Diamantquadern geschmückt. Drei moderne Stahlemporen sollten die alten Stengelschen Emporen ersetzen und eine große Orgel in einem Kastengehäuse hätte den Einbau der Westempore verunmöglicht.

Nachdem die moderne Decke fertig montiert war und Krüger die Entwürfe für Orgel und Emporen im Kirchenraum ausstellte, kam es zu massiven Einwänden des Staatlichen Konservatorenamtes unter Martin Klewitz, des neu an die Universität des Saarlandes berufenen Kunsthistorikers Josef Adolf Schmoll genannt Eisenwerth und des Denkmalpflegers der Stadt Saarbrücken, Dieter Heinz, die die Wiederherstellung des Innenraumes der Ludwigskirche in den ursprünglichen Formen forderten. Begleitet wurden diese Einwände von Gutachten von Kunsthistorikern und Denkmalpflegern, von dem Protest des Politikers Heinrich Schneider sowie von bürgerschaftlichen Initiativen ("Vereinigung Ludwigskirche zum Schutze saarländischer Kulturdenkmäler", gegr. 1962), die die Plände Rudolf Krügers entschieden ablehnten.[10] Daraufhin wurden die Arbeiten Krügers abgebrochen. Nach etwa zehn Jahren leidenschaftlich ausgetragener Kontroverse und der Gründung eines Arbeitskreises im Jahr 1965 zum Zwecke der Kompromissfindung wurde die Krügersche Decke wieder demontiert und ab dem Jahr 1966 mit der Wiederherstellung der Stengelschen Raumkonzeption begonnen. Die Restaurierung des Innenraumes ohne die Emporen wurde am 20. April 1975 weitgehend abgeschlossen. Die Maßnahme beinhaltete die Auslegung von Sandstein-Bodenplatten, die Installation einer Fußbodenheizung, die Neuverglasung sämtlicher Fenster, die Neuanfertigung der Wandverkleidung, der Decken und des Vierungsgewölbes in Gipsstuck sowie die Bestuhlung und die Beleuchtung. Im Jahr 1977 wurde die Ludwigskirche in das von Bund und Land getragene Programm für Zukunftsinvestitionen aufgenommen. Bei zwanzigprozentiger Finanzbeteiligung der Kirchengemeinde wurden 3 Millionen DM für den Kirchenbau zur Verfügung gestellt. Die Bauleitung übernahm im Jahr 1979 Rudolf Krügers Sohn, Klaus Krüger. In der Folgezeit wurden die Emporen in den Ost- und Westarmen der Kirche eingebaut sowie Kanzel und Orgelprospekt rekonstruiert. Die beiden Emporen der Querarme, die Karyatiden-Hermen des Inneren sowie den bildhauerische Schmuck der Dachzone wollte man zu einem späteren Termin rekonstruieren. Ebenso verzichtete man zunächst auf den Einbau der barocken Fürstenloge über dem Eingang und die Wiederherstellung der Geschlechterstühle.

Nach dem Jahr 1982 wurden die Kirchenbänke im Westarm eingebaut und im Haupteingang und im Ostarm ein Windfang installiert. In den Jahren 1985 bis 1987 wurden wieder die vermauerten Querovalfenster der Sockelzone geöffnet und neu verglast. Danach begann man mit der Rekonstruktion der Karyatiden-Hermen durch Restaurator Karsten Püschner.[11][12]

Die Innenrestaurierung wurde im Jahr 2009 mit der Wiederherstellung des Fürstenstuhls (das fürstliche Gestühl, das sich auf der der Orgel gegenüber liegenden Empore befand) abgeschlossen. Nun fehlen nur noch außen einige der Balustraden-Figuren.[13]

Gestaltung[Bearbeiten]

Ludwigskirche und Ludwigsplatz (Modell in angenommener Farbfassung)

