Ludza

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Ludza (dt.: Ludsen)
Wappen von Ludza
Ludza (Lettland)
Red pog.svg
Basisdaten
Staat: Lettland
Landschaft: Lettgallen (lettisch: Latgale)
Verwaltungsbezirk: Ludzas novads
Koordinaten: 56° 33′ N, 27° 44′ O56.54638888888927.726944444444Koordinaten: 56° 32′ 47″ N, 27° 43′ 37″ O
Einwohner: 9.575 (1. Jan. 2010)
Fläche: 10,5 km²
Bevölkerungsdichte: 911,9 Einwohner je km²
Höhe:
Stadtrecht: seit 1777
Webseite: www.ludzaspils.lv
Postleitzahl:
ISO-Code:
Burgruine in Ludza.jpg
Burgruine in Ludza

Ludza (deutsch: Ludsen, estn.: Lutsi) ist eine Stadt in Lettgallen (lettisch: Latgale), Lettland, 269 km östlich von Riga.

Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt unweit der russischen Grenze an der Bahnlinie von Rēzekne nach Welikije Luki. Bei der Stadt befinden sich mehrere Seen insbesondere der große Ludza-See (846 Hektar), der Zvirgzdene-See (134 Hektar), der Dunakļi-See (83 Hektar) und der kleine Ludza-See.

Geschichte[Bearbeiten]

Am großen Ludza-See wurden archäologische Zeugnisse steinzeitlicher Besiedlung aus dem 5. bis 8. Jahrtausend v. Chr. gefunden. Nach mehreren Grabungskampagnen und Untersuchungen 1890 sowie 1959 wird die Meinung vertreten, dass die Besiedlung umfangreich und durchgängig war.[1] 1939 wurde ein silberner Halsring gefunden, welcher im Lettischen historischen Museum in Riga ausgestellt ist.

Eine lettgalische Befestigung bei Ludza wurde erstmals in russischen Chroniken aus den Jahren 1173 oder 1177 erwähnt. Der Deutsche Orden errichtete 1399 eine steinerne Burg zwischen den zwei Seen als östlichen Vorposten in Livland. Dies war eine Nebenburg der Vogtei Rossiten. Die Burg Ludza grenzte an das Gebiet Pleskaus. Deshalb schützten sich die Pleskauer mit der Festung "Krasnij Gorodok" direkt gegenüber von Ludza. Bereits 1481 erfolgte ein erster Einfall russischer Heere. Nach weiteren Kriegsjahren geriet Ludza 1583 unter die Herrschaft Polen-Litauens. 1654 wurde die Burg nach einer Belagerung durch die Truppen von Zar Alexei Michailowitsch erobert und endgültig zerstört.

Kirche in Ludza

Die Ansiedlung um die Burg allerdings erhielt 1765 Marktrechte. Mit der Teilung Polens 1772 wurde Ludza dann russisch und erhielt 1777 von Katharina der Großen Stadtrechte. Im 19. Jahrhundert erlebte die Stadt einen starken Aufschwung durch Handel und Gewerbe. Nach der Unabhängigkeit Lettlands setzte sich dieser ab 1920 fort. Allerdings brannte die Hälfte der Stadt 1938 durch ein Großfeuer ab.

1940 wurde die Stadt durch die Rote Armee besetzt und 1941 dann durch die Wehrmacht. Nach der Wiederherstellung der Sowjetmacht erfolgten 1945 und 1949 Massendeportationen und Inhaftierungen, die auch die Bevölkerung Ludzas trafen.

In den Jahren bis 1990 wurde verstärkt Industrie angesiedelt. Die größten Betriebe waren eine große Fabrik für Stahl-Verarbeitung, eine Leinen-Fabrik, eine Hühner-Fabrik, die örtliche Molkerei, eine Limonadenfabrik sowie Land- und Forstwirtschaftliche Betriebe.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In Ludza geboren[Bearbeiten]

Mit Ludza verbunden[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Die Umgegend war teilweise von den Ludza-Esten als ethnische Minderheit besiedelt.
  • Es besteht ein Gymnasium, 3 Mittelschulen, eine Kunstschule, eine Sportschule sowie mehrere Vorschul- und Kindergarteneinrichtungen.
  • Ludzas novads unterhält mit der niedersächsischen Gemeinde Bad Bodenteich eine Städtepartnerschaft.

Ludzas novads[Bearbeiten]

Ludza war Hauptort des gleichnamigen Landkreises. Nach einer Gebietsreform Lettlands, ist Ludza seit 2009 Hauptort von Ludzas novads, der aus der Stadt und neun Landgemeinden besteht. 2010 waren 15.667 Einwohner registriert. Seit der Unabhängigkeit Lettlands 1992 sinkt die Bevölkerungszahl infolge der schlechten ökonomischen Situation sowie Geburtenrückgang. Bei der Volkszählung 2000 lebten noch 18.269 Einwohner im heutigen Bezirk, von denen 51 % lettisch, 41 % russisch und 4,7 % weißrussisch, ukrainisch oder polnisch als Nationalität angaben.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ludza – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Feldmann, Heinz von zur Mühlen (Hrsg.): Baltisches historisches Ortslexikon, Teil 2: Lettland (Südlivland und Kurland). Böhlau, Köln 1990, ISBN 3-412-06889-6, S. #.
  • Astrīda Iltnere (Red.): Latvijas Pagasti, Enciklopēdija. Preses Nams, Riga 2002, ISBN 9984-00-436-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. N. Sizow un J. Romanow (1890.-1891.), sowie R. Snore (1959)
  2. Yad Vashem: Kurze Geschichte der jüdischen Gemeinde in Ludza, abgerufen am 20. November 2014.