Der Grundriss entspricht in etwa einem griechischen Kreuz; die Achsen sind 38,5 m und 34,2 m lang und jeweils 17 m breit. In den Risalitschrägen befinden sich außen Nischen, in denen Statuen der vier Evangelistenstatuen von Franziskus Binck aufgestellt wurden. Die Steinbalustrade wurde mit 28 Figuren geschmückt, die ebenfalls von Binck stammen und Apostel, Propheten, biblische Personen sowie Allegorien von Tugenden darstellen. So wird das Landeswappen-Amortissement der Hauptfassade von den Aposteln Petrus (links) und Paulus (rechts) flankiert. Im Uhrzeigersinn folgen der Statue des Petrus folgende Bildwerke:[14]

Das Innere der Kirche ist mit ornamentalem Stuck (Kartuschen, Rocaille) dekoriert. In allen vier Kreuzarmen befinden sich Emporen, die jeweils von zwei (Süd- und Nordempore) bzw. vier (Orgel- und Fürstenempore) Karyatiden getragen werden. Die Nordempore wird von den Allegorien der Hoffnung und der Geduld getragen, die Südempore von den Allegorien des Wohlstands und des Friedens. Die Fürstenempore wird gestützt von vier allegorischen Figuren mit den Attributen Zepter, Rutenbündel, Schlüssel und Herz. Die allegorischen Stützen der Orgelempore sind in der ersten Reihe das Sakrament und die Verkündigung, in der zweiten Reihe die Vokalmusik und die Instrumentalmusik.[15]

Der Fußboden ist aus Sandstein. Das Kirchenschiff und die Seitenemporen waren der Platz der Saarbrücker Bürger, während für die privilegierten Familien der Residenzstadt Geschlechterlogen unter den drei Emporen angelegt worden waren. Die Zugänge zu den Logen waren mit den jeweiligen Familienwappen geschmückt und vom übrigen Kirchenraum durch eine mit filigranen Sprossen verglaste Wand abgeteilt. Durch kleine Holzkohleöfen waren diese Logen im Winter beheizbar. Auch die Fürstenloge war ursprünglich verglast.[16]

Das Besondere an der Innengestaltung ist einerseits die insgesamt in die Breite gerichtete Anordnung der ganzen Kirche (man spricht von einer „Querkirche“[17] oder „Breitsaalkirche“) und darin wiederum die gestufte Anordnung von Altar, Kanzel und Orgel übereinander (ein sogenannter „Kanzelaltar“) - eine für evangelische Kirchen neu entwickelte Anordnung, die von Stengel schon in anderen Bauten in früheren Jahren realisiert worden war (z. B. Evangelische Kirche Grävenwiesbach, Friedenskirche (Saarbrücken)).

Um die Gleichwertigkeit der Wortverkündigung des "reinen Evangelii" (sola scriptura-Prinzip Luthers) und des Abendmahls (Lutherische Prinzipien: solus Christus, sola fide, sola gratia) zu dokumentieren, schuf man vor allem in protestantischen Kirchen in Mittel- und Norddeutschland eine aus Altar und Kanzel bestehende gestalterische Einheit, in die bisweilen auch die Orgel integriert wurde. Als ältestes Beispiel (1585-90) gilt der Kanzelaltar in der Schlosskapelle von Schmalkalden in Thüringen.

Die Reliefs des Kanzelkorbes zeigen die vier Evangelistensymbole und im Zentrum die Predigt Johannes des Täufers.[18] Stengel entwarf nicht nur den Gesamtplan der Kirche und der umliegenden Palais' vom Türgriff bis zur Gesamtanlage, sondern passte Kirche und Platz auch in zwei große städtebauliche Sichtachsen ein, von denen die eine, die von der sogenannten „Alten Kirche“ im Stadtteil St. Johann durch die heutige Wilhelm-Heinrich-Straße und das Hauptportal bis auf den Altar reichte, heute noch erkennbar ist: die sog. „Stengelachse“. Die andere zeigte über den heute zur saarländischen Staatskanzlei weisenden Ausgang bis auf das ehemalige fürstliche Lustschlösschen auf dem Ludwigsberg, den sogenannten Ludwigspark.

Umstritten ist der Auftrag eines weißen Außenanstriches, der sich an den übrigen Stengel-Gebäuden, die den Platz umsäumen, findet. Einige Stimmen glauben nachweisen zu können, dass die Kirche ursprünglich ebenfalls einen weißen Außenanstrich aufwies; andere Stimmen widersprechen dieser Darstellung.

Foto-Galerie[Bearbeiten]

Orgel[Bearbeiten]

Kanzelaltar mit Orgel

Die Ludwigskirche beherbergte bis 1944 eine dreimanualige Orgel, die Mitte des 18. Jahrhunderts von dem Orgelbauer Stumm (Rhaunen-Sulzbach) mit 37 Registern erbaut worden war. Das heutige Orgelgehäuse ist eine Rekonstruktion dieses historischen Gehäuses. Es wurde zusammen mit dem Orgelwerk 1982 fertiggestellt. Das Instrument stammt aus der Orgelbaufirma Rudolf von Beckerath (Hamburg). Es hat 47 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Trakturen und Koppeln sind mechanisch.[19]

I Hauptwerk C–g3

1. Bordun 16′
2. Prinzipal 8′
3. Spitzflöte 8′
4. Gamba 8′
5. Blockflöte 4′
6. Oktave 4′
7. Quinte 22/3
8. Oktave 2′
9. Mixtur VI
10. Fagott 16′
11. Trompete 8′
II Schwellwerk C–g3
12. Violprinzipal 8′
13. Holzflöte 8′
14. Gemshorn 8′
15. Schwebung 8′
16. Oktave 4′
17. Traversflöte 4′
18. Nasat 22/3
19. Flachflöte 2′
20. Terz 13/5
21. Sifflöte 1′
22. Scharfmixtur IV-VI
23. Englischhorn 16′
24. Hautbois 8′
25. Clairon 4′
Tremulant
III Oberwerk C–g3
26. Holzgedackt 8′
27. Quintadena 8′
28. Prinzipal 4′
29. Rohrflöte 4′
30. Oktave 2′
31. Quinte 11/3
32. Sesquialtera II 22/3
33. Zimbel III
34. Rankett 16′
35. Cromorne 8′
Tremulant
Pedal C–f1
36. Subbaß 16′
37. Prinzipal 16′
38. Quinte 102/3
39. Oktave 8′
40. Gemshorn 8′
41. Oktave 4′
42. Nachthorn 2′
43. Rauschpfeife III
44. Mixtur VI
45. Posaune 16′
46. Trompete 8′
47. Trompete 4′

Glocken[Bearbeiten]

Nachdem man im Ersten Weltkrieg die Bronzeglocken hatte abliefern müssen, entschloss sich das Presbyterium nach Kriegsende, preiswertere und für zukünftige Kriegszwecke nicht gefährdete Gussstahlglocken anzuschaffen. Im Jahre 1921 erstellte die Gussstahlfirma Bochumer Verein ein vierstimmiges Geläut, das bis heute noch erklingt. Das gesamte Bruttogewicht aller Glocken beträgt 7250 kg. Die zweitgrößte Glocke besitzt einen Uhrschlaghammer, der sie nur zur vollen Stunde schlägt. Zum Sonntageinläuten samstags um 18:00 Uhr ertönt das volle Geläut.

Nr. Name Nominal Gussjahr Glockengießer Gewicht
(kg)
Durchmesser
(cm)
1 Christusglocke a0 1921 Bochumer Verein 3300 198,8
2 Paulusglocke c1 1921 Bochumer Verein 1900 167,3
3 Lutherglocke es1 1921 Bochumer Verein 1200 143
4 Ernst-Moritz-Arndt-Glocke ges1 1921 Bochumer Verein 850 126

Ludwigsplatz[Bearbeiten]

Planskizze der ursprünglich vorgesehenen Bebauung für den Ludwigsplatz

Der die Kirche umgebende Platz, der Ludwigsplatz, war von Anfang an ein integraler Teil der Stengelschen Gesamtkonzeption. Der ursprüngliche Plan sah einen langgestreckten rechteckigen Platz vor, an dessen Langseiten vier verschieden gestaltete Typen von adeligen Stadtpalais' platziert und dessen Stirnseiten von zwei großen öffentlichen Gebäuden abgeschlossen werden sollten. Dieses Konzept wurde noch während der Bauzeit dahingehend geändert, dass das nach Osten weisende Gebäude (in dem das Ludwigsgymnasium untergebracht war) zugunsten der Sichtachse nach St. Johann (der sogenannten „Stengelachse“, heute durch die Wilhelm-Heinrich-Straße markiert) durchbrochen wurde und nur das westliche Gebäude erhalten blieb (das damalige Waisenhaus, heute Sitz der Hochschule der Bildenden Künste Saar). Die Reste des Gymnasiums, die beim großen Bombenangriff 1944 schwer beschädigt wurden, wurden 1945 abgerissen, sie standen ungefähr an der Stelle, die heute das obere Plateau der Freitreppe ausmacht. Im Palais Freithal war von Kriegsende bis 1980 das Staatliche Konservatoramt und das Museum für Vor- und Frühgeschichte untergebracht.[20] Von den Palais' der Längsseiten wurden die vier kleinsten, für die Ecken des Platzes vorgesehenen Bauten nie ausgeführt - wodurch es möglich war, zwischen Waisenhaus und Kirche eine Straße verlaufen zu lassen, die den Platzeindruck ebenso schmälert wie der zum Teil noch vorhandene Baumbestand. Im Gegensatz dazu ist der Platz, der heute von der Staatskanzlei eingenommen wird, von Stengel bewusst frei gelassen worden, um eine zweite Sichtachse, nämlich hinauf zum fürstlichen Park auf dem Ludwigsberg herzustellen. Der Schnittpunkt der beiden Sichtachsen befindet sich genau am Hauptaltar der Kirche.

Briefmarken und Münzen[Bearbeiten]

1965 wurde die Ludwigskirche in der Briefmarkenserie Hauptstädte der Länder der Bundesrepublik Deutschland abgebildet. 2007 war sie auf einer Briefmarke zum 50-jährigen Bestehen des Bundeslandes Saarland abgebildet. Als Wahrzeichen der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken wurde 2009 die Ludwigskirche auf einer 2-Euro-Gedenkmünze geprägt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz, Saarland. Deutscher Kunstverlag, München 1984, S. 889–892, ISBN 3-422-00382-7
  • Hans-Christoph Dittscheid, Klaus Güthlein (Hrsg.): Die Architektenfamilie Stengel. Friedrich Joachim (1694-1787), Johann Friedrich (Fjodor Fjodorowitsch, 1746-1830?), Balthasar Wilhelm (1784-1824), Petersberg 2005, ISBN 3-937251-88-X
  • Wolfgang Götz: Zur Stilgeschichte der Ludwigskirche in Saarbrücken, in: Saarheimat, Saarbrücken 1952.
  • Dieter Heinz: Ludwigskirche zu Saarbrücken. 2. Auflage, Saarbrücken 1979, ISBN 3-477-00061-7
  • Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz zu Alt-Saarbrücken. Saarbrücken 1991, ISBN 3-9802837-0-4
  • Horst Heydt (Hrsg.): Ludwigskirche 1775. Festschrift, Saarbrücken 1980.
  • Horst Heydt, Görres-Buchhandlung (Hrsg): Ludwigskirche 1982. Dokumente, Erinnerungen, Studien. Saarbrücken 1982.
  • Horst Heydt (Hrsg.): Die Ludwigskirche zu Saarbrücken. Merziger Druckerei & Verlag, Merzig 2008, 229 S.
  • Martin Klewitz: Zum Problem Ludwigskirche, in: 9. Bericht der Staatlichen Denkmalpflege, Saarbrücken 1962.
  • Fritz Kloevekorn: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken. Saarbrücken 1960.
  • Karl Lohmeyer: Friedrich Joachim Stengel, 1. Auflage, Saarbrücken 1911, Saarbrücken 1982.
  • Alfred Werner Maurer: Der künstlerische u. stilgeschichtliche Einfluss der architekturtheoretischen Schriften von Nicolaus Goldmann und Leonhard Christoph Sturm auf die Bauwerke F.J. Stengel. Philologus Verlag Basel (CH), 2006.
  • Alfred Werner Maurer: Friedrich Joachim Stengel, seine Bauwerke und das Verhältnis zur Architekturtheorie, Philologus-Dokumente Basel (CH) 2009.Verlag, 2006.
  • Josef Adolf Schmoll genannt Eisenwerth: Die Ludwigskirche von F.J. Stengel, Saarbrücken 1963.
  • Robert H. Schubart: Ludwigsplatz und Ludwigskirche in Saarbrücken 1762 - 1765 - 1775. Studie zu Idee und Gestalt, Saarbrücken 1967.
  • Robert H. Schubart: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken. Saarbrücken 1983.
  • Robert H. Schubart: Ludwigsplatz und Ludwigskirche in Saarbrücken, in: 13. Bericht der Staatlichen Denkmalpflege, Saarbrücken 1962.
  • Wilhelm Zilius: Zur Ludwigskirche, hrsg. vom Historischen Verein für die Saargegend, Saarbrücken 1966.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert H. Schubart und Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken, Saarbrücken 1988, S. 56.
  2. Karl August Schleiden: Illustrierte Geschichte der Stadt Saarbrücken. Dillingen an der Saar 2009, S. 98-99.
  3. Robert H. Schubart und Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken, Saarbrücken 1988, S. 58.
  4. Robert H. Schubart und Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken, Saarbrücken 1988, S. 56.
  5. Robert H. Schubart und Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken, Saarbrücken 1988, S. 3, S.6.
  6. Robert H. Schubart und Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken, Saarbrücken 1988, S. 51.
  7. Ruth Bauer: Der Glaubenskrieg um die Ludwigskirche, Andere Zeiten, andere Geschmäcker, Wie die Bauten des Barock-Architekten Friedrich Joachim Stengel im Laufe der Jahrhunderte verändert wurden, in: Saargeschichten, Magazin zur regionalen Kultur und Geschichte, hrsg. vom Historischen Verein für die Saargegend und dem Landesverband der historisch-kulturellen Vereine des Saarlandes, 3/2012, S. 16-23.
  8. Nachlass von Rudolf Krüger im Stadtarchiv Saarbrücken, G 4592, G 3377, G 1842, G 60 Nr. 290.
  9. http://www.monumente-online.de/11/01/leitartikel/03_interview.php, abgerufen am 2. Dezember 2014.
  10. Ruth Bauer: Der Glaubenskrieg um die Ludwigskirche, Andere Zeiten, andere Geschmäcker, Wie die Bauten des Barock-Architekten Friedrich Joachim Stengel im Laufe der Jahrhunderte verändert wurden, in: Saargeschichten, Magazin zur regionalen Kultur und Geschichte, hrsg. vom Historischen Verein für die Saargegend und dem Landesverband der historisch-kulturellen Vereine des Saarlandes, 3/2012, S. 16-23.
  11. Robert H. Schubart und Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken, Saarbrücken 1988, S. 51-55.
  12. Hartwig Beseler, Niels Gutschow: Kriegsschicksale deutscher Architektur, Verluste - Schäden - Wiederaufbau, Eine Dokumentation für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, Bd. II: Süd, Wiesbaden 2000, S. 1064-1065.
  13. Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Archiv, Bestand Saarbrücken, Ludwigskirche (Dossier K 498).
  14. Robert H. Schubart und Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken, Saarbrücken 1988, S. 38.
  15. Robert H. Schubart und Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken, Saarbrücken 1988, S. 15.
  16. Karl August Schleiden: Illustrierte Geschichte der Stadt Saarbrücken. Dillingen an der Saar 2009, S. 99-100.
  17. Begriff von Ilse-Käthe Dött, nach: Robert H. Schubart und Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken, Saarbrücken 1988, S. 16.
  18. Robert H. Schubart und Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken, Saarbrücken 1988, S. 34.
  19. Die Orgel auf OrganIndex
  20.  Frans-Josef Schumacher, Landesdenkmalamt im Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr, Saarbrücken (Hrsg.): Landesarchäologie Saar 2005-2009-Denkmalpflege im Saarland 2. Saarbrücken 2010, ISBN 978-3-927856-12-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ludwigskirche (Saarbrücken) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.2327777777786.9863888888889Koordinaten: 49° 13′ 58″ N, 6° 59′ 11″ O